Es lebt! – Palm Lab „Das Labor to go“ von Kosmos (Rezension)

Palm Lab | ab 10 Jahren | 1-2 Personen | Solospiel | Jon Mietling | Kosmos

Palm Lab - Das Labor to go - Material und Cover

Nachfolger incoming! 2019 kam etwas auf den Markt, das in einigen Kreisen für Furore sorgte. Plötzlich konnte man ein vollwertiges Spiel in einer Warteschlange, beim Essen oder auf dem Klo (wer auch immer sowas machen würde?) spielen, ggf. sogar zu zweit – und weil es nur aus 17 Karten bestand, konnte man es einfach in der Hosentasche mitnehmen. Mit Palm Island von Jon Mietling ist etwas Besonderes auf den Markt gekommen, was auch Jahre später noch immer ein paar vergnügliche Minuten bereitet. Selbst ich, der in der Regel Solospiele meidet, weil mir gerade die Gesellschaft bei Gesellschaftsspielen viel bedeutet, konnte mich dem Bann nicht entziehen und so hatte ich Palm Island auch immer wieder mal in der Hosentasche dabei.

Wenn ein Spiel gut ankommt, ist es nicht verwunderlich, dass irgendwann ein Nachfolger erscheint. In Deutschland ist bei Kosmos daher 2025 das Spiel „Palm Lab – Das Labor to go“ erschienen. Die Grundprämisse ist die gleiche: Wir haben diesmal mindestens 21 Karten in einem Stapel, von denen wir immer die obersten drei ansehen dürfen und auf einer der oberen zwei Karten eine Aktion durchführen können. Wir sammeln oder verwenden normalerweise Ressourcen wie Zahnräder, Gehirne oder Tränke (wir sind schließlich in einem Labor!) um die Werkstatt aufzubessern, Apparaturen zu entwickeln, bestimmte Tränke herzustellen oder Monster aufzuwerten. Das alles bringt uns Punkte für die Schlusswertung. Die aktivierte Karte wird im Anschluss an das Ende des Decks gelegt. Aktivieren heißt, wir drehen sie auf die Rückseite oder auf den Kopf oder aber um 90° nach rechts. Damit sammle ich die Ressourcen, die ich für später einsetze. Das Ende einer Runde ist erreicht, wenn die Zielkarte, gefolgt von der Gefahr-o-Mat-Karte oben auf meinem Deck liegt. Habe ich das Ziel erreicht, kann ich ggf. den Gefahr-o-Mat etwas beruhigen. Wenn nicht, muss ich entweder einen meiner Minions eingesetzt haben oder der Gefahr-o-Mat erreicht die nächste Stufe. Das Spiel ist verloren, wenn der Gefahr-o-Mat viermal ausgelöst wurde oder gewonnen, wenn ich das immer schwieriger werdende Ziel viermal erreicht habe.

Was ich unglaublich charmant an Palm Lab finde, ist die Auswahl der „Monster“ im Standarddeck, welche jeweils als Hommage an berühmte Persönlichkeiten aus der Horror-/Fictionwelt gedacht sind. So gibt es z.B. Shelley, eine Anspielung auf die Autorin von Frankenstein, Mary Shelley, oder Milicent Caul, die Milicent Patrick und ihr Werk grafisch ehrt. Auf der Karte ist nämlich das Monster aus „Der Schrecken vom Amazonas“ (Creature from the Black Lagoon) abgebildet, für das Milicent Patrick verantwortlich war. Zu guter Letzt gibt es noch den Roboter Isaac, der meiner Einschätzung nach von Isaac Asimov inspiriert wurde, dem Autor der drei Gesetze der Robotik, die in zahlreichen Science-Fiction-Werken aufgegriffen wurden. Warum ich das betone? Jedes Mal, wenn ich Palm Lab spiele, erzeugt das Lesen der Namen ein Schmunzeln in meinem Gesicht und auch das ist etwas Besonderes, wenn ein Spiel so etwas schafft.

Wie oben erwähnt, bietet Palm Lab dieselbe Mechanik wie Palm Island. Ebenso gibt es einen Zwei-Spieler-Modus wie beim Vorgänger. Wo also liegen die Unterschiede? Das Offensichtlichste ist wohl das Thema, aber natürlich gibt es noch mehr. Bei Palm Island spielt man immer fest acht Runden, bei Palm Lab so lange, bis entweder das Ziel erreicht wurde oder der Gefahr-o-Mat über die vierte Stufe hinaus aktiviert wurde. Das Ziel ist jedoch nicht immer dasselbe: das Produktionsziel, das Experimentziel oder das Forschungsziel – alle bringen ein klein wenig Abwechslung ins Spiel, etwa in Form neuer Ressourcen oder Desasterkarten. Außerdem lässt sich die Schwierigkeit von Palm Lab weiter erhöhen, indem man hilfreiche Minionkarten aus dem Deck entfernt.

Palm Lab - Das Labor to go: Handkarten


Fazit

Leider muss ich aber sagen, dass all diese Neuerungen dem Spiel die Eleganz und Leichtigkeit nehmen, mit denen Palm Island noch überzeugen konnte. Palm Island habe ich einfach mal nebenbei gezockt, ohne wirklich groß darauf zu achten, dass ich am Ende der Runde noch diese und jene Ressourcen brauche, weil ich die ja eh mit in die nächste Runde nehmen kann. Palm Lab erfordert mehr Planung, da ich schließlich nicht möchte, dass der Gefahr-o-Mat aktiviert wird. Außerdem muss ich noch auf eines der Ziele achten… Das macht Palm Lab in jedem Fall komplexer. Alle, die von Palm Island gelangweilt sind, weil es ihnen keine Herausforderung bietet, finden in Palm Lab sicherlich eine neue Challenge, die sie auch noch in jeder Partie neu festlegen können. Ich persönlich bleibe lieber beim Original, das für mich ein Wohlfühlspiel ist – aber wie anfangs erwähnt: Ich bin kein Solo-Spiel-Spieler…

 

Bewertung / Test
+ simples und geniales Spielprinzip zum Mitnehmen und überall Spielen
+ thematisch äußerst charmant
+ variabler Schwierigkeitsgrad
– weniger Leichtigkeit und Eleganz als beim Vorgänger
– Erfüllen der Ziele benötigt einen gewissen Grad an Vorausplanung

(Eine Rezension von Marco Schanzer)

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Palm Lab (2025)

Spielidee: Jon Mietling
Verlag: Kosmos
Anzahl der Spielenden: 1-2
Altersempfehlung Verlag: ab 10 Jahre
Spieldauer: ca. 15-20 Minuten

Generationentauglichkeit: wenig geeignet, da es prinzipiell als Solospiel konzipiert ist. Zwei-Spieler-Modus erfordert ähnliches Spielniveau