Auf den Spuren von Atlantis – Atlantis Rising von Skellig Games (Rezension)

Atlantis Rising | kooperatives Familienspiel | ab 10 Jahren | 1-7 Spielende | Galen Ciscell, Brent Dickman | Skellig Games

Nahezu jeder Mensch hat schon ein Mal von Atlantis, der versunkenen Stadt gehört. Doch wie ist es zu diesem Unglück gekommen und was passierte mit den Bewohnenden der legendären Stadt? Na das haben wir selbst in der Hand, denn in dem kooperativen Atlantis Rising entscheiden wir über das Schicksal der Atlanter:innen. Ob das Spaß macht, erfahrt ihr in der folgenden Rezension.

Zu sehen sind Atlantis Rising mit dem gesamten Spielmaterial.

Atlantis Rising von Skellig Games

 

 

Das Spiel
Atlantis Rising ist ein kooperatives Familienspiel von Galen Ciscell & Brent Dickman für 1-7 Spielende ab 10 Jahren und bei Skellig Games erschienen. Eine Partie dauert ca. 60 bis 120 Minuten.
Ziel des Spiels ist es, gemeinsam die Evakuierung von Atlantis durch den Bau eines großen Portals zu schaffen und alle Bewohnenden zu retten, bevor die Insel in den Fluten untergeht.

Zu sehen ist der Spielaufbau von Atlantis Rising für 4 Spielende.

Spielaufbau für 4 Spielende

Das Spielkann mit bis zu 7 Spielenden bestritten werden, eine ganz schöne Hausnummer für ein kooperatives Spiel. Alle starten mit der Wahl eines eigenen Charakters mit dazu gehörigem Tableau. Alle Charaktere haben eine eigene ganz individuelle Fähigkeit, die während des Spiels genutzt werden kann. Jedes Charaktertableau ist doppelseitig bedruckt mit einer weiblichen & männlichen Form, dafür gibt es schon Mal einen dicken Pluspunkt von mir.

Die Charaktere werden durch den großen Holzmeeple dargestellt. Die kleineren Meeple der gleichen Farbe stellen Anhänger unseres eigenen Charakters dar, auf die wir zum Erledigen der verschiedenen Aufgaben ebenfalls zurückgreifen können. Abhängig von der Anzahl der Mitspielenden haben wir eine unterschiedliche Anzahl dieser zu Beginn zur Verfügung stehen. Aber keine Sorge, im Verlaufe des Spiels gibt es die Möglichkeit, noch mehr Unterstützende Personen anzuheuern.

Zu sehen ist ein Charaktertableau von Atlantis Rising mit Archon-Figur und Atlanter:innen

Jede Charakter wird durch eine Archon-Figur (die große Figur) dargestellt.

Das Spiel läuft nun über mehrere Runden ab und jede Runde ist gleich aufgebaut. Doch was ist das eigentliche Ziel? – die Insel retten? Pustekuchen, die geht leider immer unter und das sogar verdammt schnell. Ziel ist es das Portal zu bauen, was alle Atlanter:innen vor dem sicheren Tod bewahrt. Dafür müssen wir zunächst 9 Module, die uns unterschiedliche Vorteile für den Rest des Spiels (sowohl einmalige als auch dauerhafte Effekte)  bringen bauen. Sobald alle 9 Module gebaut sind, dürfen wir den Kern des Portals bauen. Wenn das geschafft wurde, haben wir das Spiel gewonnen, yeah!

Zu sehen ist das Portaltableau von Atlantis Rising.

Auf dem Portaltableau befinden sich ebenfalls Arbeitereinsetzfelder, auf die unsere Anhänger:innen müssen, wenn sie Teile des Portals erbauen wollen.

Aber halt. So einfach ist es dann doch nicht. Da war doch noch was? Genau die Insel geht unter, und damit auch die Möglichkeit unsere Anhänger:innen einzusetzen, um die nötigen Ressourcen für den Bau des Portals zu sammeln, neue Anhänger:innen zu überzeugen oder mächtige Bibliothekskarten zu erwerben.

Jetzt aber erst ein Mal der Reihe nach. Jede Runde startet damit, dass wir uns gemeinsam überlegen, wo wir unsere große Charakterfigur (unter Berücksichtigung ihrer Spezialfähigkeit) sowie unsere Anhänger:innen einsetzen. Das erfolgt gleichzeitig, somit sind wir extrem flexibel in unseren Entscheidungen und müssen uns gut absprechen. Hier ist also Kommunikation erforderlich.

Die Anhänger:innen werden nun auf den Plätzen der Insel und des Portaltableaus platziert. Je weiter außen sie sind, desto weniger hoch sind die Ansprüche, die sie erfüllen müssen, damit ihre Aktion erfolgreich ist. Aber auch das Risiko, dass das Inselteil, auf dem sie sich befinden, geflutet wird, steigt mit der Entfernung von der Inselmitte.

Zu sehen sind die Schicksals- & Bibliothekskarten von Atlantis Rising.

Schicksal und Wissen fechten einen harten Kampf gegeneinander aus.

Jetzt ziehen alle eine Schicksalskarte. Diese sind in schwere und leichte Schicksale, so wie Ruhige See-Karten, bei denen nichts passiert unterteilt. Diese Karten entscheiden, welche Inselteile nun geflutet werden. Das ist ein sehr zufallsabhängiger Faktor des Spiels und lässt sich kaum vorausplanen. Stehen Figuren auf einem zu flutenden Inselteil, kommen diese auf unser jeweiliges Tableau zurück, ohne ihre Aktion durchführen zu dürfen. Wir sollten also immer abwägen, wie weit auswärts wir sie platzieren wollen und damit ein Risiko eingehen oder ob wir lieber zentral bleiben und damit eine schwierigere Aufgabe zu erfüllen haben.

