Haste mal drei Minuten? – Milestones von Amigo (Rezension)

Milestones | Kooperatives Würfelpiel | ab 8 Jahren | 2 bis 5 Spielende | Daniela & Christian Stöhr | Amigo | generationentauglich

Ich gestehe, ich lasse mich gerne von Spielen mit bunten Würfel begeistern. Das Ensemble aus Farben, das kantige Gefühl in der Hand und das Geräusch, wenn sie auf den Tisch kullern, gibt mir ein besonderes Erlebnis beim Spielen. Da ist es doch klar, dass ich mir „Milestones“ vom Spiel-des-Jahres-Ehepaar Daniela und Christian Stöhr mal genauer angeschaut habe.

Sechs Würfel, eine Sanduhr und Karten warten in Milestones auf uns
„Milestones“ – ein Meilenstein der Würfelspiele?

 

Das Spiel
Milestones
ist ein kooperatives Würfelspiel von Daniela und Christian Stöhr und bei Amigo erschienen. Es ist für 2-5 Spielende geeignet und kann ab 8 Jahren gespielt werden.

Milestones ist ein kooperatives Würfelspiel, das uns thematisch in ein prähistorisches Setting wirft. Das Cover zeigt Steinzeitmenschen, die nach erfolgreicher Jagd einen Würfel heimtragen. Das sollen wohl wir sein. Für das Spiel bedeutet das, dass wir als Gruppe in drei Minuten so viele Aufgabenkarten erfüllen müssen, wie möglich. Dummerweise dürfen wir dabei nicht reden oder uns Tipps geben.

Vor uns liegen drei Stapel mit Aufgabenkarten in drei verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Zum Start ziehen alle eine Karte von einem Stapel ihrer Wahl, halten diese Karte aber verdeckt. Laut Anleitung nimmt dann die zotteligste Person die sechs Würfel, dreht die Sanduhr um und es geht los. Zotteligste Person, ach ja, verstehe, Neandertaler. Nicht mein Humor.

Der Sand in der Uhr rieselt genau drei Minuten lang. In dieser Zeit würfeln wir reihum. Die Würfel zeigen klassischen sechs Zahlen von eins bis sechs, aber auch sechs verschiedenfarbige Seiten: rot, lila, blau, schwarz, gelb und grün. Liegen die Würfel still, vergleichen wir das Ergebnis der farbigen Flächen und Zahlen mit den Anforderungen auf unseren geheimen Handkarten.

Zahlen und Farben machen die Würfel aus
Zahlen und Farben machen die Würfel aus

Manche wollen eine gewisse Anzahl an gleichen farbigen Würfel oder Zahlen, andere eine Straße, einige sogar eine Kombi daraus. An die Symbole hat man sich schnell gewöhnt und erkennt in der Regel auch sofort, was gefordert ist. Je höher der Schwierigkeitsgrad der Karte, desto schwieriger ist es natürlich das Ergebnis zu bekommen. Dafür erhalten wir als Team aber am Ende der drei Minuten Spielzeit auch mehr Punkte dafür.

Die Karten zeigen die Ergebnisse, die gewürfelt werden müssen.
Die Karten zeigen die Ergebnisse, die gewürfelt werden müssen. Aber was sollen die Zeichnungen? Getreide und Kette erkenne ich … 🙂

Wichtig ist, dass man nicht warten muss, bis man an der Reihe mit Würfeln ist, um einen Auftrag zu erfüllen. Stimmt das Ergebnis, wird die einfach die Karte abgelegt und direkt blind eine neue gezogen. Den Schwierigkeitsgrad entscheide ich selbst. Ich sollte also dauerhaft während der ganzen Spielzeit hochkonzentriert sein.

Das Spiel geht immer reihum. Komme ich an die Reihe, darf ich beliebige Würfel liegen lassen und die anderen genau einmal neu würfeln. Dann checken alle wieder die Würfelergebnisse mit ihrer Auftragskarte und so geht es weiter, und weiter, genau drei Minuten lang.

