Interessante neue Spiele auf den B-Rex-Tagen 2022 in Merseburg

Als schönes Presse-Event gedacht, sind die B-Rex-Tage auf Burg Liebenau bei Merseburg gleichzeitig ein Treffen für Menschen aus der Szene und Gelegenheit, Neuerscheinungen der Verlage rund um die Spieleschmiede auszuprobieren.

Mit einem Einzelhändler einer Großstadt und mit Frank Noack, Organisator der B-Rex-Tage und Geschäftsführer der ‚Spieleoffensive‘, hatte ich gezielt das Gespräch gesucht. Was wir diskutiert haben und welche neuen Spiele ich ausprobiert habe, darum geht es in diesem Bericht.

Spielende in einem Raum der Burg

Ein ganzes Wochenende trafen sich Blogger:innen, Youtuber:inn, Händler und Händlerinnen, Autoren und Autorinnen, Verlagsmitarbeiter:innen und Gäste auf der Burg. In zahlreichen Räumen waren an den Tischen neue Spiele bereits aufgebaut. Dazu jeweils eine Liste, an wen man sich wenden kann, um das Spiel erklärt zu bekommen bzw. im späteren Verlauf, wer es inzwischen gespielt hatte. Unter den Spielen gab es auch exklusive Premieren, wie Frank eingangs erklärte. Einige Neuerscheinungen waren extra zurückgehalten worden, um sie hier erstmals zu präsentieren.

In hinteren Räumen gab es Prototypen zu testen. Als ich dort Frank um ein Gespräch bitten wollte, wurde ich Zeuge, als Autor Moritz Schuster mit Frank und zwei Personen aus dem Verlag über die Produktion diskutierten: wie viele Ressourcenwürfel braucht es, wie groß sollen sie sein und was dürfte das bei den Kosten ausmachen? Das Gespräch war ernsthaft, doch entspannt. Interessant, da einmal mitzuhören.

Raum in der Burg, Spiele sind ausgestellt

Zuvor hatte ich mich mit dem Inhaber eines Brettspielgeschäfts in einer großen Stadt unterhalten, der nicht persönlich genannt werden wollte. Was erwartet er in den kommenden Monaten bei steigenden Preisen? Werden auch die Spielefreunde den Gürtel enger schnallen und weniger kaufen? Das Weihnachtsgeschäft wird noch normal laufen, prognostiziert er, doch wird er das Lager weniger auffüllen als früher. Im neuen Frühjahr erwartet er eine größere Flaute, da werden eher noch die gängigen, älteren Titel gekauft. Er richtet jedenfalls seine Lagerhaltung darauf ein. Das hat natürlich zur Folge, so antwortet er auf meine Nachfrage, dass es für die kleinen Verlage sehr schwierig werden wird. Aktuell beobachtet er, dass Familien viele Spiele inzwischen zu teuer sind und sie eher mehrere kleine Spiele kaufen. Im Volumen bliebe das fast gleich, verändere aber den Markt,

Kommt es vor, dass er von Kunden nach Spielen gefragt wird, die man den Eltern mitbringen kann, die nur das „übliche“ spielen? „Aber ja, sogar relativ häufig“. Seine erste Empfehlung ist dann Qwirkle, das käme eigentlich überall gut an, weil es so einfach ist.

Innenhof der Burg
Im Innenhof traf ich Frank Noack zu einem Interview

 

Als Frank Noack dann für mich Zeit hatte, knüpfte ich an unser Gespräch vor einem Jahr an: Da schätzte er für Familien die Schmerzgrenze bei 30 Euro an. Da hatte es „Mein Königreich für ein Pferd“ von Moritz Schuster aus eben diesem Grund etwas schwer. „Die Preise sind ja jetzt überall gestiegen“, meinte Frank, „daran haben sich die Leute schon gewöhnt. Da darf ein Familienspiel durchaus 35 Euro kosten. Bei 45 oder gar 50 Euro , was manche Spiele von der Produktion her auch kosten müssten, wird es genauso schwierig. Vielspielende sind nach wie vor bereit, auch mehr zu zahlen, wenn die Ausstattung schön ist.“

Voriges Jahr hatten wir auch darüber gesprochen, wie sich die Verlage wie Kobold, Corax oder FunBot einen Platz in den Spielegeschäften erobern. Dies sei nach wie vor schwierig bei den Handelsketten. Bei den speziellen Händlern seien sie gut vertreten. Dass einige Spiele bei der „Aktion hoher Spielwert“ dabei waren, sei prima gewesen.

