Verkehrte Pöppelwelt – Wildtastic Five von Piatnik (Rezension)

Wildtastic Five | Familienspiel | ab 8 Jahren | 2 bis 5 Spielende | Bernd Brügel | Piatnik

Wer ein niegelnagelneues Brettspiel öffnet, kennt sie, die Stanzbögen aus Karton. Eine alte Weisheit lautet: Wer spielen will, muss vorher auspöppeln! Bei „Wildtastic Five“ läuft das aber ganz anders. Denn in diesem Würfelspiel wollen wir unsere Tierchips wieder zurück in ihre Bögen drücken. Schauen wir uns das mal an.

Die Schachtel ist klein, aber groß genug für das Material.
Zuerst in den Wildpark und dann mit dem Alpaka zum Friseur: Wildtastic Five

 

Das Spiel
Wildtastic Five
ist ein Familienspiel von Bernd Bürgel und bei Piatnik erschienen. Es ist für 2-5 Spielende geeignet und kann ab 8 Jahren gespielt werden.

Alle schnappen sich einen der Stanzbogen aus der Schachtel und pöppeln die 15 Tier-Chips, die sich darauf befinden, zuerst mal aus. Das sind die fünf Fische, die vier Erdmännchen, die drei Alpakas, die zwei Orang-Utans und zum guten Schluss der Eisbären. Dreht alle Chips so um, dass sie die neutrale Pfotenseite zeigen, und schiebt sie in die Mitte, die als allgemeiner Vorrat dient. Als Faustregel gilt: Immer so viele Bögen nehmen, wie Spielende plus Eins. Das macht ihr auch bei den Würfeln so, die ihr zum Spielen braucht. Greift euch nun noch zehn verdeckte Chips und es kann los gehen.

Durch das Auspöppeln ist der Stanzbogen zu eurem persönlichen, leeren Wildpark-Spielbereich geworden, in den wir wieder Stück für Stück Tier-Chips einfügen, und zwar wieder genau die 15 vom Anfang. Dabei will jedes Tier in artgerecht seine gewohnte Umgebung zurück. Diese Zonen haben außerdem auch einen Zahlenwert zwischen 1 und 5. Dieser wird gleich bei den Aktionen wichtig.

Tierchips liegen neben dem eigenenTierpark. Es sind noch Löcher vorhanden, in die Tiere eingepöppelt werden müssen.
Na, wohin will wohl das Erdmännchen?

 

Lasst mich mal bitte an dieser Stelle anmerken, dass die Anleitung das für einen Tierpark schwierige Wort Gehege hervorragend vermeidet und stattdessen den Begriff Zonen benutzt. Das ist ein guter Ansatz, denn ein Spiel, in dem Tiere eingesperrt werden, möchte ich persönlich nicht spielen. Überhaupt wirkt unser Spielbereich farbenfroh, hell, offen, zugänglich und einladend. Auch wenn es wirklich nur eine zum Bild gewordene Illusion ist, wäre ich als Tier selbstverständlich viel lieber in diesem Wildpark als dem Zoo meiner Landeshauptstadt. Deswegen: top gelöst! Zurück zum Spiel.

Die Person, die startet, würfelt. Zu erkennen ist sie an einer weißen Figur. Danach nehmen alle nacheinander einen Würfel und entscheiden sich reihum im Uhrzeigersinn für eine von der zwei Aktionen, die ich gleich vorstelle. Käme die Startperson aber wieder an die Reihe, werden Startfigur und Würfel eingesammelt und im Uhrzeigersinn weitergegeben. Nun aber zu euren zwei Möglichkeiten.

Entweder schnappt ihr euch neue Plättchen aus dem allgemeinen Vorrat oder ihr füllt den eigenen Tierpark. Dabei legt ihr immer einen der Würfel vor euch ab. Neue Plättchen bekommt ihr immer so viele, wie noch unvollständig gefüllte Zonen in eurem Tierpark vorhanden sind. Einfach in die Mitte greifen und die entsprechende Anzahl an verdeckten Plättchen vor euch ablegen. Die Augenzahl des Würfels ist dabei übrigens unwichtig.

Ein Fischchip wird in die korrekte Zone eingesetzt. Im Hintergrund sieht man die Schachtel im Anschnitt.
Dorie, bist du es?

