Speakeasy! – 1923 Cotton Club von Biberstein Spiele (Rezension)

1923 Cotton Club | Kennerspiel | ab 12 Jahren | 2-4 Personen | Pau Carles | Biberstein Spiele

 

Blick auf ein Kartenstilleben aus Cotton Club vor der kleinen Spielschachtel
Viel Spiel in kleiner Schachtel – das sind die Titel von Biberstein Spiele.

Wer kennt sie nicht, die vielen Filme, Geschichten und Spiele aus der Zeit der Prohibition. Sie stehen für eine ganze Epoche, als in den Vereinigten Staaten von Amerika der Alkohol per Gesetz verboten wurde, um den Konsum zu regeln. Der Attraktivität der „berauschenden Flüssigkeiten“ hat das keinen Abbruch getan und es florierte der Schwarzmarkt – denn nicht nur der Verkauf, auch die Herstellung und der Transport von Alkohol waren verboten. Der Rest der Geschichte sollte bekannt sein – das organisierte Verbrechen erlebte einen Boom. Genau an dieser Stelle steigen wir in Cotton Club ein. Wir besitzen einen Nachtclub und statt auf „zufällige Lieferungen“ zu hoffen, bauen wir die ganze Infrastruktur gleich selbst mit auf. Schließlich wollen wir VIPs anlocken und mit ihnen unser Ansehen steigern und noch mehr Kundschaft bewirten. Vielleicht sind ja sogar Politiker unter ihnen, die wir mit gezielter Bestechung für unsere Zwecke stimmen lassen können. Doch hüten wir uns vor der Konkurrenz und möglichen Razzien der Polizei. Damit unser Geschäft weiterläuft, sollten wir auch, natürlich nur zum Selbstschutz, ein paar Männer in grau anheuern.

Alles wird über eine Vielzahl an verschiedenen Kartenkategorien gesteuert: Aus einer Auslage dürfen wir Karten kaufen, die Reihenfolge, wer wann worin investiert, bestimmen dabei unsere Spielfiguren, die wir im Arbeitereinsatzmechanismus (= Workerplacement) auf den Plan stellen und somit die Reihenfolge und ggf. andere Vergünstigungen oder Strafen erzielen. Echte Interaktion kommt dabei nur im Wegschnappen von Einsatzfeldern oder dem „Wegkaufen“ einer Karte auf – einen richtigen Bandenkrieg gegeneinander gibt es nicht. Um dem Überraschungseffekt doch ein wenig Raum im Spiel zu bieten, gibt es Ereignisse, die alle am Tisch betreffen und auf die sich alle nur kurz vorbereiten können – da wirbelt so eine Razzia manchmal das eigene Business durcheinander oder Alkoholverkäufe bringen mehr Geld usw.

Die Fotos lassen es unschwer erkennen: Das Herzstück der Partie sind die Spielkarten – zweckmäßig und mit dem unverkennbaren Stil aus der Hand von Pedro Soto. Jede Persönlichkeit im Spiel – egal ob Verbrecher, VIP oder Künstlerin ist mit einem kurzen Steckbrief in der Spielanleitung vorgestellt. Und so steckt in dieser kleinen Schachtel dann wirklich erstaunlich viel Spiel!

5 Kartenreihen im Spielgeschehen, sie zeigen Gesichter berühmter Personen aus der Zeit der Prohibition.
Viele Karten – allesamt im historischen Kontext mit Persönlichkeiten aus der Ära der Prohibition.


Fazit
Die Jahrhundertreihe vom spanischen Verlag Looping Games wird durch Biberstein Spiele nun auch dem deutschsprachigen Markt zugänglicher gemacht. Diese historische Serie nimmt sich vieler Themen an, egal ob Erdbeben in San Francisco, Bau des Eurotunnels, Restauration der sixtinischen Kapelle, Flug der ISS, … die Liste ist mittlerweile lang. Mal gut und mal besser in Szene gesetzt sind nun einige dieser Titel auf deutsch erhältlich, bislang sind das „1906 San Francisco“, „1923 Cotton Club“, „1980 Sixtinische Kapelle“ und „1998 ISS“. Am Grundprinzip der Serie mit kleiner Schachtel und dann doch größerem Spiel ändert das nichts. Hier im Blog hatte ich vor einiger Zeit bereits „1902 Méliès“ vorgestellt – das lässt sich auch dort gut erkennen.

„1923 Cotton Club“ ist da keine Ausnahme: Der Deckel der Schachtel passt gerade so drauf, wenn alles Spielmaterial verstaut ist. Die Anleitung und die Spielpläne wirken einen Hauch stabiler als in der spanisch/englischen Originalversion. Die Spielanleitung ist sehr gut übersetzt und verständlich. Für mich persönlich stellt „1923 Cotton Club“ einen der besten, wenn nicht sogar DEN besten Titel aus eben jener historischen Jahrhundertreihe dar. Auch wenn das Thema des organisierten Verbrechens dem einen oder anderen ein Stirnrunzeln abnötigen mag, so ist Gewalt hier maximal entschärft durch Symbole in Form von Pistolen gelöst. Feuerkraft eben und da geht es nur um den Vergleich wer mehr davon hat. Es wird also auf eine Zahl abstrahiert und dennoch im Kern als ein sich lohnendes und durchaus erfolgversprechendes Wettrüsten als Struktur dargestellt. Auch wenn dieser Gedanke etwas düster erscheinen mag, im Spielgeschehen taucht er so nicht auf oder hindert gar daran. Denn dann versucht jede Person ihr Geschäftsmodell zu retten und am Ende mit den meisten Punkten zu gewinnen. Beinnahe unnötig zu erwähnen, dass es hier nicht beabsichtigt gewesen sein mag, ein Generationenspiel zu schaffen, auch die Kleinteiligkeit steht dem etwas im Wege.

Ich freue mich sehr, dass dieser Wettlauf nun auch in lokalisierter Form auf deutsch erhältlich ist. Vielen Dank an den jungen Verlag Biberstein Spiele! Ich freue mich auf weitere Titel!


Bewertung / Test
+ Kleine Schachtel – sehr viel Inhalt
+ Schöne Illustrationen und eingängige Ikonographie
+ Kurzweiliger Spielverlauf und -dauer
– Kleinteiligkeit des Spielmaterials

(Eine Rezension von Tobias Mallock)


Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)

ACHTUNG – hier geht es zu unserem YouTube-Kanal:
Spielecafé der Generationen – Jung und Alt Spielt – YouTube

1923 Cotton Club (2025)

Spielidee: Pau Carles
Grafik: Pedro Soto
Verlag: Biberstein Spiele
Anzahl der Spielenden: 2  – 4 Personen
Altersempfehlung Verlag: Ab 12 Jahren
Eigene Altersempfehlung: Ab 10 Jahren
Spieldauer: 45 – 60 Minuten

Generationentauglichkeit: Nicht beabsichtigt und nein, Thema und Kleinteiligkeit stehen bei diesem Kennerspiel im Weg.
Pädagogisch wertvoll: Das Thema könnte in der Lage sein, das geschichtliche Interesse an der Zeit der Prohibition in den USA (1920 – 1933) zu fördern.