Die einzigartige Insel – My Island von Kosmos (Rezension)

My Island | Legacy Spiel | ab 10 Jahren | 1 bis 4 Spielende | Reiner Knizia | Kosmos |

Nach langer Reise sind wir auf einer unbekannten Insel angekommen. Die Insel scheint viel mehr Geheimnisse zu verbergen, als es auf den ersten Blick scheint. Uns packt die Neugier und wir beginnen Stück für Stück die Insel zu erkunden. Doch je mehr wir entdecken, um so mehr verändert sich auch dieses einzigartige Eiland.

Spieleschachtel mit den Karten, Legeplättchen und den Kuverts.
Spieleschachtel mit den Karten, Legeplättchen und den Kuverts.


Das Spiel

My Island
ist ein Legacy Spiel von Reiner Knizia und bei Kosmos erschienen. Es ist für 1-4 Spielende geeignet und kann ab 10 Jahren gespielt werden.

Viele von uns können sich sicher noch an „My City“ von 2020 erinnern. Mit „My Island“ erwartet uns nun eine zweite eigenständige Legacy „Fortsetzung“ mit komplett neuer Story. Für alle, die noch keine Erfahrung in diesem Genre haben, gehe ich kurz auf den Begriff ein. Legacy bedeutet, dass sich das Spiel im Laufe der Runden verändert. Regeln und Spielematerial kommen hinzu, Aufkleber werden geklebt. Manches wird vielleicht für immer vernichtet. Spielertableaus sind meist nicht mehr zurückzusetzen und sehen am Spielende komplett unterschiedlich aus. Da wir gemeinsam in die Spielregeln „wachsen“, empfiehlt es sich, ein Legacy Spiel immer mit der gleichen Spielegruppe zu erleben.

Bei „My Island“ spielen wir in 8 Kapiteln mit je 3 Runden. Am Ende, also nach 24 Spielen, werden wir wissen, wer den Gesamtgewinn davon getragen hat.

Die Inseltableaus, die Markierungssteine und der Umschlag „Die Ankunft“.

Zu Beginn erhalten wir alle unseren eigenen Inselspielplan, den wir während des gesamten Spieles immer weiterverwenden werden.  Wir dürfen unserer Insel einen Namen geben und nehmen uns die 28 Legeplättchen in der entsprechenden Inselfarbe. Passend zu den Plättchen gibt es 28 Karten mit den Abbildungen der Plättchen darauf. Im Spiel wird dann immer eine Karte von diesem Kartenstapel aufgedeckt, alle suchen das entsprechende Teil aus ihrer Auslage und puzzeln es auf ihrem Inselplan. Doch nun kommt das überhaupt Wichtigste am Anfang jeden Kapitels, der Anteil, der aus „My Island“ ein Legacy Spiel macht! Wir dürfen den, in diesem Fall, ersten Umschlag mit der Nummer 1 „Die Ankunft“ öffnen. Dieser Moment ist immer sehr spannend und war immer ein kleines Highlight für uns.

Der erste Umschlag mit dem Kapitel "Die Ankunft". Regel- und Wertungsblatt.
Der erste Umschlag mit dem Kapitel „Die Ankunft“. Regel- und Wertungsblatt sind ebenfalls enthalten.

In allen Umschlägen finden wir immer ein weiteres Regel- und ein Wertungsblatt. Wir werden mit ein paar neuen Inhalten zur Story versorgt und zu besonderen Gegebenheiten innerhalb der folgenden 3 Spiele instruiert. Es kommen fast immer neue Regeln und Wertungsoptionen hinzu. Häufiger gilt es auch Aufgaben zu erledigen. Eventuell enthaltene Sticker müssen vielleicht geklebt und manch ältere Teile überklebt werden.

Alle suchen aus ihrer Auslage das entsprechende Plättchen. Wir beginnen auf einem Strandfeld.

Doch nun zum Spielablauf. Starten müssen wir alle auf einem Strandfeld, das aber für jeden individuell frei wählbar ist und weitere Plättchen müssen mit passendem Symbol angrenzend, an bereits liegende Teile angebaut werden. Den Punktemarker setzen wir auf die 10 der Punkteleiste. Im Laufe des Spiels, können wir uns auch dafür entscheiden, manche Plättchen nicht zu legen. Dafür müssen wir uns dann aber auch immer einen Punkt abziehen. Hat jemand die 0 erreicht, dann kann auch nicht mehr verzichtet werden. Bis hier unterscheidet sich „My Island“ nicht zu seinem Vorgänger. Doch die Form der Legeplättchen ist neu. Kleine Gruppen an Hexagon Formen und keine Teilchen mehr im Tetris Bauklotz Gewand. Das bietet mehr Möglichkeiten der Ablage, macht aber „My Island“ deutlich komplexer als den Vorgänger.

Regelerklärung zum richtigen Anlegen der Plättchen.
Die weiteren Plättchen müssen an bereits platzierte Teile passend angelegt werden.

Die ersten Runden spielen sich trotzdem recht flott. Anfangs sind wir schon nach knapp 20 Minuten durch. Nach jeder Runde wird entsprechend des Regelblattes gewertet. Fortschritte malen wir gleich auf unserem Inseltableau aus.  In den weiteren Runden erkunden wir die Insel immer mehr und arbeiten uns in Richtung Landesinnere vor. Und wir machen viele Entdeckungen, sehr viele, die ich nicht spoilern möchte. Wir werden Wege, Bollwerke, Farmen und Dörfer bauen, Piraten vertreiben und Leuchttürme erkunden. Jetzt habe ich doch was verraten aber nicht viel.

