Ab nach Hollywood – Million Dollar Script von Pegasus (Rezension)

Million Dollar Script | Gruppenspiel | ab 14 Jahren | 3-10 Spielende | 45-60 Minuten | Daniel Stamm | Portal Games, Dt. Vertrieb Pegasus | generationentauglich

Hollywood, die Welt der Berühmten. So manch eine:r hier wurde nur durch eine gute Idee oder einen super Film bekannt und reich. Genau auf diese eine glückliche Fügung hoffen wir in Million Dollar Script auch. Als kreative:r Produzent:in fordern wir von unseren Mitspielenden Impulse und Vorschläge für ein Drehbuch für den nächsten großen Blockbuster. Ob das Spaß macht, erfahrt ihr in der folgenden Rezension.

Zu sehen ist das Spiel Million Dollar Script mit dem gesamten Spielmaterial.

Million Dollar Script von Portal Games/Pegasus

Das Spiel Million Dollar Script von Daniel Stamm ist ein Gruppenspiel für 3-10 Spielende ab 14 Jahren. Es ist bei Portal Games (Pegasus im deutschen Vertrieb) erschienen und dauert ca. 45- 60 Minuten. Ziel des Spiels ist es, am Ende mit dem eigenen Team die packendere Story zu erzählen und somit die Produzent:in zu überzeugen.

Zu sehen sind die Karten der Produzierenden.

6 unterschiedliche Produzierende stehen zur Auswahl.

Zu Beginn wird ein:e Spielende zur/m Produzenten:in ernannt und erhält somit die Funktion der Spielleitung, die anderen Mitspielenden teilen sich in zwei Teams auf.

Die Produzierende bewertet im gesamten Spielverlauf die Ideen der Drehbuchautor:innen und gibt ihnen eine grobe Richtung vor. Der Grundrahmen des Films ist eine Helden-Schurken-Geschichte. Falls gewollt, kann ein Genre (Drama, Action, Thriller, SciFi, Western, Fantasy oder Horror) vorgegeben werden. Kreativität ist also definitiv für diese Art von Spiel gefordert. Der Vorteil der Wahl des Blockbusters als Genre ist, dass hier bunt gemischt werden kann und der Fantasie wirklich überhaupt keine Grenzen gesetzt sind. Wir haben uns eigentlich immer darauf geinigt.

Zu sehen sie die Karten, mit deren Hilfe die Schurk:innen und Held:innen erstellt werden.

Schurk:innen & Held:innen in der Mache

Ab jetzt müssen die Autor:innen liefern. Zunächst müssen genaue Profile der Heldin und des Schurken erstellt werden. Für beide Rollen gibt es jeweils drei Karten, mit denen die Eigenschaften beschrieben werden. Eine klaustrophobische Nonne als Heldin, die gegen einen liebenswerten Serienmörder antritt? Durch das Zufallselement der Karten entstehen hier die wahnwitzigsten Kreationen.

Die Teams haben nun einige Minuten Zeit, um sich zu überlegen, wie sie die Rollen am besten präsentieren wollen. Denn die Präsentation ist das A und O. Hier kann die Gruppe alles rausholen, um den:die Produzierenden von der eigenen Idee zu überzeugen. Damit kein Chaos entsteht, kriegt hierbei jedes Teammitglied eine feste Aufgabe zugeordnet: Erzählende:r, Dialoggestaltung, Vertonung, Soundexpert:in für Filmmusik sind nur einige der möglichen Herausforderungen. Das gesamte Spiel lebt davon, dass hier in diesem Teil alles mit so viel Leben wie möglich gefüllt wird. Je besser der Produzierenden Person die Handlung vor Augen geführt wird, desto eher wird diese Idee übernommen und mit Punkten belohnt.

Zu sehen sind die Karten, mit denen die Spielende in Gruppen aufgeteilt werden.

Insgesamt können bis zu 3 Teams gebildet werden.

Diese Rollen müssen auch in zukünftigen Präsentationen erfüllt werden, allerdings macht es Sinn, sie untereinander zu tauschen, damit jede:r mal alles gemacht hat.

Nachdem Held:in und Schurk:in gefunden wurden (wie das genau abläuft, wird später erklärt), wird in der 2. Runde das Augenmerk auf die Verbündete der Heldin gelegt. Anschließend muss die Idee der Dramaturgie in Runde 3 entwickelt werden. Was wäre ein guter Film ohne herben Rückschlag, der nochmal die nötige Spannung mit sich bringt. In der 4. Runde dreht sich alles um die überraschende Erkenntnis der Heldin, bevor in der 5. Runde das große Finale seinen Lauf nimmt.

