Völkerwanderung – Dewan von Space Cowboys (Rezension)

Dewan | Einfaches Kennerspiel | ab 10 Jahren | 2-4 Personen | Johannes Goupy und Yoann Levet | Space Cowboys | generationentauglich

Dewan: Eine Aufstellerfigur markiert den Startspieler um bei Spielende allen die gleiche Anzahl an Zügen zu ermöglichen.
Kann Losgehen! Eine Aufstellerfigur markiert den Startspieler um bei Spielende allen die gleich Anzahl an Zügen zu ermöglichen.

Es macht schon viel her auf dem Tisch, wenn es einen Marker für die Person an erster Spielposition gibt – genau so einen besitzt das Spiel „Dewan“. Irgendwie klingt es ein wenig nach Star Wars oder vielleicht auch nach Wahnsinn und beides ist damit weit gefehlt. Dewan ist im Setting näher an „Paleo“ und – vielleicht kennt manch einer noch das gute alte „Clans“ – hier geht es um eine Welt, in der Völkerstämme dabei sind, einen Planeten zu besiedeln. Dabei schwingt für mich immer ein bisschen das Gefühl einer dystopen, postapokalyptischen Welt mit, was am Stil der Illustrationen liegen mag. Mit grundsoliden Mechaniken ist es dabei eines der Spiele, die aus dem aktuellen Jahrgang hervorstechen. Ganz nebenbei ist es hübsch anzuschauen und holt auch die Personen am Tisch ab, die in ihren Spielen auf robusteres Material, Holzfiguren, Double-Layer Boards und bestenfalls ein Sortiersystem hoffen. Nach dieser kurzen Beschreibung der äußerst angenehmen Äußerlichkeiten nun ein kleiner Blick ins Innere des Spiels, denn „Dewan“ überzeugt auch durch die inneren Werte.

„Dewan“ wirkt beim Aufbauen niedlich, dann fällt beim Erklären das Wort Völkerwanderung und Wettlauf und im Kopf baut sich ein komplexes Regelwerk auf und da überrascht das Spiel erneut: Bin ich am Zug wähle ich aus lediglich 2 möglichen Aktionen

  1. Ich nehme genau 2 benachbarte Karten aus der offenen Auslage auf meine Hand – ein Handkartenlimit gibt es nicht.
    oder
  2. Ich platziere ein neues Camp aus meinem Vorrat, den Weg zum Ziel bezahle ich mit Handkarten und schalte durch das Platzieren des Camps Belohnungen frei oder löse das Spielende aus.

Egal welche der beiden Optionen ich ausführe, danach ist in Zugreihenfolge die nächste Person am Tisch am Zug. Simpel, oder? Jetzt kommen die Details – es gilt nämlich die Geschichten, die ich abends am Lagerfeuer erzähle auch mit Inhalten zu füllen. So bekommt jeder im Laufe einer Partie eigene Ziele hinzu und versucht eben genau diese durch Platzieren seiner Camps in die geforderten Regionen zu erfüllen. Ein paar weitere Wertungsaufgaben gibt es noch und dann stehen bereits die Platzierungen fest. Spielt sich flüssig und ist kurzweilig, vor allem im Spiel zu dritt.

Blick auf den Tisch, es liegen Spielmaterialien mit kleinen Holzspielfiguren darauf.
Die Endwertung naht – das letzte Camp wurde platziert!


Fazit
Dewan ist bei mir eher so eine Liebe auf den zweiten Blick oder treffender formuliert, meine Einschätzung reifte von Partie zu Partie und wird es wahrscheinlich noch ein Weilchen weiterhin tun. Während und nach der ersten Partie fühlte es sich eher so nach einer faden Version von Zug um Zug an, die ein paar neue Elemente ins Spielgeschehen einführte. Bereits im zweiten Spiel mit einer anderen Karte, denn der Aufbau ist komplett variabel, fühlte es sich schon etwas taktischer an und wurde später durch die ebenfalls angebotenen Szenarien nochmal verfeinert. Im Kern sei mir der Vergleich mit Zug um Zug wirklich gestattet, denn die 2 verfügbaren Aktionen – Handkarten ziehen oder einen eigenen Spielstein auf dem Plan platzieren – wurden spätestens durch Zug um Zug bekannt, auch wenn sie bereits vorher in Spielen anzutreffen waren. Und doch ist „Dewan“ hier anders, denn wir spielen viel „offener“ als in Zug um Zug, die zu erfüllenden Aufträge hat jede Person vor sich liegen und sind für alle sichtbar, so kann ich versuchen Spielzüge vorherzusehen um dann doch wieder überrascht zu werden. Das Punktesystem tut sein Übriges dazu, denn die Partien enden des öfteren wirklich knapp und so hält „Dewan“ alle am Tisch im Spiel – sehr gut!

Zweiter wichtiger Pluspunkt – das Material: Relativ stabile Plättchen aus Pappe bilden die Landschaft, die Spielertableaus sind ebenfalls aus robuster Pappe und als Double-Layer, das sieht nicht nur schön aus, sondern macht ein wunderbares Gefühl, wenn ein eigener Auftrag im Platzhalter als erfüllt nach oben geschoben werden kann und seine Belohnung freigibt. Die Spielfiguren sind für jede Farbe etwas unterschiedlich gestaltet und so wird die Diversität am Tisch und unter den Aufgaben auch optisch gut umgesetzt. Ich persönlich sehe „Dewan“ am Übergang vom Familien- zum Kennerspiel auch wenn die Spielregeln relativ überschaubar sind, so ist hier das Timing wichtig. Manche Aktionen bringen zu einem bestimmten Zeitpunkt einfach ein bisschen mehr und andere wiederum sind eher wertlos, wenn ich zum Beispiel auf einen Bonus verzichten muss. Eben weil sich „Dewan“ an genau dieser Grenze von Familien- zu leichtem Kennerspiel aufhält, sehe ich es auch als ein perfektes Spiel um generationenübergreifend zu spielen – es ist dabei sogar sprachneutral und hat eine perfekt umgesetzte Ikonographie.

Um die Vielfalt abzurunden: „Dewan“ bietet neben einem Einstiegszenario, welches bereits eine zufällige Karte enthält, auch Szenarien mit einem Vulkanausbruch und einer sich ausbreitenden Flut, in denen nach und nach die Platzierungsmöglichkeiten weniger werden. Darüber hinaus gibt es einen kooperativen Teammodus.

Bewertung / Test
+ einfaches Regelwerk
+ kurze Spieldauer
+ optisch ansprechende und robuste Gestaltung
+ variabel im Spielaufbau und im Spielgeschehen

(Eine Rezension von Tobias Mallock)


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Dewan (2025)

Spielidee: Johannes Goupy, Yoann Levet
Grafik: Arthus Pilorget
Verlag: Space Cowboys
Anzahl der Spielenden: 2 – 4 Personen
Altersempfehlung Verlag: Ab 10 Jahren
Spieldauer: 40 Minuten

Generationentauglichkeit: Einfache Spielregeln mit überschaubaren Aktionsmöglichkeiten und gutem Spielmaterial, hier steht dem generationenübergreifendem Spielen nichts im Wege.