Eingetütet – Custom Heroes von AEG (Rezension)

Custom Heroes | Familienspiel | ab 10 Jahren | 2 bis 6 Spielende | John D. Clair | AEG (Asmodee)

Ich sage es immer wieder gerne: Wenn mich ein Stichspiel heute noch begeistern soll, dann muss es mich überraschen. Nur, wenn es sich von der Masse abhebt, bin ich interessiert. Bei „Custom Heroes“ ist das tatsächlich so. Werfen wir also mal einen Blick auf diese Wundertüte.

Das Kartenspiel ist im Manga-Stil produziert
Bunt und anders – Custom Heroes von John D. Clair

 

Das Spiel
Custom Heroes
ist ein Familienspiel von John D. Clair und bei AEG erschienen. Es ist für 2-6 Spielende geeignet und kann ab 10 Jahren gespielt werden.

„Custom Heroes“ ist ein Stichspiel, das über mehrere Runden gespielt wird. Wer zuerst seine Karten durch Ausspielen loswird, gewinnt mehr Punkte als die anderen. Wer dafür länger braucht, bekommt mehr Belohnungen in Form von Powermarkern und Kartenaufwertungen. Wer zuerst 10 Punkte hat, gewinnt. Im Verlauf einer Partie ändern sich die Kartenwerte sehr oft, sodass jede Partie anders sein wird.

Alle schnappen sich einen Sichtschirm und ein Set mit Karten in den Werten von 1-10. Ach ja, ich sollte vielleicht erwähnen, dass es keine Karten aus Karton sind, wie wir sie sonst so gewöhnt sind. Sie sind aus Plastik, haben eine farbenfrohe, Manga ähnliche Illustration im Comicstil und einen Grundwert. Jede Karte hat außerdem zwei leere Kreisfelder unter ihrem Grundwert.
Die Karten stecken in Kunststoffhüllen, sogenannten Sleeves. Alle Karten werden zusammengefasst, gemischt und verteilt, bis alle wieder 10 Karten haben. Die sind jetzt natürlich durch das Mischen kreuz und quer durcheinander und niemand weiß vorher, welche Karten gleich auf der eigenen Hand sein werden. Lassen wir uns also überraschen.

Jede Karte hat einen Grundwert und darunter zwei leere Kreisfelder für Verbesserungen
Noch schauen sie ganz unschuldig.

 

Wenn ich an der Reihe bin, spiele ich eine oder mehrere Karten mit demselben Wert aus. Wer an der Reihe ist, muss diesen Stich entweder überbieten oder passen. Beim Überbieten muss ich mit der gleichen Anzahl Karten einen höheren Wert erreichen. Hast du beispielsweise ein Set aus drei Karten mit dem Wert Sechs ausgespielt, müsste ich schon ein Dreier-Set mit mindestens dem Wert Sieben ausspielen. Reihum wird also gecheckt, wer höher ausspielen kann.
Wenn niemand meine Karten in der Auslage überbietet, gewinne ich den Stich, lege ihn zur Seite und spiele die nächste Kombo aus der Hand aus. Ja, das kennen wir alles schon von anderen Stichspielen. So wäre „Custom Heroes“ nichts Außergewöhnliches. Da kommt aber diese bahnbrechende Kleinigkeit ins Spiel.

Ich bin in der Lage die Werte meiner Karten zu verändern. Dazu schiebe ich meine geheimen Aufwertungen, die von mir hinter dem Sichtschirm gesammelt werden, einfach in die Hülle dazu. Der neue Wert schiebt sich in einen der leeren Kreise unter den Grundwert. So kann aus einer harmlosen Karte mit dem Wert Sechs schnell eine heftige Zehn werden, wenn ich eine Plus-4-Aufwertung dazu schieben kann. Und weil in jede Hülle sogar zwei Aufwertungen passen, kann ich einen Wert sogar noch weiter in die Höhe treiben – oder senken, wenn mir das strategisch weiterhilft. Tja, und das Beste: Die Karten behalten die Werte für den Rest des kompletten Spiels! Die ursprünglichen Karten mit den Werten von 1-10 sind also sehr, sehr schnell durcheinander gewirbelt.

Die Karten links haben den Wert 6 - die Karten rechts alle den Wert 8
Wer gewinnt den Stich: links oder rechts?

