Herrscher der Winde – AEOLOS von Spiel Das! (Rezension)

AEOLOS | Familienspiel | ab 10 Jahren | 2 bis 4 Spielende | Arve D. Fühler & Guido Eckhof | Spiel Das! | generationentauglich

Lasst uns heute mal einen Abstecher in die griechische Mythologie machen. „Aeolos“ war quasi der Wind-Manager für die Götter. Er war es auch, der Odysseus einen Windsack schenkte, damit er auf deinen Reisen durch das Mittelmeer immer volle Segel hatte. Bei „Aeolos“ segeln wir nun auch über einen Spielplan mit Inseln und Tempeln und versuchen uns die Gunst der Götter zu sichern. Leinen los!

Karten und Holzmeeple spielenin Aeolos eine wichtige Rolle.
Endlich mal wieder ein großer Spielplan.

 

Das Spiel
AEOLOS
ist ein Familienspiel von Arve D. Fühler & Guido Eckhof und bei Spiel Das! erschienen. Es ist für 2-4 Spielende geeignet und kann ab 10 Jahren gespielt werden.

Solange es genug Nachziehkarten gibt, segeln wir mit unseren Schiffen entlang griechischer Inseln, bauen Siedlungen, erweitern unsere Flotte und suchen Tempel auf, um die Gunst der Götter auf uns zu lenken. Sollten wir unterwegs noch wertvolle Kristalle einsammeln können, rechnen wir die zum Spielende in Siegpunkte um. Wer die meisten davon hat, gewinnt.

Zwischen euch liegt ein rechteckiger Spielplan. Er ist wie eine Seekarte aufgebaut, zeigt Inseln mit Stränden und Anlegestellen sowie Wasserläufe, die an Tempel enden. Alleine durch die Illustrationen bekomme ich Lust auf Urlaub in Griechenland. Aber wir sind ja zum Spielen da.
Gut erkennbare Übersichtsfelder deuten schon darauf hin, welche Aktionen wir spielen dürfen, wenn wir mit unseren Schiffen später dort anlegen. Auf das Feld 9 stellen wir alle unseren farbigen Meeple-Propheten. Unser Siegpunktmarker kommt auf die äußere Leiste. Außerdem verteilen wir an einzelnen Aktionsfeldern auch Edelsteine, die wir im Verlauf des Spiels einsammeln können.

Alle bekommen ein eigenes Spieltableau und stellen dort zwei Schiffe in ihrer Wunschfarbe und drei Siedlungshäuschen hin. Dort ist außerdem noch Platz für die Edelsteine, die die wir im Verlauf des Spiels einsammeln, und ein Bereich um Windmarker abzulegen. Im Spiel heißt der Windsack. Außerdem finden wir noch ein paar Symbole auf dem Spieltableau, die uns Erinnerungshilfe dienen. Eine Symbolgruppe zeigt, wie gespielt wird, die andere wofür es Punkte geben wird. Ich nehme mal gleich etwas aus dem Fazit vorweg: Die Symbolsprache in „Aeolos“ ist einfach hervorragend gelöst.

Der Blick auf das Spieltabeau verrät, dass Grün noch keine Siedlung gebaut hat
Gesiedelt habe ich noch nicht, aber ein Edelstein ist schon in meiner Schatztruhe.

Bevor das Spiel nun auch endlich starten kann, erhalten wir noch eine geheime Aktionskarte, drei Segelkarten und entsprechend der Reihenfolge, in der wir starten, einen kleinen Bonusvorrat an Windmarkern sowie zwei Bonusplättchen.

Bin ich an der Reihe, spiele ich immer eine meiner Windkarten von der Hand aus. Die haben drei Informationen für mich. Einerseits sind in den Farben Grau oder Violett gestaltet, haben zudem einen Wert zwischen 0 und 5 und eines von drei Symbolen: eine Sonne, Wellen oder eine Wolke. Meine Karte lege ich im oberen linken Bereich des Spielfelds auf die entsprechenden farbigen Ablagefelder und addiere den Wert der Zahlen, die jetzt dort zu sehen sind. Diese errechnete Zahl ist mein Segelwert. Sind beim Ausspielen sogar die Symbole auf den Karten gleich, bekomme ich einen Wind-Bonus.

