Burgspiele: Die B-Rex-Tage in Merseburg (Bericht)

Petras Einladung, zu den B-Rex-Tagen nach Merseburg mitzufahren, sind meine Frau und ich gerne gefolgt. Ich sehe das als Belohnung für die über 50 Rezensionen, die ich auf dieser Seite bereits geschrieben habe, denn zu diesem Event kommt man nur als geladener Gast, der bloggt, rezensiert, Spiele erfindet oder verkauft.

Holztore geöffnet vor einem Kellergang
Echt jetzt? Doch: dieser Durchgang führt in den Burghof

Die Merseburger Verlage Corax Games, Grimspire, Kobold Verlag, GiantRoc, Funbot und Mirakulus stellten Ihre Neuerscheinungen vor, manche davon sind noch nicht auf dem Markt, werden aber bald verfügbar sein. Viele weitere aktuelle Spiele standen aufgebaut bereit auf der Bischofsburg Burgliebenau, ein Ort mit besonderem Flair.

Großer Raum mit Spielenden an Tischen
Spiele-Räume gab es mehrere, auf der Burg verteilt.

Nachdem mich Petra ihm vorgestellt hatte, nahm sich Frank Noack, Inhaber der Spiele-Offensive und Organisator der B-Rex-Tage Zeit für ein Gespräch. Zunächst sprach ich von meiner Beobachtung, dass Vielspieler:innen durchaus hochwertiges Material schätzen und bereit sind, für ein Spiel auch mal tiefer in die Tasche zu greifen. Auch wenn wir uns anders wahrnehmen, sind wir markttechnisch aber doch nur eine Nische. „Stimmt“, bestätigt Frank, „deshalb bedienen die Verlage unterschiedliches Klientel.

Das geht von den Expert:innen, denen es meist nicht komplex genug sein kann bis zu den Familien, die losspielen möchten ohne langes Regelstudium. Die hier vertretenen Verlage bedienen in dieser Bandbreite, jeder mit seinem eigenen Profil.“ Wie können kleinere Verlage in breitere Vertriebswege kommen, sprich ins Sortiment überregionaler Buchhandelsketten? Frank (lacht): „Da sind wir gerade dran. Wir stehen kurz vor Vertragsabschluss mit einer dieser Ketten. Soweit waren wir schon vor zwei Jahren, aber durch Corona hat sich das verzögert. Der beste Weg, ins Sortiment der Läden zu kommen ist, wenn Spieler:innen nach unseren Spielen fragen. Spätestens wenn der zweite, dritte kommt, wird der Handel hellhörig und nimmt Kontakt auf.“

Spieltisch, dahinter Blick durch geöffnete Tür in die Burgkapelle
Die Burgkapelle im Hintergrund – stimmungsvoll beleuchtet
Treppengang zu einem Kellergewölbe, unten: Speielrunde
Ob das mal der Folterkeller war? Jedenfalls hängen dort derartige Werkzeuge.

Ich hatte mit einem Händler gesprochen, der nur an einzelnen Tagen geöffnet hat und der vor allem von Mundpropaganda seiner Kunden lebt angesichts seiner persönlichen Empfehlungen. Frank: „Ja, deshalb gibt es ja auch die Aktion hoher Spielwert. Ich hatte viele Händler eingeladen zum B-Rex-Wochenende. Aber gerade nach Corona können viele ihren Laden nicht zusperren, um herzukommen. Ich verstehe das vollauf.“

Ein weiterer Trend war mir aufgefallen, dass viele neue Spiele einen Solomodus beinhalten. Ist das Corona geschuldet? Frank: „Ja sicher. Bei den so richtig komplexen Spielen ist es aber auch schwierig, Mitspielende zu finden, die auf ihrem Niveau mithalten. Da bleibt oft nur der Solomodus. Das muss ja nicht schlecht sein.“

Spieletisch mit mehreren Personen, eine stehend.
Vom Autor ein Spiel erklärt zu bekommen ist eine besondere Ehre.

Sodann holte mich Petra: Der Autor von „Mein Königreich für ein Pferd“, Moritz Schuster, stünde bereit, es uns zu erklären. Das Spiel hatte mich nicht sonderlich interessiert, aber wann hat man eine solche Gelegenheit?

Ich hatte es in die Schublade „Uwe Rosenberg“ gesteckt und von Uwe Rosenberg habe ich schon wirklich viele Spiele. Durch den Würfelmechanismus hat mich „Mein Königreich für ein Pferd“ positiv überrascht. Als Familienspiel finde ich es nun wirklich gut. Frank hatte es als Beispiel genannt für ein Problem im breiteren Handel: „Es ist zu hochwertig produziert für normale Familien. Für diese ist 30 Euro die Obergrenze, was sie für ein Spiel ausgeben.“

aufgebautes Spiel, Spielkarton
Pacific Rails Inc. ist Petra und mir besonders aufgefallen.

Über die einzelnen Spiele möchte ich hier nicht groß berichten, das wird schon an anderer Stelle getan. Nur: Petra und mir ist „Pacific Rails Inc.“ als besonders interessant aufgefallen. Ein Kennerspiel plus mit schönem Material (!) und interessanten Mechaniken.

Gruppe von Personen an Biertischen
Mein Highlight: die persönliche Begegnung mit „Die Brettspieltester“

Natürlich waren etliche bekannte Gesichter bei diesem Event zu sehen. In diesem Rahmen war immer Zeit für ein kurzes Gespräch. Alle haben mit einem Lächeln reagiert, wenn sie erkannt wurden. Mein persönliches Highlight war die Begegnung mit den „Brettspieltestern“, Michaela und Christian, deren Podcast ich schon regelmäßig gehört habe, als sie noch mit Henri Krasemann zusammen Neuerscheinungen besprochen haben bevor Youtube überhaupt aktuell wurde. Hier war Gelegenheit für ein nettes Gespräch beim Essen. Später haben wir dann mit ihnen „Village Green“ zu fünft gespielt. Als die beiden das Spiel erklärten, funkte mein Hirn: „Ey, du hörst grad Podcast“, diese vertrauten Stimmen sind fest mit meinen Kopfhörern verknüpft.

Spielerunde bei "König der Barden"
Abendliche Spielerunde mit „König der Barden“. Im Hintergrund Mirko, der Spieleerklärer von „Würfel und Zucker“ in Hamburg.

Generell habe ich bei Spieleveranstaltungen die Erfahrung gemacht, dass man dort unproblematisch für ein Spiel eine Runde findet und schnell ins Gespräch kommt, fachsimpelnd oder nicht. So war es auch hier. Besonders komfortabel ist es, wenn ein Erklärer am Tisch ist. Dieses ist sonst stets meine Rolle im heimischen Brettspieltreff oder bei „Stadt-Land-spielt“.  Bei den B-Rex-Tagen waren Supporter:innen zum Erklären unterwegs, man konnte die Spiele an den aufgebauten Tischen aber auch ungestört einfach näher anschauen, bei laufenden Spielerunden zuschauen oder im Burghof die Verpflegung genießen. Alles so, dass sich ein Spielerherz so richtig wohlfühlt.

Danke an Frank, danke an die weiteren Organisatoren und alle Helfenden (es war sogar jemand da als Parkeinweiserin!) Ein super Wochenende!

 

 

(Ein Bericht von Paul Theisen)


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