Raus aus meinem Verlies! – Lord of Bones von Trefl (Rezension)

Lord of Bones | Familienspiel | ab 10 Jahren | 2 bis 4 Spielende | Adam Strzelecki | Trefl 

Sich durch Verliese vorwagen, dunkle Gänge erkunden und Monster plätten – dieses Genre nennt sich Dungeon Crawler. Meist sind diese Spiele auf lange Kampagnen über mehrere Stunden angelegt und fordern eine Menge an Gehirnpower, um sich alle Regeln merken zu können. Mit „Lord of Bones“ habe ich aber einen Ausreißer in die Finger bekommen, der mich echt positiv überrascht hat.

Die Schachtel liegt inmitten der Spieltableaus, de Verliesplättchen und zahlreichen Markern
Hier ist er der Chef – „Lord of Bones“.

 

Das Spiel
Lord of Bones
ist ein Familienspiel von Adam Strzelecki und bei Trefl erschienen. Es ist für 2-4 Spielende geeignet und kann ab 10 Jahren gespielt werden.

Bei Lord of the Bones erkundet ihr ein Verlies auf der Suche nach Beute, prügelt euch mit Skeletten und sucht nach dem Chef der unterirdischen Wohnanlage, dem Lord of Bones. Wer am Schluss die meisten Kronen gesammelt hat, hat sich im Abenteuer am besten geschlagen.

Dazu wählt ihr erst einmal ein Alter Ego aus, das ihr bei der Schatzsuche verkörpern wollt. Zauberin oder Zwerg, Schurkin oder Elfenschütze – entscheidet euch am einfachsten nach eurer Lieblingsfarbe und nehmt euch den passenden Holzmeeple und Spieltableau. Die Klassen unterscheiden sich nur wenig voneinander, nämlich durch Symbol, das ihr später zum Kämpfen braucht, und eine Klassen-Sonderfähigkeit beim Kämpfen. Auf eine umfangreiche (oder lästige) Charaktererstellung könnt ihr verzichten. Dafür wählt ihr aber, ob ihr in der Identität einer Heldin oder eines Helden starten werdet. Schön, dass hier ein richtiger Schritt in Richtung Diversität gemacht wurde.

Das Spielteableau der Elfin kann zu einem Elfen gedreht werden.
Das Spielteableau der Elfin kann zu einem Elfen gedreht werden.

 

Die restliche Spielvorbereitung geht übrigens ebenso recht schnell. Mischt ein paar wenige Kartenstapel, legt die Plättchen mit den Dungeon-Teilen verdeckt in einen Stapel und legt das Anfangsteil mit der Treppe in eure Mitte. Von dort starten eure Abenteuer-Meeple auf ihre Erkundungsreise. Vom Stapel der Plättchen werden nun drei passend angelegt und ihr seid startklar.

Passend bedeutet bei „Lord of Bones“, dass nichts überlappt und Wege die Plättchen bestmöglich miteinander verbinden. Klar, das klappt nicht immer, aber durch Sackgassen kann man nicht wandern, also immer schön auf ein Wegenetz achten. Scannt schon mal mit den Augen, was in der unmittelbaren Umgebung eurer Figur passieren könnte, denn auf den Spielplättchen findet ihr allerhand unterschiedlicher Symbole. Die wichtigsten sind sicher am Anfang die Sterne, die Ereignisse auslösen. Dann dürft ihr von einem Kartenstapel ziehen. Mit ein bisschen Glück gibt es ein Ausrüstungsgegenstand, mit Pech müsst ich euch mit einem Skelett prügeln. Interessant ist gelöst, dass man durch verschiedene Stapel das Risiko auf einen Erfolg etwas beeinflussen kann. Ereignisse im Stapel 1 bringen leichtere Gegner, aber auch leichtere Belohnungen. Für ein Ereignis aus Stapel 3 muss man im schlimmsten Fall schon mal einen heftigen Gegner-Brocken aus dem Weg räumen.

Die Meeple starten auf dem gleichen Feld, verteilen sich aber schon schnell in verschiedene Richtungen.
Wo geht’s lang?

