Mutprobe im Dschungel – Funky Monkey von Huch! (Rezension)

Funky Monkey | Familienspiel | ab 10 Jahren | 2 bis 7 Spielende | Steffen Bogen | Huch! | generationentauglich

Wenn es den Affen zu wohl wird, nerven sie den Tiger. Das hat schon für eine Nebenhandlung im Disney-Klassiker Dschungelbuch gereicht. In „Funky Monkey“ wollen die Affen dem Tiger als Mutprobe eine Kokosnuss auf den Kopf werfen. Wem es zuerst gelingt, „ist der coolste Affe der Bande, und wird von allen gechillt mit einem Funky-Monkey-Groove gefeiert“. Steht so in der Anleitung, den schrägen Satz habe ich mir nicht ausgedacht. Und obwohl man meinen könnte, dass ich euch hier ein Kinderspiel vorstelle, richtet sich das Spiel an Menschen, die 10 Jahre oder älter sind. Ob das so eine glückliche Kombination ist? Findet es mit mir heraus.

Die Aufmachung von Funky Monkey ist vor allem bunt
Funky Monkey – eine tierische Mutprobe

Das Spiel
Funky Monkey
ist ein Familienspiel von Steffen Bogen und bei Huch! erschienen. Es ist für 2-7 Spielende geeignet und kann ab 10 Jahren gespielt werden.

Vor uns liegt ein viereckiger Spielplan, an dessen Rand Felder zum Ziehen von Spielfiguren entlang führen. Ein erster Blick erinnert optisch sehr an den Brettspiel-Klassiker Tikal. Deutlich anders aber sind unsere Spielfiguren gestaltet. Das sind niedliche Papp-Affen in knallig bunten Farben. Sie stehen auf einem Haufen auf den Startfeldern. Manchmal hat man ein bisschen Arbeit mit ihnen, weil sie während des Spielens wieder zusammengebastelt werden müssen, oder einfach mal umfallen, aber insgesamt sind die Spielfiguren ein echter Hingucker. Das gilt auch für den Tiger, der in der Tempelruine am anderen Ende der Laufleiste maximal entfernt von den Affen am liebsten in Ruhe gelassen werden will.

Die Affen sind farbenfroh bunt und stehen am Start
Affenbande loooooos!

 

Die Affen sind aber auf Krawall gebürstet und flitzen entlang der Laufleiste dem Raubtier entgegen. Sie wollen mit mindestens einer Kokosnuss bewaffnet auf dem Rücken des Tigers landen. Wem das zuerst gelingt, gewinnt. Unterwegs kommen sie an reichlich verdeckten oder aufgedeckten Plättchen vorbei. Bei einigen darf man Kokosnüsse nehmen, bei anderen muss man welche abgeben. Doch Vorsicht: Wer keine Nüsse mehr hat, scheidet aus. Die Mutprobe besteht ja darin, dem Tiger eine Nuss auf den Kopf zu donnern.

Es können auch Schatztruhen auf dem Weg liegen, in denen wir wertvolle Gegenstände für unsere Mutprobe finden können. Zu denen kommen wir später. Auch wenn es um ein Rennen geht, ist „Funky Monkey“ trotzdem trotzdem kein Rennspiel, sondern eher ein strategisches Schleichen. Um sich bewegen zu können, nutzen die Spielenden eine der fünf Bewegungskarten, die ihnen am Anfang verdeckt ausgeteilt wurden. Die haben unterschiedliche Werte von 1 bis 4. Die Zahlen entsprechen den Feldern, die man sich nach vorne bewegen darf. Allerdings sucht man nicht eine Karte für sich selbst aus, sondern gibt eine verdeckte Karte aus der Hand an die nächste Person. Dann nennt man eine Zahl.

Die Kartenwerte variieren zwischen 1 und 4
Ist das eine gute Hand? Wer weiß das schon bei „Funky Monkey“.

 

Die Zahl muss aber nicht zur abgelegten Karte passen. Einem Bluff stehen Tür und Tor offen. Die nächste Person im Uhrzeigersinn kann nun in der Erwartung, dass die Wahrheit gesagt wurde, die verdeckte, geheime und vielleicht heimtückische Karte annehmen. Dann muss sie oder er die Anzahl an Feldern voranschreiten, die wirklich aufgedruckt ist. Damit kann man schon mal ganz schön in eine Falle tappen, falls man so auf einem Feld mit negativem Effekt landet. So muss man vielleicht von den eigenen Kokosnüssen abgeben. Dann sind sie weg, die Nüsse, und die Reise kann schon zu Ende zu sein.