Alle jetzt verbliebenen Figuren dürfen nun ihre Aktion ausführen. Dafür muss auf manchen Teilen der Würfel geworfen und mindestens die abgedruckte Zahl erreicht werden. Je weiter außen, desto geringer die nötige Zahl. Auch hier gibt es wieder einen sehr glückslastigen, zufallsabhängigen Faktor im Spiel. Wir können zwar die Flut überlebt haben, sind aber der Herausforderung der Aufgabe dann doch nicht gewachsen. Glücklicherweise können wir die fehlende Differenz durch arkane Energie ausgleichen. Doch diese ist ein knappes Gut im Spiel, die ebenfalls zum Erbauen des Portals, Errichten von Schutzblockaden sowie dem Trockenlegen bereits gefluteter Inselteile benutzt werden kann. Gutes Ressourcenmanagement ist demnach nötig.

Zu sehen sind die unterschiedlichen Ressourcen von Atlantis Rising.

Es gibt verschiedene Arten von Ressourcen in Atlantis, die wir alle zum Erbauen des Portals benötigen.

Nachdem alle Aktionen in beliebiger Reihenfolge abgehandelt wurden, müssen wir nun den Zorn der Götter über uns ergehen lassen. Nicht nur, dass Atlantis untergehen soll, nein auch die Rettung unserer Bevölkerung ist ihnen ein Dorn im Auge. Abhängig von der aktuellen Zornesstufe müssen wir den Insel jetzt kontrolliert fluten. Das bedeutet, wir dürfen uns ein Inselteil aussuchen, das untergeht. Sollte mal ein Teil nicht mehr geflutet werden können, was aber durch das Schicksal vorgegeben wird, müssen 2 andere beliebige Teile stattdessen untergehen. Sobald die Inselmitte untergeht, haben wir das Spiel sofort verloren, denn dann ist Atlantis unwiderruflich den Fluten zum Opfer gefallen.

Zu sehen ist das Göttertableau, auf dem die Zornesstufe sowie der Vorrat neuer Anhänger:innen zu sehen ist.

Der Zorn der Götter macht uns das Leben schwer.

 

 

Fazit
Atlantis Rising zeigt wie kooperatives Brettspiel auf gehobenem Familienspielniveau geht. Ein wirklicher dicker Pluspunkt ist die Möglichkeit, das Spiel mit bis zu 7 Personen zu spielen, ohne dass Langeweile oder Downtime entsteht, denn in jeder Phase des Spiels sind alle beteiligt und können aktiv mitbestimmen, was getan werden muss.

Die Tischpräsenz und Optik ist ein wahrer Augenschmaus. Ich bin ohnehin ein großer Fan den Vincent Dutrait Illustrationen in Brettspielen und auch hier isst das Auge einfach mit. Das ganze Spiel ist wahnsinnig thematisch und stimmig gestaltet. Auch die Diversität der Charaktere ist ein erwähnenswerter positiver Punkt.

Bezüglich des Spielniveaus darf man nicht zu viel erwarten. Das Spiel ist sehr dem Zufall und Glück ausgeliefert. Sowohl der Kartenstapel der Schicksalskarten als auch das Würfeln sind nicht beeinflussbare Elemente, die jedem Taktikliebhabenden ein absoluter Garaus sein werden. Wenn man aber Spiele mag, die man einfach erleben und so nehmen muss, wie die Situation das gerade hergibt, dann ist Atlantis Rising eine absolute Empfehlung. Auch die Skalierbarkeit des Schwierigkeitsgrades über die Bestandteile des Portals sowie die vielfältigen asymmetrischen Charaktere tragen zu einem großen Widerspielreiz bei. Durch den fühlbaren Untergang entsteht ein wahres Gefühl das Zusammenhalts und genau das soll ein kooperatives Spiel erzeugen.

Wer sich auf die seichte Grundmechanik einlassen kann, den erwartet hier ein absolutes Highlight von Einsteiger:innen-freundlichen kooperativen Spielen!

 

Bewertung / Test
+ ohne Downtime mit bis zu 7 Spielenden spielbar
+ optisch & haptisch tolles Spielerlebnis
+ kooperatives Spielen auf gehobenem Familienspielniveau
+ super strukturiertes Inlay
+/- sehr glücks- & zufallslastig (das muss man mögen)

 

(Eine Rezension von Sarah Eischet)

Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“kooperatives Familienspiel

  • ... Altersgruppe 10 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 75 Jahre
  • ... Altersgruppe ab 76 Jahre

Atlantis Rising (2019)

Spielidee: Galen Ciscell, Brent Dickman
Grafik: Vincent Dutrait
Verlag: Skellig Games
Anzahl der Spielenden: 1-7 Spielende
Altersempfehlung Verlag: Ab 10 Jahren
Spieldauer: 60-120 Minuten

Generationentauglichkeit: Nein. Die Regeln sind nicht schwer, aber doch recht viele und auch die Schrift auf den Materialien sowie die Helligkeit und Farben sind nicht generationentauglich gestaltet.

Pädagogisch wertvoll: Ja, denn hier wird kooperatives Arbeiten nicht nur gefordert, sondern auch zügig belohnt. Kommunikation ist nötig.

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