Sonst müsste es ja Schlechtenberg heissen – Gutenberg von Huch! (Rezension)

Gutenberg | Kennerspiel | ab 12 Jahren | 1 bis 4 Spielende | Katarzyna Cioch und Wojciech Wisniewski |  Granna im Vertrieb von Huch! | pädagogisch wertvoll 

Mein scherzhaftes Wortspiel im Titel nimmt es vorweg: Gutenberg hat gefallen. Die Kategorie Kennerspiel trifft es genau: anspruchsvoll, aber nicht zu komplex. Mit etwas Erklärung kommt man schnell rein, alles ist logisch aufgebaut und hat seine feste Abfolge. Die Spielzüge sind klar strukturiert. Außergewöhnlich ist allerdings die Ausstattung: Vor allem die Lettern aus Holz haben es mir sofort angetan!

 

Spielkarton und Inhalt

Das Spiel
Gutenberg ist ein Kennerspiel von Katarzyna Cioch und Wojciech Wisniewski und bei Huch! erschienen. Es ist für 1 – 4 Spielende geeignet und kann ab 12 Jahren gespielt werden.

Thematisch geht es um das Führen einer Druckerei von früher. Ich habe es noch gesehen, wie eine Zeitung von Hand mit Lettern gesetzt wurde. Seitenverkehrt, damit es im Druck richtig erscheint. Und siehe da: die Buchstaben erscheinen auch hier spiegelverkehrt. So merkt man dem ganzen Spiel an, das Thema wurde mit Liebe umgesetzt und auch grafisch finde ich es stimmig. Spielt es sich dann auch gut?

Zwei Lettern aus Holz liegen auf einem Druckauftrag
Die Lettern sind edel.

 

Nach dem Aufbau -der in der Anleitung zeitgemäß gut erklärt ist- beginnt jede:r mit seiner Planungsphase. Mit sieben bzw. acht Spielsteinchen wird für jede Aktionsart überlegt: nehme ich daran teil? Wie wichtig ist es, bei einer Aktion der:die Erste:r zu sein? Die Aktionen werden der Reihe nach abgearbeitet. Wer jeweils die meisten Klötzchen gelegt hat, beginnt. Bei Gleichstand ist die Sitzreihenfolge  der Spielenden entscheidend.

Das Planungstableau, Marker sind nach Schwerpunkten für diese Runde verteilt
Die Anzahl der Marker bestimmt die Reihenfolge für jede Aktion.

Das erinnert sehr an „Fresko“ wie auch das spätere Einkaufen der Farben. Wer es nicht kennt, nehme es hier als Tipp mit: Auch ein sehr schönes Spiel.

Zunächst geht es um die ausliegenden Druckaufträge. Nachdem zum Start die ersten ausgewählt wurden, geht es gleich in der ersten Runde um weitere Aufträge. Sie unterscheiden sich darin, welche Lettern im Besitz sein müssen und erbringen Gulden als Einkommen. Zu jedem Auftrag gehört eine weitere Karte, die Veredelungskarte. Deren Erfüllung erfordert Druckerfarben und/oder unterschiedliche Weiterentwicklungen der Druckerei. Dies bringt dann Siegpunkte und Boni.

Sodann werden Druckerfarben erworben in Form kleiner Tropfen. Die Auswahl aus dem Markt ist ausgelost. Will ich mehr als eine Farbe, muss ich Geld ausgeben. Das könnte später beim Erwerb von Lettern fehlen.

Der nächste Schritt ist die Auswahl der Spezialisierungskarten. Diese pushen die Entwicklungsleisten des jeweils Spielenden nach vier Kategorien. Das brauche ich zur Erfüllung der Veredelungskarten, bringt zudem aber auch kleine Boni und am Ende Siegpunkte bei entsprechendem Fortschritt.

Ein Spielertableau mit Markern für den Fortschritt in den verschiedenen Kategorien, zwei installierte Zahnräder, darauf jeweils drei Aktionsmöglichkeiten
Tableau für Blau: links die Fortschrittsleisten, rechts die Zahnräder, unten eine Bonusleiste

 

Ein zentraler Punkt der Taktik sind die Zahnräder. Zunächst ist mein Tableau leer, bietet aber Platz für drei Zahnräder, die zu Beginn jeder Runde um einen Sektor weitergedreht werden. Somit kann ich für die kommenden Runden vorplanen. Oder ich verzichte auf ein Zahnrad, darf stattdessen ein vorhandenes aus der Halterung nehmen, drehen und neu einsetzen. So komme ich in der laufenden Runde an das Gewünschte.