Gefragt nach der Situation bei den Lieferverzögerungen und bei Logistikproblemen, sagt Frank: „Klar, das ist nach wie vor so. Wir haben uns aber inzwischen daran gewöhnt. Und die Kunden und Kundinnen haben sich daran gewöhnt, dass man sich auf einen Erscheinungstermin nicht mehr unbedingt verlassen kann. Da sind alle etwas entspannter geworden.“

Frank kennt unser Generationensiegel und unterstützt immer wieder gern unseren Verein. „Siehst Du eine Tendenz, dass bei der Produktion mehr auf unsere Kriterien geachtet wird?“, frage ich. „Also, wir tun das auf jeden Fall. Bei Lokalisierungen ist das anders, da haben wir die Vorgaben, bzw. die bestehenden Produktionen.“ „Oft wäre es doch so einfach“, wende ich ein, „zum Beispiel für Menschen, die Probleme mit der Farbwahrnehmung haben, kann man doch zusätzliche Merkmale wie Formen drucken, um denen ein Spiel zu ermöglichen.“ Frank grinst: „Guck Dir mal das Kartenspiel GAP an, dann siehst Du, wie wir das umgesetzt haben.“ Warum er so gegrinst hat, verriet mir der Blick auf den Karton: Autor Frank Noack.

Nachtstimmung im Innenhof
Einige spielten die halbe Nacht durch.

 

Bevor wir dann noch zu den Spielen kommen, sei noch kurz erzählt, dass es viele Begegnungen gab mit spontanen Gesprächen. Da gab es Diskussionen über Spielregeln unter Mitarbeitern von Spielecafés und einer Übersetzerin eines Spieleverlags. Diskussionen über den Sinn und die Notwendigkeit von Hitlisten unter Youtubern und einem Händler und natürlich viele Gespräche über Spiele. Ich hörte von Spielrunden bis um Vier in der Früh bei denen, die auf der Burg ein Zimmer hatten oder im Campingbus übernachtet hatten. Mir hatte nach dem Erlernen und Spielen von drei, vier neuen Spielen schon der Kopf geraucht. Dabei ist es sehr angenehm, sie erklärt zu bekommen.

Also: Was ist mir aufgefallen und für gut getestet worden? Es sollte klar sein, dass es sich im Folgenden um Ersteindrücke handelt.

Spieltisch mit Akropolis

„Akropolis“ ist ein Legespiel, das in Ansätzen an „Cascadia“ erinnert. In der Mitte gibt es, je nach Anzahl der Spielenden, eine Auslage von Plättchen, von denen man das erste kostenlos nehmen kann, für spätere mit Klötzchen zahlen muss. Beginnend beim eigenen Startplättchen baut jede:r seine eigene Stadt auf. Dabei werten die Gebäudearten für ihre Anordnung unterschiedlich, zudem brauche ich Plättchen mit Sternchen als Multiplikatoren. Eine gute, genaue Spielanleitung findet man übrigens von Ben beim Brettspielblog auf Youtube. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht. Wenn es Ende September in den Handel kommt, wird es schnell einen Platz in meinem Regal bekommen.

Kartenspiel GAP
Die Farben werden mit Symbolen unterstützt.

