Und los geht’s! – Clinic Rush von Pegasus Spiele (Rezension)

Clinic Rush | Familienspiel | ab 10 Jahren | 1 bis 4 Spielende | Dávid Turczi, Anthony Howgego und Konstantinos Kokkinis |  Pegasus Spiele 

Die Anknüpfung im Titel an den Vorgänger Kitchen Rush  ist bestimmt beabsichtigt. Das Spielprinzip wurde weiterentwickelt und thematisch in ein Krankenhaus versetzt. Wer sich bisher gewundert hat, warum man im realen Krankenhaus auf Vieles warten muss, wird hier belehrt. Das Personal kann halt nicht alles gleichzeitig tun, und doch versuchen wir genau das in diesem Echtzeit-Spiel.

Spielkarton und Inhalt

 

Das Spiel
Clinic Rush ist ein Familienspiel von Dávid Turczi, Anthony Howgego und Konstantinos Kokkinis und bei Pegasus Spiele erschienen. Es ist für 1 – 4 Spielende geeignet und kann ab 10 Jahren gespielt werden.

Man erschrickt beim ersten Auspacken angesichts der Materialfülle: sechs Spielpläne, ein Wertungsplan, etliche Karten in zwei Größen, viele unterschiedliche Holz- und Pappmarker, ja sogar Spritzen, Pinzetten und acht Sanduhren. Mit dem Lesen der Anleitung sortiert sich das aber recht schnell und bei dem ersten Szenario wird nicht alles gebraucht. Zu viert braucht man auf jeden Fall einen größeren Tisch.

Eine Partie wird zunächst in zwei Runden gespielt und die Länge einer Runde bestimmt der Timer am Handy. Der wird auf vier Minuten gestellt und dann geht es los. Alle haben eine Sanduhr in der eigenen Spielfarbe. Die symbolisiert die Ärztin. In der Anleitung wird generell nur die weibliche Form benutzt anstatt zu gendern.  Alle können parallel die blauen Sanduhren (Pflegerinnen) benutzen und sollten das auch tun. Jedes Aktionsfeld kann ich so lange nutzen, wie die Sanduhr durchläuft. Ja genau, parallel arbeiten ist gefordert, ohne den Überblick zu verlieren.

Spielbrett Ambulanz, mehrere Patientenkarten, darauf Spritzen und Medikamente, eine Sanduhr die eine Ärztin darstellt

Die Patientenaufnahme teilt sich in Ambulanz und stationäre Aufnahme. Das kann zunächst eine Pflegerin, sprich eine blaue Sanduhr, übernehmen. Es werden Karten von den Stapeln für die Ambulanz und für die stationäre Aufnahme aufgedeckt, .

Die Behandlung in der Ambulanz kann von beiden Rollen übernommen werden. Die Karten zeigen an, was die Patientinnen und Patienten brauchen, und da braucht man eigentlich nur das Geforderte aus der Apotheke nehmen und auf die Karten legen. Doch Stopp: so viel ist in der Apotheke gar nicht vorhanden! Somit ist eine blaue Sanduhr in der Apotheke einzusetzen um Nachschub zu beschaffen. Das funktioniert aber nur für eine Medikamenten- oder Serumsorte. Es geht erst weiter, wenn die Sanduhr durchgelaufen ist. Oder ist eine andere blaue Sanduhr frei?

Währenddessen kommen die passenden Patientinnen und Patienten aus der Aufnahme in den stationären Bereich. Die Karte wird in ein freies Bett gelegt und nun muss zunächst die Diagnostik geschehen. Die Patientenkarte gibt vor, ob im Labor eine Blutbildanalyse gemacht werden soll, oder eine Bakterienbestimmung, manchmal sogar beides. Dafür wird eine Ärztin benötigt. Die sitzt gerade aber noch beim Blutabnehmen fest, bis dort die Sanduhr durchgelaufen ist.

 

Zwei Betten aus Karton, darin zwei Patientenkarten. Vor den Betten Karten mit den Laborergebnissen

Bei der Bakterienbestimmung gilt es Pappmarker umzudrehen, bis der passende gefunden ist. Die umgedrehte Karte aus dem Labor zeigt nun die nötige Medikation an. Das kann, zurück mit dem Bett auf Station, auch eine Pflegerin übernehmen.

Beim Blutbild ist praktische Geschicklichkeit gefragt. Die Karte gibt vor, wie die roten und weißen Blutkörperchen auf dem kleinen Tableau mit dem Y angeordnet sein müssen. Dafür muss ich allerdings die Pinzette verwenden – und nur die Pinzette!

