Fummeliges Machttreiben in den Kanälen – Venedig von Giant Roc (Rezension)

Venedig | David Turci, Andrei Novac |  1-5 Spielende | 20 Minuten/Spieler | ab 12 Jahren | Giant Roc | moderates Kennerspiel mit vielen Möglichkeiten und jeder Menge Spielspaß, leider sehr fizzelig zu spielen

„Ah Venedig,“ um den legendären Satz von Indiana Jones zu zitieren. Tatsächlich befinden wir uns in der Kanalstadt, nur diesmal ist es kein Urlaub, sondern ich bin mitten im Machttreiben im 16. Jahrhundert. Ich bin ein einflussreicher Kaufmann und nutze meine Macht, um mit meinen Gehilfen mehr Macht, mehr Einfluss und mehr Geld zu erlangen. Aber ständig ist die Inquisition hinter mir her. Am Ende kann sein, wenn sie mich für verdächtiger halten als meine Konkurrenz, dass sie mir den wohlverdienten Sieg nehmen. So gemein!

Spielbox und Rückseite von Venedig

Venedig ist ein Kennerspiel von David Turci und Andrei Novac und bei Giant Roc erschienen. Es ist für 1-5 Spielende geeignet und kann ab 12 Jahren gespielt werden.

In „Venedig“ bewegen wir uns mit unseren Gondeln durch die Kanäle der Stadt, setzen unsere Gehilfen in Gebäude, wo sie für uns arbeiten, bilden diese beim nächsten Besuch aus, dass sie uns noch mehr behilflich sind. Wir machen aber noch viel mehr auf unserem Weg durch die engen Kanäle. Da wir hier stets anderen Mitspielenden auf ihren Gondeln begegnen, wird natürlich geratscht und getratscht, was uns verdächtig macht. Also machen wir ein paar Spenden und sind wieder aus dem Fokus der Inquisition verschwunden.

Spielaufbau für 4 Spielende von Venedig

Wir ziehen unsere Gondeln, aktivieren unsere Gehilfen, erhalten dadurch zum Beispiel Ressourcen, die wir in bare Münze durch das Erfüllen von Aufträgen wandeln. Entscheidend ist, die eigenen Gehilfen möglichst geschickt zu platzieren, die Wege für die Gondeln zu optimieren und so schnell und möglichst kostengünstig voran zu kommen. Das ist bis zuletzt spannend, denn wer am Ende die meisten Intrigen gesammelt hat, wird vom Spiel ausgeschlossen. Auch wenn wer die meisten Punkte hat, geht dann leer aus. Das sollte man immer im Auge behalten und diese Gefahr nicht unterschätzen.

Spielertableau von Venedig

Viele kleine Rädchen drehen sich in „Venedig“ und da gilt es, eine geschickte Strategie durch die vielen Möglichkeiten zu finden. Mehrere Siegstrategien bieten sich an, man muss nur die richtige für die jeweilige Partie finden, denn es kommt auch darauf an, was die lieben Mitspielenden so vorhaben. Das macht es spannend! Das macht es manchmal auch schwierig, sich für einen Zug zu entscheiden. Und das hält manchmal schon ziemlich auf. Vor allem im Spiel zu fünft kann die Wartezeit zwischen den Zügen schon anwachsen.

Die Spielmechanik ist nicht wirklich neu, aber spannend umgesetzt und mit vielen Möglichkeiten. Warum funktioniert es dann trotzdem nicht?

Spielsituation von Venedig

Das Material macht mehr Ärger als der Spielspaß zurückbringen kann. Es ist alles viel zu klein. Es ist alles zu fummelig. Es ist alles zu wackelig. Während unseren Partien gingen die Gondoliere sehr oft baden und die Waren in den Gondeln wurden über den Spielplan verstreut. So nett die Gondeln anzusehen sind, wie sie da über die Kanäle schippern, so unhandlich sind sie. Begegnen sich mehrere Gondeln an einem Anlegeplatz, wird es nahezu unmöglich, schadensfrei aus der Situation herauszukommen. Und die Gebäude! Man stellt seinen Gehilfen auf ein Gebäude. Das geht gerade mal so, dass man noch erkennen kann, was das eigentlich für eine Funktion ist. Aber die Gehilfen wandern, je nach Ausbildung, weiter. Und bei fortgeschrittenen Funktionen reicht der Platz nicht mehr und der Gehilfe überdeckt wichtige Informationen. Absolut unmöglich wird es, wenn auf dem letzten Feld sich mehrere Gehilfen tummeln können. Denn dafür ist absolut kein Platz. Das führt zu Ansammlungen, die den gesamten Spielfluss stören.

Spielsituation von Venedig

Sehr schade, denn damit ist „Venedig“, zumindest ab drei Personen, nahezu unspielbar. Ich hätte mir das alles größer und übersichtlicher gewünscht, denn das Spiel ist gut und hätte es verdient, öfters auf den Tisch zu kommen. Aber so wird „Venedig“ wohl in den Kanälen untergehen.

Spielmaterial von Venedig

 

Fazit
„Venedig“ hat eine tolle Spielmechanik. Nichts Neues, aber vieles sehr geschickt verzahnt, und es bietet den Spielenden viele Möglichkeiten. Als moderates Kennerspiel ist es auch für spielerfahrene Familien geeignet und bringt Spannung und – wer gern mal denkt – viel Spielspaß mit. Leider macht es die materielle Ausstattung bei mehreren Spielern fast unmöglich gespielt zu werden. Denn der Platz ist einfach viel zu klein, das Material zu unhandlich und mit den Figuren werden oft wichtige Informationen überdeckt, sodass man mit ständigem Verschieben der Figuren immer wieder kleinere und größere Katastrophen auf dem Spielbrett auslöst. Spielt man alleine oder zu zweit, ist es ein Spiel, dass man unbedingt testen sollte, denn dann entfaltet es seinen Reiz und man wird nicht durch das mangelhafte Material abgelenkt. Generationentauglich ist es auf Grund des Materials leider nicht.

Spielmaterial von Venedig

 

Bewertung / Test
+ Viele Möglichkeiten zum Sieg
+ Viel Varianz durch jedesmal neuen Spielaufbau
+ Spannend bis zuletzt
+ Sehr schöne Ausstattung (nur fürs Auge, nicht zum Spielen!)
+ Ausführliche Regeln mit Beispielablauf
+ Solospiel spannend und fordernd
– Frustierend, wenn man trotz der meisten Punkte nicht gewinnt
– Spiel wegen des Materials nicht spielbar ab drei Personen

 

 

(Eine Rezension von Gerhard Hany)

Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Kenner- und Expertenspiele“

  • ... Altersgruppe 12 bis 49 Jahre
  • ... Altersgruppe 50 bis 75 Jahre

Venedig (2021)

Spielidee: David Turci, Andrei Novac
Grafik: Bartek Roczniak
Verlag: Giant Roc
Spieler:innenanzahl: 1-5 Spielende
Altersempfehlung Verlag: Ab 12 Jahren
Spieldauer: 20 Minuten/Person

Generationentauglich: Auf Grund des Materials und der Enge des Spielplans nicht generationentauglich.

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