Kreuzfahrt ins Weltall – Galactic Cruise von PD Verlag (Rezension)

Galactic Cruise | Expertenspiel | ab 14 Jahren | 1-4 Personen | T.K. King, Dennis Northcott, Koltin Thompson | PD Verlag

Galactic Cruise von PD Verlag: Karton und Spielmaterial

Komplexe Spiele müssen eingängig und logisch sein, sonst sind sie nur kompliziert. Tolle Spiele müssen die Spielenden am Ball halten und ihnen ermöglichen, echte Entscheidungen zu treffen. Schöne Spiele sollen trotzdem Spaß machen und umfangreiche Spiele dürfen lang sein, sollten sich aber nicht langwierig anfühlen. Kurzum: Gute Spiele müssen gut sein.

Man kann viele solcher Forderungen an ein Spiel stellen und wenn einige davon erfüllt werden, kann man sich sicher sein, ein gutes Spiel gespielt zu haben. Wenn aber alle dieser Forderungen erfüllt sind, handelt es sich um ein grandioses Spiel. Solch ein Exemplar ist Galactic Cruise vom PD Verlag, ursprünglich von Kinson Key Games. Das Autorenteam T.K. King, Dennis Northcott und Koltin Thompson hat mit seinem Erstlingswerk (quasi) ein Brett vorgelegt, ähnlich wie es Mathias Wigge mit Arche Nova geschafft hat. Stand heute (Anfang April ’26) steht das Spiel auf der Rangliste der besten Spiele auf Boardgamegeek bereits auf Rang 128, Tendenz klar steigend. Galactic Cruise ist ein Experten-Arbeitereinsetzspiel, bei dem wir versuchen, Raketen zu bauen, um damit Gäste auf Kreuzfahrten durchs Weltall zu schicken. Das Ziel ist, die meisten Punkte zu erzielen und innerhalb von drei Jahren und einer variablen Anzahl an Runden den Platz als neuer CEO des Unternehmens zu ergattern.

Auch wenn Galactic Cruise ein komplexes Spiel ist, sind die einzelnen Aktionen thematisch äußerst logisch aufgebaut. Ich brauche für eine Rakete ein Triebwerk, ein Cockpit sowie mehrere Raum-Segmente, für die ich erst Blaupausen besorgen muss, um sie später einzubauen. Ich sollte meine Reise bewerben, damit überhaupt Gäste mitfliegen können und natürlich muss die Nahrungs-, Sauerstoff- und Treibstoffversorgung sichergestellt sein. Zu guter Letzt benötigt meine Rakete noch einen Piloten, der sie steuert. Wenn man das verinnerlicht hat, kann man jede einzelne Aktion auf dem Spielplan logisch nachvollziehen. Und dann beginnt das Spiel, das, wie in vielen komplexen Spielen, daraus besteht, zu überlegen, wann welche Aktionen am meisten Sinn ergeben. Für einige der Aktionen bieten die Unternehmensziele Orientierung. Diese geben variabel für jedes Spiel vor, wofür man ein paar Extrapunkte bekommt. Und nach drei Jahren, die vor allem durch Raketenstarts vorangetrieben werden, endet das Spiel mit einer finalen Wertungsphase, die bestimmt, wer in Zukunft die Geschicke des Unternehmens Galactic Cruise leiten darf.

Wer Galactic Cruise zum ersten Mal spielt und sich vorher nicht näher damit befasst hat, könnte meinen, er habe das neueste Werk vom Meisterautor Vital Lacerda vor sich, was in jeder Hinsicht ein Kompliment für das Spiel ist. Das Material ist ähnlich hochwertig, es gibt viele Holzteile, dicke Pappe und ein doppellagiges Spielertableau. Nicht zuletzt könnte der Verdacht eines Lacerda-Spiels aufkommen, da die Illustrationen bzw. Grafiken des Spiels von niemand geringerem als Ian O’Toole angefertigt wurden, der seines Zeichens auch sämtliche Lacerda-Spiele illustriert. Und wenn man im Regelheft ganz hinten nachliest, stellt man fest, dass ein Dank der Autoren eben an jenen Großmeister geht, der das Spiel vorher testen durfte. Den Illustrationen ist es genauso wie der achtseitigen Spielendenhilfe zu verdanken, dass die Spielenden trotz der Komplexität des Spiels hier nie die Übersicht verlieren (wenngleich nicht jedes einzelne Symbol in der Hilfe erklärt wurde).

Galactic Cruise von PD Verlag: Spielsituation


Fazit
Galactic Cruise hat das Potenzial, ein Klassiker unter den komplexen Expertenspielen zu werden. Das Spiel macht sehr viel richtig, was das Herz eines jeden Expertenspielenden höher schlagen lässt: variabler Spielaufbau, echte Entscheidungen und ein Thema, das nicht nur aufgesetzt wirkt. So bietet es mit jeder Partie viele Möglichkeiten, sein Ziel zu erreichen – und das ist genau das, was mich dazu bringt, gerne wieder einen Abend damit zu verbringen, der nächste CEO von Galactic Cruise zu werden.

 

Bewertung / Test
+ sehr thematisches Expertenspiel
+ logischer Aufbau 
+ strategische Tiefe und Variabilität
+ Herausragende Materialqualität
+ stimmige Illustrationen und Spielhilfe
+ hoher Wiederspielreiz
– ebenso hohe Einstiegshürde
– großer Platzbedarf

(Eine Rezension von Marco Schanzer)

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Galactic Cruise (2025)

Spielidee: T.K. King, Dennis Northcott, Koltin Thompson
Verlag: PD Verlag
Anzahl der Spielenden: 1-4
Altersempfehlung Verlag: ab 14 Jahre
Spieldauer: 90 – 150 (180) Minuten

Generationentauglichkeit: nicht gegeben, da Expertenspiel