Neue Tempel braucht das Land – Deities von Mandoo Games (Rezension)

Deities | Ressourcenmanagement-Spiel | ab 14 Jahren | 2-4 Personen | Gary Kim | kompetitiv | Mandoo Games

Deities: Karton und Spielmaterial

Heutiges Tagesziel: Werdet die mächtigste regionale Gottheit, die in den meisten Tempeln verehrt wird! Es kann doch nicht so schwierig sein, ein paar Dörfer zu bauen, die euch mit den dafür notwendigen Ressourcen versorgen, oder? Zwar reicht die thematische Einstimmung auf ein buntes Götterpantheon nur bis zur Spielerklärung, doch das tut Mechanik und Spielerlebnis glücklicherweise keinen Abbruch. 

Das Spielprinzip von Deities klingt zunächst unkompliziert: Ressourcenplättchen (Dörfer) platzieren, anschließend mit den erspielten Rohstoffen Gebäude bauen, die regionale Vorherrschaft erringen und die meisten Siegpunkte einsammeln. Der Clou hierbei ist jedoch, dass ihr die mögliche Art und Anzahl der Rohstoffe durch geschicktes Platzieren festlegen – und im besten Fall euren Gegnern die Tour vermasseln könnt. Je nachdem, wie lang eure „Rohstoff-Dorfstraße“ (horizontale, vertikale oder diagonale Linie) bis zum nächsten Plättchen derselben Art ist, verändert sich eure Ausbeute und bestimmt, wie viele Gebäude ihr in dieser Runde bauen könnt, und das wiederum entscheidet über erspielte Siegpunkte und mögliche Bonusplättchen. Wählt weise, ob sie euch lieber bessere Tauschraten auf dem Marktplatz, sofortige Rohstoffausbeute oder zusätzliche Punkte gewähren sollen.

Was in den ersten Runden noch überschaubar ist und kleine Veränderungen nicht dramatisch wirken, entwickelt sich spätestens in der zweiten Spielhälfte zu einer Schlacht um Ressourcen und die besten Bauplätze… Denn, nur weil ihr auf der perfekten Wiese mit großartigem Meerblick schon Stadtmauern errichtet habt, heißt das nicht, dass dort auch euer Tempel stehen wird. In der nächsten Runde hat vielleicht jemand anderes schneller die notwendigen Mittel und setzt seinen Tempel frech in eure Mauern, oder baut gar den abschließenden Turm und klaut euch endgültig eure Vorrangstellung. 

Deities von Mondoo Games: Spielsituation aus Sicht des blauen Spielers
Die rote Gottheit scheint einen Fokus auf die südwestliche Region gelegt zu haben. Noch könnten wir das aufhalten.

Spannend wird Deities neben der allgemeinen Mechanik vor allem dadurch, dass sich die Siegbedingungen in jedem Spiel leicht verändern. Zu Beginn der Partie wählt jeder verdeckt eine Siegbedingung aus, die anschließend für alle Mitspielenden gilt. Jetzt heißt es, sich aus der Unkenntnis der anderen einen Vorteil zu erarbeiten. Durch die geschickte Auswahl der Bonusplättchen nach dem Bau von Gebäuden können sich alle ihre eigenen zusätzlichen Punktelieferanten für die Endwertung erarbeiten. So kann aus „besagter Wiese mit Meerblick“ ganz schnell ein heiß umkämpfter Hotspot werden… Der Platz ist endgültig verlohren? Jetzt hilft nur noch, schnell eine neue Strategie zu entwickeln und an einer anderen Front um göttlichen Rum zu kämpfen… Wenn es also nicht die meisten Seegrundstücke werden können, dann halt die Übermacht im südwestlichen Reich oder doch lieber die Türme im innersten Kreis?

Das Spielmaterial kommt als farbenfroher, wertiger und robuster Mix aus Hartpappe, Holz und Plastik daher. Die Teile können auch von Spieler:innen mit leichten motorischen Einschränkungen problemlos platziert werden. Die grafische Umsetzung ermöglicht das einfache Erkennen der verschiedenen Rohstoffe und Bonusplättchen. Einzig Spieler mit vollständiger Farbenblindheit könnten Schwierigkeiten haben, die Besitzverhältnisse der einzelnen Bauwerke zu erfassen. Die Farben selbst unterscheiden sich zwar deutlich, sind aber bei monochromer Wahrnehmung alle in einem sehr ähnlichen Graubereich.   

Fazit
In Anbetracht der steigenden Komplexität im Verlauf des Spiels, würde ich Deities als „Kennerspiel für Einsteiger“ bewerten. Vor allem durch die variablen Siegbedingungen in jeder neuen Runde wird auch die zweite oder dritte Partie des Abends nicht langweilig und die Wiederspielbarkeit ist definitiv gegeben. Der dreiste Raub von niedrigeren Gebäuden führt zu so mancher Frotzelei zwischen den Spielern, schafft aber nur selten spielentscheidende Probleme; vielmehr fördert das den Wunsch nach einer direkten Revange. Das Material ist wertig und farbenfroh und sollte vielen Spielrunden standhalten. Jüngere Familienmitglieder (und Haustiere) sollten jedoch von den Ressourcen-Markern aus Holz ferngehalten werden, da diese Kleinteile leicht verschluckbar sind. 


Bewertung / Test
+ Mit jeder Runde wird das Spiel komplexer
+ hoher Wiederspielwert
+ fordert vorausschauendes Denken und spontane Anpassung der eigenen Spielweise
– Leider endet der thematische Ausflug in die Götterwelt bei der Spielerklärung und überträgt sich nicht auf die Stimmung beim Spielen

 

(Eine Rezension von Pirka Grönwaldt-Martin)

Selfie: Pirka Grönwaldt-Martin

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Deities (2023)

Spielidee: Gary Kim
Grafik: Laura Bevon
Verlag: Mando Games
Anzahl der Spielenden: 2-4
Altersempfehlung Verlag: ab 14 Jahren
Spieldauer: 50 bis 70 Minuten, je nach Anzahl der Mitspielenden
Generationentauglichkeit: ja, solange Konzentrationsfähigkeit und strategisches Denken gegeben sind, werden Jugendliche bis Großeltern ihren Spaß daran haben.