 

Ein Y-förmiges Stanzteil, darauf weiße und rote Steinchen, eine Plastikpinzette

Und schon ist die Zeit abgelaufen. Die laufende Aktion darf noch zu Ende geführt werden und dann wird kontrolliert, ob die Patientinnen und Patienten korrekt behandelt wurden. Wenn ja, geht der Ansehen-Marker auf der Punkteleiste vor. Wurde das Richtige verabreicht, aber zuviel, geht der Presse-Marker zurück. Das passiert einmal mehr, wenn unbehandelte Patientinnen oder Patienten übrig bleiben. Deren Zustand verschlechtert sich, was durch entsprechende Marker gekennzeichnet wird. Ist die Markierung bereits rot, gibt es ganz schlechte Presse! Gerät der Pressemarker auf Null, ist das Spiel verloren. Also heißt es, auch noch auf die farbigen Markierungen beim Spielen zu achten: kritische Fälle sollten vorgezogen werden.

Nach zwei Runden schaut man in der Tabelle der Anleitung nach, ob man sein Ziel erreicht hat oder nicht. Der nächste Versuch klappt dann besser, oder man stellt sich der nächsten Herausforderung mit höherer Punktzahl oder einem höheren Szenario. Da kommen noch Knochenbrüche hinzu, später auch Operationen an inneren Organen.

Die Anleitung von „Clinic Rush“ ist sehr gut. Es braucht etwas Konzentration, die Karten richtig zuzuordnen, das ist aber gut machbar. Übersichten und gelegentliches Nachschlagen erleichtern Aufbau. Das Material ist topp. Man betrachte einmal in Ruhe das Titelfoto dieser Rezension!

Generationentauglich ist „Clinic Rush“ nicht. Dagegen spricht die eher stressige Atmosphäre, der Kampf um die Übersicht und Einiges erfordert ruhige Hand und Feinmotorik.

 

Fazit
Einmal mehr braucht es bei „Clinic Rush“ die richtigen Leute am Tisch. Man muss es mögen, unter Stress zu stehen und mehrere Dinge gleichzeitig im Blick zu haben. Zudem ist es wichtig, dass sich die Personen eingrooven: am besten teilt man sich die Aktionen schon mal grundsätzlich auf. Wer macht gern Labor, wer kümmert sich in der Apotheke um den Nachschub? Ebenso wichtig ist die laufenden Kommunikation untereinander, damit die Aufgabenteilung erfolgreich läuft. Und die wichtigste Frage: wie viele Patientinnen und Patienten trauen wir uns eigentlich zu?

Gelingt diese Zusammenarbeit, macht „Clinic Rush“ so richtig Spaß. Es ist zudem alles thematisch. Man sagt am Tisch dann nicht: „In der Ambulanz fehlt hier bei der Karte noch die Spritze mit drei roten Klötzchen!“, sondern „Die Patientin hier braucht noch dringend eine 3er Bluttransfusion. Ist noch genug in der Blutbank?“. Es funktioniert nicht, wenn jemand allein die Ansagen macht – hier ist Gruppendynamik und Teamarbeit gefragt!

 

Bewertung / Test
+ thematisch stimmig umgesetzt
+ das Spielmaterial ist gelungen und hat Aufforderungscharakter
– nur mit Leuten spielbar, die Zeitdruck und Stress nicht scheuen

 

(Eine Rezension von Paul Theisen)


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Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Familienspiele”

  • ... Altersgruppe bis 12 Jahre
  • ... Altersgruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 70 Jahre
  • ... Altersgruppe ab 71 Jahre

Clinic Rush (2022)

Spielidee: Dávid Turczi, Anthony Howgego und Konstantinos Kokkinis
Grafik: Gong Studios
Verlag: Pegasus Spiele
Anzahl der Spielenden: 1 – 4
Altersempfehlung Verlag: ab 10 Jahren
Spieldauer: 15 – 45 Minuten, ausbaufähig, wenn es zündet

Generationentauglichkeit: Zwischen Stress und Hektik dürfte es älteren Personen wenig gefallen. Zudem ist Feinmotorik gefragt. Kinder ab 10 Jahren sind hier aber durchaus richtig.

Pädagogisch wertvoll: Es fördert in Stresssituationen die Ruhe zu bewahren, systematisches Vorgehen und Konzentration

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