Viermal Evolution, bitte – Nature von Haba (Rezension)

Nature | Familienspiel | ab 10 Jahren | 1-4 Personen | Dominic Crapuchettes | Haba

Nature - Material

Als Kind war ich unglaublich anfällig für diese Heftchen / Magazine, in denen man diverse Dinge sammeln konnte, um sie später zusammenzubauen. Dinosaurier, Autos, Züge, alles Mögliche. Das Blöde daran war stets, dass das erste Heft meist  ein interessantes Feature hatte und sehr günstig war, man aber oftmals 20 oder mehr Hefte kaufen musste, um sein Set zu komplettieren.

Ein klein bisschen ähnlich verhält es sich leider mit dem Spiel Nature, das 2025 bei Haba erschienen ist. In Nature legen wir in jeder der vier Runden Populationen einer Tierspezies an und versuchen, diese über ausgespielte Karten mit Eigenschaften auszustatten, sodass sie möglichst lange überleben und dabei groß werden. Ich kann zudem jede Runde aufs Neue entscheiden, ob ich aus meiner Spezies einen Jäger (der natürlich Spezies meiner Mitspielenden fressen soll) oder Pflanzenfresser mache. Jede Population, die am Ende einer Runde ernährt ist und überlebt hat, gibt mir einen Punkt in Form des Nahrungschips, den ich während der Ernährungsphase auf diese gelegt habe. Am Ende bekomme ich noch Punkte für überlebende Spezies und wer die meisten Punkte hat, gewinnt.

Das Material ist definitiv schön anzusehen und der fast vollständige Verzicht auf Plastik ist ein guter Schritt. Spielt man das Spiel in einer Runde zu viert, fordert es einen etwas größeren Tisch, da jede Person im besten Fall vier Spezies mit einigen Populationen (Chips) und je drei Karten ausliegen hat, plus natürlich der allgemeinen Auslage in der Mitte. Das sieht alles gut aus.

Was aber hat nun die Einleitung mit diesem Spiel zu tun? Nature ist modular aufgebaut. Zum Grundspiel gibt es bei Haba (Stand Juni 2026) 6 zusätzliche Module, von denen 4 aktuell verfügbar sind. Diese bringen wahlweise Dinosaurier, Vögel, Naturkatastrophen und andere Dinge ins Spiel. Dadurch soll laut Verlag mehr Abwechslung ins Spiel kommen. Was die beiden mir vorliegenden Module „Jurassic“ und „Flight“ betrifft, stimmt das auch. Abwechslung ist gegeben und beide Module geben dem Spiel durchaus mehr Tiefe.

Aus meiner Sicht ist dieses Vorgehen aber leider ein Schuss in den Ofen. Ein Vielspieler wie ich würde, wenn er das Grundspiel von Nature (ohne Module) kauft, nach der ersten Partie mit den Schultern zucken und versuchen, das Spiel wieder loszuwerden. Für einen UVP von 34,99€ erwarte ich mir zumindest etwas mehr. So schön das Material aussieht, für uns ist das zu wenig. Nur 8 verschiedene Kartentypen, von denen einige definitiv stärker als andere sind, machen aus einem Spiel, das in Vollbesetzung schon 45 Minuten dauern kann, eher ein Glücksspiel, in dem es darauf ankommt, zufällig die besseren Karten zu ziehen. Das kann ich einem Spiel verzeihen, das vielleicht 15 Minuten dauert. Wenn aber in der Anleitung schon steht, dass man, wenn man mit dem Spielsystem vertraut ist (was in der Regel 2-3 Partien dauert), eines oder am besten gleich mehrere Module hinzunehmen soll, hinterlässt das den faden Beigeschmack einer Verkaufsstrategie, bei der das eigentliche Spiel erst stückweise nachgekauft werden muss. Dass diese Aufteilung vom Originalverlag NorthStar Game Studio durch die Veröffentlichung über Kickstarter so vorgegeben ist, kann man Haba selbst nicht anlasten.

In meiner Recherche zu Nature bin ich auf das Spiel Evolution aus dem Jahr 2014 gestoßen, das quasi der Vorgänger davon ist. Ich habe es selbst nicht gespielt, aber gelesen, dass für Nature wohl alle spannenden Elemente aus Evolution entnommen wurden und nur das nötigste übrig gelassen wurde, damit es ein Spiel ergibt. Das mag gemein klingen, aber leider fühlt es sich genau so an.

Nature: Spielausschnitt

Fazit
Ist Nature also ein kompletter Reinfall? Ich denke, dass Wenigspielern damit vielleicht ein paar Partien lang Spaß haben könnten, aber auch diese werden vermutlich nicht zu häufig zur Schachtel greifen. Und die Verlockung, ein oder mehrere weitere Module zu kaufen, ist dann doch zu gering. Schade, hätte man vielleicht 2-3 Module gleich ins Hauptspiel gepackt, wäre es für manche vermutlich interessanter.

 

Bewertung / Test
+ schönes Material
+ leichte Regeln, wenig Downtime
+ kostenpflichtige Zusatzmodule können mehr Tiefe und Varianz bringen
– ohne Zusatzmodul sehr monoton
– Hoher Glücksanteil
– Modul-Politik hinterlässt den faden Beigeschmack
– unerwartet hoher Platzbedarf am Tisch

(Eine Rezension von Marco Schanzer)

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Nature

Spielidee: Crapuchettes, Dominic
Verlag: Haba
Anzahl der Spielenden: 1-4
Altersempfehlung Verlag: ab 10 Jahre
Spieldauer: 45 Minuten

Generationentauglichkeit: Das Spiel kann von Spielenden jedes Alters leicht erlernt und gespielt werden.