Die beiden ausgespielten Karten zeigen 0 und 4. Das ergibt als Segelwert 4
Mit Vier komme ich nicht weit – oder wollte ich das sogar so?

Pendelt sich der Segelwert zwischen den Zahlen 3 und 9 ein, steuere ich zielstrebig den Strand einer Insel an. Dazu nehme ich eins meiner Schiffe von meinem Tableau oder später von irgendeiner Stelle des Spielfelds, ziehe es dorthin und belohne mich der Aktion, die dort auf mich wartet. Sollte mal die Zahl, die ich erreicht habe, so gar nicht zu meinem Plan passen, kann ich Windmarker weggeben. Jeder Marker erhöht oder senkt den Segelwert um Eins, ganz so, wie ich es brauche.

Komme ich an meinem Traumstrand an, staube ich beispielsweise einen kleinen Siegpunkte-Bonus ab, kann eine neue Siedlung errichten und mein Handkartenlimit erhöhen, ein neues Schiff in meine Flotte aufnehmen oder bekomme Wind in den Beutel. In einem Hafen kann ich auch meinen Meeple-Propheten auf die Reise schicken, der mir, gemessen an meinem bisherigen Spielfortschritt, Siegpunkte sichert. Ich könnte aber auch Edelsteine von den Aktionsfeldern nehmen, die mir als Sammlung zum Spielende mehr Siegpunkte geben. Dann muss ich aber auf die Aktion verzichten.

Der Ausschnitt zeigt die Häfen 4 bis 6 und ihre Aktionen.
Bei 5 bau ich ein Schiff, bei 6 ziehe ich eine Aktionskarte – was hilft mir jetzt mehr?

Ist meine Segelwert 9 oder größer, kann ich eins meiner Boote auch über einen der Flüsse in Richtung der Tempel schicken. Schaffen sie die beschwerliche Reise bis zum Schluss, sichern sie sich einen Platz am Steg, und damit wieder Siegpunkte. Leider ist die Crew dann von den Strapazen so erledigt, dass sie samt Boot dort vor Anker liegen bleibt und für weitere Aktionen verloren ist. Wer also in den Tempel schippert, sollte vorher an einem der Aktionsfelder seine Flotte aufgerüstet haben.

Insgesamt ist „Aeolos“ ein Spiel, das es mir leicht macht, meine Ziele zu erreichen. Ich kann meine Zahlen manipulieren, bekomme oft einen kleinen Bonus und kann sogar Aktionskarten von der Hand ausspielen, die immer wieder dafür sorgen, dass ich vorankomme. Da merkt man eindeutig, dass der Spielspaß im Vordergrund steht. Mangelverwaltung, wie wir es aus Kenner oder Expertenspielen kennen, ist Mangelware, und das ist gut so. Wenn mal alle taktischen Stricke reißen, habe ich sogar noch zwei Bonusplättchen, die mir erlauben meine Handkarten zu verbessern oder einen zusätzlichen Zug zu machen. „Aeolos“ belohnt mich und gibt mir beim Spielen ein gutes Gefühl etwas zu erreichen. Und trotzdem muss ich meine Züge vorausschauend planen und befinde mich vor allem auf den Flüssen mit den anderen in einem harten Wettkampf um Siegpunkte. Gewinnen will ich ja doch schon.

Ein Schiff hat einen Tempel erreicht und am Steg angelegt. Dafür bekommt Grün Siegpunkte und einen Edelstein.
Nun wisst ihr auch, wo ich den Edelstein her habe.

