Willkommen im Regenwald – Baumkronen von Kosmos (Rezension)

Baumkronen | 2-Personenspiel | ab 10 Jahren | 2 Spielende | Tim Eisner | Kosmos

Bei „Baumkronen“ stellen wir unsere Erde auf den Kopf. Statt wie im realen Leben den Regenwald täglich zu zerstören, bauen wir ein kleines Paradies aus Bäumen, Pflanzen und Tieren – zumindest auf unserem Spieltisch. Der Mensch hat dort nur die Aufgabe, die richtigen Karten auszuspielen.

Das Material ist bunt und farbenfroh, so wie wir uns den Regenwald in seiner Pracht vorstellen
Frei nach Guns’n’Roses: Welcome to the jungle

 

Das Spiel
Baumkronen
ist ein 2-Personenspiel von Tim Eisner und bei Kosmos erschienen. Es ist für 2 Spielende geeignet und kann ab 10 Jahren gespielt werden.

Im 2-Personenspiel „Baumkronen“ nehmen wir über drei Runden nacheinander Karten aus einer Auslage. Das Spiel spricht von Jahreszeiten. Lassen wir das mal so stehen, dass es drei gibt. Die Karten legen wir aus und lassen dadurch stattliche Bäume und tropische Pflanzen wachsen. Außerdem locken wir die Tiere des Regenwalds an, die uns ein paar Sonderaktionen ermöglichen. Sonne und Regen helfen uns, noch mehr Punkte einzusammeln. Doch Vorsicht vor Feuer, Dürre und Krankheiten.

Zum Spielbeginn wollen 112 Karten kräftig durchgemischt und in drei etwa gleichgroße Stapel geteilt werden. Zwei kommen für später zur Seite, der dritte wird an eine Leiste in der Mitte gelegt. Diese Leiste ist in drei Abschnitte eingeteilt. Im Spiel heißen die Wachstumsstapel, in der Realität sind es einfach Ablageplätze für Karten vom Stapel.

Zu Beginn sieht alles ganz geordnet aus. Die Karten liegen an der Wachtumsleiste
Zu Beginn sieht alles ganz geordnet aus. Die Karten liegen an der Wachstumsleiste

Zur Spielvorbereitung werden diese nun gefüllt. Der erste mit einer verdeckten Karte, der zweite mit zwei verdeckten Karten und der dritte … das Prinzip ist schnell verstanden. Beide Personen bekommen noch jeweils einen Startbaum, dann geht’s los. Wer startet, schaut sich nun den verdeckten Wachstumsstapel 1 an und entscheidet, ob die Auslage dort attraktiv ist. Wenn ja, wird diese Karte genommen und in die eigene Auslage gelegt. Wenn nein, geht die Karte verdeckt wieder zurück, eine weitere wird vom Stapel dazugelegt.

Das gleiche Spiel wiederholt sich mit Wachstumsstapel 2 und zur Not auch noch mit Wachstumsstapel 3. So wandern nacheinander immer mehr Karten auf die Stapel und in die eigene Auslage. Der Spielplatz vor mir füllt sich immer mehr und schnell wird klar, dass ich auf meiner Seite des Tischs echt viel Platz brauche, um alles auslegen zu können.

Die Auslage wächst schnell an.
Die Auslage wächst schnell an.

Die so gesammelten Karten sorgen je nach Art unterschiedlich für Punkte. Bäume wachsen in die Höhe, solange man Stämme auslegt. Schnappt man sich aber eine Baumkrone, ist der Baum vollendet und er kann am Ende der Runde gewertet werden. So vielfältig Pflanzen auch sind, so vielfältig sind die Arten, wie sie uns zum Erfolg führen. Um mit Monstera zu punkten, braucht man schon ein Trio davon, denn erst die dritte belohnt uns mit Punkten. Bei der Bromelie will ich auf keinen Fall drei in der Sammlung, weil mich das bei der Wertung Punkte kostet. Und der Farn wirft nur Punkte ab, wenn wir eine ungerade Anzahl ausliegen haben. Am Ende jeder Jahreszeit wird gecheckt, was so in der eigenen Auslage wächst, dann gewertet und abgeworfen.

Wenn Bäume eine Krone haben, werden sie mit Tierkarten ohne Funktion aufgehübscht.
Wenn Bäume eine Krone haben, werden sie mit Tierkarten ohne Funktion aufgehübscht.

Manche Tiere bringen nicht nur Punkte, sondern auch Extrafähigkeiten. Die grüne Hundskopfboa lässt uns einmal pro Jahreszeit eine Karte aus einem Stapel nehmen, auch wenn wir diesen liegen lassen. Das Faultier lässt uns einmal pro Jahreszeit eine zusätzliche Karte ziehen. Tiere bleiben alle Runden hindurch bis zum Ende des Spiels in der Auslage und werfen erst am Schluss Punkte ab.

