Flip it & Win it! – Color Flush von HCM Kinzel (Rezension)

Color Flush | Kartenspiel | ab 7 Jahren | 3 bis 6 Spielende | Vivien Roeltgen | HCM Kinzel | generationentauglich

Stellvertretend machen es „Uno Flip“ und „Hanabi“ vor – Spielkarten haben Informationen auf beiden Seiten, oder verraten den Mitspielenden Dinge über meine Kartenhand, die ich nicht weiß. Dazu gesellt sich auch „Color Flush“ – ich habe es getestet!

Die schmalen Karten zu einem Muster ausgelegt.
In Farbe und bunt – Color Flush!

 

Das Spiel
Color Flush
ist ein Kartenspiel von Vivien Roeltgen und bei HCM Kinzel in der deutschen Ausgabe erschienen. Es ist für 3-6 Spielende geeignet und kann ab 7 Jahren gespielt werden.

Die Schachtel öffnet über einen Magnetverschluss an der Seite und klappt auf – das weckt sofort schöne Erinnerungen! Die bunten Farben tun das ebenfalls und dann noch dazu dieses ungewohnt andere Kartenformat – neugierig macht der Erstkontakt mit „Color Flush“. Auf den ersten Blick wirkt es wie ein sprachneutrales und generationentaugliches Spiel – das bestätigt sich auch nach einer sehr kurzen Regelkunde. Auch auf Besonderheiten beim Farbensehen wird mittels Muster auf den Karten eine Alternative zu den Farben angeboten.

Die Spielschachtel mit den ungewöhnlich schmalen Karten.
Kleine Karten und kleine Schachtel.

 

Jede Person erhält 7 Karten. Diese werden auf die Hand genommen ohne sich dabei die Rückseiten anzusehen. Haben alle Mitspielenden 7 Karten auf der Hand beginnt auch schon das Spiel. Jede Person spielt 3 verschiedene Aktionen genau einmal in beliebiger Reihenfolge bevor es im Uhrzeigersinn weitergeht. Das wiederholt sich so lange, bis eine Kartenhand nur noch Karten der gleichen Farbe enthält, weiß zählt dabei als Joker. Das Spiel endet dann sofort.

Exemplarisch ein Kartenhand kurz vor Spielgewinn - nur doch eine Karte muss hier weitergegeben werden, dann ist das Spiel beendet.
Das sieht schon ganz gut aus – wenn nur die rote Karte noch wegkäme …

 

Die 3 Aktionen sind schnell erklärt: Ich …

  • gebe eine Karte weg und wähle dabei ob an eine mitspielende Person oder den Kartenstapel
  • ziehe eine Karte und wähle dabei ob von einer mitspielenden Person oder den Kartenstapel
  • wende eine einzelne Karte von der eigenen Kartenhand auf ihre andere Seite

Die Reihenfolge ist dabei frei wählbar mit der einzigen Bedingung, dass jede Aktion genau einmal gewählt werden muss. Der Reiz ist hierbei, das eine Karte entweder auf beiden Seiten die gleiche Farbe zeigt oder, viel häufiger, zwei verschiedene Farben trägt. Wenn ich eine Karte aus der Hand der Mitspielenden wähle, so ist die ehemalige Rückseite nun in meiner eigenen Kartenhand die Vorderseite. Ich kann also noch nicht erkennen, welche Farbe ich der Person eben gezogen habe, und ebenso bleibt die Person im dunkeln, welche Farbe ich eben gezogen habe. Das erinnert phasenweise an Hanabi. Die Karten werden beim Ziehen und Weggeben niemals gewendet. Erscheint mit der genannten Aktion, dem Wenden einer einzelnen Karte der eigenen Kartenhand eine Karte mit schwarzer Farbe auf meiner Hand, so muss ich augenblicklich meine komplette Kartenhand inklusive der eben gedrehten schwarzen Karte in bester Uno Flip Manier zurückwenden.

Eine exemplarisch offen gelegte Kartenhand mit einer schwarzen Karte - hier muss gewendet werden!
Die Farbe Schwarz trübt die Freude: Einmal alles Wenden bitte!

