Honig produzieren und gut verkaufen – Honey Buzz von Skellig Games (Rezension)

Honey Buzz | Kennerspiel | ab 10 Jahren |  1 bis 4  Spielende | Paul Salomon | Skellig Games | pädagogisch wertvoll | generationentauglich

Da gibt es viel zu tun, zu puzzlen und zu überlegen: unser Bienenvolk soll erfolgreich Honig produzieren, den wir anschließend gut verkaufen wollen. Aber das fühlt sich nicht nach Arbeit an, denn wir bewegen uns in einer liebevoll gestalteten Welt voller Blüten, Honig und Pollen.

Spielkarton und Inhalt

 

Das Spiel
Honey Buzz ist ein Kennerspiel von Paul Salomon und bei Skellig Games erschienen. Es ist für  1 – 4 Spielende geeignet und kann ab 10 Jahren gespielt werden.

Uiuiuih, ganz schön viel Spielmaterial! Da gibt es zu Beginn Einiges zu sortieren, zu stapeln und zuzuteilen. Der Ablauf ist aber logisch, die Ikonographie schnell verstanden. Gemäß einer der Startkarten bauen alle aus ihren ersten Plättchen den Beginn des Wabensystems genauso auf.

Lege ich neue Plättchen an, kann ich sogleich eine Wabe schließen oder, geschickter, so anlegen dass innen durch die aufgedruckten Linien nicht sofort ein geschlossener Rahmen entsteht. Zu Beginn meines Zuges suche ich eines der sechs unterschiedlichen Plättchen aus und lege eine meiner Bienen auf das Feld daneben. Doch: hat jemand vor mir das Feld gewählt und es liegt da bereits eine Biene, brauche ich deren zwei, später drei usw.

Alternativ kann ich die eingesetzten Bienen zurücknehmen, was ein ganzer Spielzug ist. Kümmere  ich mich frühzeitig um Nachwuchs, bin ich handlungsfähiger beim Aussuchen der Plättchen.

Ein Teil der Auslage, wo unterschiedliche Spielplättchen zu bekommen sind
Insgesamt stehen sechs unterschiedliche Plättchen zur Auswahl.

 

Eine Plättchenart bietet sogar eine Jokeraktion. Wenn ich so eines nehmen will, muss ich Münzen im Wert von 5 einsetzen. Das lohnt nur, wenn ich diese Aktion mehrfach nutzen kann.

Ein genommenes Plättchen vervollständigt die Wabe. Deren Kanten weisen Linien auf.
Das Vervollständigen der Form löst Aktionen aus.

 

Nun kommen wir zum Kern des Spiels, besser zu einem der Kerne: umschließt ein gelegtes Plättchen ein einzelnes leeres Feld ein, werden alle direkt umliegenden Aktionen ausgelöst:

  • Sammeln: auf dem Spielplanteil Wiese kann ich Ertragsplättchen für Honig bekommen. Nehme ich keines, bekomme ich einen Pollenmarker.
  • Produktion: alle direkt benachbarten Ertragsfelder produzieren ihren Honig, wenn da nicht schon ein Honig liegt.
  • Nachwuchs: aus meinem persönlichen Vorrat lege ich eine Biene auf das Nachwuchsfeld. Diese steht mir nach dem nächsten Zurücknehmen zur Verfügung.
  • Verkauf: am Honigstand sind die aktuellen Preise für die Honigarten ablesbar. Ich darf eine Honigart oder Pollensteine zu diesem Preis verkaufen, anschließend sinkt der Preis um 1. Über die Aufgabenkarten kann ich alternativ auch verkaufen. Da sind dann unterschiedliche Honigarten gefragt.
  • Joker: jetzt kann ich eine der obigen Aktionen frei wählen.
Nebenspielplan Blumenwiese mit Ertragsplättchen
Hier holt man die Ertragsplättchen für die umschlossenen Wabenfelder.

 

Beim Legen der Plättchen ist schon im Auge zu behalten, welche Honigart ich anbauen möchte. Zudem kann die Biene auf der Wiese immer nur ein Feld weit fliegen und die anderen Spielenden verfolgen natürlich ihre eigenen Interessen.

Ein Ertragsplättchen wird passend in die Lücke gelegt.
Nur diese Rahmenform passt hier!

 

Passend eingelegt, produziert das Ertragsplättchen eine der Honigarten, wenn die passende Aktion ausgelöst wird. Für den Verkauf mehrerer Honige gleicher Sorte in einem Zug sollte ich mich spezialisieren, für die Aufgabenkarten ist Vielfalt günstig.

