Die Macht des Biers – Die Tavernen im Tiefen Thal von Schmidt Spiele (Rezension)

Die Tavernen im Tiefen Thal | Familienspiel | ab 10 Jahren | 2 bis 4 Spielende | Wolfgang Warsch | Schmidt Spiele

Also Leute, ich habe einen Plan. In den nächsten acht Tagen soll aus unserer heruntergekommenen Spelunke eine attraktive Schickimicki-Taverne werden. Dann kommen auch die Adligen und mit den Adligen kommt das Geld! Wischt schon mal den Boden, stellt die Tische bereit und schleppt die Bierfässer aus dem Keller. Gleich geht’s hier rund und die Kasse klingelt.

Farbenfroh ist das Motto des Spielmaterials
Alle wollen in die Kneipe!

 

Das Spiel
Die Tavernen im Tiefen Thal
ist ein Familienspiel von Wolfgang Warsch und bei Schmidt Spiele erschienen. Es ist für 2-4 Spielende geeignet und kann ab 10 Jahren gespielt werden.

Für den Aufbau einer Partie „Die Tavernen im Tiefen Thal“ braucht es ein bisschen Zeit. Mittig wird der Klosterplan ausgelegt. Dieser ist doppelt bedeutsam, denn auf ihm werden einerseits mit einem Mond-Aufsteller die kommenden Spielrunden angezeigt. Andererseits warten dort ein paar Tresengäste und ein Rundkurs, auf dem alle, die mitspielen, einen farbigen Marker platzieren, um dort ein paar Boni abgreifen zu können. Daneben werden zahlreiche Kartenstapel vorbereitet: die Gästekarten und die Adeligen, aber auch die fleißigen Helfer, die in der Kneipe mit anpacken sollen.

Jede Person am Tisch bekommt jetzt vier weiße Würfel, drei Würfel in der gewählten Farbe und einen Bierdeckel. Alles wird vor sich abgelegt. Dazu gibt es ein Starterdeck aus zehn Karten, das gemischt und verdeckt abgelegt wird. Zusätzlich müssen alle ihre eigene Taverne vorbereiten. Das ist ein Tableau mit Aussparungen, das zuerst zusammengepuzzelt werden darf. Wenn alles fertig ist, befinden sich dort für jeden ein eigenes Bierlager, ein Waschplatz, ein Tresor, ein Wirt neben einem Bierfass, der Bierlieferant mit direktem Zugang zum Bierlager, ein Mönch, eine Kasse, eine Kellnerin und reichlich freie Tische.

Das Material für einen Spielenden muss zeitintensiv vorbereitet werden
Puzzle vor dem eigentlichen Spiel: das Zusammensetzen der eigenen Tableaus

Das ist aber lediglich der Aufbau für das Basisspiel. Da allerdings noch mit drei weiteren unterschiedlichen Modulen gespielt werden kann, kann die Vorbereitung des Spiels sogar noch länger dauern. Dann können noch Gaukler, Schnäpse und Barden in das Spiel eingebaut werden. Alle diese neuen Elemente bauen aber aufeinander auf. Wer also unbedingt mit Modul 4 spielen will, braucht auch das Material und die Regeln des Basisspiels und der Module 2 und 3. Damit man nicht vergisst, wer die Runde gleich beginnen wird, erhält diese Person einen zünftigen Bierkrug-Aufsteller.

Die zeitintensive und zugegeben teilweise etwas kleinteilige Vorbereitung des Spiels wird sich lohnen. Denn ab jetzt läuft die Partie sehr überschaubar und nachvollziehbar über acht Runden. Jede Runde ist in sieben Phasen eingeteilt. Zuerst wird der Mond auf dem Klosterplan auf das Feld der entsprechenden Runde gezogen und danach füllt sich die Taverne. Das bedeutet, dass alle gleichzeitig Karten aus ihrem persönlichen Kartenstapel aufdecken und in den entsprechenden Bereichen des eigenen Tableaus ablegen. Hilfskräfte kommen in den jeweiligen Bereich der Kneipe und Gäste nehmen an den freien Tische Platz. Sind alle Tische besetzt, endet diese Phase.

Würfel setzen und Erträge einsammeln sind der Kern des Spiels.
Würfel setzen und Erträge einsammeln sind der Kern des Spiels.

Jetzt gibt es für jede Kellnerin-Karte in der eigenen Wirtsstube noch einen farbigen Bonuswürfel. Der wird gewürfelt und für die nächste Phase reserviert. Dann würfeln alle die vier weißen Würfel und legen diese auf dem Bierdeckel ab. Davon nehmen sie sich einen und geben die restlichen drei im Uhrzeigersinn weiter. Das wiederholt sich solange, bis die Bierdeckel leer sind und alle jeweils vier weiße Würfel plus eventuelle Bonus-Würfel in der eigenen Farbe vor sich liegen haben.

