Viel für Vielspieler: Boonlake von dlp games (Rezension)

Boonlake | Kenner- und Expertenspiel | ab 14 Jahren | 1 bis 4 Spielende | Alexander Pfister | dlp games 

Es gibt Spiele, die sich erst nach zwei, drei Partien so richtig erschließen. Das sind oft diejenigen, die langfristig Spaß machen. Boonlake könnte dazugehören, wäre es besser ausbalanciert. Was mir gut und was mir weniger gefallen hat, erfahrt Ihr in dieser Rezension.

Spielkarton und Inhalt

 

Das Spiel
Boonlake ist ein Expertenspiel von Alexander Pfister und bei dlp games erschienen. Es ist für 1 – 4 Spielende geeignet und kann ab 14 Jahren gespielt werden.

Wohl dem, der:die einen Erklärbären hat und sich ein komplexes Spiel nicht selber erarbeiten muss. Trotz eines guten Erklärvideos habe ich mich bei Boonlake etwas schwer getan mit der umfangreichen Ikonografie. Die erste Partie lief unter häufiger Zuhilfenahme des Regelheftes von 24 Seiten. Danach habe ich wieder Einiges nachgelesen und besser verstanden. Gut, das ging mir mit Maracaibo, dem Vorgänger von Boonlake ebenso. Nach einer Lernkurve macht Maracaibo langfristig Spaß und wird mein Spieleregal nicht mehr verlassen.

Die Ausstattung von Boonlake ist opulent: sehr schöne Double-Layer-Boards, auf denen nichts verrutscht. Die Spielfiguren und Marker sind aus Holz, es gibt einen umfangreichen Kartenstapel, der für Abwechslung sorgt. Neu ist der Zugmechanismus. Bin ich an der Reihe, kann ich einen Aktionsstreifen wählen. Die Position auf dem Bord gibt an, wie weit ich mit meinem Boot auf dem Fluss voranziehen darf. Die Wahl der untersten Streifen kostet sogar Siegpunkte. Nach dem Zug wird der genutzte Streifen wieder unten eingeschoben.

Tableau für die Wahl der Aktionen, daneben Teil des Spielplans mit Einkommensleiste für Karten

Die Farbe und auch das Symbol des Streifens geben an, welche Kartenart ich ausspielen oder verkaufen darf. Das kann auch ein Kriterium sein, warum ich einen bestimmten Streifen wähle. Der Streifen gibt die Aktionsmöglichkeiten vor, zunächst für mich als aktiven Spieler, danach für alle Spielenden. Das verkürzt die Wartezeit für die Züge der Mitspielenden, weil ich in der Zwischenzeit überlege, wie ich meine eigene Aktionsmöglichkeit nutze.

Eine weitere geschickte Innovation ist die Weise, wie ich an Ressourcen komme: die Position meiner beiden Boote auf meinem Tableau zeigt, welche Ressourcen ich aktuell zur Verfügung habe. Durch Boni kann ich zudem dauerhafte Produktionen einrichten, bzw. auf doppelte Produktion erhöhen. Meine Boote kann ich kostenlos nach rechts verschieben. Um sie nach links zurückzuschieben, muss ich Geld einsetzen. Die Ressourcen brauche ich, um meine Karten ausspielen zu können. Viele funktionieren erst im späteren Spielverlauf. Da es kein Kartenlimit gibt, kann ich sie aufsparen. Andererseits kann ich -je nach Aktion- Karten ablegen, um dafür Geld zu bekommen. Die Karten liefern unterschiedlichste Effekte, manche sofort, manche permanent und manche bei der Endwertung. Fast wichtiger ist es, darauf zu achten, wieviele Siegpunkte sie bringen. Eine zusätzliche Ressource, die ich für einige Karten brauche, sind Vasen. Die bekomme ich als Bonus auf dem Fluss, auf Landschaftsfeldern oder durch einen der Hebeleffekte.

Acht Beispiele für Aktionskarten mit unterschiedlichen Effekten

Die Karten liefern unterschiedlich viele Siegpunkte. Dabei finde ich die Verteilung unausgewogen. Es gibt Karten, die satte 6 Siegpunkte bringen. Habe ich im späteren Verlauf genug Produktionen, sind sie einfach zu erfüllen. Einige Karten und Boni auf dem Spielfeld liefern ein Voranschreiten auf den Einkommensleisten für Geld und/oder Karten und liefern später ebenso Siegpunkte. Spezialisiert man sich hier frühzeitig, ist der Ertrag kaum einzuholen, denn der wird bei allen vier Zwischenwertungen ausgelöst.

Spielertableau, Gebäude und Rindern wurden bereits eingesetzt, darunter erscheinen die Boni

Ein Kernmechanismus ist das Besiedeln des Spielplans. Durch Aktionen werden Landschaftsfelder eingesetzt, darauf dann Bewohner. Je nach Platz gibt es hier gute Boni. Weitere Bewohner brauche ich, um aus den Bewohnern Häuser zu machen und später Siedlungen. Es ist also wichtig, immer Bewohner auf Vorrat zu haben, also sie auch rechtzeitig zu beschaffen. Eine weitere Aktion erlaubt, Weiden zu setzen und Rinder zu positionieren. Alle Häuser, Siedlungen und Rinder nehme ich von meinem Tableau, was auf deren Platz wiederum Boni freischaltet, die in den Zwischenwertungen zum Tragen kommen.

