Fantastic Trails | Familien | ab 10 Jahren | 1-4 Personen | Jordy Adan | NSV Verlag | generationentauglich
Bei Fantastic Trails sind jede Menge Karten enthalten: Formenkarten, Zahlenkarten, Wertungskarten, Waldbodenkarten und vier Sonderkarten. Zusätzlich finden wir die beliebten, abwischbaren Stifte in der Schachtel.
Mit „Fantastic Trails“ zeigt sich wieder einmal, wie viel Spieltiefe in einer kleinen Schachtel stecken kann. Bereits der Titel spielt dabei charmant mit dem Thema des Spiels: Das englische Wort „Ant“ für Ameise steckt direkt im Namen „Fantastic“ und macht daraus passend „F-ant-astic Trails“ – also fantastische Ameisenpfade. Ein kleines Wortspiel, das sofort Lust auf das ungewöhnliche Thema macht. Auf den ersten Blick wirkt das Spiel fast unscheinbar: ein paar Karten, abwischbare Waldbodenkarten und Stifte. Doch bereits nach wenigen Zügen wird klar, dass hier deutlich mehr dahintersteckt als ein simples Zahlen-Eintragen.
„Fantastic Trails“ ist ein klassisches Flip-and-Write-Spiel, bei dem aufgedeckte Karten bestimmen, welche Werte in die eigenen Wabenfelder eingetragen werden dürfen. Ziel ist es, auf den eigenen Waldbodenkarten möglichst lange Ameisenstraßen zu bilden. Dabei müssen die Zahlen clever angeordnet werden, denn benachbarte Werte sollen sinnvoll aufeinander aufbauen, also aufsteigend sein. Genau darin steckt der eigentliche Reiz des Spiels: Was zunächst einfach aussieht, entwickelt sich schnell zu einer überraschend kniffligen Puzzleaufgabe.
Besonders gelungen ist dabei, dass die verschiedenen Waldbodenkarten unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Mal liegt der Fokus stärker auf bestimmten Straßenführungen, mal auf Bonusfeldern oder besonderen Herausforderungen. Dadurch fühlt sich keine Partie exakt gleich an und man muss seine Strategie immer wieder anpassen.
Richtig spannend wird es durch die Zusatzmechanismen. Über bestimmte Aufgaben auf den Waldbodenkarten lassen sich Arbeiterinnen sammeln. Diese sind enorm wertvoll, weil sie erlauben, Regeln ein wenig zu verbiegen – etwa Werte zu verändern oder flexibler einzutragen. Gerade diese kleinen Möglichkeiten sorgen immer wieder für das befriedigende Gefühl, doch noch die perfekte Verbindung eintragen zu können. Gleichzeitig entsteht dadurch eine angenehme taktische Ebene, die dem Spiel deutlich mehr Tiefe verleiht, als man anfangs erwarten würde.
Wo es Ameisen gibt, da darf auch der Ameisenbär nicht fehlen. Taucht er auf, und das passiert ganze 2x pro Runde, sorgt er regelmäßig für kollektives Stöhnen am Tisch, weil bestimmte Werte eben nicht eingetragen werden können und dadurch eine Runde unangenehm eingeschränkt wird. Genau diese Momente erzeugen erstaunlich viel Interaktion für ein eigentlich eher solitäres Spielprinzip. Obwohl alle auf ihrem eigenen Waldboden spielen, wird ständig kommentiert: „Wo soll ich das jetzt noch hinsetzen?“ oder „Das zerstört mir gerade komplett meine Straße!“ Dieses gemeinsame Mitfiebern hebt „Fantastic Trails“ angenehm von vielen anderen kleinen Flip-and-Write-Spielen ab.
Am Ende zählen dann zwei Dinge besonders: der gesammelte Honigtau, der über die gesamte Partie hinweg Siegpunkte bringt, sowie die jeweils längste Ameisenstraße auf jedem einzelnen Waldboden. Dadurch bleibt es bis zum Schluss spannend, ob man lieber auf sichere Punkte spielt oder noch versucht, eine besonders lange Verbindung zu bauen.
Sehr positiv fällt auch das Material auf. Die abwischbaren Karten funktionieren hervorragend und machen zusätzliche Zettelblöcke überflüssig. Dadurch bleibt das Spiel angenehm kompakt, schnell aufgebaut und benötigt nur wenig Platz auf dem Tisch. Gerade unterwegs oder für kurze Spielrunden zwischendurch ist das ein echter Pluspunkt.
Zusätzlich bietet „Fantastic Trails“ sogar einen Solo-Modus mit kaum veränderten Regeln, wodurch sich das Spiel auch allein sehr gut spielen lässt. Das passt perfekt zum eher puzzligen Charakter des Spiels und funktioniert erstaunlich rund.
Wir sind schon in der 2. Runde. Die 6 passt wunderbar in die Waben neben der 5. Die mittlere Waldbodenkarte ist bereits erledigt und die Boni genutzt. Die Wertungskarte gibt Informationen, wie viele Arbeiterinnen noch zu Verfügung stehen.
Fazit
„Fantastic Trails“ überrascht. Hinter der kleinen Schachtel verbirgt sich ein cleveres und angenehm taktisches Flip-and-Write-Spiel, das deutlich mehr Denkarbeit verlangt, als man zunächst vermutet. Das Setzen der Ameisenstraßen ist knifflig, die unterschiedlichen Waldbodenkarten sorgen für Abwechslung und die Arbeiterinnen geben genau die richtige Portion an Flexibilität. Dazu kommen kleine, aber wirkungsvolle Interaktionsmomente rund um den gefürchteten Ameisenbären.
Wer kompakte Flip-and-Write-Spiele mag, die schnell erklärt sind, aber dennoch taktische Entscheidungen verlangen, bekommt hier ein rundes Gesamtpaket. Besonders Fans von cleveren Zahlenpuzzles und platzsparenden Kartenspielen dürften mit Fantastic Trails viel Freude haben
Bewertung / Test + gute Qualität von abwischbaren Karten und Stiften + kleiner Platzbedarf + richtige Dosis von Puzzeln und Taktik – Anleitung ist manchmal erst beim zweiten Blick eindeutig
Spielidee: Jordy Adan Grafik: Oliver & Sandra Freudenreich Verlag: NSV Verlag Anzahl der Spielenden: 1-4 Personen Altersempfehlung Verlag: Ab 10 Jahren Eigene Altersempfehlung: Ab 10 Jahren Spieldauer: 30 Minuten
Generationentauglichkeit: Ja, die Farben sind sehr kontrastreich. Ein paar Markierungen sind kleingedruckt aber bei guter Beleuchtung erkennbar.