Bang! Pow! Zaaaap! – Marvel Champions: Das Kartenspiel von Asmodee (Rezension)

Marvel Champions: Das Kartenspiel | Kooperatives Spiel | ab 14 Jahren | 1 bis 4 Spielende | Michael Boggs, Nate French & Caleb Grace | Asmodee

„Ich bin Spiderman! Abgefahren, oder?“ Mal ehrlich, wer hat nicht schon mal davon geträumt in der Haut eines Superhelden zu stecken? Netze verschießen, durch die Luft fliegen, fiese Kerle vermöbeln – was in unserem realen Leben wohl nur eine Wunschvorstellung bleiben wird, wird jetzt in einem Kartenspiel mit Superhelden aus dem Marvel-Universum für uns zur Aufgabe.

Das Spiel besteht aus unghlaublich vielen Karten, markern und Zählscheiben. Alles ist in einem durchgängigen Comicstil gehalten
Dann wollen wir mal die Welt retten.

 

Das Spiel
Marvel Champions: Das Kartenspiel
ist ein kooperatives Spiel von Michael Boggs, Nate French & Caleb Grace und bei Asmodee erschienen. Es ist für 1-4 Spielende geeignet und kann ab 14 Jahren gespielt werden.

Ich glaube, fairerweise sollte man voranstellen, dass Menschen, die Spaß an Comics und Superhelden haben, zielstrebiger nach „Marvel Champions“ greifen werden. Aber selbst wenn man die Namen Iron Man, Tony Stark, Peter Parker oder Spiderman nicht wirklich zuordnen kann, heißt das nicht, dass man mit diesem tüfteligen Action-Kartenspiel keinen Spaß haben wird.

Optisch greift „Marvel Champions“ auf die Comic-Vorlagen zurück. Da wird mir ganz warm uns Herz, mit ihnen bin ich groß geworden. Die Filme entstanden ja viel später und haben erst Jahrzehnte nach dem Erscheinen der Comics die Welle von Superhelden-Blockbustern in den Kinos ausgelöst. Harry-Potter-Spiele setzen da auf ein anderes Prinzip. Auf Bilder von prominenten Schauspieler:innen aus den Filmen muss man bei „Marvel Champions“ verzichten.

Jeder Superheld hat ein eigenes Kartenset.
Spiderman oder Peter Parker – wer ist der wahre Held?

Wer mitspielt, wird zum Superhelden. Dazu stehen die Figuren Spiderman, Captain Marvel, Iron Man, She-Hulk und Black Panther zur Auswahl. Die gewählten Helden schließen sich zu einem Team zusammen. Alle haben ein persönliches Kartenspiel, das individuell genau zu dieser Figur passt. Im Spielejargon nutzt man dafür den Begriff ‚Deck‘. Folglich starten also alle mit einem eigenen Deck aus unterschiedlichen Karten. Vier bis sechs davon hat man auf der Hand und versucht damit möglichst effektiv zu agieren.

Wie in den Comic-Vorlagen ist kein Superheld ohne bösen Gegner komplett. Für den Anfang empfiehlt sich Rhino, ein Kleinkrimineller im Nashorn-Outfit aus der Welt von Spiderman. Auch er kommt mit seinem eigenen Deck daher. Die Mitspielenden steuern seine Handlungen immer im Anschluss an die eigenen. Wenn Rhino als Einstiegshürde oft genug geschafft wurde und man eine größere Herausforderungen sucht, warten noch Klaw und Ultron darauf, sich mit den Helden zu messen. Es ist übrigens egal, wie viele Personen mitspielen. Die Fieslinge im Spiel passen sich immer der Anzahl an. Das ist wirklich gut gelöst.

In diesem Spiel kämpft Spiederman gegen Rhino. Die Karten sind bereits ausgelegt.
Kräftemessen der Superkräftemesser

„Marvel Champions“ findet in Runden statt. Zuerst spielen die Helden ihre Karten aus, danach der Schurke. Dabei wird man immer versuchen, die aktuellen Handkarten so miteinander zu kombinieren, dass der Fiesling arg unter Druck gesetzt wird. Total spannend finde ich, dass ich entweder in der Heldenform oder in meiner ‚Alter-Ego‘-Form agieren kann. Das ist eben der Unterschied zwischen Spiderman und Peter Parker. In der einen Form handele ich actionlastiger, in der anderen Form bin ich unscheinbar und verpasse vielleicht entscheidende Kämpfe, kann aber mit mehr Auswahl hantieren.

Wer dafür eine der Karten aus der eigenen Hand ausspielen möchte, muss deren Kosten in Form von anderen Karten aus der Hand bezahlen. Es gilt also immer abzuwägen, was mir am meisten hilft und was ich mir leisten kann. Die Karten aus dem eigenen Deck ermöglichen unterschiedliche Aktionen. Einige bringen Verbündete, die eine Zeit lang mit ihren Kräften unterstützen. Andere machen das Ausspielen von Karten leichter, lassen mich außer der Reihe nachziehen oder helfen, dass ich die Pläne des Gegners durchkreuze.

Jessica Jones und Daredevil helfen nun
Jessica Jones hat sich nicht immer im Griff.

Was genau eine Karte bewirkt, ist genau darauf beschrieben, leider sehr klein und in einem Mix aus Fließtext und Symbolen. Das kostet in den ersten Partien ein bisschen Zeit, weil man die Texte der Karten und ihre Wirkungsweise erst lesen und verstehen muss, wird aber mit der Erfahrung mehrere Partien immer unproblematischer.