Zu sehen sind die Karten, die den Ablauf des Spiels widergeben.

Jeder Film folgt einem festen Ablauf.

Wie genau aber wird die Entscheidung getroffen, welche Idee nun tatsächlich ausgewählt wird? Hier hat eindeutig die Produzierende die Qual der Wahl. Sie lässt sich in aller Ruhe die kreativen Ergüsse ihrer Mitspielenden präsentieren. Die Präsentation, für die sich entschieden wird, erhält zur Belohnung pro Runde vier Punkte. Das „Verlierer-Team“ kann allerdings auch gewürdigt werden, indem bis zu 3 Elemente, die auf jeden Fall auch im Film vorkommen sollten, mit jeweils einem Bonuspunkt belohnt werden.

Die Produzierende kann bei den Entscheidungen entweder nach dem eigenen Gusto gehen oder sie wählt eine der vorgegebenen Karten (zufällig) aus, die dann Vorlieben der Produzierenden vorgeben. Meiner Meinung nach ist das Vorgehen nach den vorgegebenen Karten witziger, da es das Ganze noch abstruser und unterhaltsamer macht.

Das Team mit den meisten Punkten nach Runde hat gewonnen und kann bei den nächsten Oscars auf jeden Fall mit viel Ruhm und Geld rechnen.

Fazit
Wir haben Million Dollar Script nach all den Steinen, die uns durch Covid in den Weg geworfen wurden, endlich letztes Wochenende mit einer größeren Gruppe spielen können und wir hatten wirklich unseren Spaß damit. Allerdings muss von vornherein klar gestellt werden, dass dieses Spiel zum einen davon lebt, wie gut die Person, die die Rolle der Produzentin übernimmt, das Ganze spielt. In ihrer Verantwortlung liegt das gesamte Management des Spiels. Sie muss den Spannungsbogen kontinuierlich oben halten, die konkurrierenden Teams immer wieder mit einbinden und vorherige Runden jedes Mal knapp aber unterhaltsam zusammenfassen. Das ist nichts für jede:n, für mich persönlich war es aber die perfekte Rolle und hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht.

Zum anderen lebt das Spiel von der Kreativität und Flexibilität der Mitspielenden. Wenn diese sich trauen, sich regelrecht zum Affen zu machen und immer wieder neue Ideen einzubringen und diese witzig zu gestalten, dann kann das Spiel wirklich lustige Momente erschaffen. Ein Kritikpunkt ist allerdings der immer wieder feste Rahmen. Natürlich wechseln Genre & Rollen von Film zu Film, wenn wir das möchten, aber der Filmablauf bleibt immer der gleiche und das könnte auf Dauer etwas langweilig werden.

Uns hat Million Dollar Script gut gefallen, allerdings wüsste ich nicht, ob ich es mir selbst kaufen würde, da die Hälfte meiner Mitspielenden entweder recht introvertiert waren und das Spiel nur mir zu Liebe ausprobiert haben (zugegebenermaßen: sie hatten auch viel Spaß, würden es aber von sich aus vermutlich nicht nochmal spielen) oder die andere Hälfte so extrovertiert wie ich ist und daher nicht zwingend ein solches Spiel braucht, um witzige Momente und komische Geschichten zu erschaffen. Es war auf jeden Fall unterhaltsam, ist aber definitiv nichts für jede Spielgruppe. Je mehr Personen mitspielen, desto besser wird es auf jeden Fall, da dann witzige Rolle wie Filmmusik und Soundeffekte ebenfalls besetzt werden, die wirklich das Ruder umreißen können.

 

Bewertung / Test
+ unterhaltsam & witzig
+ fordert & fördert Kreativität
– für introvertierte Menschen weniger geeignet
– immer gleicher Aufbau des Films

 

 

(Eine Rezension von Sarah Eischet)

Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Gruppenspiel”

  • ... Altersgruppe bis 12 Jahre
  • ... Altersgruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 75 Jahre
  • ... Altersgruppe ab 76 Jahre

Million Dollar Script (2021)

Spielidee: Daniel Stamm
Verlag: Portal Games, dt. Vertrieb Pegasus
Anzahl der Spielenden: 3-10 Spielende
Altersempfehlung Verlag: ab 14 Jahren
Spieldauer: 45-60 Minuten

Generationentauglichkeit: Definitiv. Menschen jeden Alters kennen Filme und können selbst eine Filmidee entwickeln. Die Regeln sind leicht und das Material groß und griffig genug gestaltet.

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