Nun folgt die Qual der Wahl, nämlich die Frage, wo welcher Würfel auf seinem eigenen Tableau abgelegt wird. Dort befinden sich nämlich Aktionsfelder. Auf einigen sind Zahlen vorgegeben. Dann darf dort auch nur ein Würfel abgelegt werden, der genau dieser Zahl entspricht. Andere Felder zeigen Fragezeichen. Dort landen dann Würfel mit beliebiger Augenzahlen. Wer einen Tellerwäscher in dieser Runde hat, hat es gut, denn dann kann ein Würfel auf einem Aktionsfeld so eingesetzt werden, als wäre er in seinem Wert um eins höher. Zusätzlich unterscheiden sich die Felder auch noch darin, wie viele Würfel abgelegt werden dürfen.

Die Aktionsfelder der Gäste bringen Dublonen. Damit kann man neues Personal für die Kneipe anstellen, in dem man neue Karten kauft und diese auf den Ablagestapel legt. Außerdem ist es auch möglich, seinen erworbenen Reichtum in den Ausbau der eigenen Taverne zu stecken und diese auszubauen. Dann werden die Aktionen perspektivisch Runde für Runde einträglicher. Außerdem lockt das die neugierigen Adeligen an, die reichlich Siegpunkte im Portemonnaie haben. Mit dem Bier, das man erwirtschaftet, können neue Gäste angelockt werden. Auch die kommen als Karten, wandern zuerst in den Ablagestapel und kommen später ins Spiel.

Auf dem Klosterplan kann man Boni abgreifen.
Auf dem Klosterplan kann man Boni abgreifen.

Diese aufeinanderfolgenden Phasen – die Planung, wo welche Würfel am effektivsten abgelegt werden und danach die resultierenden Erträge einsacken und in neue Karten und die Infrastruktur der eigenen Taverne zu investieren, ist der eigentliche Kern des Spiels. Dieser Teil einer Runde dauert auch effektiv am längsten, weil jetzt optimiert investiert werden soll. Man darf nämlich nur einen kleinen Überschuss an Bier und Dublonen in die nächste Runde retten, der Rest verfällt. Schwierig wird dieser Spielabschnitt auch, weil es keine Münz- oder Biermarker im Spiel gibt. Das muss also alles im Kopf hin- und her gerechnet werden. Das ist irgendwie nicht einleuchtend. Das Spiel bietet hochwertiges Material im Überfluss. Da hätten ein paar Münzen und Bierkrüge aus Pappe zum leichteren Rechnen sicher die Produktionskosten nicht explodieren lassen.

Blick auf das hochwertige Material
So viel hochwertigem Material – mir fehlen aber Marker für Münzen und Bier.

Am Ende dieser Kopfakrobatik ist Sperrstunde und der erste Tag ist vorbei. Der Bierkrug wandert und die Spielenden wiederholen den Ablauf noch weitere sieben Mal. Dann kommt es zur Schlusswertung. Alle zählen die Siegpunkte, die sie für die gekauften Karten bekommen haben. Die Person mit den meisten gewinnt. Überzählige Dublonen und Bier entscheiden bei Punktgleichstand.

 

 

Fazit
Die Tavernen im Tiefen Thal“ kann als Familienspiel in der Basisversion gespielt werden, hat aber auch das Potential eines Kennerspiels, wenn alle vier Module gleichzeitig am Start sind. Das Spiel verzichtet auf Texte und bietet eine durchgehende und nachvollziehbare Symbolsprache. Bis jedoch die Fülle der unterschiedlichen Symbole eindeutig klar ist, kann es schon ein bisschen dauern. Deswegen würde ich es auch bevorzugt mit Menschen spielen wollen, die bereits erfahren in komplexeren Spielen sind, oder mir für Neulinge viel Zeit nehmen. Dazu kommt, dass vor man schon geübte Finger haben sollte, um mit den vielen Karten und Markern zurecht zu kommen. Unterm Strich bleibt aber auf jeden Fall ein wirklich tolles Würfelspiel, bei dem man die vorhandenen Ressourcen geschickt und effizient managen muss. Mittlerweile ist auch schon eine erste Erweiterung mit dem Namen „Zimmer frei“ erschienen, die weitere vier neue Module bietet.

 

Bewertung / Test
+ tolles Thema
+ Schwierigkeitsgrad durch Module in Richtung Kennerspiel veränderbar
+ sprachneutrales Material
– Warum genau gibt es keine Marker, die das Ressourcenmanagement erleichtern?
– Kartengröße zu klein
– kleinteiliger und zeitintensiver Aufbau

 

(Eine Rezension von Oli Clemens)


Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Familienspiele”

  • ... Altersgruppe bis 12 Jahre
  • ... Altersgruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 75 Jahre
  • ... Altersgruppe ab 76 Jahre
4.1

Die Tavernen im Tiefen Thal (2019)

Spielidee: Wolfgang Warsch
Grafik: Dennis Lohausen
Verlag: Schmidt Spiele
Anzahl der Spielenden: 2-4 Personen
Altersempfehlung Verlag: Ab 10 Jahren
Spieldauer: ca. 60 Minuten

Generationentauglichkeit: Wenn mit Modulen gespielt wird, wird es zunehmend komplex. Die Tatsache, dass man für Bier und Gold keine Marker hat, lässt schnell den Überblick verlieren.