Ein Teil der Leiste für die Gönnerkarten
Im fortschreitenden Spiel können Gönnerkarten erworben werden. Oder man nimmt eine der Boni.

 

Das zeitlich Letzte beim Abarbeiten der Aktionen sind die Gönner, die am unteren Spielfeld zur Auswahl stehen. Allerdings hängt die Auswahl von der Zahl der aktuellen Runde ab. Erfülle ich die abgebildeten Bedingungen, darf ich den entsprechenden Gönner nehmen. Der bringt am Ende satte acht Siegpunkte. Andernfalls gibt es Boni zum Aussuchen, die sind auch sehr wertvoll.

Nun geht es an das eigentliche Geschehen: ich kann Lettern dazukaufen, deren Preis aber steigt, je mehr ich besitze. Dann kann ich Aufträge erfüllen indem ich die geforderten Lettern auf die Aufträge lege. Die Belohnung in Geld ist willkommen, doch manchmal lohnt es sich zu warten um auch die dazugehörige Veredelungskarte zu erfüllen. Andererseits habe ich nur Platz für vier Aufträge.

Zwei Auftragskarten mit dazugehörigen Veredelungskarten. Lettern und Farbtropfen bereits gelegt.
Druckaufträge werden erfüllt, nach Möglichkeit auch die Veredelungen.

 

Nach Ende der sechsten Runde gibt es noch Punkte für die erreichten Spezialisierungen, für die Gönner und für noch vorhandenes Geld. Da kann sich der Punktestand noch entscheidend verändern.

 

Fazit

Gutenberg ist ein solides Kennerspiel, dessen Verzahnung sich erst ab der zweiten Partie so wirklich erschließt. Dabei ist der Einstieg nicht schwierig. Man kann mit Spaß mitspielen ohne sogleich alles zu durchblicken. Die Druckerei schreitet voran. Man wird halt nicht so üppig belohnt bei schlechterer Planung. Belohnend fühlt es sich trotzdem an.

Ab der zweiten Partie macht es dann so richtig Spaß, sich eine Taktik zu überlegen und immer besser zu werden. Trotzdem ist es keine reine Strategie. Die zufällige Auswahl der Aufträge, Veredelungskarten, das Angebot an Farben und Weiteres macht es immer zur Herausforderung, das Beste aus dem Vorhandenen herauszuholen.

Das Thema ist stimmig umgesetzt, die Ikonographie logisch und daher schnell gelernt ohne dass es langes Nachschlagen erfordert. Die Glossare sind übersichtlich, die Anleitung gut aufgebaut. Im fortgeschrittenem Spiel kann man die 10 möglichen Charaktere dazunehmen, alles reale historische Personen, die in der Anleitung vorgestellt werden. Das Material ist gut, das Spiel ist gut, alles mit Liebe gemacht.

Sicher können geübte 10jährige mitspielen, die Altersangabe ab 12 halte ich trotzdem für gerechtfertigt. Für ältere Spielende können die Marker und die Farbtropfen etwas schwer zu greifen sein. Farben und Symbole sind gut unterscheidbar. Die Komplexität spricht eher gegen Generationentauglichkeit, doch das lässt sich diskutieren.

Für den Solomodus simuliert ein Automa den fehlenden Mitspielenden. Es wird angeboten, ihn auch im Spiel mit 2 oder 3 Personen hinzuzunehmen. Ich sehe das nur als Behelf, aber das möge jede:r halten wie er:sie mag. Mir ist die Interaktion beim Spielen durchaus wichtig. Die ist hier bei den Auswirkungen der Planung und somit bei der Wahl der Möglichkeiten gegeben.

Bewertung / Test
+ thematisch sehr schön umgesetzt, sowohl vom Ablauf als auch von der Gestaltung
+ für ein Kennerspiel kein schwieriger Einstieg, Lernkurve vorhanden
– kann sich nach einiger Zeit erschöpfen, begrenzte Varianz

 

 

(Eine Rezension von Paul Theisen)


Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Kennerspiel”

  • ... Altersgruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 70 Jahre
  • ... Altersgruppe ab 71 Jahre

Gutenberg (2022)

Spielidee: Katarzyna Cioch und Wojciech Wisniewski
Grafik: Rafal Szlapa
Verlag: Granna im Vertrieb von Huch!
Anzahl der Spielenden: 1 – 4
Altersempfehlung Verlag: ab 12 Jahren

Spieldauer: 60 – 120 Minuten, je nach Spielerzahl

Generationentauglichkeit: Die Farbtropfen und die Marker sind etwas schwer zu greifen. Auch durch die Komplexität nur bedingt generationentauglich

Pädagogisch wertvoll: 

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