Mogelpackung – Decktective: Den Tod kann man nicht betrügen von AbabusSpiele (Rezension)

Decktective: Den Tod kann man nicht betrügen | Krimispiel | ab 12 Jahren | 1 bis 6 Spielende | Martino Chiacchiera & Silvano Sorrentino | AbacusSpiele

Las Vegas – Sin City – Stadt der Sünde. Dorthin verschlägt es uns bei diesem Fall in der Decktective-Reihe. Es sind die 1950er Jahre und außer dem Glücksspiel scheint auch das Verbrechen in Vegas zu boomen. In einem Casino liegen vier Leichen: drei Gangsterbosse und der Bürgermeister. Wir sollen die Sache aufklären. Also, ran an den Fall.

In der Schachtel sind 60 Karten und ein paar rote Büroklammern
… oder doch?

 

Das Spiel
Decktective: Den Tod kann man nicht betrügen
ist ein Krimispiel von Martino Chiacchiera & Silvano Sorrentino und bei Abacusspiele erschienen. Es ist für 1 bis 6 Spielende geeignet und kann ab 12 Jahren gespielt werden.

„Den Tod kann man nicht betrügen“ ist nicht der erste Fall aus der Decktective-Reihe, den wir hier besprechen. Monika hat uns erst kürzlich den „Albtraum im Spiegel“ vorgestellt. Die wenigen Regeln, die es braucht, um ein Spiel aus der Decktective-Reihe zu spielen, leihe ich mir als Text mal gerade aus ihrer Rezension.

Alle erhalten zu Beginn Handkarten (=Spuren). Die Anzahl ist abhängig von der Größe eures Ermittlerteams. Nur Ihr selbst kennt die Informationen eurer Handkarten. Den anderen dürft Ihr zuerst nur den Titel eigener Handkarten mitteilen, nicht aber die Informationen, die sie enthalten. Gemeinsam entscheidet Ihr, welche Karten Ihr für wichtig erachtet und aufdecken möchtet, und welche Spuren Euch unwichtig erscheinen. „Unwichtige“ Spuren müsst Ihr ablegen, ohne dass die anderen Mitspielenden die Informationen darauf kennen.

Und da sind wir schon ein einer ersten schwierigen Stelle angelangt. Ich werde gezwungen Karten abzulegen, obwohl ich die Relevanz der Information gar nicht einschätzen kann. Irgendwie bin ich die ganze Zeit im Blindflug. Auf was soll ich mich konzentrieren? Haben die anderen vielleicht etwas auf der Hand, was ergänzt? Ach, dürften wir nur miteinander sprechen.

Die Regeln stehen zusammengefasst auf einer Karte
Uum Nachlesen auch auf einer der Karten.

 

Am Ende gibt es auch bei „Den Tod kann man nicht betrügen“ wieder Fragen mit Antwortmöglichkeiten. Die Reihe bleibt sich also ihrem Spielprinzip treu. Legen wir also einen genaueren Blick auf den Fall, und der entlarvt ein Spiel mit Schwächen in der Story und der optischen Aufmachung.

Bis zum Schluss habe ich mich gefragt, warum ich vier Karten als 3D-Tatort in die Schachtel aufbauen muss. In der Praxis hat das nämlich erst einmal dazu geführt, dass wir uns am Tisch zu dritt auf eine Tischseite gezwängt haben, damit wir überhaupt sehen konnten, was in dem Szenario zu sehen ist. Hätten die Karten flach auf dem Tisch gelegen, wäre es für das Spielen des Falls hilfreicher gewesen. Und der Hinweis, dass man sich auch die Rückseite der Karten anschauen soll, hätte gereicht. So wird in unserer Spielerfahrung aus einem Gimmick ein eher hinderlicher Umstand, zumal sich an dem Tatort bis zum Ende des Falls auch gar nichts mehr ändert, entwickelt oder überrascht. Verdammt, da bin ich voll auf die roten Klammern reingefallen!

Der 3D-Aufbau zeigt die Bilder der drei toten Gangsterbosse
Keine Sorge, hier wird nichts verraten.