Alternativ kann man aber auch die Karte ungesehen weiterschieben. Der ursprünglich genannte Wert wandert mit. Dann steht die nächste Person vor der gleichen Entscheidung: annehmen oder weiter damit? Es kann also auch sein, dass die Karte unbesehen wieder dort landet, wo sie auf die Reise geschickt wurde. Dann wird sie aufgedeckt und entsprechend weit gerückt. Bluffen ist also taktisch gesehen ein wichtiger Bestandteil von „Funky Monkey“. Wer die Wahrheit sagt, wird außerdem mit einem Bonuszug mit dem eigenen Affen belohnt. Alternativ kann aber auch der Tiger ein Feld vorgerückt werden. Trifft der er dort auf einen Affen, ist für den Affen Schluss mit lustig. Wer ungewollt auf dem gleichen Feld mit dem Tiger landet, scheidet aus.

Eine Affenfigur und der Tiger stehen sich gegenüber
Showdown im Dschungel

 

So kann man mit ein wenig Übung im Pokerface reichlich Bewegung, aber auch Verwirrung in den Dschungel bringen. Die Kinder in unseren Testrunden fanden das richtig gut. Noch besser fanden sie, dass sie unterwegs Schätze einsammeln können. Kronen. Fernrohre und Waagen bringen Veränderungen in den Spielablauf ein, schützen vor gemeinen Affenattacken oder geben Vorteile auf dem Weg zum Tiger.

Letztlich kann Runde „Funky Monkey“ auf verschiedene Arten enden. Eine Möglichkeit besteht darin, dass nur noch ein Affe im Spiel ist. Der gewinnt dann, auch ohne den Tiger genervt zu haben. Oder ein Affe mit mindestens einer Nuss ist erfolgreich auf dem Feld des Tigers gelandet – dann hat die Mutprobe geklappt. Oder alle haben ihre Handkarten ausgespielt. Dann gewinnt der Affe, der sich am weitesten zum Tiger vorgearbeitet hat.

 

Fazit
Mit Mut voran oder durch Bluff geschickt im Dickicht des Dschungels verstecken – bei „Funky Monkey“ könne beide Strategien zum Sieg führen. Je mehr Leute mitspielen, desto mehr Spaß hat man. Für nur zwei Personen ist das Spiel wirklich nicht gemacht. Obwohl es kein Kinderspiel sein will und Menschen ab 10 Jahren zum Spielen auffordert, haben vor allem Jüngere ihren Spaß an dem bunten Dschungel-Verwirrspiel. Jugendliche und Erwachsene fanden das Spiel eher schlicht und unabwechslungsreich. Kein gutes Feedback für ein Familienspiel.

Auch wenn der eigentliche Bluff-Mechanismus recht unterhaltsam ist, wird dieser durch die Schätze vollkommen ausgehebelt. Mit einem Fernrohr darf man sich die zugeschobene verdeckte Karte ansehen. Dann entscheide ich natürlich leichter, ob ich sie nehme, weil sie mir passt, oder weitergebe. Schlimmer ist es noch mit der Krone. Wer sie findet, rückt einfach den Wert der eigenen ausgespielten Karte vor. Das gibt einen unverhältnismäßigen Vorteil. Eine Punktlandung auf dem Tiger ist quasi vorprogrammiert, weil sie errechnet werden kann. In allen Testrunden hat die Person mit der Krone auch gewonnen. Wer hat dann noch Lust auf eine nächste Runde?

Die Schatzkarten sind im Detail gezeigt
Die Schatzkarten machen das Spiel … unausgewogen.

 

Generationentauglich ist das Material schon, auch die flachen Kokosnussmarker. Das kann man schon alles gut sehen und greifen. Da man auch zu siebt antreten kann, lädt es schon dazu ein, die ganze Familie quer durch die Generationen an den Tisch zu bekommen. Am besten sortiert man aber vorher die Kronen aus.

 

Bewertung / Test
+ witzige Affen-Spielfiguren
+ Bluffen ermöglicht taktisches Spielen
– Schätze hebeln das Spielprinzip aus
– erst ab 4 Personen gut
– für Menschen ab 10 Jahren empfohlen, aber eher ein Spaß für jüngere Kinder

 

(Eine Rezension von Oli Clemens)


Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Familienspiel”

  • ... Altersgruppe bis 12 Jahre
  • ... Altersgruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 70 Jahre
  • ... Altersgruppe ab 71 Jahre

Funky Monkey (2020)

Spielidee: Steffen Bogen
Grafik: Fiore GmbH
Verlag: Huch!
Anzahl der Spielenden: 2-7 Personen
Altersempfehlung Verlag: Ab 10 Jahren
Eigene Altersempfehlung: Unbedingt jünger. In unserer Spielgruppe waren die Kinder 7 und 9 Jahre alt. Wer älter ist, findet Funky Monkey wahrscheinlich auch nicht unterhaltsam genug.
Spieldauer: 30 Minuten

Generationentauglichkeit: Das geht schon, wenn auch die Kokosnussmarker etwas unhandlich sind. Einfach gegenseitig aushelfen.

 

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