 

„GAP“, das ich bereits oben erwähnt habe, ist ein so einfaches wie schnelles Spiel, das man chronischen Uno-Spielern als Abwechslung in die Hand drücken kann. Wenn ich eine Karte spiele, nehme ich Karten mit der gleichen Zahl aus der Auslage. Gibt es diese nicht, nehme ich Nachbarzahlen. Am Ende zählt die Differenz zwischen den meisten Karten einer Farbe und den wenigsten.

Spieltisch mit Wilde Serengeti

Wilde Serengeti“ fängt einen sofort ein mit dem wunderschönen Material. Das Spielprinzip ist einfach: Ich kann Tiere kaufen und auf dem Spielplan positionieren,  bewegen oder ihre Positionen tauschen. Damit kann ich Auftragskarten erfüllen, die eine bestimmte Anordnung der Tiere auf dem Spielfeld verlangen und/oder einen bestimmten Untergrund auf dem sie stehen. Gleichzeitig helfe ich damit den Mitspielenden oder erschwere es ihnen. Das wird dann schnell komplex. Zu viert haben wir zwei Stunden daran gespielt. Mit weniger Personen geht es sicher erheblich schneller und vor allem, wenn man das Spielprinzip besser verinnerlicht hat. Interessant ist es auf alle Fälle und vor allem mit einer wunderschönen Tischpräsenz.

Spieltisch mit Land und Meer

„Land & Meer“ haben wir zu viert gespielt in zwei Teams. Zu zweit dürfte es sich ähnlich spielen. Es gibt aber auch eine Regel für drei Spielende. Die Plättchen mit Landes- und Meeresteilen sind zweiseitig bedruckt. Die Mitspielenden sehen nur die Oberseite. Die gegenüber Sitzenden versuchen möglichst große Land- bzw. Meeresflächen zu bilden und abzuschließen. Vom Spielgefühl ähnelt es „Carcassonne“, hat aber eine höhere Spieltiefe. Auch dieses Spiel wird in meinem Regal landen, wenn es Ende Oktober auf Deutsch erscheint.

Spieltisch mit Riverside

„Riverside“ ist ein Rundparcours eines Ausflugsdampfers. Dessen Tempo wird durch die Würfel bestimmt und ebenso, wie viele Passagiere ich auf meinem Bogen ankreuzen darf. Und: möglichst viele Passagiere vollen am angesteuerten Ort möglichst viele Ausflüge machen. Speziell das Bonussystem hat mich an „Einfach Clever“ erinnert. Gut, aber eine Partie ist (für mich zu) schnell vorbei.

Spieltisch mit Unfair

Länger beschäftigt war ich mit „Unfair“, weil ich mich nach gespielter Partie gleich als Erklärbär für die nächste Runde zur Verfügung gestellt hatte. Es geht bei jedem Mitspielenden um den Aufbau eines eigenen Freizeitparks. Kern sind Karten, die Attraktionen zeigen und deren Erweiterungen. Zudem gibt es Angestellte, die sowohl Siegpunkte als auch Vorteile bringen. Und es gibt Ereigniskarten, welche entweder einen positiven eigenen Vorteil bringen oder dann nach Wahl einen destruktiven für einen Mitspielenden. Für den höheren Spielspaß haben wir und entschieden, böse zu spielen und uns hinterher wieder zu vertragen. Doch die negativen Ereignisse können zwar bremsen, aber nicht wirklich den Sieg verbauen.

Spielauslage bei Unfair

So arbeitet jeder an seinem Park, um für das Spielende Siegpunkte zu generieren und um aktuell das Einkommen zu erhöhen. Uns allen am Tisch hat es Spaß gemacht. Ich habe nur Zweifel am Wiederspielreiz, wenn man die Karten mal alle kennt. Das Entdecken der Möglichkeiten war für mich ein Hauptreiz bei „Unfair“, das Ende Januar 2023 in Deutsch erhältlich sein wird.

Die Abschiedsformel hieß bei den meisten: „Richtig schön war’s! Wir sehen uns in Essen!“

 

(Ein Bericht von Paul Theisen)


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Zusammenfassung

 

 

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