Wenn ihr das Grundspiel mit seinen leicht erlernbaren Regeln drauf habt, solltet ihr auch nicht davor zurückschrecken, die zusätzlichen Module zu testen, die im Spiel beigefügt sind. Beispielsweise können alle mit einer unterschiedlichen Sonderfähigkeit auf dem eigenen Spieltableau starten. Wenn ihr zusätzlich mit dem launischen Poseidon spielt, kann es auch mal sein, dass du unfreiwillig den Wind aus den Segeln genommen bekommst. Alternativ kann man auch neue Hafenplättchen auslegen. Baut ihr alles ein, rückt das Spiel, das in seiner Grundversion Familien mit Spielerfahrung anspricht, noch einen kleinen Ticken in Richtung Kennerspiel, aber immer noch ohne durch ein zu überfrachtetes Regelwerk zu überfordern.

Je nach Personenzahl und Spielerfahrung dauert „Aeolos“ 45 bis 60 Minuten. Es endet, wenn die Segelkarten aus dem Nachziehstapel aufgebraucht sind. Dann werden zu den Siegpunkten, die man bereits während des Spiels gehamstert hat, noch gesparte Windmarker und Edelsteine verrechnet. Danach steht fest, wer den antiken Segeltörn gewonnen hat.

 

Fazit
„Aeolos“ ist wirklich ein Familienspiel-Knaller, der unbedingt mit euch zu allen Freunden wandern sollte. Das Spielmaterial und die Illustrationen sind farbenfroh und einladend in einem Blauschema gehalten, das sehr an Sommerurlaub in der Ägäis erinnert. Das Material ist aus Holz, die Symbole auf den Karten gut zu erkennen und zu deuten – genau so soll es sein. Zusammen mit den in der Komplexität auf ein Familienspiel angepassten Regeln hat man mit „Aeolos“ auf jeden Fall ein Wohlfühl-Spiel im Regal.

In der Grundversion des Spiels sollten Jung und Alt auf jeden Fall zusammen viel Spaß haben. Schwierig könnte es vielleicht mit den Windmarkern und den Edelsteinen werden. Die sind eher klein geraten und da braucht es schon einen präzisen Pinzetten-Griff, damit gut man sie hin- und herschieben kann. Vielleicht könnte ihr euch ja an dem Material eines anderen Spiels bedienen, wo die Marker besser zu greifen sind oder ihr helft euch einfach gegenseitig aus. Einen Grund. „Aeolos“ nicht zu spielen, sollte das auf keinen Fall sein.

Mich würde es nicht wundern, wenn „Aeolos“ beim Spiel des Jahres 23 ein Wörtchen mitreden würde. Dieser Mix aus Arbeitereinsetzspiel, Kartenglück und Windmarker-Manipulation ist schnell erklärt. Zusätzlich hat man noch ein Rennspiel auf mehreren Strecken um die dicken Siegpunkte an den Tempeln. Da sollte man nicht aus den Augen verlieren, was die anderen so vorhaben. Die einzelnen Züge gehen recht schnell, sodass man auch nicht lange warten muss, bin man wieder an der Reihe ist.

 

 

Bewertung / Test
+ klar verständliche und gut erkennbare Symbolsprache
+ durch Module in Richtung Kennerspiel erweiterbar
+ Fülle an Entscheidungen für die richtige Strategie
+ Arbeitereinsetzspiel und Rennspiel in einem

 

(Eine Rezension von Oli Clemens)

Die beiden ausgespielten Karten zeigen 0 und 4. Das ergibt als Segelwert 4
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ACHTUNG – hier geht es zu unserem YouTube-Kanal:
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Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Familienspiel”

  • ... Altersgruppe 10 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 70 Jahre
  • ... Altersgruppe ab 71 Jahre

AEOLOS (2022)

Spielidee: Arve D. Fühler & Guido Eckhof
Grafik: Marco Armbruster
Verlag: Spiel Das!
Anzahl der Spielenden: 2-4 Personen
Altersempfehlung Verlag: Ab 10 Jahren
Eigene Altersempfehlung: Spiel erfahrene jüngerer Kinder fuchsen sich ins Grundspiel sicher ein
Spieldauer: etwa 60 Minuten

Generationentauglichkeit: Bis auf die etwas klein geratenen Windmarker lädt dieses Spiel gerade dazu ein, von Jung und ALt gemeinsam gespielt zu werden.

 

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