 

Aber es gibt so viel mehr in eurer unbekannten Umgebung zu entdecken. An Schmieden könnt ihr euch Waffen basteln, Brunnen frischen eure Lebenspunkte auf, magische Spiegel teleportieren euch in einen anderen Teil des bekannten Dungeons. Nur bei Fallen könnte es für eure Gesundheit gefährlich werden. Der Überblick über die verschiedenen Aktionen auf den Plättchen wirkt anfänglich ein bisschen unruhig fürs Auge, aber nach einer Anfangsphase sieht man die Wege und potentiellen Optionen recht deutlich.

Wenn du an der Reihe bist, hast du drei Aktionen. Dabei kannst du immer auswählen, ob du dich bewegst, erkundest, ein Ereignis auslöst oder einfach mal rastest, um deine verlorenen Lebenspunkte an einem Lagerfeuer aufzufrischen. Ihr startet nämlich nicht unbesiegbar in das Abenteuer, sondern habt nur eine gewissen Energievorrat, der mit Bluttropfen-Token dargestellt wird. Natürlich hat der Zwerg mehr davon als die Zauberin – das Fantasy-Klischee wird natürlich auch bedient. Ausscheiden oder sterben könnt ihr übrigens nicht, dann wartet halt einfach eine Zwangspause am knisternden Feuer auf euch. Einmal Aussetzen, bitte. Bei den Aktionen solltet ihr immer mitzählen oder die beiliende Spielhilfe nutzen. Wenn man erstmal im Kampfrausch ist, kann man schon mal vergessen, ob man noch eine oder keine Aktion mehr übrig hat.

Um dieses Skelett zu besiegen, braucht man zwei gelbe Symbole.
Dich mach ich platt!

 

Trefft ihr im Verlies auf Skelette, wird eine Kampfsequenz ausgelöst. Jedes Skelett kann besiegt werden, wenn man die Symbole, die oben rechts angezeigt werden, aufbringen kann. Vielleicht hat man Glück und kann sogar direkt durch die Ausrüstung, die man gesammelt hat, die Symbole vorweisen. Dann gewinnt man automatisch. Fehlen Symbole, wird gewürfelt. Standardmäßig dürfen alle zwei Würfel dafür nutzen. Jetzt kommen aber noch Würfelplättchen und der ursprüngliche Klassenbonus ins Spiel. Eine Würfelmanipulation, bei der man auf eine Wunschseite drehen kann, gibt es nicht, dafür aber ein Joker-Symbol. Dann wird abgeglichen. Gewinnt das Skelett, verlierst du einen deiner Blutstropfen. Halte also schon mal Ausschau nach dem nächsten Brunnen oder einem Lagerfeuer zum Wiederherstellen. Gewinnst du, darfst du die Karte behalten und später in der Schiede mit dessen Rohstoff-Symbol an deiner Ausrüctung arbeiten.

Die Abenteuer-Gruppe spielt nicht gemeinsam, kommt sich aber auch nicht in die Haare. Alle haben eben das Ziel für sich die meisten Siegpunkt-Kronen aufzuspüren. Alles, was sie tun, wird aber zu einem unbestimmten Moment den Herr der Knochen aktivieren. Der ist natürlich mega angenervt, dass man in seinem Untergrund-Verlies nach Ruhm und Schätzen stöbert, und es kommt zu einem unweigerlichen Showdown mit dem Über-Skelett. Dieser ist zusammengesetzt aus vier Karten und muss in vier einzelnen Kämpfen besiegt werden. Das läuft alles wie bei den Begegnungen mit den Skeletten, nur alles eine Spur heftiger. Da zeigt sich jetzt, ob man sich vorher gut mit Magie und Gegenständen ausgerüstet hat.

Die Würfel zeigen sechs verschiedene Symbole und werden zum Kampf benutzt,
Was guckst du?

 

Der Kampf läuft reihum. Nacheinander versucht immer eine Person einen der vier Teile des Knochen-Chefs zu besiegen. Klappt es, sammelt man mit der Karte die wertvollen Kronen ein. Klappt es nicht, verliert man einen Siegpunkt. Das geht so lange, bis entweder der Lord of Bones besiegt ist oder alle Personen den letzten Blutstropfen abgeben mussten. Gewertet wird aber auf jeden Fall. Dazu zählt alle Kronen zusammen, die ihr gesammelt habt. Wer die meisten hat, gewinnt.