Teil des Spielertableus, wo Hebel eingesetzt werden können.

Dies alles würde bereits ein Expertenspiel tragen, doch nicht genug: ein Aktionsstreifen erlaubt mir, einen Hebel zu nehmen und an gewünschter Stelle einzusetzen. Je nach Stärke des Effekts kostet das Einsetzen Geld. Nutze ich den Hebel, schiebe ich den nach unten und verdecke den Effekt. Bei einer Zwischenwertung werden die Hebel wieder nach oben geschoben. Für jeden nicht genutzten Hebel bekomme ich dabei einen Siegpunkt.

Zwei der vier Wertungsplättchen

Und: zu Beginn des Spielplans werden unten am Spielfeld Wertungsplättchen gelegt, wobei jede:r Spielende zwischen zweien wählt. Diese haben zum einen ein Aktionsfeld, das ich nutzen kann anstatt eine Karte auszuspielen. Sie liefern ungefähr das Gleiche, sind aber unterschiedlich teuer. Die geforderten Ressourcen habe später recht problemlos. Bin ich auf der Einkommensleiste weit vorn, ist der Betrag auch zu schaffen. Das Aktionsfeld liefert mir zwei Bewohner, satte sieben Siegpunkte und Voranschreiten auf der Geld- oder Karteneinkommensleiste. Beides kann wiederum Siegpunkte produzieren. Hier wird also einmal mehr belohnt, wenn man vorne liegt. Der untere Teil der Plättchen kommt bei den Wertungen zum Tragen. Das eigene wertet doppelt und ich lege eines meiner Marker mit 1 bis 4 Siegpunkten entsprechen ab. Die Ziele der ersten Runde sind recht leicht zu erfüllen, da lege ich einen höherwertigen Marker ab. Erreiche ich später ein gefordertes Ziel nicht, gibt es entsprechend Punkteabzug. Wenn ich da später einen oder zwei Punkte abgezogen bekomme, ist das fast nichts. Und: die Wertungseffekte muss ich auch erst wieder nachlesen, um sie zu verstehen.

Es kann taktisch wichtig sein, auf dem Fluss schnell voranzukommen und umso eher eine Wertung auszulösen. Wer diese Taktik fährt, weil er:sie vorne liegt, kann nicht daran gehindert werden. Beim letzten Abschnitt gibt es zudem mehrmals Siegpunkte als Boni. Da ist es für die anderen angesagt, auf dem Fluss nicht mehr zu trödeln, sondern schnell hinterher zu fahren, um diese oft wichtigen Punkte abzugreifen.

 

Fazit

Wenn man sich erstmal eingearbeitet hat, macht Boonlake Spaß. Es gibt viele Wege, um an Boni und an Siegpunkte zu kommen. Manche lohnen sich mehr als andere. Es gibt eine Lernkurve, die nach zwei, drei Partien vollzogen ist. Ein Nacheinsteiger ist dann zunächst chancenlos. Zumal es kaum einzuholen ist, wenn einer der Spielenden es geschafft hat, auf den Einkommensleisten weit vorne zu liegen. Da können vielleicht noch die Siegpunkte auf den Karten helfen. Die sind meiner Meinung nach ungleich verteilt. Trotzdem ist Spielspaß da, es gibt viel Unterschiedliches zu tun, alles fühlt sich belohnend an. Tendenziell finde ich es eher überfrachtet. Da wäre mehr Schlankheit eleganter gewesen und hätte der Übersichtlichkeit gedient.

Gelegenheitsspieler werden hier überfordert, Boonlake wendet sich an die Vielspieler. Es gibt Anlehnungen an Maracaibo, doch liefert Boonlake genug Neues, dass zu entdecken lohnt. Mein Rat: woanders erst Probespielen, bevor man sich zum Kauf entscheidet. Das hat zudem den angenehmen Effekt, es erklärt zu bekommen.

Zum Solomodus schreibt mir Susanne aus meiner Spielegruppe, die leidenschaftlich gerne Solo-Modi spielt: „Also ich finde den Solomodus wirklich gelungen. Ich mag es, wenn ein Automa gegen mich spielt und ich nicht stupide einem Highscore hinterherlaufen muss. Der Automa fordert einen genug heraus, hat allerdings schon einen gewissen Verwaltungsaufwand (was mir eher Spaß macht als mich abschreckt).

 

Bewertung / Test
+ gut ausgestattet, vielseitig (ist das Regelheft auch)
+ sehr belohnend
– Siegpunkte nicht ganz ausbalanciert. Wenn jemand vorne liegt ist er:sie kaum zu bremsen.

 

 

(Eine Rezension von Paul Theisen)


Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Kenner- und Expertenspiel”

  • ... Altersgruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 70 Jahre
  • ... Altersgruppe ab 71 Jahre

Boonlake (2021)

Spielidee: Alexander Pfister
Grafik: Klemens Franz
Verlag: dlp games
Anzahl der Spielenden: 1 – 4
Altersempfehlung Verlag: ab 14 Jahren

Spieldauer: 40 Minuten pro Spielenden, bei der Erstpartie eher länger

Generationentauglichkeit:  nein, zu komplex, zu kleinteilig

 

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