Harmonie der Zahlenwerte – Synergy von Jolly Dutch (Rezension)

Synergy | kooperatives Kartenspiel | ab 10 Jahren | 3 bis 5 Spielende | Robert Brouwer | Jolly Dutch

Synergie entsteht dort, wo Kräfte oder Menschen zusammenwirken und sich gemeinsam unterstützen. Das Ergebnis nützt allen. Das Prinzip kennt man in der Wirtschaft ebenso wie in der Philosophie. Und nun hat man aus der Idee auch ein außergewöhnliches Kartenspiel gebastelt.

Spielkarten und Missionskarten machen Synergy aus
Wie ein Besuch im Farbenland: Synergy

 

Das Spiel
Synergy
ist ein kooperatives Kartenspiel von Robert Brouwer und bei Jolly Dutch erschienen. Es ist für 3-5 Spielende geeignet und kann ab 10 Jahren gespielt werden.

Bei „Synergy“ trittst du als Team aus 3 bis 5 Personen gemeinsam an, um Missionen zu erfüllen. Dabei geht es jedoch nicht so sehr darum, dass du alleine erfolgreich bist, sondern dass du so spielst, dass die anderen mit deiner Hilfe die Mission schaffen. Klingt echt abstrakt – und ist es auf den ersten Blick auch.

Alle haben zwei eigene Kartendecks einer Farbe – und die sind ganz schön knallig bunt! Eins davon besteht aus Zahlenwerten zwischen 1 und 5, die jeweils zweimal vorkommen: 2×1, 2×2, 2×3, 2×4 und 2×5. Das andere besteht aus 7 Karten mit Symbolen, die auf den ersten Blick an Mathematik erinnern. Da tauchen so kryptische Dinge auf, wie +1, ein Ungleichzeichen oder ein Pfeil nach unten hoch zwei. Für mich wäre das eigentlich schon ein Grund jetzt alles in Panik wegzuwerfen. Was soll ich denn damit anfangen? Gleichungen lösen? Unbekannte ermitteln? Meine Algebra-Kenntnisse sind ganz schnell erschöpft. Bei „Synergy“ bleibt meine Mathe-Angst ist jedoch völlig unbegründet. Bei diesen Karten handelt es sich nur um die Zielkarten.

Die Karten zeigen die Werte 2 ungleich 3
Auch was für Matheverweigerer, wie ich es bin.

 

Am Tisch kommt Neugierde auf. Zudem sind kooperative Kartenspiele wie „Die Crew“ und „Tippi Toppi“ bei uns heiße Dauerbrenner. Also schauen wir uns zu dritt die erste der insgesamt 30 Missionskarten mal genauer an, und die wirkt auf Anhieb echt überfrachtet. Viele Zahlen und Symbole sind darauf zu finden. Alles sieht auf Anhieb zwar gut strukturiert aus, spricht und von der Farbgebung an, aber nicht direkt mit uns. Wir brauchen also die Anleitung und suchen in einer Übersicht nach dem, was wir am  leichtesten entschlüsseln können. Wir sollen nacheinander verdeckt eine Zahlenkarte ausspielen. Reden dürfen wir nicht miteinander. Das bekommen wir hin. Dann werden die Karten gemeinsam aufgedeckt. Bei mir liegt eine 3, bei Lilli die 2, meine Frau überrascht mit der 1. Die Missionskarte sagt uns, dass wir nun als nächstes eine Zielkarte verdeckt ausspielen werden. Diese definiert nun für jede von uns eine individuelle Schlusssituation, die erreicht werden muss.

Missionskarte im Detail
Los, erklär mir alles auf Anhieb, bitte.

 

Meine Tochter spielt die +1. Das bedeutet, der Wert ihrer beiden am Schluss ausgespielten Zahlenwerte genau um 1 höher sein muss als bei meiner Frau oder mir. Ich decke das Ungleichzeichen auf. Mein Zahlenwert soll einzigartig sein. Und die Karte meiner Frau mit dem Pfeil nach unten hoch zwei bedeutet, dass ihre Kartensumme das zweihöchste Ergebnis von allen darstellen muss. Und nun haben wir das Problem. An der nächsten Zahlenkarte hängt also nun unser Erfolg. Die Köpfe wandern, Augen begegnen sich. Auch wenn man nicht direkt über Werte oder Aktionen reden darf, kann man jetzt doch in Andeutungen kommunizieren.