Das Verkaufsfeld auf dem Spielplan zeigt die Preise für die unterschiedlichen Erträge an.
Hier werden zwei Pollenmarker verkauft.

 

Pollen lassen sich ebenso verkaufen, spielen bei den Aufgabenkarten aber keine Rolle.

Eine Auslage von drei Aufgabenkarten
Eine zusätzliche Verkaufsmöglichkeit bieten die Aufgabenkarten.

 

Sinkt so langsam der Preis am Honigstand, werden die Aufgabenkarten interessanter. Zudem darf ich anschließend die darunter abgebildete Aktion ausführen. Und es gilt, die oberen Zielkarten zu erfüllen. Je schneller, umso höher ist die Belohnung.

Alles ist putzig und passend gestaltet, da gibt es keine Brüche. Ein Knaller sind die Honigmarker, die sich klebrig anfassen ohne dass sie wirklich klebrig sind. Kleinere Kinder könnten sie für Süßigkeiten halten. Die unterschiedlichen Startkarten sorgen für Varianz.

Die Anleitung ist hochwertig gedruckt, ebenso liebevoll thematisch illustriert wie das ganze Spiel. Die Erklärung ist anschaulich und enthält am Ende eine Profi-Variante und eine Solo-Variante. Der Karton hat zwei Aussparungen zum leichteren Öffnen. So etwas sehe ich zum ersten Mal.

Fazit

Meinerseits hatte ich Honey Buzz zunächst als Familienspiel kategorisiert. Doch in der Spieleszene wird es durchweg als Kennerspiel bezeichnet. Das hat seine Berechtigung. Wahrscheinlich liegt die Wahrheit dazwischen: Familien, die immer wieder mal spielen, wird es zugänglich und nicht zu schwierig sein. Die putzige Gestaltung trägt dazu bei.

Es erfordert aber schon etwas Planung, um hier erfolgreich zu sein: alles hängt zusammen, keine Aktionsart sollte vernachlässigt werden. Wir hatten zu viert den Fall, dass jemand die Nachwuchsplanung nicht gleich angegangen war. Das führte dann bald zu Zugunfähigkeit über zwei Runden, weil die Plättchenfelder besetzt waren und nur mit einer höheren Zahl Bienen zu bedienen gewesen wären.

Auch in Hinblick auf den Verkauf ist Weitblick und Schnelligkeit von Vorteil. Trotzdem ist das Spielgefühl eher entspannt, jede:r puzzlet und tüftelt so vor sich hin und versucht, das Auslagefeld optimal aufzubauen.

Ist es um generationentauglich zu sein etwas zu komplex? Vielleicht ja, vielleicht nein, das hängt von den Spielenden ab. Spielaffine 8jährige dürften klarkommen. Zwei Honigarten lassen sich etwas schwer unterscheiden. Nimmt man genauer wahr, dass sie sich in der Form unterscheiden, ist auch das kein Problem. Die drei Zielkarten sind etwas klein beschriftet. Der Aufbau des eigenen Spielmaterials erfordert Feinmotorik, doch alles in allem halte ich Honey Buzz für generationentauglich. Das Thema ist logisch umgesetzt, die Gestaltung holt die Spielenden ab.

Ich weiß nur noch nicht, wie der Wiederspielreiz auf Dauer ist. Es gibt Varianz durch die Startkarten und die Auftragskarten, doch letztlich macht man immer das Gleiche und es gibt den effizienten Weg zum Sieg, einfach nichts zu vernachlässigen.

Bewertung / Test
+ wunderschön gestaltet und ebenso im Material umgesetzt
+ thematisch passend
– leichte Zweifel am Wiederspielreiz

 

 

(Eine Rezension von Paul Theisen)


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Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Kennerspiel”

  • ... Altersgruppe bis 12 Jahre
  • ... Altersgruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 70 Jahre
  • ... Altersgruppe ab 71 Jahre

Honey Buzz (2021)

Spielidee: Paul Salomon
Grafik: Anne Heidsieck
Verlag: Skellig Games
Anzahl der Spielenden: 1 – 4
Altersempfehlung Verlag: ab 10 Jahren

Spieldauer: je nach Personenzahl 60 – 90 Minuten

Generationentauglichkeit: eingeschränkt. Das Spielgeschehen ist komplex, auf den Zielkarten kann die Beschriftung zu klein sein.  Alles andere sollte keine Probleme bereiten.

Pädagogisch wertvoll: Kinder lernen komplexere Zusammenhänge, taktisches Denken und Konzentration.