Давай, Давай! – Die Rote Kathedrale von Kosmos (Rezension)

Die Rote Kathedrale | Kennerspiel | ab 12 Jahren | 1 bis 4 Spielende | Isra C & Shei S. | Kosmos

Moskau, Mitte des 16. Jahrhunderts. Zar Iwan, der Schreckliche befiehlt den Bau der Basilius-Kathedrale. Das übernehmen wir. Über Würfel organisieren wir uns Ressourcen und stellen Abschnitt für Abschnitt das Prunkgebäude fertig. Im Hintergrund trällert Dschinghis Khan den Ohrwurm „Moskau“ in Dauerschleife. Dann mal dawai, dawai! Los, schneller, vorwärts – die Kathedrale wartet nicht.

Die Schachtel der roten Kathedrale ist vergleichsbar klein im Vergleich zu anderen Kennerspielen
Die Schachtel von „Die rote Kathedrale“ ist vergleichsbar klein im Vergleich zu anderen Kennerspielen

 

Das Spiel
Die Rote Kathedrale
ist ein Kennerspiel von Isra C. & Shei S. und bei Kosmos erschienen. Es ist für 1-4 Spielende geeignet und kann ab 12 Jahren gespielt werden.

„Die Rote Kathedrale“ ist ein Kennerspiel, das erstaunlich leicht von der Hand geht und mit 45 bis 60 Minuten auch schnell gespielt ist. Als Baumeister sichern wir uns verschiedene Abschnitte der Großbaustelle, die neben dem Hauptspielplan ausliegt. Auch wenn wir gemeinsam an dem Projekt arbeiten, spielen alle gegeneinander um die meisten Siegpunkte.

Es fällt beim Aufbau sofort auf, dass sich das Spiel wunderbar an die Personenanzahl anpasst. Je mehr gegeneinander wetteifern, desto mehr Bauabschnitte werden in Form von Karten ausgelegt. Die Kathedrale besitzt mehrere Türme, die aus mindestens einem Unterbau und einem Zwiebeltürmchen bestehen, sowie eine unterschiedliche Anzahl an Mittelbau-Abschnitten aufweisen können. Auf den Karten erkennt man außerdem, welche Rohstoffe man organisieren muss, um den Abschnitt später fertig zu stellen, und welche Belohnungen man dafür erhält. Das sind Siegpunkte und meist auch Rubel. Zusätzlich werden nach dem Zufallsprinzip dort Werkstattplättchen abgelegt.

Der Aufbau des Spiels orientiert sich klar an der Personenzahl
Die Baustelle auf einen Blick. Die Wertungsmärkchen fehlen noch.

Um einen Bauabschnitt zu sichern, lege ich eines der sechs Fähnchen in meiner Spielerfarbe von meinem persönlichen Tableau auf den entsprechenden Abschnitt. Ab sofort gilt, dass nur ich dort arbeiten darf. Das Werkstattplättchen wandert auf mein Spieltableau. Habe ich ein paar Rubel auf der hohen Kante, kann ich es als Bonusplättchen nutzen. Die aktivieren sich dann, wenn ich einen farbigen Würfel nutze beim Organisieren von Rohstoffen. Bin ich pleite, drehe ich es auf seine Rückseite und der Bonus bleibt mir verwehrt.

Ein Blick aufs eigene Spieltableau
Durch die Bonusplättchen entsteht ein kleiner Motor bei der Rohstoff-Organisation

In der Mitte liegt der Hauptspielplan, über den wir uns Ressourcen organisieren können. Der ist wie ein Rondell aufgebaut, das aus acht Abschnitten besteht. An jedem Abschnitt warten die Rohstoffe darauf, eingesammelt zu werden. Im Spiel sind das Holz, Lehm, Steine und Gold. Außerdem gibt es zwei verschiedene Sorten Edelsteine. Alle brauchen wir in unterschiedlichen Mengen, um unsere beanspruchten Bauabschnitte auch fertigstellen zu können. Sogar ein paar Siegpunkte können wir auf diese Weise sammeln.

An Rohstoffe kommt man über die Würfel im Rondell.
Für jeden Würfel hier gibt es einen violetten Edelstein.

An die Rohstoffe kommt man über die fünf farbigen Würfel, die dort liegen. Ich kann mit einem Würfel so viele Abschnitte weiterrücken, wie seine Augenzahl anzeigt. Am Ziel nehme ich mir für jeden Würfel, der dann dort liegt, die entsprechende Anzahl Rohstoffe und lege sie auf meinem Spieltableau ab. Der Platz dort ist aber limitiert und ich habe zu Spielbeginn nur sechs Lagerplätze. Materialien horten geht also nicht. Für jedes Fähnchen, das ich aber weg lege, um mir einen Bauabschnitt der Kathedrale zu sichern, kann ich eine Ressource mehr lagern. Am Schluss passen sogar 10 Ressourcen-Marker auf das Tableau.

Auf dem Spieltableau macht man am besten erst einmal Platz
Da brauche ich wohl noch mehr Platz. Die Fahnen wandern auf die Baustelle.

