Sherlock Holmes Beratender Detektiv – Die Themse Morde von Space Cowboys (Rezension)

Sherlock Holmes Beratender Detektiv – Die Themse Morde| Kennerspiel | ab 14 Jahren | 1 bis 8 Spielende | Raymond Edwards, Suzanne Goldberg und Gary Grady | Space Cowboys, Vertrieb Asmodee |

Mit bis zu 8 Personen am heimischen Spieletisch tüfteln und Fälle lösen? Das macht Laune. Sherlock Holmes Beratender Detektiv ließ sich sogar perfekt in Videokonferenzen spielen lässt. Dafür hatte Asmodee Material zum Download bereit gestellt. Zu schade, dass dies nicht mehr zur Verfügung steht. Doch auch für die Runde daheim lohnt sich der Blick: Wir haben Sherlock auf Herz und Niere getestet. Ob es hält, was es verspricht? Lest selbst…

Gesamtes Spielmaterial von Sherlock Holmes

 

Das Spiel
Sherlock Holmes Beratender Detektiv – die Themse Morde ist ein Kennerspiel von Raymond Edwards, Suzanne Goldberg und Gary Grady bei Space Cowboys, Vertrieb Asmodee erschienen. Es ist für 2-8 Spielende geeignet und kann ab 14 Jahren gespielt werden.

In der voll gepackten Schachtel erwarten uns 10 verschiedene Fälle. Zu jedem Fall gehört eine Fallakte sowie mindestens ein Zeitungsartikel. In der Fallakte – wer hätte es gedacht – erwartet euch Sherlock Holmes höchst persönlich. Er scheint überfordert mit der Menge an Vorfällen und benötigt daher eure kompetente Hilfe als Ermittlungsteam. Auf ein bis zwei Seiten wird beschrieben, was passiert ist und natürlich erhaltet ihr bereits erste Hinweise. Das muss ausreichen, euch auf die Suche zu begeben.

Um an mehr Informationen zu gelangen, müsst ihr verschiedene Orte aufsuchen. In der Fallbeschreibung erfahrt ihr beispielsweise Namen von Beteiligten Personen oder aber natürlich den Tatort. Das beiliegende Adressbuch lässt euch ermitteln, an welche Koordinaten ihr euch begeben müsst. Dies Koordinaten könnt ihr in der Fallakte nachschlagen. Steht dort was? Treffer! Anscheinend seid ihr auf einer heißen Spur. Der dortige Text beschreibt nun genau, was passiert: Betretet ihr das Haus einer verdächtigen Person und durchsucht es? Werdet ihr in mysteriöse Gespräche verwickelt oder seid ihr gar an der falschen Adresse gelandet? Jeder Besuch gibt euch weitere Hinweise – oder, wie sollte es anders sein – führt euch in die Irre 😉
Auch der beiliegende große Stadtplan gibt euch wertvolle Hinweise. Kann denn die tatverdächtige Person in der genannten Zeit von Ort a nach Ort b gekommen sein? Dies lässt sich anhand Reichweite in cm wunderbar abschätzen.

Bild des Stadtplans

Sich so von Hinweis zu Hinweis zu begeben, macht wahnsinnig viel Spaß und dürfte bei so manche Spürnase zu Leben erwecken. Immer wieder kann es vorkommen, dass ihr nicht weiterkommt. Da gilt es sich dann zu besprechen: Wurde etwas übersehen? Einer falschen Spur gefolgt? Hilfreich ist es, sich Notizen zu machen, sonst wird der Überblick nur zu gern verloren. Oder aber ihr seht euch die beiliegenden Zeitungen an. Je nach Fall sind dort mehr oder auch weniger Informationen versteckt. Da hilft nur: Artikel aufmerksam lesen. Die zum Fall passende Zeitung (mit gleichem Datum) sollte immer durchgelesen werden. Mit jedem weitere Fall steigt aber nun auch die Komplexität an. Denn: Informationen können sich auch immer in den älteren Zeitungen finden lassen. Spielt ihr Fall 6, könnten Hinweise also in Zeitung 1-6 enthalten sein. Da wird der Überblick schonmal gern verloren und es muss viel gelesen werden. Das liegt nicht jeder Person. Um so besser, wenn ihr mit mehr Personen spielt: Dann könnt ihr Euch die „Arbeit“ einfach aufteilen.

Bild einer Zeitung

Insgesamt ist Sherlock Holmes Beratender Detektiv sehr textlastig. Kein Minuspunkt, wie ich finde – aber erwähnt werden muss es – denn es gibt sicher Spielende, denen das zu viel ist. Eine Person muss sich auf jeden Fall finden, die den Fall betreut und dann die jeweiligen Texte vorliest. Wem das stimmungsvoll gelingt, trägt sicher zu einem hohen Spielgefühl bei.
Wenn ihr dann mal gar nicht weiterkommt, steht euch ein Team an Informanten zur Verfügung. Diese können jederzeit im Spiel besucht werden. Mit etwas Glück hält eine dieser Personen den bedeutenden Tipp für euch bereit.