 

Einige Aufwertungen bieten sogar noch Spezialfähigkeiten. Die können beispielsweise eine einzelne Karte verdoppeln, gelten als Joker oder liefern sofort einen Zusatz-Siegpunkt, wenn man den Stich gewinnt. Diese Fähigkeiten muss man aber aktivieren. Dazu braucht es Powermarker. Und nun kommen wir zu dem Punkt, an dem mir das alles zu viel wird.

Ich spiele also nicht nur ein Stichspiel, sondern ich muss auch noch ein Powermarker- und Erweiterungskarten-Management drumherum betreiben. Das ist mir für ein Spiel, in dessen Herzen eigentlich ein Stichspiel schlummert, einfach zu viel. Eine Aufwertung bringt auch noch ein Zocker-Element in „Custom Heroes“ ein. Damit kann ich zusätzliche Siegpunkte gewinnen oder verlieren. Und dann kommt noch das Rein- und Rausschieben von Aufwertungen. Puh, ich bin raus.

Was mir auch missfällt, ist die Tatsache, dass ich wieder Siegpunkte verlieren kann, nämlich immer dann, wenn ich als letzte Person der Runde noch Karten in der Hand habe. Das bedeutet aber zwangsläufig nicht, dass ich schlecht gespielt habe, sondern dass ich einfach nur Karten hatte, die für diese Runde schrottige Werte hatten. Und dafür werde ich noch bestraft? Auch wenn ich dann zwar mehr Aufwertungen und Powermarker als die anderen bekomme, fühlt sich das unbefriedigend an.

Eine Übersicht gibt an, was man gewinnt oder verliert.
Augen auf die Zahlen!

 

Fazit
„Custom Heroes“ bietet durch die variablen Werte der Karten auf jeden Fall etwas Besonderes, aber es begeistert mich nicht. Eigentlich nervt es mich sogar, andauernd mit den Karten und den Hüllen herumzuschieben und -stecken. Dass diese Sleeves unter dieser Belastung recht schnell einreißen, macht das Spielerlebnis für mich nicht besser. Das haben die Macher aber wohl vorweggenommen und haben ein paar auf Reserve eingepackt.

Optisch ist „Custom Heroes“ echt außerordentlich ansprechend. Der futuristische Manga-Comicstil gefällt mir sehr. Vom Anspruch her sind befinden wir uns auch noch im Bereich eines Familienspiels. Das Hin- und Hergeschiebe der Marker, das Einsetzen der Erweiterungen in die Sleeves und die zu kleine Schrift de Spezialfunktionen auf den Karten machen es aber nicht generationentauglich.

Auch wenn ich jetzt vielleicht wie ein protziges Balg klinge: Ich will meine hart verdienten Siegpunkte behalten! Das fühlt sich irgendwie falsch an, wenn ich sie abgeben muss. Für meine Kinder spielte dieser Umstand aber eher eine untergeordnete Rolle. Sie hatten richtig viel Spaß am Manipulieren der Kartenwerte im richtigen Augenblick und dem triumphalen Gefühl, mir damit eins auszuwischen. Unsere Empfehlung: Startet eine Partie „Custom Heroes“ mit mindestens drei Personen, damit sich Spielspaß entwickelt.

 

Bewertung / Test
+ innovatives System für ein Stichspiel
+ bunter Sci-Fi-Comic-Stil
– Schon nach ein paar Runden neigen die Sleeves dazu einzureißen
– Siegpunkte abzugeben fühlt sich nach Strafe an
– zu viele Regeln

 

(Eine Rezension von Oli Clemens)


Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Familienspiel”

  • ... Altersgruppe bis 12 Jahre
  • ... Altersgruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 75 Jahre
  • ... Altersgruppe ab 76 Jahre

Custom Heroes (2018)

Spielidee: John D. Clair
Grafik: nicht namentlich bekannt
Verlag: AEG (Asmodee)
Anzahl der Spielenden: 2-6 Personen
Altersempfehlung Verlag: Ab 10 Jahren
Spieldauer: 30 – 60 Minuten
Generationentauglichkeit: Nein, denn das Gefummele mit den Kartensleeves und den Tokens braucht eine ruhige Hand und gute Sicht.

 

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen weiter verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen