Vom Gleichgewicht der Kräfte – Kauri von Koalla Spiele (Rezension)

Kauri | Kennerspiel | ab 10 Jahren | 2-4 Personen | Charlec Couronnaud | asymmetrisches Area Control | Koalla Spiele

 

Ein Teil des Spielplanes im Bild, zu erkennen sind 2 der Aktionskarten des Engländers sowie viele bunte Spielsteine und das Tableau der Kiwi.
Mitten in einer 4er Partie – noch haben die Kiwi viel Platz – der Engländer wird mit Initiative 4 demnächst Straßen bauen …

 

Süß ist er ja schon, dieser kleine Kiwi – doch will ich ihn wirklich gewinnen lassen? Diese Partie habe ich die Maori zugelost bekommen und ich will das Gleichgewicht auf Neuseelands Nordinsel bewahren. Diesen Engländer beäuge ich argwöhnisch – er ist hergekommen um sich die Rohstoffe anzueignen. Aktuell fällt er Bäume und vernichtet so den Lebensraum der Kiwis … lasse ich ihn also erstmal machen. Allerdings dieses Possum, das als blinder Passagier auf unser heiliges Land gelangt ist und sich seitdem zur echten Landplage entwickelt … Wir müssen aufpassen, sonst gewinnen sie am Ende sogar. Vielleicht ist der erhoffte Sinneswandel des Engländers bald und er lässt von den kostbaren Bäumen ab und nimmt sich der Plage an Possums an! Und was, wenn ich einfach meine Kultstätten baue und einen Vertrag mit den Engländern schließe? Hmmm … wir werden es schon bald erleben – in einer voll besetzten Partie „Kauri“.

Herzlich Willkommen zu diesem kleinen Schmuckstück, das auf der Nordinsel Neuseelands angesiedelt ist. Jede der 4 Fraktionen – Kiwi, Possum, Engländer oder Maori kämpft hier um die Krone und geht dabei recht unterschiedlich vor. Dabei spielen alle Personen am Tisch immer auf die gleiche Art und Weise simultan: Aus 3 Handkarten wählen sie 1, deren Aktion sie nutzen möchten und eine weitere, deren Initiativwert sie in der Zugreihenfolge einsortiert. Als Nächstes werden die Aktionen ausgeführt, 2 Handkarten vom eigenen Stapel nachgezogen. Schnell gewählt und flink gespielt, sind so 5 Aktionen in der 1. Periode rasch abgehandelt, das Ganze wiederholt sich weitere 4 Mal und nach der 5. Periode wird der Spielsieg ausgewertet. Keine Partie dauert also wirklich lange, so dass die Revanche am gleichen Spieleabend keine Seltenheit darstellt.

Blick auf das Spielbrett, es finden sich Spielsteiner aller 4 Fraktionen auf einem Teil der Nordinsel Neuseelands.
Spielszene im Spiel mit 4 Personen – Die Kiwi wurden zurückgedrängt, der Engländer hat ein Straßennetz errichtet das die Maori auch nutzen – das Possum versucht sich weiter auszubreiten.


Fazit
Wähle aus deinen 3 Handkarten 2 aus – eine als Aktion, eine als Initiative um die Reihenfolge der gespielten Aktionen festzulegen. Führe die Aktionen dann in der Reihenfolge aus, ziehe 2 Handkarten nach und wiederhole das Ganze. Um den Überblick zu behalten gibt es für jede Fraktion eine eindeutige Legende der Kartentexte – bislang blieb so keine Frage offen. Da jede Fraktion unterschiedliche Aktionen hat und jeweils nur 3 davon zur Auswahl bekommen, ist hier auch ein guter Bluff nützlich. Genau das stellt einen weiteren Reiz einer Partie dar: Ich weiß nie genau wann welche Aktion der anderen Personen kommt. Selbst wenn wir hier über mehrere Generationen hinweg spielen, so zielt „Kauri“ nicht unbedingt darauf ab, ein Generationenspiel zu sein. Zum einen sind die Spiele, die wirklich viel Interaktionen am Tisch erzeugen etwas aus dem Fokus der Familienspiele gewandert und zum anderen ist gerade in den ersten Partien die Kartenlegende oft nachzulesen, so dass hier „ganz“ Jung und „ganz“ Alt möglicherweise etwas weniger Freude am Spieltisch entwickeln könnten.

