Schurken unter sich – Marvel Villainous: Infinite Power von Ravensburger (Rezension)

Marvel Villainous: Infinite Power | Kennerspiel | ab 12 Jahren | 2 bis 4 Spielende | Prospero Hall | Ravensburger

Hast du dich je gefragt, wie einer dieser Superheldenfilme aus der Perspektive des Schurken aussehen mag? Gibt es nicht diese Filme, wo du dich beinahe mit dem Bösewicht verbunden fühlst? In Marvel Villainous: Infinite Power darfst du all das herausfinden, wie es sich anfühlt der Schurkenfraktion anzugehören. Wenn da nicht immer diese Helden wären, die uns empfindlich aufhalten können. Lies weiter, ich habe mich für dich in das Abenteuer gewagt.

Das Spielmaterial in seiner Fülle angedeutet
Das Spielmaterial in seiner Fülle angedeutet – Ähnlichkeiten zu anderen Villainous-Titeln sind unverkennbar.

 

Das Spiel
Marvel Villainous: Infinite Power
ist ein Kennerspiel von Prospero Hall und bei Ravensburger erschienen. Es ist für 2-4 Spielende geeignet und kann ab 12 Jahren gespielt werden.

Einmal Bösewicht sein – das ist nun möglich und so entscheiden sich die 2 – 4 Mitspielenden für je einen der 5 Schurken und bereiten das Spiel für eine Partie vor. Namentlich sind es genau diese 5 Schurken: Thanos, Hela, Ultron, Killmonger und Taskmaster – nie gehört? Macht nichts, du wirst sie kennen lernen. Bereits hier wird deutlich: Nicht nur Form und Farbe der Spielfiguren unterscheiden sich, auch im Aufbau wird eine Asymmetrie ersichtlich – so hat Thanos beispielsweise Pappkärtchen, die er in der Spielauslage platziert.

Damit nicht genug – jeder Bösewicht hat ein individuelles Ziel – das ist in jeder Partie das gleiche und dennoch für alle verschieden. Thanos benötigt zum Beispiel 6 Infinity-Steine um zu gewinnen, während Hela eine Summe aus 8 Handlangern und Seelenchips in Odins Schatzkammer platziert haben muss. Jeder Schurke und jede Schurkin hat dabei auf der eigenen Auslage 4 ganz persönliche Orte der eigenen Geschichte und wird diese nun Runde um Runde besuchen und die dort verfügbaren Aktionen optional auslösen.

Nachgestellt der Spielaufbau für Hela
Hier im Bild der Spielaufbau zu Hela mit ihren Orten – mit klarer Ikonographie, die sich bei steiler Lernkurve im Laufe der ersten Partie erschließt, ist schnell klar, was hier getan werden kann.

 

Eben genau diese 4 Orte sind es, zwischen denen ich mich in jeder Partie Runde für Runde aufs Neue entscheide. Stehenbleiben ist genauso wenig erlaubt wie auf die Orte der Auslage einer anderen Person zu ziehen, ich muss zu einem anderen Ort auf meiner Auslage ziehen. Dort kann ich entweder aus der eigenen Kartenhand eine Karte ausspielen, eine ausgespielte Karte mit ihren Effekten aktivieren, Karten an andere Orte bewegen uvm. Die Vielzahl der Aktionen sind durch eine recht schnell zu verstehende Ikonographie sehr gut abgebildet. Durch diese gespielten Karten komme ich meinem persönlichen Ziel – möglicherweise in ganz kleinen Schritten – immer näher.

So mag vielleicht kurz der Eindruck entstehen, hier würde jeder solitär für sich spielen, doch da kommt das Schicksal ins Spiel. Schicksalskarten haben einen eigenen Stapel. In ihm schlummern Helden, Ereignisse und Hindernisse. Enthält mein Ort die Aktion Schicksal so wähle ich diese in dem ich eine Karte vom mittig platzierten Schicksalsstapel ziehe und damit eben genau diese Effekte gegen meine Mitspielenden erzwinge.

Diese Effekte umfassen von lästigen Helden die bestimmte Aktionen abschwächen auch die Möglichkeit durch ein Hindernis einen Ort unbesuchbar zu machen, was wiederum die Auswahl der Aktionen verhindert. Ein ziemlich gemeines Spiel also, bei dem ein einziger Ring eine einzige Karte über das Schicksal der nächsten Runden zu entscheiden vermag. Die Person, die zuerst das individuelle Ziel des gewählten Charakters erreicht beendet das Spiel sofort siegreich.