Bild der Informantenliste

In Sherlock gilt es viel zu tüfteln, zu kombinieren und sich im Spiel abzusprechen. Alleingänge sind nicht möglich und das gefällt. Die Fälle sind jedoch teilweise sehr unterschiedlich. Nicht nur vom Schwierigkeitsgrad, sondern auch von der Spieldauer. Hier hätten wir uns einen Hinweis gewünscht. Denn wenn ein Fall plötzlich doppelt so lange dauert, kann sich das Spiel schon sehr in die Länge ziehen.

Auch die innere Logik der Fälle ist recht unterschiedlich. Bei Spielende wird der Fall aufgelöst und nicht immer sind wir mit einem zufriedenen Gefühl nach Hause gegangen. Dafür konnten wir auch immer wieder überrascht werden und ein Fall, der offensichtlich war, entwickelte sich dann doch ganz anders. Das hebt die Spielfreude enorm an, wer will schließlich zu Beginn des Tatort-Films schon erahnen, wer tatverdächtig ist?

Bild eines Falles aus der Ferne

Und wie spielt sich Sherlock Holmes Beratender Detektiv nun per Videokonferenz?
Ganz ausgezeichnet! Dazu wird allerdings das Material (Zeitungen, Adressbuch) als PDF benötigt. Wirklich schade, dass Asmodee den Download nicht mehr anbietet. Schließlich hat dennoch eine Person das Originalspiel mit den Fallakten benötigt.

Steht das Material zur Verfügung lässt sich Sherlock perfekt in Videokonferenzen spielen. Natürlich muss dann in PDFs, anstatt in Papier nach Hinweisen gesucht werden. Das liegt nicht allen. Auf einem Whiteboard können die Informationen gemeinsam gesammelt werden. Bei einigen Fällen ist es nötig, aus der Fallakte Bilder zu zeigen. Ein kurzes Bild in den Chat gestellt oder die Kamera angemacht, lässt alle Personen an diesen Informationen teilhaben. Teilweise haben wir Sherlock mit bis zu 10 Personen gespielt. Wenn alle aufeinander achten, sich jede Person einbringen kann, geht auch dies ganz wunderbar.

Bild des Adressbuchs

Was hat uns an Sherlock nicht gefallen?
Die Punktewertung. Denn laut Regeln spielt ihr gegen Sherlock Holmes. Ziel ist es, mit weniger Hinweisen als Sherlock den Fall zu lösen. Und das macht wirklich so gar keinen Spaß. Nicht nur, dass es schlicht unmöglich ist, die Fälle mit auch nur annähernd so wenig Hinweisen wie Sherlock zu lösen – mit dieser Art des Spiels wird viel verpasst. Spieltiefe entwickelt sich unserer Meinung nach erst, wenn in den Fall hineingetaucht und auch Nebenschauplätze erlebt werden. Klar also, dass wir diese Regel einfach ignoriert haben. Denn somit wird Sherlock zu einem wirklich ausgezeichneten Spiel.

Ein weiteres Bild vom Adressbuch

 

Fazit
Sherlock Holmes Beratender Detektiv ist ein anspruchsvolles Spiel für alle, die gerne im Team Fälle lösen wollen und denen textlastige Spiele gefallen. Eine Vielfalt an verschiedensten Fällen bietet Spielespaß für etliche Stunden. Wird die Punktewertung weggelassen können die Fälle intensiv erlebt werden und das Spielgefühl wird angehoben. Ausprobieren lohnt sich!

 

Bewertung / Test
+ Anspruchsvolles Spielvergnügen
+ Viele überraschende Wendungen
+ Tolles Material
+ Mit mehr Personen spielbar
+/- Textlastig
– Punktewertung mindert Spielvergnügen

 

(Eine Rezension von Petra Fuchs)


Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Kennerspiel”

  • ... Altersgruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 75 Jahre
4

Sherlock Holmes Beratender Detektiv - Die Themse Morde (2020)

Spielidee: Sherlock Holmes Beratender Detektiv – Die Themse Morde
Grafik: Raymond Edwards, Suzanne Goldberg und Gary Gradyund
Verlag: Space Cowboys, Vertrieb Asmodee
Anzahl der Spielenden: 2-8 Personen
Altersempfehlung Verlag: Ab 14 Jahren
Spieldauer: 60-90 Minuten (ein Fall dauert deutlich länger!)

Generationentauglichkeit: Durchaus mit jeder Altersgruppe ab 14 Jahren spielbar.

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