Nicht so harmlos wie es aussieht – Wilde Serengeti von Kobold Spieleverlag (Rezension)

Wilde Serengeti | Kennerspiel | ab 10 Jahren | 1 bis 4 Spielende | Gunho Kim | Kobold Spieleverlag 

Auf den B-Rex-Tagen in Merseburg habe ich „Wilde Serengeti“ in einer Partie zu viert kennengelernt. Danach war ich zwiegespalten: so schönes Material, stimmige Umsetzung des Themas, aber ich fühlte mich überfordert. Olli, der „Brettspielteddy“, sah es ähnlich: „Boah, dat war gezz schon viel, auf was man da alles aufpassen musste!“ Meiner Frau hat es gefallen. Das war ein absolut hinreichender Grund, es dann doch wieder zu spielen. Nach so einigen Partien ist der eher negative Ersteindruck gewichen und es kommt öfter auf den Tisch. Warum, dazu bedarf es einer eher ausführlichen Rezension.

Spielkarton und Inhalt

 

Das Spiel
Wilde Serengeti ist ein Kennerspiel von Gunho Kim und bei Kobold Spieleverlag erschienen. Es ist für  1 – 4 Spielende geeignet und kann ab 10 Jahren gespielt werden.

Auffallend ist sogleich die Vielzahl an Tierfiguren aus Holz. Deren schöne Gestaltung springt sogleich ins Auge. Es gibt zwei Spielpläne. Den Plan mit den Aktionsfeldern, auf dem die Tierfiguren nach Gruppen sortiert werden, und den Hauptplan mit Landschaftsfeldern. Dieser hat eine Rückseite, wo die Landschaften anders verteilt sind. Thematisch geht es um das Drehen kleiner Filmszenen, bei denen die Auftragskarten vorgeben, in welcher Anordnung die Tiere auf dem Landschaftsplan stehen sollen. Von diesen Auftragskarten, genannt Szenen, gibt es 168 unterschiedliche. Zu Beginn bekommen wir acht davon auf die Hand und wählen vier davon aus. Bei der allerersten Partie kann man die Aufgaben noch gar nicht beurteilen, da gibt es einfach vier zufällige Karten zum Start.

 

Aktionstableau mit Aktionsfeldern und mit der Auswahl an Tierfiguren aus Holz

Auf dem Aktionsplan werden bei weniger als vier Spielenden Felder abgedeckt. Bin ich an der Reihe, setze ich meine Spielfigur (eine Kamera) auf ein freies Aktionsfeld. Im nächsten Zug muss ich sie auf ein anderes Feld bewegen. So kann es durch die Mitspielenden passieren, dass mir eine Aktion nicht zur Verfügung steht oder -eher häufiger- ich zwei Münzen für eine Aktion zahlen muss.

Die Pappmarker für die Münzen sind klein. Ich ersetze sie im Spiel durch Metallmünzen aus dem Zubehör eines anderen Spiels. Es ergibt sich, dass für die Mitspielenden die Runde unterschiedlich lang dauern kann. So kann ich auch passen und das Geld für die nächste Runde aufsparen, sobald ich höchstens noch 3 Münzen im Vorrat habe.

Die häufigste Aktion zu Beginn ist das Nehmen einer Tierfigur, die ich dann auf ein freies Landschaftsfeld nach Wahl setze. Ab der zweiten Runde ist es erlaubt, als Aktion die Plätze zweier Tiere auf dem Landschaftsplan zu tauschen oder auch ein Tier auf eine freies Feld zu bewegen. Ebenfalls gibt es Aktionsfelder um an weitere Auftragskarten zu kommen. Dafür gibt es eine offene Auslage von sechs Karten. Von den Szenen- oder Auftragskarten gibt es grundsätzlich erst einmal drei Arten.

 

Aktionskarte und die Tiere auf dem Spielplan, die den Auftrag erfüllen

Hier geht es um Nachbarschaften. Der Löwe soll auf einem Grasfeld stehen. Giraffe und Geier müssen auf den 8 angrenzenden Feldern stehen, der Untergrund ist dabei egal. Die Belohnung auf dieser Karte bezieht sich auf die Endwertung. Die Anzahl der gesammelten Tatzen minus 4 gibt die Siegpunktzahl. Das ist nicht sonderlich viel, aber die Aufgabe ist nicht sonderlich schwierig. Im Laufe der Partie ist eine Vielzahl von Tieren auf dem Plan und diese Konstellation eher leicht zu erreichen.

 

Aktionskarte und die Tiere auf dem Spielplan, die den Auftrag erfüllen

Hier werden jeweils unterschiedliche, bestimmte Landschaftsfelder gefordert, auf denen die Tiere stehen müssen. Die Position der Tiere ist hier egal. Zudem kann ich im Laufe der Partie an Effekt-Plättchen kommen. Deren Einsatz lässt das Landschaftsfeld jeweils eines Tieres zudem egal sein. Da tricksen die Filmtechniker im Hintergrund mit ihrem Spezialeffekt. Die Karte bringt sofortige zwei Siegpunkte, die mit der zweiten Kamerafigur auf der Siegpunktleiste abgetragen werden. Wichtiger sind hier die zwei Tatzen, deren Auswirkung später zum Tragen kommt.

 

Aktionskarte und die Tiere auf dem Spielplan, die den Auftrag erfüllen

 

Hier sollen die abgebildeten Tiere in der angegebenen Reihenfolge auf dem Spielplan  in horizontaler oder vertikaler Linie stehen. Der Elefant soll auf Gras stehen. Der Abstand zwischen den Tieren ist egal, es dürfen auch andere Tiere dazwischen sein. Als Belohnung für diesen Auftrag gibt es zu Beginn jeder neuen Runde eine Futterration. Das verstärkt entweder die Aktion des Bewegen eines Tieres oder ermöglicht, ein Tier auf ein benachbartes, freies Feld zu ziehen.