Zwei Helden im Porträt: Black Widow und Everett Ross
Immer diese Helden, ständig durchkreuzen sie die Pläne!

 

Die Gestaltung ist thematisch sehr passend – ich störe mich zwar ein wenig an den abstrahierten Spielfiguren, hier bevorzuge ich immer noch die vielen kleinen Details – jedoch sind auch diese absolut passend und gut zu unterscheiden. In der Tischmitte steht eine Tokenschale, die Macht- und Stärkechips beinhaltet und falls unter den gewählten Schurken vertreten Helas Seelenchips. Das sieht nicht nur gut aus, sondern sorgt auch für Ordnung am Tisch. Ein Spiel für alle Generationen wird „Marvel Villainous: Infinite Power“ dadurch in meinen Augen dennoch nicht – zum einen liegt es am Thema zum anderen am recht klein gehaltenen Text auf sämtlichen Spielmaterialien.

Spielertableaus mit thematischen Texten
Die Rückseite der Spielertableaus zieren Zitate – Thanos wird dabei fast schon sympathisch, während Ultron einen Lösungsweg sieht, der wenig erfolgversprechend scheint.


Fazit
Du hast es sicher gemerkt – ich bin weder auffallend Marvel- noch DC-affin. Klar mag ich Peter Parker und sein Alter Ego Spiderman, doch bereits bei der Zuordnung welche Helden in welches Universum gehören, gerate ich vermutlich ins Stocken. Warum das wichtig ist? Bei der Wahl zwischen den verschiedenen 3 verschiedenen Villainous Editionen würde ich vermutlich so sortieren:

  1. „Disney Villainous: Böse Miene zum guten Spiel!“
  2. „Star Wars Villainous: Die dunkle Seite der Macht!“
  3. „Marvel Villainous: Infinite Power“

Das Spieldesign ist bei allen 3 Titeln vergleichbar und darum ist es hier das Thema, das mich meiner ganz persönlichen Vorliebe folgen lässt. So geht es vermutlich vielen anderen Unentschlossenen, wenn die Frage zu einer Entscheidung zwischen diesen 3 Titeln gestellt würde. Also sind hier Thema und Feinjustierungen in der Mechanik dann ausschlaggebend für die Wahl des bevorzugten Titels.

Was die Villainous-Reihe, und davon ist der Titel „Marvel Villainous: Infite Power“ nicht ausgenommen, hervorragend schafft: Ich finde mich in zahlreichen Szenen der namensgebenden Comic- oder Filmvorlagen wieder und brauche einen kurzen Moment um festzustellen, dass ich hier einer Einladung zum Perspektivwechsel gefolgt bin. So entwickelt sich vor allem in den ersten Partien eine gewisse Neugier um herauszufinden, was es noch alles gibt. Das sind zum einen andere Charaktere und zum anderen auch einfach andere Karten, die in den vorherigen Partien noch nicht aufgetaucht sind. Wem das alles nicht reicht, dem sei versichert – es gibt natürlich auch Erweiterungsmodule.

Folge also einfach der Einladung zum Perspektivwechsel und erlebe dir bekannte Abenteuer aus einem neuen Blickwinkel! Viel Spaß dabei!


Bewertung / Test
+ Gute und sich thematisch rund anfühlende Gestaltung
+ Klar strukturierte Spielanleitung verhilft zu einem schnellen Einstieg
+ Durch 3 Schwierigkeitsgrade skalierbares Spielerlebnis
+/- Marvel als Thema schränkt die Zielgruppe möglicherweise zu stark ein

 

(Eine Rezension von Tobias Mallock)

Tobias

 

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Marvel Villainous: Infinite Power (2021)

Spielidee: Prospero Hall
Grafik: N.N.
Verlag: Ravensburger
Anzahl der Spielenden: 2 – 4 Personen
Altersempfehlung Verlag: Ab 12 Jahren
Spieldauer: 40 – 80 Minuten

Generationentauglichkeit: Das Thema bedient eine Nische, wenn auch eine recht große. Die Kartentexte sind, wie aktuell üblich, recht klein und das Einstiegsalter liegt bei 12 Jahren. Aufgrund dieser Fakten sehe ich Villainous: Infinite Power eher nicht generationentauglich.