Ach Voldi, nerv‘ nicht – Harry Potter: Aufstieg der Todesser von Kosmos (Rezension)

Harry Potter: Aufstieg der Todesser | kooperatives Würfelspiel | ab 11 Jahren | 2 bis 4 Spielende | Patrick Marino & Andrew Wolf | Kosmos

Das muss man der circa 15 Zentimeter großen Voldemort-Figur lassen, die als erstes ins Auge springt, wenn man den Spielekarton öffnet: finster schauen kann sie! Mit ausgestrecktem Zauberstab und türkisschimmernden Augen ist das auch ganz passend, denn Voldi und seine Todesser wollen mit ihrem dunklen Einfluss die letzten Orte des Widerstands verderben. Doch die Zauberwelt wehrt sich hartnäckig.

Ganz viel tolles Material steckt in der Schachtel. Voldemorts Figur sticht dabei besonders ins Auge

Macht euch bereit den Todessern die Stirn zu bieten

 

Das Spiel
Harry Potter: Aufstieg der Todesser
ist ein kooperatives Würfelspiel von Patrick Marino & Andrew Wolf und bei Kosmos erschienen. Es ist für 2-4 Spielende geeignet und kann ab 11 Jahren gespielt werden.

Da sind sie also wieder alle: Harry, Hermine, Ron und die rothaarigen Weasleys, die Lehrer und Lehrerinnen aus Hogwarts und alle anderen schillernden Charaktere aus der magischen Welt von Harry Potter. Im Mittelpunkt steht diesmal aber ihr Erzfeind Voldemort, denn er sammelt seine Verbündeten, die sogenannten Todesser, um sich. Sein Plan: Er will die Zauberwelt übernehmen. Gemeinsam wehren wir uns gegen ihn und die Angriffe seiner Schergen, um letztlich Voldi in einem großen Showdown umzuhauen.

Bei ‚Aufstieg der Todesser‘ bauen wir eine Truppe aus Hexen und Zauberern auf. Wir können dabei auf Unterstützung durch den Orden des Phönix, Dumbledores Armee und Hogwarts rechnen. Wir treffen auf alle, die uns ans Herz gewachsen sind. Remus Lupin will ebenso mit uns kämpfen, wie Nyphadora Tonks oder sogar die in die Jahre gekommene Lehrerin Minerva McGonegall. Alle haben eine Besonderheit, die uns besser machen wird. Ehrlich, das ist für Potter-Fans ein Fest zu sehen, wie im eigenen Team immer mehr vertraute Gesichter auftauchen.

Auf den Spielkarten finden wir bekannte Gesichter aus der Welt von Harry Potter

Warum will nur niemand mit Nagini kuscheln?

Jeder übernimmt zum Spielstart einen Hauptcharakter und bekommt einen Vorrat an Würfeln. Diese sind besonders, denn sie haben unterschiedliche Farben und zeigen statt Augen unterschiedliche Symbole: Phönix, Zauberstäbe, Schwert und Hut. Die Würfel sind echt schick. Am Anfang haben wir zwar nur vier davon, aber das werden im Verlauf des Spiels schnell mehr werden. Wer an der Reihe ist, würfelt und ordnet die Symbole verschiedenen Ereignissen zu. So können wir dadurch beispielsweise neue Charaktere für unsere Truppe anheuern, die ihre besonderen Fähigkeiten mitbringen oder uns neue Würfel geben. Wir können die gewürfelten Symbole auch dafür einsetzen, den Todessern die Hölle heiß zu machen, bis sie kapitulieren müssen und nach Askaban wandern. Zum Glück können wir auch versuchen das Unheil rückgängig zu machen, das Voldemort jede Runde anrichtet.

Und das ist ziemlich herausfordernd, denn jedes Mal bevor jemand aus dem Team würfeln darf, ist Voldemort an der Reihe. Er wandert auf einem Tableau zwischen dem Magieministerium, Hogsmeade und der Winkelgasse hin und her. Dort, wo er stehen bleibt, verursacht er Schaden und zieht den entsprechenden Ort immer tiefer auf seine dunkle Seite. Außerdem aktiviert Voldi seine Todesser, die dann ihre Fertigkeiten ausspielen und für reichlich Arbeit sorgen.

