Ein gruseliger Freizeitpark – Point of View – Spooky Festival von Haba (Rezension)

Point of View - Spooky Festival | Familien | ab 12 Jahren | 2-8 Personen | Lukas Bleuel | Haba

Point of View: Vier Spielpläne und die Schachteln mit den Karten für die vier Kapitel.
Der Inhalt von Point of View: Vier Spielpläne und die Schachteln mit den Karten für die vier Kapitel.

 

Schon nach den ersten Minuten war uns klar: „Point of View: Spooky Festival“ ist kein Spiel wie jedes andere. Es fühlte sich von Anfang an erfrischend anders an – fast so, als hätten wir nicht einfach ein Gesellschaftsspiel gestartet, sondern gemeinsam eine Szene in einem riesigen Wimmelbild betreten, in der jede Stimme zählt und so gut wie jedes Wort Bedeutung bekommt.

Was dieses Spiel so besonders macht, ist sein konsequent kooperativer Ansatz. Niemand spielt hier gegen jemanden, es gibt kein Besser-oder-Schlechter. Stattdessen sitzen wir gemeinsam am Tisch, mit einem einzigen Ziel: die Rätsel zu lösen und die Geschichte zu entschlüsseln.

Point of View: Spielkarten
Ein kleiner Spoiler: Die Einleitung und die erste Frage zum Spiel. So leicht bleibt es allerdings nicht!

 

Der Kniff mit den unterschiedlichen Perspektiven bei „Point of View“ ist dabei genial. Alle von uns erhalten einen großen Faltplan, ähnlich einem Sichtschutz, den wir vor uns aufstellen– jeder Plan zeigt dieselbe Szene, denselben Vergnügungspark, aber aus einer völlig anderen Himmelsrichtung betrachtet. Was für mich offensichtlich ist, existiert für meine Mitspielenden vielleicht gar nicht. Und das Beste (oder Gemeinste): Wir dürfen uns unsere Pläne nicht zeigen. Alles läuft über Worte. Beschreibungen. Nachfragen. Missverständnisse. Und genau darin liegt der Reiz.

Denn hier gilt wirklich: Kommunikation ist alles, denn hier sind die Details mega wichtig. Wir haben diskutiert, gelacht, uns verhaspelt, neu angesetzt und plötzlich diese kleinen „Aha!“-Momente erlebt, wenn sich einzelne Puzzleteile im Kopf zu einem Gesamtbild zusammengefügt haben – oder manchmal auch total daneben gelegen. „Ich sehe da einen kaputten Wagen links vom Riesenrad“ – „Links von dir oder links vom Parkeingang?“ Solche Sätze wurden schnell zur Normalität und fühlten sich überraschend intensiv an.

Die Rätselkarten, eingebettet in eine kapitelweise erzählte Geschichte, führen durch das Spiel. Im Szenario „Spooky Festival“ entfaltet sich eine humorvolle, leicht düstere Stimmung: ein heruntergekommener Vergnügungspark, ein echtes Wimmelbild voller Details, Geheimnisse und diversen Andeutungen und skurrilen Szenen. Wir zählten Objekte in Fahrgeschäften, identifizierten Personen im Park und tauchten immer tiefer in die Handlung ein. Das Spiel fordert dabei ganz nebenbei unser räumliches Vorstellungsvermögen und eine erstaunlich präzise Ausdrucksweise.

Point of View:  Teilausschnit des Plans
Der Teil eines Planes. Es gibt immer wieder Neues zu entdecken!

 

Ein weiteres Highlight ist der Perspektivwechsel nach jedem Kapitel. Die Faltpläne wandern im Uhrzeigersinn weiter, sodass jeder irgendwann jede Ansicht sieht. Das fühlt sich nicht nur fair an, sondern sorgt auch für spannende Aha-Momente: „Ach so sah das bei euch aus!“ – ein toller Kniff, der das Spiel frisch hält. Außerdem liegen für jede Runde Umschläge mit neuen „Rätselaufgaben“ bei.

Emotional hat uns „Point of View: Spooky Festival“ wirklich abgeholt. Es war dieses gemeinsame Grübeln, das leise Mitfiebern, das triumphierende Lächeln bei einer richtigen Antwort – und auch das kollektive Seufzen, wenn eine Karte auf dem „Falsch“-Stapel landete. Es entstand das Gefühl, sehr intensiv kooperativ zu spielen, statt nur nebeneinander zu sitzen. Alle Mitspielenden sind gleichwertig am Spielfluss beteiligt, was bei kooperativen Spielen nicht immer der Fall ist.

Fazit
 
„Point of View: Spooky Festival“ ist ein außergewöhnliches, kooperatives Spielerlebnis, das Kommunikation, Vorstellungskraft und Teamgeist in den Mittelpunkt stellt. Es ist erfrischend anders, emotional verbindend und bleibt länger im Kopf. Allzu lange Pausen zwischen den Kapiteln empfehlen sich übrigens nicht – gutes Licht, und wenn benötigt wird eine Lesebrille, allerdings schon. Das letzte Kapitel spielten wir mit zeitlichem Abstand und fanden uns nicht mehr so gut in das Geschehen ein. Meine Empfehlung: spielt die vier Kapitel zeitnah, mit der gleichen Gruppe. Wir waren zu dritt und das funktionierte recht gut. Hier gibt es eine kleine Regelanpassung, wenn man nicht zu viert spielt. Die Texte auf den Karten kann man sich auch bequem per Scan eines QR Codes vorlesen lassen. 
Wer also Lust auf ein Spiel hat, das weniger auf Mechanik und mehr auf gemeinsames Erleben setzt, sollte hier unbedingt einen Blick riskieren – am besten aus allen vier Himmelsrichtungen

Bewertung / Test
+ Wimmelbild Feeling in der analogen Version
+ sehr ausgewogenes. kooperatives Spielgefühl
+ Material verbraucht sich nicht
– ein späteres Kapitel weiterspielen funktioniert nicht gut nach längerer Pause
– die Abbildungen sind extrem klein

(Eine Rezension von Sandra Waesch)

 

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Point of View - Spooky Festival (2025)

Spielidee: Lukas Bleuel
Grafik: Marko Müller, Synty Studios
Verlag: Haba
Anzahl der Spielenden: 2-8Personen
Altersempfehlung Verlag: Ab 12 Jahren
Eigene Altersempfehlung: Ab 12 Jahren
Spieldauer: 60-80 Minuten pro Kapitel

Generationentauglichkeit: Leider nein, die Szenen sind teilweise extrem klein dargestellt und auch bei gutem Licht ab einem gewissen Alter nicht mehr gut erkennbar.