 

Aufgrund dieser Vielfalt an Kombinationen ist eine Partie dann auch sehr schnell vorbei. Entweder zieht eine Person aus einer fremden Kartenhand die letzte störende Farbe aus der Hand – wohlwissend, an der Rückseite nicht zu erkennen – oder es wird gezielt so abgelegt oder weitergegeben, dass im eigenen Zug die Kartenhand farbrein wird. Leider passierte das in allen Testpartien recht schnell. Das schuf zwar Raum für viele Revanchen, fühlte sich jedoch immer irgendwie halb oder unfertig an.

 

Fazit

„Color Flush“ sieht anfangs vielversprechend aus, die kleine Spielschachtel öffnet genau wie „Next Station London“ und die bunte Verpackung macht Freude auf das Spiel. Überraschung macht sich ob des schmalen Kartenformats breit: Etwas mehr als ein Merci-Riegel oder einem Fischstäbchen entsprechend sind die Spielkarten in ihrer Größe. Dieser anfänglichen Begeisterung erfolgt bereits die Ernüchterung, dass dies während des ganzen Spiels Handkarten sind und nicht irgend ein Muster abgelegt wird oder eine Straße oder ähnliches. Bei einer maximalen Kartenhand von bis zu 10 Karten ist es dadurch gut in der Hand haltbar – wäre es mit dem europäischen Standardkartenformat sicher auch gewesen.

Unsere Testrunden endeten viel zu schnell und zu plötzlich – mal aufgrund einer exzellenten Starthand und mal wegen gutem Kartenziehen. So erfrischend die Idee auch ist, mit beiden Seiten der Karten zu spielen, so viel Willkür scheint sie in den ersten zwei drei Umläufen auch mit sich zu bringen. Wenn eine Partie diese Phase übersteht, dann weiß ich zwar ein paar der Karten, jedoch ist sehr viel Glück vonnöten um dann tatsächlich die erste Person zu sein, die nur noch eine Farbe evtl. inklusive Joker-Karten auf der Hand hält.

Ich sehe in jedem fertigen Spiel die Idee und auch die Arbeit, die dahinter zu stecken vermag. Bei „Color Flush“ finde ich den Ansatz mit beiden Kartenseiten gleichzeitig zu spielen, jedoch nur eine davon zu sehen, sehr spannend. Im Spielgefühl spiegelt sich diese hohe Erwartung dann nicht ganz wider. Nicht viel ausprobiert und mit zu wenig Freude am Spiel kann ich hier jedoch auch keine Alternative oder Variante beisteuern, die das Spielgefühl verbessern könnte. Das Kartenformat lässt mich ebenfalls mit einem Fragezeichen zurück.

Den Reiz an „Color Flush“ sehe ich in seiner Sprachneutralität und dem handlichen Format, was es quasi zum mitnehmen nach überall ermöglicht und so sicher auch kurze Pausenzeiten überbrücken lässt, oder einfach schnell ein zwei kurze Runden spielen lässt. Für ein Kartenspiel in der eigenen Spielesammlung oder während eines Spieleabends ist das Angebot an Kartenspielen dann doch sehr und oftmals zu groß.

 

 

Bewertung / Test
+ einfaches und schnell zu erlernendes Regelwerk
+ kurzweilige Spielrunden
+/- keine Planung, wenig Taktik, sehr viel Glück
– unhandliches Kartenformat

 

(Eine Rezension von Tobias Mallock)

Tobias

 

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Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Familienspiele”

  • ... Altersgruppe bis 12 Jahre
  • ... Altersgruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 70 Jahre
  • ... Altersgruppe ab 71 Jahre

Color Flush (2023)

Spielidee: Vivien Roeltgen
Grafik: Simon Dochy
Verlag: HCM Kinzel
Anzahl der Spielenden: 3 – 6 Personen
Altersempfehlung Verlag: Ab 7 Jahren
Spieldauer: 10 – 20 Minuten

Generationentauglichkeit: Kein Text, keine kleinen Teile, kurze Spielrunden – formal steht dem generationenübergreifendem Spiel nichts im Wege.