Es warten auch noch andere Karten in den Stapeln auf uns. Samen lassen am Ende einer Jahreszeit neue Pflanzen wachsen, Krankheiten bedrohen unsere Tiere und Feuer kann Pflanzen vernichten. Von denen will man am besten keine, deswegen empfiehlt es sich genau zu überlegen, welchen der drei Stapel geschnappt wird. Sonne und Regen spielen auch noch eine Rolle, aber nur zusammen sind sie hilfreich.

Die toll illustrierten Tierkarten bringen zusätzliche Aktionen oder Extrapunkte
So ein tierisches Durcheinander

Ist keiner der Stapel attraktiv, bleibt immer noch der Griff zum Nachziehstapel, wo man sich die oberste Karte nehmen und ausgelegen muss. Danach ist die zweite Person am Zug und wiederholt die gleiche Prozedur. Dieser Wechsel von anschauen, entscheiden, nehmen und auslegen ist der Kernmechanismus von „Baumkronen“. Insgesamt kommt es zu drei Zwischenwertungen jeweils am Ende einer Jahreszeit, dann kommt die große Endabrechnung. Ein Haufen Pappmarker hilft uns, die Übersicht zu behalten.

Fazit

„Baumkronen“ gibt sich alle Mühe, die Diversität des tropischen Regenwalds spielbar zu machen. Das Spiel besticht zweifellos durch seine Optik. Alles ist bunt, detailreich und liebevoll gestaltet. Das Material der Karten hingegen kann mit der hohen optischen Qualität leider nicht mithalten. Schon nach zwei Partien war der erste Verschliss an den Rändern zu sehen. Das kommt dadurch, dass die Karten andauernd vom Tisch angehoben werden müssen. Das geht natürlich am besten mit den Fingerspitzen oder Fingernägeln. Das setzt den wirklich dünnen Papierkärtchen deutlich zu. Wer sein Spiel schonen möchte, sollte deswegen die insgesamt 140 Karten in Schutzhüllen stecken.

Neben dem Grundspiel lässt sich Baumkronen noch in einer Variante mit Spezialkarten spielen. Das sind zusätzliche Tier- und Pflanzenkarten. Das macht das Spiel etwas variabler. „Baumkronen“ ist zugänglich, aber im Ablauf unspektakulär. Ich persönlich finde den Hauptmechanismus mit dem Sichten der Stapel und der Entscheidung, ob ich schlussendlich 1, 2 oder 3 nehme, extrem monoton. Jedes Mal, wenn ich an der Reihe bin, mache ich dasselbe. Dabei achte ich auf Schadensbegrenzung, die ich manchmal aber einfach nicht vermeiden kann. Da kommt oft in mir das Gefühl auf, dass das Spiel mich spielt. Eigentlich sollte es ja umgekehrt sein. Da helfen mir auch die verschiedenen Sonderfähigkeiten der Tierkarten nicht.

Das Material ist anfällig für Verschleiß
Das optisch tolle Material ist anfällig für Verschleiß

Jede Wertungsphase ist extrem kleinschrittig. Insgesamt arbeite ich sechs Phasen ab. Dabei schiebe ich eine Menge Karten hin und her, ebenso die Pappmarker mit den Punkten. Da der Tisch zu diesen Momenten eh durch die Kartenauslage übervoll wirkt, geht mir da schnell mal der Überblick verloren.

Interessanterweise ist das Spiel in anderen Ländern in einer Variante für 1-4 Personen erschienen, in Deutschland wurde es in die Kosmos-Zwei-Spieler-Reihe adaptiert. Ob das dem Spiel wirklich so gut getan hat? Als generationentaugliches Spiel bietet es sich nicht an. Die Karten sind nicht handlich genug und zudem sind viele mit Schrift in Minigröße überfrachtet. Schade eigentlich. Eine durchgehende Symbolsprache wäre sicher möglich gewesen, so wie es beispielsweise auf den Samen- oder Feuerkarten geklappt hat. Dafür sehen wir aber die Schönheit des Regenwaldes.

 

Bewertung / Test
+ optisch hinreißend schön
+ Regeln schnell verinnerlicht
– Karten viel zu dünn, der Verschleiß ist ganz früh sichtbar
– Hauptmechanismus extrem repetitiv
– Auslage kann schnell unübersichtlich werden

 

(Eine Rezension von Oli Clemens)


Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Zwei-Personen-Spiele”

  • ... Altersgruppe bis 12 Jahre
  • ... Altersgruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 70 Jahre
  • ... Altersgruppe ab 71 Jahre

Baumkronen (2021)

Spielidee: Tim Eisner
Grafik: Vincent Dutrait
Verlag: Kosmos
Anzahl der Spielenden: 2 Personen
Altersempfehlung Verlag: Ab 10 Jahren
Spieldauer: 30-45 Minuten

Generationentauglichkeit: Ja, wenn die Augen und die Feinmotorik mitspielen

 

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