Obwohl wir aber miteinander spielen, dürfen wir weder miteinander reden, uns die Aufträge zeigen oder Handzeichen geben, und auch nur die Person, die gewürfelt hat, darf die Würfel berühren. Das höchste der Gefühle in Rahmen der Spielregeln scheint zu sein, dass jetzt ein oder mehrere Würfel ein bisschen zur Seite gelegt werden, um anzuzeigen, dass sie vielleicht für einen Auftrag gebraucht werden. Das gilt dann aber nur für die Person, die gerade gewürfelt hat. Vielleicht braucht er oder sie drei blaue Würfel, und zwei liegen jetzt schon da. Im blödesten Fall kann die nächste Person aber mit blau gar nichts anfangen, nimmt alle Würfel und weg sind sie.

Die Rückseiten der Auftragskarten zeigen Szenen des prähistorischen Lebens
In einem Würfelspiel vor unserer Zeit.

An dieser Stelle zeigt sich, dass „Milestones“ kein Meilenstein der kooperativen Würfelspiele ist. Während ich bei anderen kooperativen Spielen, die mir das Reden verbieten, genug Zeit habe, die Körpersprache zu lesen oder einen intensiven Blick auf Mimik und Gestik meiner Mitspielenden zu werfen, drängt mich der rieselnde Sand in der Uhr zur nächsten Würfelaktion. Wir haben ja nur drei Minuten. Somit kippt das komplette Spielprinzip in meinen Augen von „Wir spielen erfolgreich miteinander“ zu „Ich würfele einfach und mit ein bisschen Glück kommt schon was raus“. Das lässt mich unzufrieden zurück.

Sind die drei Minuten dann vorbei, rechnen wir die Punkte zusammen und gleichen das Ergebnis in einer Tabelle ab. Die gliedert sich in Zehnerschritte und liefert uns einen Motivationsspruch. Richtig gelesen: Das einzige Spielziel ist ein Highscore. Das ist mir in diesem Fall zu wenig. Es kommt kein Gefühl auf, zusammen etwas erreicht zu haben.

„Milestones“ bietet in der Anleitung noch drei Varianten. Dann können zusätzliche Pflichtaufgaben eingeführt werden oder Spezialaufgaben bieten uns mehr Zeit, weil wir die Uhr nochmal umdrehen dürfen. Diese Varianten sollte man auf jeden Fall ausprobieren, um ein Plus an Spielreiz herauszukitzeln. Bei uns hat es leider nicht geklappt.


Fazit

Kooperativ zu spielen ohne zu Sprechen oder eine andere Form der Kommunikation zu betreiben konkurriert in „Milestones“ mit dem Zeitdruck der Sanduhr. Für uns blieb in unseren Partien zu zweit und zu dritt einfach zu viel Zufall im Spiel, sodass wir häufig einfach darauf warteten, dass unsere Ergebnisse zu uns kommen, statt daran arbeiten zu können. So richtig kam dadurch keine Spielfreude auf.

Obwohl mich normalerweise ein Thema bei einem Spiel nur untergeordnet interessiert, frage ich wirklich, warum „Milestones“ mit einem Steinzeit-Setting aufwartet. Spielprinzip und Thema haben wirklich gar nichts miteinander zu tun. Zudem ist die optische Gestaltung der Karten wirklich kein Hingucker. Ich persönlich hätte die Felder mit den benötigten Symbolen größer gemacht und den kruden Zeichnungen weniger Platz eingeräumt.

 

Bewertung / Test
+ Drei Minuten Spielzeit hat man immer
– Kooperation ohne Reden gegen Zeitdruck
– Nur Highscorejagd
– Thema und Spiel berühren sich nicht

 

(Eine Rezension von Oli Clemens)


Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Familienspiele”

  • ... Altersgruppe bis 12 Jahre
  • ... Altersgruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 70 Jahre
  • ... Altersgruppe ab 71 Jahre

Milestones (2021)

Spielidee: Daniele und Christian Stöhr
Grafik: Fiore
Verlag: Amigo
Anzahl der Spielenden: 2-5 Personen
Altersempfehlung Verlag: Ab 8 Jahren
Spieldauer: 3 Minuten pro Runde plus 1 Minute für das Errechnen der Punkte sowie 1 Minute Aufbau

Generationentauglichkeit: Ja, das geht schon. Besser wäre es gewesen, den Kartenteil mit der Aufgabe mehr Raum zu geben. Dadurch wären die Symbole noch größer.

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