Unser Ziel ist es nämlich in diesem Match den Bösewicht zu Matsch zu hauen, bevor er seinen finsteren Plan in die Tat umgesetzt hat. Im Spiel bedeutet das, seine Lebenspunkte auf 0 zu reduzieren, bevor er eine feststehende Anzahl von Bedrohungsmarkern auf einer Karte abgelegt hat. Wir sollten also immer den Fiesling im Auge behalten und bedenken, wohin wir unsere Aktionen steuern.

Liegen schon viele Bedrohungsmarkeraus, müssen wir die auf jeden reduzieren. Ist der Plan nämlich voll, verlieren wir und Rhino triumphiert. Hat er noch viele Lebenspunkte, müssen wir ihm ans Fell, sonst überlebt er uns. Haben wir selbst schon blutige Schrammen einstecken müssen, sollten wir uns vielleicht heilen. Auch wir haben nur eine gewisse Anzahl von Lebenspunkten. Fällt jemand aus dem Team auf 0, verlieren wir. Klar ist, dass ich nicht alles machen kann. Ich muss also stets abwägen und Entscheidungen fällen. Wie gut, dass sich die Helden gegenseitig absprechen und unterstützen können. Weil das im Solo-Modus fehlt, ist es meiner Meinung nach herausfordernder eine Partie im Alleingang zu gewinnen.

Spiderman besitzt Karten mit einzigartigen Fähigkeiten
Was der Junge so alles drauf hat!

Der Schurke wiederum verfolgt unbarmherzig seinen Plan, prügelt auf uns ein, ruft Schergen, die ihn unterstützen oder lenkt uns mit Nebenkriegsschauplätzen von seinem eigentlichen Ziel ab. Dafür hat er einen verdeckten Stapel. Nacheinander werden dafür für seine Aktionen Karten umgedreht und abgearbeitet. Was jetzt nach einem Haufen Arbeit klingt, wird nach ein paar Runden zu einer rhythmischen Handlung, bei der man Schlüsselwörter sofort erkennt und entsprechend handelt. Insofern geht diese Phase sehr leicht von der Hand und ist sehr schnell abgearbeitet.

Die Zustände betäubt, verwirrt und zäh können die Angelegenheit erschweren
Na, verwirrt?

Ist die Schurkenphase vorbei, sind wieder die Helden dran. Das Spiel läuft in diesem Wechsel solange hin und her, bis letztlich eine Seite gewonnen und die andere verloren hat. Das dauert zwischen 25 und 90 Minuten, je nachdem wie viele Personen mitspielen und welcher Gegner auf welchem Schwierigkeitsgrad ausgesucht wurde.

 

Fazit

Karten, Marker, Lebenspunktanzeiger – alles in „Marvel Champions“ ist bunt und hat einen schrill-schrägen Aufforderungscharakter gespielt zu werden. Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass man es mit einer Herausforderung auf Kennerspielniveau zu tun hat. Um erfolgreich zu sein, sollte man schon bereit sein, sich in die Karten einzufuchsen. Nur so wird klar, welche Synergien zum Sieg gegen Rhino und Co. führen.

Genauso gerne wie ich im Duo antrete, versuche ich mich auch im Solospiel. Zu dritt oder viert möchte ich aber lieber nicht spielen. Dann dauern die Partien lang und sind nicht besonders abwechslungsreich. Weniger ist in diesem Fall mehr. Laut der Schachtel sollte man 14 Jahre sein. Das geht mit entsprechender Spielerfahrung sicher auch schon jünger. Die Gelegenheit Helden spielen zu können, die man aus dem Kino oder aus den Comics kennt, setzt die entsprechende Motivation frei. Erfahrung mit komplexeren Spielen und ein bisschen Frustrationstoleranz sollte man aber schon mitbringen. Die Schurken wollen ja schließlich auch gewinnen und ein Selbstläufer ist eine Partie auf keinen Fall.

Die Tatsache, dass fünf spielbare Charaktere in dieser Grundbox direkt zu Verfügung stehen, sorgt dafür, dass man natürlich auch alle kennenlernen will. Der Wiederspielwert ist also absolut gegeben. So umfangreich wie das Marvel Universum ist mittlerweile auch die Anzahl von Erweiterungen, die man für „Marvel Champions“ kaufen kann, um noch mehr Helden und noch mehr Schurken und noch mehr Karten zu haben. Dafür muss man aber letztlich tief in die Tasche greifen. Mir reicht der Spaß in dieser Variante absolut aus. Woran ich tatsächlich nicht so viel Spaß habe, ist Ordnung in der Schachtel zu halten. Ein Inlay für die Karten ist zwar dabei, macht aber seine Sache nur gerade ausreichend.

 

Bewertung / Test
+ unzählige Entscheidungen während einer Partie
+ klarer Spielablauf bringt Sicherheit
+ knallbunt und knallhart
+ sehr ansprechend für die ersten Schritte in diesem Spielgenre
– Inlay könnte mehr Struktur bieten
– Nur drei Schurken in der Grundbox

 

(Eine Rezension von Oli Clemens)


Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Kooperative Spiele”

  • ... Altersgruppe 14 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 70 Jahre
  • ... Altersgruppe ab 71 Jahre

Marvel Champions: Das Kartenspiel (2020)

Spielidee: Michael Boggs, Nate French & Caleb Grace
Grafik: keine Angabe
Verlag: Asmodee
Anzahl der Spielenden: 1-4 Personen
Altersempfehlung Verlag: Ab 14 Jahren
Spieldauer: 25-90 Minuten

Generationentauglichkeit: Bedingt thematisch, vom Material her jedoch nicht.

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