 

Spieltisch mit Wilde Serengeti

Hier nochmal eine Szene von der Partie auf den B-Rex-Tagen. Also jede:r Spielende hat bis zu acht noch zu erarbeitende Szenen, sprich Auftragskarten, offen vor sich liegen. Bei praktisch jedem Spielzug verändert sich etwas auf dem Landschaftsplan, was bei vier Personen eine Vorplanung schwierig macht. Zunächst ist jede:r mit seinen eigenen Auftragskarten beschäftigt. Es ist in den ersten Partien kaum möglich, auch auf die Auftragskarten der Mitspielenden zu achten, geschweige denn, worauf deren Strategie zielt.

 

Baum in 3D mit dem Rundenmarker und Karten, die später eine Rolle spielen

Der Rundenzähler ist ein dreidimensionaler Baum wie bei „Everdell“. Der Toko-Vogel zeigt, wieviel Geld es zu Beginn der neuen Runde gibt. Zu Beginn der vierten und der sechsten Runde werden zufällig gelegte Tierarten besonders gewertet. Zur Anzahl auf den erledigten Auftragskarten zählen die erbeuteten Tatzen dazu. Wer hier am meisten oder zweitmeisten gesammelt hat, greift hier gut Siegpunkte ab.

Zu Beginn der letzten drei Runden bestimmt eine Antilopenkarte, welche Landschaftsfelder wieder freigeräumt werden. Die entsprechenden Tierfiguren kommen wieder auf das Aktionsfeld und stehen erneut zur Verfügung.

 

Übersichtskarte und Rückseite für den Rundenablauf und die Wertung

Die Übersichtskarte (hier Vor- und Rückseite) hilft gut beim Ablauf einer Runde und zeigt, welche Boni wie zählen. Die Abläufe an sich sind nicht schwierig und gleich erlernt. In der ersten Partie denkt man vor allem an das Erfüllen der eigenen Auftragskarten und versucht, möglichst viele davon zu erledigen. Doch im Verlaufe der nächsten Partien merkt man, dass es darauf gar nicht ankommt, sondern auf das gezielte Vorgehen und dann wird es erst richtig interessant.

 

Karten mit unterschiedlichen Charakteren

Wer möchte, kann in weiteren Partien die Charakterkarten (Koryphäen) hinzunehmen. Dafür bekommt jede:r drei zufällige Karten und wählt eine davon aus. Der Schwierigkeitsgrad ist durch die Punkte rechts oben angezeigt, doch steigt der Effekt mit der Schwierigkeit.

 

Fazit
Es braucht mindestens eine zweite Partie bis „Wilde Serengeti“ wirklich zündet. Das liegt an der Lernkurve, die dieses Spiel voraussetzt. Zunächst ist man nur auf die eigenen Aufträge konzentriert und versucht, möglichst viel zu erledigen. Bei weiteren Partien legt man sich eine gezielte Strategie zurecht und versucht an Auftragskarten zu kommen, die dieser Strategie entsprechen. Als besonders stark hat sich bisher das Sammeln von Herzen gezeigt, die am Schluss bis zu 50 Siegpunkte bringen können.

Man bekommt auch heraus, wie man geschickt die Aufträge kombiniert, um mit wenig Aufwand zwei, sogar drei hintereinander zu erledigen. Ein weiteres Augenmerkt gilt den Tierarten, die später nach Mehrheit gewertet werden. Die können prächtig Punkte bringen. Das gelingt gut zu zweit. Da ist eine Partie auch in einer Stunde gespielt. Mit drei, vier Spielenden wird es unübersichtlicher und länger. Das sollten schon erfahrene Spielende sein, denn wenn das Spiel überfordert wird es eher unbefriedigend lang.

Die Anleitung ist übersichtlich und wird zum Nachschlagen fast nicht gebraucht, da helfen die Übersichtskarten. Der ‚Runden-Baum‚ leidet (wie bei „Everdell“) unter häufigem Zusammensetzen und Auseinanderbauen. Ich bewahre ihn aufgebaut separat auf.

„Wilde Serengeti“ ist ein wirklich gutes Spiel, auf das man sich aber einlassen muss. Als Generationenspiel ist es nicht geeignet eben wegen der bald eintretenden Unübersichtlichkeit. Es sind viele Tiere auf dem Landschaftsplan und es sind mehrere Aufgaben im Blick zu behalten. Die Auftragskarten der Mitspielenden lassen sich aus der Entfernung am Tisch kaum lesen.

 

Bewertung / Test
+ thematisch gut umgesetzt, sehr schönes Material. Ein Hingucker
+ Langzeitspaß durch Varianz und Komplexität
– Einstiegshürde Erstpartie
– zieht sich mit 4 Personen

 

(Eine Rezension von Paul Theisen)


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Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Kenner- und Expertenspiel”

  • ... Altersgruppe bis 12 Jahre
  • ... Altersgruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 70 Jahre
  • ... Altersgruppe ab 71 Jahre

Wilde Serengeti (2022)

Spielidee: Gunho Kim
Grafik: Sophia Kang
Verlag: Kobold Spieleverlag
Anzahl der Spielenden: 1 – 4
Altersempfehlung Verlag: ab 10 Jahren
Spieldauer: 60 – 120 Minuten (abhängig von der Personenzahl

Generationentauglichkeit: Zu komplex und gerade mit mehreren Mitspielenden unübersichtlich.

 

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