Nur die Harten schaffen den Garten – Im Schatten der Pagode von Board Game Circus (Rezension)

Im Schatten der Pagode | Familienspiel | ab 10 Jahren |  2 bis  4 Spielende | Martin Dolezal |  Board Game Circus | fast generationentauglich

Die vierstöckige Pagode ist ein Blickfang, zudem ist das Spiel schnell aufgebaut und startbereit. Schöne Ressourcen, schöne Mechanik und ansprechend gestaltete Karten. Doch durch seinen latenten Frustfaktor konnte das Spiel nicht so richtig überzeugen.

Spielkarton und Inhalt

 

Das Spiel
Im Schatten der Pagode ist ein Familienspiel von Martin Dolezal und bei Board Game Circus erschienen. Es ist für  2 – 4 Spielende geeignet und kann ab  Jahren gespielt werden.

Wenn die Pagode vor dem ersten Spiel zusammengebaut ist, was nicht weiter schwierig ist, findet sie später wunderbar Platz  im Tiefziehteil des Kartons. Solange man den Karton nicht ungeschickt transportiert, braucht man nicht einmal Zip-Beutel. Der Aufbau geht ebenso schnell wie das Verstauen. Sehr schön!

Das Material im Inlay des Kartons. Eine Hand hebt die Leiste mit den Ressourcenbehältern
Alles hat seinen Platz. Der Ressourcenbehälter lässt sich so auf den Tisch stellen.

Die Pagode kann in beliebiger Reihenfolge der Etagen aufgebaut werden. Jeder Etage ist für eine der vier Ressourcen zuständig und zeigt null bis drei Ressourcen einer Art. Jede:r Spielende blickt auf die für sie:ihn gültige Seite.

Vier unterschiedliche Karten, zwei davon gehören zu einem Set
Die Karten zeigen ihre Aktionsmöglichkeiten

Wer an der Reihe ist, hat drei Aktionen, für die jedes Mal eine Karte ausgelegt wird. Zunächst kann sie als Baukarte ausgelegt werden. Oben wird gezeigt, welche Karten ein Panorama als Set aus mehreren Karten gleicher Farben zusammengesetzt werden können. Unten stehen die erforderlichen Ressourcen, mit denen eine Baukarte erfüllt und umgedreht werden kann.

Die Erfüllung bringt zuerst einen Siegpunkt (Fortschritt des Gunstmarkers) in der gezeigten Farbe, die zweite bringt dann zwei Siegpunkte und so weiter, bis das Panorama gänzlich erfüllt ist.

Ein dreiteiliges Panorama ist fertiggestellt, darüber zwei Baukarten
Ein fertiges Panorama bringt neben den Siegpunkten noch einen Bonus.

Das fertige Panorama bringt neben den Punkten noch einen Bonus, das kann ein weiterer Lagerplatz für Ressourcen sein, ein Siegpunkteplättchen oder ein Bonusplättchen für weitere Ressourcen.

Um an Ressourcen zu kommen, ist ebenfalls eine Karte auszuspielen. Dort ist vorgegeben, welche Etage der Pagode gedreht werden muss. Die Etagen darüber drehen sich mit. Der Pfeil auf der Karte gibt vor, ob die Ressourcen von oben nach unten abgegriffen werden oder umgekehrt. Das Problem dabei ist der Lagerplatz von maximal vier Ressourcen. Eine wirkliche Vorplanung ist nicht möglich, weil die Spielenden vor mir ebenfalls an der Pagode drehen.

Auf jeder Karte befindet sich ein Handkarren. Spiele ich eine Karte in dieser Funktion aus, kann ich Ressourcen vom Lagerplatz auf die Baukarten legen oder auf den Baukarten umgruppieren.

Beim Ausspielen ist zu beachten, dass man die Karten gleich weglegt, wenn man sie nicht zur Erstellung eines Bauplatzes nutzt. Sonst ist es schnell mal unklar, ob es nicht doch eine Baukarte war. Dagegen braucht man die Aktionen nicht mitzählen. Ist der eigene Zug ist beendet, wenn man von den fünf Karten nur noch zwei auf der Hand hat. Das klingt banal, doch generationenübergreifend liegt hier eine kleine Stolperfalle.

 

Die Punkteleiste mit einem Spielstand
Lila hat zweimal die 10 überschritten, deshalb sind bei Gelb zwei Marker rausgeflogen.

Bei Erfüllung einer Baukarte ziehen die eigenen Gunstmarker auf der entsprechenden Farbleiste voran. Dabei gibt es Panoramen mit Jokerfarben, da kann ich aussuchen, auf welcher Leiste der Marker noch oben zieht. Geht ein Marker über die 10 hinaus, werden alle gegnerischen Marker um ein Feld zurückgesetzt.