Sicher habt ihr schön längst für euch realisiert, dass der Ausgang aller Kämpfe maßgeblich vom Würfelglück abhängt. Auch wenn man den eigenen Charakter im Verlauf des Abenteuers stärker machen kann, bleibt am Schluss die Wahrheit: Würfelst du Grütze, ist es Grütze! Das kann ganz zu Beginn des Spiels, wenn man noch gar nichts auf dem Lappen hat, oder im Endkampf gegen den Boss schon frustrieren. Oder man nimmt es mit Humor und freut sich auf die nächste Partie.

Ein Comic-Stil prägt die optische Aufmachung von "Lord of Bones"
Gutmütig sieht er ja aus, der gute Thoros.

 

Denn „Lord of Bones“ ist kurzweilig und unterhaltsam. Jede Partie ist neu, weil das Anordnen der Plättchen immer wieder für neue Wege und neue Dynamiken führt. Damit erobert es sich einen Platz neben „Karak“, dem Dungeon-Crawler-Kinderspiel, das aber bei Familien sehr beliebt ist. „Lord of Bones“ setzt die Altersvorgabe auf 10 Jahre. Das sehe ich nicht so. Der achtjährige Jonathan leitete unproblematisch den Zwerg durch das sprachneutrale Verlies und hatte jede Menge Spaß, seine zehnjährige Schwester sowieso. Nur das generationenübergreifende Spielen sehe ich nicht so. Die eigenen Holzmeeple sind sehr klein, die Orientierung auf den Verliesplättchen teilweise unübersichtlich.

 

Fazit
„Lord of Bones“ ist wert gespielt in einer Kinder-Erwachsenen-Gruppe gespielt zu werden. Die Regeln sind leicht erklärt. Leider ist die Anleitung, die aus dem Polnischen ins Deutsche übersetzt wurde, an einigen Stellen unklar. So wird das Wort ‚erkunden‘ gleich für drei verschiedene Handlungen gleichermaßen benutzt und auch die Bewegung auf einem Plättchen muss man sich erst einmal zusammenreimen. Wer Englisch kann, der schaut gerne in die beiliegende zweite Anleitung rein. Dann wird es klar, wie gespielt wird.

Was mir ausdrücklich gut gefällt ist die der Comic-Stil, in dem „Lord of Bones“ gestaltet ist. Alles ist sehr farbenfroh und strahlt gute Laune aus, wie eben auch das ganze Spiel – wenn man sich von dem Kampf-Würfel-Mechanismus nicht entmutigen lässt. Aber Glück gehört zu einem guten Familienspiel eben auch dazu, dann passt doch alles.

Habt ihr noch Lust auf Pauls Rezension zu dem vorhin erwähnten „Karak“ und der dazugehörigen Erweiterung „Karak Regent„. Dann folgt doch einfach den Links.

 

Bewertung / Test
+ farbenfroher Comic-Stil
+ alle können bei den Ereignissen selbst die Herausforderung wählen
– wirkt anfänglich unübersichtlich
– Anleitung sprachlich nicht immer eindeutig

 

(Eine Rezension von Oli Clemens)


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Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Familienspiele”

  • ... Altersgruppe 10 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 70 Jahre
  • ... Altersgruppe ab 71 Jahre

Lord of Bones (2022)

Spielidee: Adam Strzelecki
Grafik: Michal Ambrzykowski
Verlag: Trefl
Anzahl der Spielenden: 2-4 Personen
Altersempfehlung Verlag: Ab 10 Jahren
Eigene Altersempfehlung:
Spieldauer: 60 Minuten

Generationentauglichkeit: Bist du noch rüstig genug für ein Abenteuer als Zwerg oder Elfe in einem dunklen Verlies? Deine Enkel würden sich sicher darüber freuen. Lass dir bei den Symbolen gerne ein bisschen helfen.