Voldemort und Harry sind und bleiben Kontrahenten

Voldemort und Harry sind und bleiben Kontrahenten

So entsteht während des ganzen Spiels ein ständiges Tauziehen zwischen Gut und Böse, bei dem das Team ganz schön viel zu tun hat. Andauernd müssen kleine rote Steinchen hin und hergesetzt werden. Diese zeigen an, wenn eine der Charaktere oder jemand aus Team Voldi Schaden einstecken musste. Sie werden auf den Charakterkarten abgelegt. Jede Karte kann eine bestimmte Anzahl von Steinchen aufnehmen. Sind es zu viele, ist der Charakter besiegt. Ist es eine Hexe oder ein Zauberer, werden die in den Krankenflügel verlegt. Ist es ein Todesser, werden die Karten in das magische Gefängnis Askaban verbannt.

Das Team kann das Spiel gleich auf zwei unterschiedliche Arten verlieren. Entweder werden zu viele Hexen und Zauberer ausgeknockt oder Voldemorts Einfluss auf Magieministerium, Hogsmeade und Winkelgasse wird zu stark. Wenn es wirklich schlecht läuft, kann dann die Partie schon nach 30 Minuten zu Ende sein. Das Team wiederum gewinnt, wenn es Voldemort, nachdem er sich endlich offenbart hat, fünf Schaden gemacht hat. Das kann aber bis zu zwei Stunden dauern. Das ist echt lang – zu lang.

Fazit

Eigentlich bietet ‚Aufstieg der Todesser‘ als kooperatives Spiel alles, was auch Nicht-Potter-Fans Spaß machen kann. Es ist vom Schwierigkeitsgrad herausfordernd, es braucht wirklich viel Absprache und hat tolles Material. Die Voldemort-Figur ist ein absoluter Hingucker. Leider krankt das Spiel ein bisschen darunter, dass sich alles andauernd wiederholt: würfeln, Steinchen schieben, Karten auslegen – das Team hat viel zu managen. Das kann auf die Dauer stark ermüden, auch deswegen, weil der eigene Spielzug eigentlich vergleichbar kurz ist. So richtig Lust und Nerven, direkt im Anschluss eine zweite Partie zu spielen, hatten wir nie. Eine Erholungspause war immer notwendig.

Die Schachtel hat ein Inlay. Da passt das Material rein.

Sitzt, passt. wackelt und hat Platz.

Interessanterweise empfiehlt der Verlag das Spiel für Menschen ab 11 Jahren. Das ist eine ungewöhnliche Altersangabe. Ein bisschen jünger geht sicher auch. Als generationentauglich erachte ich das Spiel aber nicht. Dafür sind Teile des Materials eher ungeeignet, insbesondere die Steinchen und die Karten für die verschiedenen Charaktere, deren Schriftgröße zu klein ist. Dafür lässt sich das Material wirklich gut in der Schachtel mit Inlay verstauen.

 

Bewertung / Test
+ tolles Material
+ ein Fest für Potter-Fans
– unglaublich viel Verwaltungsaufwand
– kann sich gefühlt scheinbar endlos ziehen

(Eine Rezension von Oli Clemens)


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Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Familienspiele”

  • ... Altersgruppe 11 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 70 Jahre

Harry Potter: Aufstieg der Todesser (2021)

Spielidee: Patrick Marino, Andrew Wolf
Grafik: unbekannt
Verlag: Kosmos
Anzahl der Spielenden: 2-4 Personen
Altersempfehlung Verlag: Ab 11 Jahren
Eigene Altersempfehlung: 11 Jahre ist schon seltsam. Jünger und dafür mit Hilfe geht bei einem Koop-Spiel sicher auch.
Spieldauer: zwischen 30 und 120 Minuten

Generationentauglichkeit: Leider nein, denn da in diesem Spiel ist alles klein und fuddelig.

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