Mit meiner Frau hatte ich eine Partie, wo ich keine passenden Karten auf die Hand bekam und auch keine passenden nachziehen konnte. Es gibt eine offene Auslage von drei Karten oder man zieht vom Ablagestapel, doch nichts passte zusammen. In der Folge sind zwei meiner Marker rausgeflogen, ohne dass ich etwas dagegen tun konnte. Als dann der dritte Marker das Punktetableau verlassen musste, gab ich entnervt auf.

Das läuft selten so, kann aber passieren. Gerade das Zurücksetzen sorgt für Frustration in diesem sonst belohnenden Spiel. Zudem ist eine Taktik kaum planbar. Viel hängt davon ab, wie die Etagen der Pagode stehen, wenn ich an Reihe bin und vor allem, ob ich passende Karten nachziehen kann.

Die Regel ist übersichtlich und gut verständlich. Die Symbolik ist fast selbsterklärend. Der Generationentauglichkeit stehen nur die kleinen Klötzchen im Weg und die Gefahr der Unübersichtlichkeit im weiteren Spielverlauf.

Fazit

Im Grunde ist ‚Im Schatten der Pagode‘ ein schönes, gut verzahntes Familienspiel. Steht es auf dem Tisch bereit, sorgt die Pagode für einen hohen Aufforderungscharakter. Doch die Regel, dass die gegnerischen Steine zurückgesetzt werden, wenn ein Wertungsstein über die 10 hinausgeht, macht das Spiel kämpferisch und manchmal auch frustrierend.

Monikas Fazit:

Ich konnte das Spiel ebenfalls schon spielen. Die Pagode und die fertigen Panoramabilder haben mir optisch sehr gut gefallen. Den Drehmechanismus der Pagode finde ich neu und interessant. Und obwohl es ein nettes Spiel ist, konnte es mich doch  nicht gänzlich überzeugen. Warum? In meiner ersten Partie, ist es mir ergangen, wie dem Paul. Meine Gunststeine sind rückwärts statt vorwärts gezogen und irgendwann rausgefallen. Damit ist der Sieg unerreichbar. In einer zweiten Partie hatte ich diese „Herausforderung“ besser im Blick. Ich habe darauf geachtet, dass ich meine Gunststeine gleichmäßig vorrücke und keiner der Steine zu weit zurückbleibt. Was mich eher stört, sind die knappen Ressourcen-Plätze. 4 Plätze sind wenig. Wenn dann schlechtestensfalls noch ein oder zwei Plätze von Ressourcen besetzt sind, die man gerade nicht anlegen kann, ist man bei den nachfolgenden Spielzügen einfach eingeschränkt. Ich schließe mich der Sternebewertung von Paul mit 3,5-4 Sternen an.

Christianes Fazit: 
Die Regeln sind sehr eingängig und auch übersichtlich. Die Optik wirkt sehr ansprechend. Auch der Spielmechanismus gefällt mir sehr gut. Ja, es ist irgendwie mal was neues. Durch das, dass man die eigenen Züge schlecht vorplanen kann, haben sich aber manche meiner älteren Mitspielenden etwas schwer getan. Durch die ständige Veränderung der Pagode erforderte es viel Konzentration. Obwohl durchwegs allen der Mechanismus und die Optik angesprochen hat. Auch wenn die Regeln sehr übersichtlich und überschaubar sind, benötigt es eine zweite Partie um die Spielweise zu verinnerlichen.

 

Bewertung / Test
+ schön gestaltet, attraktives 3D-Element
+ leicht erlernbar, die Ikonografie unterstützt dies
– das Zurücksetzen gegnerischer Gunstmarker sorgt für Frustration

 

 

(Eine Rezension von Paul Theisen)


Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Familienspiel”

  • ... Altersgruppe bis 12 Jahre
  • ... Altersgruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 70 Jahre
  • ... Altersgruppe ab 71 Jahre

Im Schatten der Pagode (2021)

Spielidee: Martin Dolezal
Grafik: Rachance, Sunju Choi
Verlag: Board Game Circus
Anzahl der Spielenden: 2 – 4
Altersempfehlung Verlag: ab 10 Jahren

Spieldauer: 45 Minuten

Generationentauglichkeit: im Prinzip ja, allerdings sind die Marker recht klein. Zudem ist beim Auslegen der Karten sehr aufzupassen, sie wegzulegen, wenn sie nicht als Baukarten genutzt werden.

 

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