Wichtig dabei ist: Ich kann  nicht einfach nur mein Ziel im Auge haben. Ich muss auch darauf achten, dass meine Frau und meine Tochter ihre Teilmission erfolgreich bewältigen können. Ich schaue mir also meine Zahlenwerte genau an und grübele, welche Karte auf meiner Hand mein Ziel erfüllt, aber gleichzeitig höher oder tiefer als die meiner Frau ist und zudem noch meiner Tochter garantiert, dass sie meinen Wert um eins übertrifft. Und nun raucht mein Köpfchen, und auch links und rechts neben mir wird es beachtlich ruhig, bevor wir alle unsere dritte Karte zögerlich verdeckt vor uns ablegen.

Synergy wurde öko-freundlich hergestellt, sagt eine Karte
So soll es sein. Danke, Jolly Dutch!

 

In ‚Mission 1‘ gehen wir mit 3 Team-Leben an den Start. Sollten wir scheitern, brauchen wir eins auf. Sind alle weg, ist die Mission gescheitert. Insgesamt müssen wir fünf erfolgreiche Runden spielen, in der zwei Personen immer mindestens die Anforderungen erfüllen. Das ist sehr spannend, denn oft opferte sich eine Person auf, damit die anderen beiden ihr Ziel erreichen konnten. Auch eine Form von Synergie untereinander.

Anfänglich starten alle noch  mit allen Karten in der Hand und haben keinen Nachziehstapel. Da kannst du natürlich aus beim Ausspielen dem Vollen schöpfen. Das ändert sich in anderen Missionen. Da kann ein Szenario auch schon mal in die Hose gehen, wenn du halt nicht die Karte auf der Hand hast, die du brauchst. Aber es müssen ja nicht alle ankommen. Im weiteren Verlauf der 30 Missionen, die sich von sehr leicht bis mega herausfordernd entwickeln, können noch Super-Karten und Hyperkarten ins Spiel kommen. Zum Glück liegt alles vorsortiert im Stapel der Missionskarten. Also bloß nicht mischen.

 

Fazit
„Synergy“ spielst du nicht mal so locker runter, wie „Die Crew“. Das Spielprinzip fordert echte Gehirnakrobatik von allen Personen ab. Du musst DEINEN Erfolg sichern, aber auch den ANDEREN den Weg ebnen. Das kostet Rechenleistung aus beiden Gehirnhälften. Allein durch diesen Anspruch ist „Synergy“ jetzt auch kein Spiel, das ich mit Schwiegermutter und meinem Neffen auspacken würde, wenngleich die sonstigen Anforderungen an die Generationentauglichkeit passen und es sogar sprachneutral ist. Vielleicht könnte man bei der Farbgestaltung noch ein bisschen am Kontrast schrauben.

„Synergy“ kratz für mich am Kennerspiel-Niveau und begeistert sicher Menschen, die gerne tüfteln, auch wenn nur der Zahlenraum bis 10 notwendig ist. Wie bei anderen kooperativen Spielen groovt man sich in der richtigen Gruppe aber durch die gemeinsame Spielerfahrung ein, entwickelt eine Code-Sprache und feiert zusammen Erfolge.

Die Regeln von „Synergy“ sind aktuell in Niederländisch und Englisch verfügbar. Ausdrücklich positiv möchte ich noch erwähnen, dass das Spiel ökologisch bewusst hergestellt wurde. Bitte mehr davon.

 

Bewertung / Test
+ kooperatives Kartenspiel mit neuem Konzept
+ optisch sehr ansprechend und farbenfroh
+ ökologisch durchdacht
+/- teilweise sehr herausfordernde Mission
– Missionskarten nicht auf Anhieb zu verstehen

 

(Eine Rezension von Oli Clemens)


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Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“kooperative Spiele”

  • ... Altersgruppe bis 12 Jahre
  • ... Altersgruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 70 Jahre
  • ... Altersgruppe ab 71 Jahre

Snergy (2023)

Spielidee: Robert Brouwer
Grafik: Gustavo Furstenau
Verlag: Jolly Durch
Anzahl der Spielenden: 3-5 Personen
Altersempfehlung Verlag: Ab 10 Jahren
Spieldauer: 20-30 Minuten

Generationentauglichkeit: Vielleicht fehlt eine Kleingkeit Kontrast zur Generationentauglichkeit