Klimaschutz am Brettspieltisch – Kyoto von Pegasus (Rezension)

Kyoto | Gruppenspiel | ab 10 Jahren | 3-6 Spielende | Sabine Harrer, Johannes Krenner | Pegasus | pädagogisch wertvoll | generationentauglich

Das Thema Klimawandel ist aktueller denn je. Immer wieder werden neue Zielvorgaben gemacht, die dann oftmals enttäuschenderweise doch nicht erfüllt werden. Manche munkeln, dass in solchen Fällen mächtige Konzerne ihre Finger im Spiel hatten. „Wenn ich Politiker:in wäre, würde das alles nicht so ablaufen!“, kann man dann aus so manchen Mündern vernehmen. Gut, dass Kyoto uns nun als Spiel, die Möglichkeit bietet, als jeweils eine Nation, die Erde zu retten und dabei dennoch möglichst wohlständig zu bleiben. Ob das Spaß macht, erfahrt ihr in der folgenden Rezension.

Zu sehen ist Kyoto mit dem gesamten Spielmaterial.
Kyoto von Pegasus

 

Das Spiel
Kyoto von Sabine Harrer und Johannes Krenner ist ein Gruppenspiel für 3-6 Spielende ab 10 Jahren und bei Pegasus erschienen. Eine Partie dauert ca. 30-45 Minuten. Ziel des Spiels ist es, gemeinsam dafür zu sorgen, dass die Welt nicht endgültig durch den Klimawandel zerstört wird und dabei gleichzeitig die eigenen Ziele zu erreichen, um möglichst viel Wohlstand und Macht zu er- und behalten.

Zu sehen ist der Spielaufbau für 4 Spielende.
Spielaufbau für 4 Spielende

Zu Beginn werden allen Mitspielenden jeweils eine Nation, 2 persönliche Ziele (symbolisiert durch die Lobby) sowie Startkapital zugewiesen. Dabei fand ich es erschreckend zu sehen, wie viele unterschiedliche Lobbys es gibt, nach deren Interesse die Geschehnisse der Welt gerichtet werden sollen. Wahrscheinlich ist es naiv zu glauben, dass es so in der Realität nicht abläuft.

Zu sehen sind die Nationen, die zur Auswahl stehen.
Verschiedene Nationen ringen um Macht und natürlich das Wohl der Erde.

Jede Runde hat eine andere Nation des Vorsitz des Weltklimagipfels und zieht 2 Studienkarten. Eine davon wird ausgewählt und in das Rednerpult geklemmt. Dadurch können nur die offensichtlichen Umwelteinflüsse eingesehen werden. Die versteckten Einflüsse kennt nur die vorsitzende Nation, die je nach eigener Lobby von Vorteil oder eher Nachteil sind.

Jetzt haben alle Nationen als Gruppe gemeinsam 90 Sekunden Zeit, um die Anforderungen zu erfüllen, indem Geld gezahlt und Wohlstandskarten geopfert werden. Worauf will man verzichten? Feuerwerk, Butter, Kosmetik? Als Politiker:in sollte man nicht zu viel versprechen, nicht dass die eigene Bevölkerung das übel nimmt und die Nation zu arm wird. Dabei ist die Aufteilung, wer wie viel gibt, vollkommen gleichgültig, Hauptsache das Ziel wurde erfüllt. Allerdings geben Geld und Wohlstandskarten am Ende Siegpunkte, diese können durch Boni durch die Lobbykarten sogar noch gesteigert werden.

Das führt dazu, dass alle Nationen natürlich so wenig wie möglich abgeben wollen. Die 90 Sekunden kamen uns manchmal wahnsinnig lange vor, wenn sich alle einig waren, das Ziel unbedingt erreichen zu wollen und spendabel waren. In machen Runden waren die drohenden Klimakatastrophen aber zum Beispiel für die Lobby der Großwildjäger:innen erstrebenswert. Wenn dann die Nation, die diese Unterstützung erfährt, einfach nicht mit sich verhandeln lässt, sind 90 Sekunden wahnsinnig schnell vorbei.

Zu sehen sind die STudienkarten.
Verschiedene Studienkarten stellen uns vor harte Entscheidungen.