Das Spielgefühl variiert dabei zum einen mit der gewählten Fraktion als auch mit der Gruppe am Tisch. Als Kiwi starte ich mit vielen Figuren und muss zwangsläufig mitansehen, wie sie rasch weniger werden und freue mich schon beinahe wenn die anderen sich untereinander beharken. Als Possum werde ich häufig eine Weile in Ruhe gelassen und kann dem Frieden nicht so ganz trauen, bevor es mir gegen Ende der Partie dann so richtig an den Kragen geht. Als Engländer habe ich zu Spielbeginn gefühlt viele Optionen und versuche – ein wenig mit schlechtem Gewissen – Bäume abzuholzen, während irgendwie alle an mir zerren. Als Maori hat mich zu Beginn keiner so ganz auf der Rechnung und trotzdem bin ich mehr als nur das Zünglein an der Waage.

Auch wenn „Kauri“ versucht in der Spieleranzahl zu skalieren – so ist es kein 2er-Spiel. Diese Streitigkeiten zwischen den Fraktionen funktionieren nicht so ganz, wenn der Engländer als neutraler Automa bewegt wird und die Maori nicht im Spiel sind. Ab 3 Personen macht „Kauri“ dann schon ordentlich Spaß und entfaltet im Spiel zu viert sein volles Aroma. Dazu kommt noch eine wirklich gelungene Illustration aus der Feder Jérémie Fleurys – der Stil erinnert etwas an einen Genre-Mix aus klassischen Disneyzeichentrickfilmen und den moderneren Animationsfilmen aus dem Hause Pixar – allein der Spielplan und die Handkarten sind echte Kunstwerke.

Die Entstehung der deutschen Version des Spiels ist besonders schön: Es waren Miriam Buballa, Christopher Kraft und Sebastian Ott, die „Kauri“ beim französischen Verlag Débâcle Jeux entdeckten und als Liebe auf den ersten Blick sofort begeistet waren. Kurze Zeit und ein paar Gespräche später erhielten sie die Lizenz, „Kauri“ für den deutschen Markt zu lokalisieren. Danke dafür – für Abende bei denen die Revanche postwendend gespielt wird, Abende an denen wir herzlich lachen, fluchen und manchmal auch ein wenig Mitleid zum Ausdruck bringen. Ganz gleiche welche Emotionen „Kauri“ dabei an den Tisch bringt – es lässt bisher keinen kalt. Danke dafür!


Bewertung / Test
+ Einfach zu erlernendes Spielprinzip
+ Tolles Spielmaterial
+ Viele Interaktionen / Konfrontationen untereinander
+ Wunderbare und sinnvolle Spielübersichten für jede Fraktion

(Eine Rezension von Tobias Mallock)


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Kauri (2025)

Spielidee: Charlec Couronnaud
Grafik: Jérémie Fleury
Verlag: Koalla Spiele
Anzahl der Spielenden: 2 – 4 Personen (am besten zu dritt oder viert)
Altersempfehlung Verlag: Ab 10 Jahren
Spieldauer: 45 – 60 Minuten

Generationentauglichkeit: Allenfalls bedingt – zum einen sehr konfrontative Spielweise, wie sie seit Jahren aus den Familien- und Kennerspielen verschwunden ist, zum anderen gerade in den ersten Partien immer wieder nachzulesender Legende der Karten.
Pädagogisch wertvoll: Spielerisch Geschichte erleben und dabei den Umgang mit den Schätzen der Natur erfahren – geht hier ohne aufdringlich zu sein.