An dem Abschnitt auf dem Hauptspielplan, auf dem ich meinen Würfel abgelegt habe, kann ich eventuell auch noch hilfreiche Zusatzaktionen starten, um vielleicht überflüssige Rohstoffe zu tauschen oder noch Siegpunkte einzusacken. Außerdem habe ich ja vielleicht noch ein Werkstattplättchen auf meinem Spieltableau, das sich nun als Bonusaktion aktiviert. Zum Schluss meines Zugs müssen alle Würfel, die auf dem Feld liegen, das ich aktiviert habe, noch neu gewürfelt werden, bevor die nächste Person am Zug ist. Das kann aber schon mal vergessen werden. Durch diese Mechanik einsteht in dem Rondell aber immer wieder Dynamik und man muss flexibel mit seiner Strategie bleiben.

Die Abschnitte des Rondells sorgen noch für Zusatzaktionen
Gold und Siegpunkte – der Traum in jedem Spiel

Habe ich über das Ressourcen-Rondell genug gesammelt, kann ich Bauabschnitte mit den Rohstoffen beliefern. Gelingt es mir einen davon fertigzustellen, bekomme ich Siegpunkte und Rubel ausgeschüttet. Zusätzlich kann ich in fertiggestellte Teile der Kathedrale Türen und Fenster einbauen und sogar auf den Turmspitzen ein Kreuz errichten – und zwar nicht nur bei den Abschnitten, die von mir gebaut wurden. Mit diesen Verzierungen erhöhe ich sowohl die Punkte, die am Schluss für einen Turm ausgeschüttet werden, und erhöhe meinen eigenen Einfluss, was mir zum Ende mehr Punkte bringt.

Eine taktische Finesse bei dem Liefern des Materials an die Kathedralenbaustelle ist dabei, dass nur maximal drei Ressourcen auf einmal angekarrt werden dürfen. Da muss dann schon gut überlegt sein, wann ein Bauabschnitt fertiggestellt wird, zumal die anderen nur darauf lauern, ihre Türen oder Fenster einzubauen. Ein Blick auf die anderen Spielplateaus lohnt sich da, um zu sehen, wie es um deren Rohstoffe bestellt ist.

Wer zuerst seine sechs Bauabschnitte komplettiert hat, löst das Spielende aus. Punkte werden für jeden Turm separat errechnet. Dabei wird gecheckt, wer wie viele Abschnitte komplettiert und wer Verzierungen eingebaut hat. Es geht also um Mehrheiten. Die erreichten Punkte werden dann auf der Leiste abgetragen. Wer am Schluss am weitesten fortgeschritten ist, gewinnt die Partie.

EIn Blick auf den Hauptspielplan
Immer im Kreis bis zum Ende

 

Fazit
Obwohl man in jeder Runde nur aus drei Aktionen wählen kann, nämlich Abschnitte beanspruchen, Rohstoffe einsammeln oder die Baustellen beliefern, gibt es in „Die Rote Kathedrale“ viel zu berücksichtigen, um das Spiel zu gewinnen. Weil der eigene Lagerplatz begrenzt ist, kann ich nicht einfach sammeln, was mir gerade unterkommt. Ich sollte auch die Boni nicht aus den Augen verlieren und bummeln beim Bauen geht auch nicht, denn wenn ich zu langsam bin, kostet mich das Strafpunkte.

Der Aufbau des Spiels bietet super viel Varianz und sorgt damit für einen sehr großen Wiederspielwert, zumal eine Runde auch unter einer Stunde gelaufen sein kann. Anfänglich braucht man ein bisschen, bis man sich auf dem Rondell zurecht findet. Da zählt man noch die Felder der Würfel ab. Aber ab Partie zwei oder drei bekommt man den Blick und bewegt im Takt der acht möglichen Felder die Würfel zielsicher weiter.

Das Spiel ist zudem sprachneutral und macht es leicht, seine Symbolsprache zu erlernen. Als Kennerspiel taugt es allerdings nicht zum generationentauglichen Spaß. Diese Zielgruppe hat es aber auch nicht im Visier. Wer lieber Lust auf eine Runde alleine hat, nutzt den Solomodus. Der klappt auch ganz hervorragend. Dafür, dass eine Partie schnell und flüssig läuft, braucht es beim kleinteiligen Auf- und Abbau ein bisschen Zeit. Aber die lohnt sich auf jeden Fall. „Die Rote Kathedrale“ ist für mich ein Spiel, das in keiner ambitionierten Sammlung fehlen sollte.

 

Bewertung / Test
+ hohe Varianz beim Spielaufbau
+ angenehm kurze Spieldauer für ein Kennerspiel
+ leicht zu spielen, trotzdem fordernd
+ Material kann sich sehen lassen
+ Solomodus für Runden alleine
– Punktemarker sind vielleicht ein bisschen winzig
– Auf- und Abbau kosten ein Zeit

 

(Eine Rezension von Oli Clemens)


Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Kenner- und Expertenspiele”

  • ... Altersgruppe 12 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 70 Jahre

Die Rote Kathedrale (2021)

Spielidee: Shei S. & Isra C.
Grafik: Chema Román & Pedro Soto
Verlag: Kosmos
Anzahl der Spielenden: 1-4 Personen
Altersempfehlung Verlag: Ab 12 Jahren
Spieldauer: 50-80  Minuten 

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