Von dem Geld, das abgelegt wird, wird der Umweltfond finanziert. Aus diesem kriegt die gastgebende Nation zu Beginn jeder Runde 2 Millionen. Sollte eine Verhandlungsrunde scheitern, dann treten die schädlichen Umwelteinflüsse in Kraft, indem entweder Tierarten aussterben, die Temperatur steigt oder die Luftverschmutzung zunimmt. Hierbei können auch gefährliche Kettenreaktionen ausgelöst werden.

Zu sehen sind die verschiedenen Umweltschäden.
Vorsicht vor Umweltschäden und ihren negativen Konsequenzen.

So weit so gut, was aber wenn eine konkurrierende Nation eine Wohlstandskarte gespielt hat, die zu Veränderungen von Bedingungen auf der Erde führen, die meiner Lobby nun so gar nicht passen? Ein paar Scheine haben solche Probleme schon öfters lösen können. Denn Bestechung ist in Kyoto absolut nötig, um die eigenen Ziele mit Hilfe der anderen Nationen erfüllen zu können. Oft wurde ich böse von meinen Mitspielenden angeguckt, wenn ich das Wohl der Erde aufs Spiel setzte, weil meine Agrarlobby den Verzicht auf Butter nicht wirklich akzeptieren konnte. Hier kann man sich also ziemlich viele Feinde machen und muss das aushalten können.

Zu sehen sind die Lobby-/Wohlstandskarten von Kyoto.
Lobbys haben manchmal andere Interessen als das Wohl der Erde.

Das Spiel kann auf unterschiedliche Arten enden. Entweder sobald der Stapel der Studienkarten aufgebraucht ist, dann gewinnt die Nation, mit den meisten Punkten. Falls die Erde untergehen sollte, weil einer der Umweltschäden seinen kritischen Wert von 5 erreicht hat, verliert automatisch die Nation mit den meisten Punkten. Da haben sich die Politiker:innen wohl die eigenen Taschen zu sehr auf Kosten von Mutter Erde vollgemacht und die zweitplatzierte Nation kann den eigenen Sieg feiern.

Fazit
Wenn man sich auf das Thema einlassen kann, dann kriegt man mit Kyoto ein knallhartes Verhandlungsspiel. Spaß macht das nur, wenn wirklich jede Nation erbarmungslos versucht, die eigenen Ziele zu erreichen und das Wohl der Erde dabei nur 2. rangig ist. Natürlich sollte bei keiner der 3 Umweltkatastrophen das Maximum erreicht werden, aber ein Spiel mit dem Feuer ist nötig, damit so richtiger Thrill am Tisch entsteht. Wer das nicht gut kann, sollte die Finger von Kyoto lassen. Wir haben beim Spielen von Kyoto bemerkt, dass wir Verhandlungsspiele als solche einfach nicht mögen, deshalb ist meine Bewertung nicht ganz objektiv. Aber Leute, die verhandeln am Spieltisch mögen, sollten es sicherlich mal ansehen, da es kurzweilig ist und nie länger als eine Stunde ging.

 

Bewertung / Test
+ tolle Tischpräsenz durch ansprechendes Spielmaterial
+ ein ernstes Thema durch Satire brettspieltauglich gemacht

(Eine Rezension von Sarah Eischet)

Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Gruppenspiel”

  • ... Altersgruppe 12 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 75 Jahre
  • ... Altersgruppe ab 76 Jahre

Kyoto (2020)

Spielidee: Sabine Harrer, Johannes Krenner
Grafik: Christian Opperer
Verlag: Pegasus
Anzahl der Spielenden: 3-6 Spielende
Altersempfehlung Verlag: Ab 10 Jahren
Spieldauer: 30 – 45 Minuten

Generationentauglichkeit: Ja die Regeln sind leicht, man muss nur standhaft sein und für die eigenen Vorteile einstehen können. Das können Menschen jeden Alters, wobei jüngere Menschen schon in der Regeln einen leichten Nachteil dabei haben.

Pädagogisch wertvoll: Definitiv. Das Thema Klimawandel wird mit einer ordentlichen Portion Satire aufgenommen, ohne dabei den moralischen Zeigefinger allzu hoch zu erheben.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen weiter verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen