Tiefseeökologie – Schlote der Tiefe von Leichtkraft (Rezension)

Schlote der Tiefe | Kennerspiel | ab 14 Jahren | 2 bis 4 Spielende | T. Alex Davies und Ryan Lakaut | Leichtkraft 

Die Tiefsee birgt so einige Geheimnisse. Seltsame Wesen tummeln sich da unten in einem eigenen Ökosystem. Wir versuchen, ein funktionierendes Ökosystem aufzubauen, besser zu vernetzen als die Mitspielenden oder sogar dabei deren Ökosystem zu zerstören.

Spielkarton und Inhalt

 

Das Spiel
Schlote der Tiefe
 ist ein Kennerspiel von T. Alex Davies & Ryan Lakaut und bei Leichtkraft erschienen. Es ist für 2 – 4 Spielende geeignet und kann ab 14 Jahren gespielt werden.

Hauptwährung in diesem Spiel sind Archaeen. Da musste ich erstmal nachschauen, was das ist: so etwas wie Urbakterien. Wer in Biologie fit ist, wird die Hintergründe dieses Spiels besser verstehen. Die abgebildeten Gesteine und Wesen sind jedenfalls real.

Jedes der Plättchen weist besondere Eigenschaften aus. Werden sie aktiviert, und das passiert in jeder Runde, entscheide ich mich zwischen Wachstum und Auslösen der Eigenschaften. Vieles bezieht sich da auf die benachbarten Plättchen.

Ausgehend vom Startplättchen „Tiefer Schlot“ liegen in zufälliger Auslage sechs Plättchen zur Wahl. Aber nur das außen liegende ist kostenlos. Um an ein weiter links liegendes zu kommen, muss ich auf jedes rechts davon ein Archaeon legen. Sodann ist die Position des neuen Plättchens in der eigenen Auslage wichtig, denn die Aktivierung geschieht in einer festen Reihenfolge.

Startplättchen, Spielsteine Archaeen, Auslage von 6 Plättchen mit Tiefseewesen

Startplättchen und 10 Archaeen im 2er-Spiel. Darüber eine Auslage von 6 Plättchen zur Auswahl.

Die Ikonographie ist eindeutig, will aber zunächst erlernt werden. Das Register in der Anleitung mit der Erklärung jeden Plättchens ist in den ersten Partien unverzichtbar. Ich habe es als sperrig empfunden. Es kommt auf die genaue Formulierung an und dann kommt das Verstehen und erst danach die Überlegung, was dieses Plättchen taktisch bewirken kann.

Plättchen Yeti-Krabbe und ein Muschelmarker

Die Muschelmarker sind schön und hochwertig.

Als Beispiel die gezeigte Yeti-Krabbe, eines der einfacheren Plättchen: links der Auslöseeffekt: ich zahle drei Archaeen aus meinem Vorrat, bekommt dafür eine Muschel und alle Gegner geben ein Archaeon aus ihrem Vorrat ab. Rechts der Wachstumeffekt: ich lege auf dieses Plättchen aus dem allgemeinen Vorrat so viele Archaeen wie die Summe der gezeigten Eigenschaftsymbole der umliegenden Plättchen.

Geschickt eingebaut, landen auf diesem Plättchen schnell viele Archaeen. Das ist für die Schlusswertung wichtig, aber ich bekomme sie nicht in den eigenen Vorrat, um damit Angriffe zu bezahlen. Die Muscheln sind da hilfreich, denn bei Abgabe einer Muschel reduziert sich der Angriff auf die Hälfte.

So gilt es im Auge zu behalten, wie viele Archaeen oder auch Muscheln im eigenen Vorrat sein müssen um die Angriffe der Mitspielenden bezahlen zu können. Gelingt das nicht, muss ich einen Mangelmarker nehmen, der einen Wert von 10 Archaeen hat. Damit bin ich für den Moment wieder flüssig. Doch kann ich ihn nicht zurückzahlen und bekomme einen zweiten Mangelmarker und kann ihn nicht in der gleichen Runde bezahlen,  ist das Spiel für mich sofort beendet.

Fünf in Anordnung gelegte Plättchen

Zur Verdeutlichung sind hier keine Archaeen auf den Plättchen.
Von links oben nach rechts unten werden die Effekte abgearbeitet.

Sieht man wie hier mehrere Plättchen aneinander, lässt sich die Komplexität von Schlote der Tiefe nachvollziehen. Es ist nicht einfach, ein funktionierendes System aufzubauen, mit dem ich den eigenen Vorrat immer wieder auffüllen kann, Archaeen auf den Plättchen ansammle, Schnecken kaufen kann und vor allem Angriffe starten kann. Ohne eigene Angriffsmöglichkeiten haben es die Mitspielenden zu leicht. Gewinnchance hat man nur konfrontativ. Wenn man eher passiv sein Ökosystem zu optimieren sucht, wird man Opfer der gegnerischen Angriffe. Das gilt es vorher zu klären, dass man hier nicht „nett“ spielt.

Das Spiel endet, wenn noch eine Person übrig bleibt oder nach der achten Runde. Im zweiten Fall geben Archaeen Siegpunkte, sowohl im eigenen Vorrat als auch auf den Plättchen, ebenso die übrigen Muscheln im eigenen Vorrat.

 

Fazit
Um Schlote der Tiefe mit Sinn und Strategie zu spielen, braucht es Einarbeitungszeit. Alles erschließt sich und ist logisch, erschließt sich aber nicht intuitiv (vielleicht tut es das für gelernte Biolog:innen). Selbst wenn man die Ikonographie verstanden hat, braucht man immer wieder das Register mit der Erklärung der einzelnen Karten. Nach dem Verstehen der Effekte wird dann erst das Ineinandergreifen der einzelnen Plättchen langsam klar. Es gibt also eine Lernkurve und das macht es schwierig, wenn neue Spielende an den Tisch kommen mit anderen, die hier schon Erfahrung haben.

Ähnliche Thematik haben Evolution und Ozeane. Schlote der Tiefe ist kürzer gespielt, aber ebenso komplex.

Die Anleitung ist gut strukturiert und bebildert, die Register von Symbolen und Plättchen sind unerlässlich und das Material ist hervorragend und geschmackvoll. Die Altersangabe von ab 14 Jahren würde ich bestätigen. Senior:innen wird die Komplexität und der schwierige Einstieg abschrecken.

 

 

Bewertung / Test
+ Thema Ökologie der Tiefsee stimmig umgesetzt
+ schönes, wertiges Material
+ taktische Tiefe
– Einarbeitung nötig, da Ikonographie umfangreich
– Lernkurve macht es schwierig, Erfahrene und Neulinge miteinander spielen zu lassen

 

(Eine Rezension von Paul Theisen)


Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Kennerspiel”

  • ... Altersgruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 70 Jahre
  • ... Altersgruppe ab 71 Jahre

Schlote der Tiefe (2020)

Spielidee: T. Alex Davies & Ryan Lakaut
Grafik: Ryan Lakaut
Verlag: Schwerkraft
Anzahl der Spielenden: 2 – 4 Personen
Altersempfehlung Verlag: ab 14 Jahren
Spieldauer: 45 Minuten

Generationentauglichkeit: Die Ikonographie auf den Plättchen ist zu klein, das größere Problem ist aber die Komplexität des Spiels

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