 

Das Spiel selbst verspricht, dass wir Audioaufnahmen sammeln sollen. Das hatte unsere Vorfreude extrem gesteigert. Wir mögen, wenn über Technik stimmungsvolle Atmosphäre in einem Krimispiel aufgebaut wird. Ich mach mal den Klugscheißer-Modus an, damit ihr gleich wisst, warum wir letztlich sehr enttäuscht waren. Audio leitet sich aus dem Lateinischen ab und bedeutet ich höre und wird immer dann verwendet, wenn es um die Umsetzung von Tontechnik geht. In diesem Decktective-Fall sollte es aber eher lego, also ich lese heißen, denn das, was wir hören sollten, lesen wir stattdessen von Karten vor. Verschiedene Farben repräsentieren dabei verschiedene Stimmen, die wir noch zuordnen müssen. Joa, war dann doch kein so großes Erlebnis. Was bleibt also übrig nach einer Stunde Krimispiel?

 

Fazit
„Decktective: Den Tod kann man nicht betrügen“ bleibt seinem Spielprinzip treu. Die Story entführt uns in die fünfziger Jahre der USA, nach Las Vegas, in ein Casino, aber schafft es nicht, atmosphärisch dicht zu sein. Stattdessen hüpfen wir mit unseren gesammelten Fakten zwischen zwei verschiedenen Fällen in zwei verschiedenen Jahren hin und her, ohne genau zu wissen, was warum passiert ist. Alles löst sich erst zum Spielende auf, wenn die Antworten zu den Fragen auf den Karten enthüllt werden. Da merkten wir, wie wenig wir tatsächlich ermittelten. Letzlich haben wir noch nicht mal unseren Erfolg an der Punkteskala abgeglichen.

Gemessen an unseren Erwartungen an den Titel, an einen 3D-Tatort und an Audio-Hinweise hatten wir unter dem Strich ein eher nüchternes Spielerlebnis. Auch der Mechanismus „Karte ablegen oder Karte weglegen“, ohne sich mit den anderen austauschen zu können, war jetzt nicht wirklich motivierend. Ich fühlte mich zum größten Teil des Spiels in der Ermittlungsarbeit mit den Karten in einem kooperativen Spiel auf mich alleine gestellt.

Glücklich waren wir übrigens sehr darüber, dass wir nur zu dritt gespielt haben. Eigentlich könnten ja bis zu sechs Personen mitmachen! Ich glaube aber, dass wir uns dann eher gelangweilt hätten, weil es ja schon zu dritt recht wenig zu tun gab. Der „Den Tod kann man nicht betrügen“ war unser erster Fall aus dieser Reihe. Freuen wir uns einfach auf die nächsten, nachdem wir jetzt die vollmundigen Versprechungen auf der Schachtel besser einschätzen können. Wegen der Menge an Texten, die vorgelesen und gehört werden müssen, ist das Spiel mit den Themen auch eher nicht generationentauglich. Da der Fall aber unproblematisch zurückgesetzt werden kann, geben wir ihn einfach an Freunde weiter.

 

Bewertung / Test
+ große Karten
+ wenige Regeln
+ nach dem Spielen einfach zurücksetzen und weitergeben
– Schachteltexte weckten in uns falsche Erwartungen
– Ablegen von Karten wirkt monoton
– kein richtiges Krimigefühl aufgekommen

 

(Eine Rezension von Oli Clemens)


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Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Kooperative Spiele ”

  • ... Altersgruppe 12 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 70 Jahre
  • ... Altersgruppe ab 71 Jahre

Decktective: Den Tod kann man nicht betrügen (2022)

Spielidee: Martino Chiacchiera & Silvano Sorrentino
Verlag: Abacusspiele
Grafik: Cristiana Leone
Anzahl der Spielenden: 1 bis 6 Spielende, aber weniger ist mehr!
Altersempfehlung: Ab 12 Jahren
Spieldauer: 60 Minuten

Generationentauglichkeit: Zu viel zu lesen, zu viel zu hören, zu gewalttätig.

 

 

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