Ansammlung von blauen Hexagon Teilchen zu einem Bauwerk.
Ein Mini-Spoiler. Das Blaue ist ein Bollwerk.

Etwa ab dem 4. Kapitel, nimmt die Komplexität von „My Island“ zu. Die Runden dauern etwas länger, das Regelblatt wird häufiger gezückt, der Kampfgeist setzt ein und uns wird allen klar, dass wir nicht in jeder Runde alle Vorgaben erfüllen können. Das ist übrigens ein sehr interessantes Spielgefühl, das wir anfänglich so nicht erwartet hätten, wo doch der Einstieg so „soft“ war. Weitere Spielelemente werden in den kommenden Kapiteln noch zu großen Veränderungen führen. Bis dann, fast schon plötzlich, die 24. Partie beendet ist und uns für kurze Zeit ein bisschen enttäuscht zurück lässt, da das Spiel schon zu Ende ist.

Naja, ganz zu Ende ist ja nicht. Wenn wir alle unser Inseltableau wenden, sehen wir auf einen nicht beklebten neuen Inselplan. „Das ewige Spiel“ hat ungefähr den Schwierigkeitsgrad des 9. Spieles aus unserer Kampagne und lässt sich mit der Anleitung sehr gut, auch mit Einsteigern spielen. Aber für uns, die wir die Legacy Geschichte erleben durften, ist es kein Vergleich zum eigentlichen Spiel.

Fazit
Ebenso wie den Vorgänger, spielten wir, übrigens in der gleichen Besetzung, „My Island“ mit gleichbleibender Begeisterung von der ersten bis zur letzten Runde. Keine Ahnung, warum mir Plättchenlegespiele so gut gefallen. Ich persönlich freue mich natürlich immer sehr, wenn ein Plan nach meiner Zufriedenheit funktioniert hat. Zum Beispiel wenn die richtige Teilchenkarte noch gezogen wurde, bevor ich keinen Platz mehr zum Legen auf meiner Insel habe. Oder die Entscheidung richtig war, auch mal auf das Legen eines Plättchens zu verzichten. Bei „My Island“ kann ich meine Baukünste oder das Gegenteil davon, sofort sehen. Ich mag das Tüfteln um den besten Ablageort und den positiven Stress, wenn ich mich entscheiden muss, eine Aufgabe zu Gunsten einer anderen, sausen zu lassen. Ausgleichende Elemente im Bewertungssystem schaffen es zumindest teilweise, Punkteunterschiede zwischen den Mitspielenden nicht so groß werden zu lassen. Das Material ist schön gestaltet und die Ideen der Aufgaben meist recht pfiffig. Die neue Hex-Form der Teilchen bringt eine deutlich höhere Legevarianz ins Spiel. Hier empfehle ich als Einstieg tatsächlich erst mit My City zu beginnen.

Es gab tatsächlich nur eine Sache, die mich wirklich gestört hat. Gegen Ende des Spiels, arbeiten wir auf eine bestimmte Sache hin, die mir etwas zu sehr abstrakt war. Ich fühlte mich an eine TV-Serie aus den frühen 2000ern erinnert, in der die Protagonisten mit einem Flugzeug auf einer Insel abstürzten. Aber wer weiß, vielleicht gab es da ja die eine oder andere Inspiration. In Summe ist „My Island“ ein wunderbares, spannendes Familienspiel. Die Rundenlänge ist angenehm kurzweilig, so dass ohne Probleme ein Kapitel am Stück gespielt werden kann. Allerdings rate ich von zu großen Pausen zwischen den einzelnen Kapiteln ab. In meiner Gruppe passierte dies einmal, und wir mussten erstmal wieder die ganzen Regeln auffrischen.

Ein kurzer Kommentar zu den Regelblättern, die während des Spiels hinzukommen. Hier war manchmal die Anweisung nicht so ganz eindeutig. Häufig wurde die Formulierung „Es gelten alle Regeln aus den Spielen 1 – …..“ gewählt. Hier waren wir mehrmals ratlos, ob gewisse Regeln von den ersten Spielen wieder gelten, obwohl sie doch in späteren Partien außer Kraft gesetzt wurden. Hier wünschten wir uns alle etwas mehr Klarheit in den Formulierungen. Hin und wieder passierte es uns auch, dass wir auf Grund der Ähnlichkeiten unter den Plättchen, mal das falsche auf die Insel gepuzzelt haben. Da alle guten Dinge drei sind, hoffe ich auf einen weiteren Teil von Reiner Knizia und vielleicht lässt sich durch das Design, Verwechslungen vorbeugen.

Bewertung / Test
+ in der Komplexität ansteigendes Tüfteln
+ Regeln werden langsam, komplett erlernt
+ Bewertungsbogen und Regelzusammenfassung übersichtlich zu jedem Kapitel
+ Spieloption für „Ewiges Spiel“
– Story Twist gegen Ende des Spiel etwas abstrakt
– einige Plättchen sehen sich sehr ähnlich
– Regeln manchmal nicht absolut eindeutig

 

(Eine Rezension von Sandra Waesch)


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My Island (2023)

Spielidee: Reiner Knizia
Grafik: Michael Menzel / Fiore GmbH
Verlag: Kosmos
Anzahl der Spielenden: 1-4 Personen
Altersempfehlung Verlag: Ab  10 Jahren
Eigene Altersempfehlung: ab 10 Jahren
Spieldauer: ca. 25-40 Minuten

Generationentauglichkeit: Markierungen auf den Tableaus schwierig zu erkennen