Spannender ist die Aktion Auffüllen. Nehmt einen Würfel und dreht dessen Augenzahl an Plättchen aus dem eigenen Vorrat um. Wähle eins der Tiere, die dich jetzt anlachen, und pöppel es in einen freien Platz der passenden Zone ein. Sind noch offenliegende Chips übrig, dürfen die anderen reihum ein Tier bei dir kaufen. Sie bezahlen dabei mit verdeckten Chips aus dem eigenen Vorrat. Dieses Angebot ist freiwillig. Niemand muss kaufen. Kommst du wieder an die Reihe und es sollten noch Chips übrig sein, kannst du ein zweites Tier für deinen eigenen Tierpark wählen. Das kostet dich dann aber Chips entsprechend der Zone, in der du es einsetzen willst. Kannst du es dir nicht leisten, wandert alle übrig gebliebenen Tiere in die Mitte, werden umgedreht und am besten ein bisschen gemischt.

Die nächste Person bekommt die restlichen Würfel, entscheidet sich für Nachschub oder Auffüllen und so geht das Spiel immer weiter, bis eine Person schließlich zuerst den eigenen Tierpark wieder voll hat. Dann endet „Wildtastic Five“ sofort. Punktezählen oder etwas Ähnliches gibt es nicht mehr. Voll ist voll und die Tiere lächeln uns glücklich an.

Die Tierchips in der Nahaufnahme
Gruppenbild mit Eisbär – alle sehen glücklich aus.

 

Fazit
„Wildtastic Five“ ist sicher ein Spiel, das vor allem durch seine Erscheinung und das Thema Familien mit Kindern anlocken wird. Dem Charme der Tier-Illustrationen kann ich mich auch nicht entziehen. Was den Spielablauf betrifft, ist das Erstlingswerk von Bernd Bürgel sicher kein neuer Meilenstein, aber etwas, das gut unterhält. Die Regeln sind eingängig und die Spieldauer absolut überschaubar. Ich denke, dass auch Kinder, die jünger als 8 Jahre sind, schon gut in das Spiel einsteigen könnten. Da hilft auch sehr, dass das Material komplett sprachneutral ist.

So richtig generationentauglich ist das Spiel leider nicht. Dafür sind die Tiermarker nicht handlich genug und die Zahlen, welche die Werte der Tierzonen widergeben, etwas klein und kontrastarm auf dem eigenen Spielbereich dargestellt. Dafür bin ich immer noch ganz begeistert, dass die Chips auch nach mehrmaligen Ein- und Auspöppeln immer noch in dem Stanzbogen halten wollen. Und glaubt mir, ich habe das Material intensiv mit dem Daumen getestet.

Taktische oder strategische Finesse braucht es bei „Wildtastic Five“ nicht. Welchen Würfel man greift, um bestmöglich an neue Chips oder eigene Tiere im Park zu kommen, hat man schnell erkannt. Zu Grübeleien sollte es auf keinen Fall kommen. Stattdessen ist es schön, dass man auch in den Zügen der anderen Personen immer einbezogen ist, weil man ja vielleicht einen Tier-Chip kaufen kann, der noch für den eigenen Wildpark fehlt.

 

Bewertung / Test
+ auffordernde graphische Gestaltung
+ Pöppeln klappt gut
+ überschaubare Spieldauer
+ Tierpark-Thema sensibel umgesetzt
– nur eingeschränkt generationentauglich

 

(Eine Rezension von Oli Clemens)


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Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Familienspiel”

  • ... Altersgruppe bis 12 Jahre
  • ... Altersgruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 70 Jahre
  • ... Altersgruppe ab 71 Jahre

Wildtastic Five (2022)

Spielidee: Bernd Bürgel
Grafik: Stephan Lorenz
Verlag: Piatnik
Anzahl der Spielenden: 2-5 Personen
Altersempfehlung Verlag: Ab 8 Jahren
Eigene Altersempfehlung: Ich denke, dass sich auch Kinder ab 6 Jahren an dem Spiel versuchen sollten.
Spieldauer: etwa 25 Minuten

Generationentauglichkeit: Sprachneutral ist „Wildtastic Five“ aber das Einsetzen der Chips macht das Spiel für betagte Menschen sicher herausfordernd.

 

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