Fabelwelten | Kinderspiel | ab 5 Jahren | 2-6 Personen | Marie Fort, Wilfried Fort | Asmodee

In einem leeren Buch liegt es an uns die Seiten zu füllen und Geschichte(n) zu schreiben. Wir wählen dazu tierische Heldinnen, Schurken und allerlei andere Protagonisten aus und stimmen immer wieder ab, um den besten Vorschlag mit Punkten zu belohnen.Gleichzeitig tauchen wir ein in eine Welt der Märchen und Fabeln ein.
In der gut aufgeteilten Spielverpackung finden wir neben der Anleitung ein Geschichtenbuch, viele bebilderte Tierkarten, Textkarten für insgesamt zehn Geschichten , einen Spielplan und in sechs Farben je einen Wertungsmarker und sechs Abstimmplättchen. Gemeinsam wählen wir eine Geschichte aus. Der Text jeder Geschichte ist in der Regel auf sieben Karten aufgeteilt. Auf jeder Karte tritt dabei ein neuer Charakter in Erscheinung, der durch eine hervorgehobene Schriftart kenntlich gemacht wird.
Eine Person liest nun die erste Karte laut vor. Die Mitspielenden wählen im Geheimen eine ihrer Tierkarten aus, welche ihrer Meinung nach als beste zum Hauptcharakter der vorgelesenen Karte passt. So wird beispielsweise zunächst ein “cleveres Mädchen” erwähnt. Alle Mitspielenden wählen nun also das Tier aus ihren Handkarten aus, welches das Mädchen darstellen soll und legen die Karte verdeckt in die Tischmitte. Die Karten aller Mitspielenden werden dann gemischt und für alle sichtbar aufgedeckt. Mit Abstimmplättchen dürfen nun alle für ein Tier (außer ihr eigenes) stimmen. Dabei gibt es nicht richtig oder falsch, alle dürfen frei nach Bauchgefühl ein Tier wählen. Es kann ein Tier gewinnen, welches besonders gut passt (als listiger Begleiter kann z.B. ein Fuchs überzeugen). Genauso kann es aber auch möglich sein, dass die Mehrheit der Mitspielenden für ein besonders lustiges, abwegiges Tier stimmt (z.B. einen Elefanten als Ursache für ein leise Rascheln im Blätterhaufen eines Waldes).

Das Tier mit den meisten Stimmen wird dann zusammen mit der entsprechenden Geschichtenkarte in die Folien auf der ersten Buchseite geschoben und übernimmt in der fortlaufenden Geschichte die Rolle des Charakters. Zudem gibt es Punkte zu verteilen: alle Mispielenden bekommen so viele Punkte, wie ihre Tierkarte stimmen erhalten hat. Zudem bekommt man einen Sonderpunkt wenn man selbst auf das Tier getippt hat, welches letztendlich die Abstimmung gewonnen hat.
So spielt man Karte für Karte, bis die Geschichte zu Ende erzählt und jeder darin vorkommenden Person ein Tier zugewiesen wurde. Wer dann die meisten Punkte gesammelt hat, gewinnt das Spiel. Da zum Ende das Geschichtenbuch sowohl mit den Text- als auch den Tierkarten bestückt ist, lädt dieses ein, bis zum Start der nächsten Runde darin zu schmökern und sich gemeinsam nochmal an die tierischen Helden und deren Abenteuer zu erinnern.
Bei zwei der zehn Geschichten gibt es zudem eine Verzweigung der Handlung, bei der die Mitspielenden abstimmen können, wie sich eine Figur entscheiden soll. Auf die Punkte hat diese Wahl jedoch keinen Einfuss. Der Vollständigkeit halber möchte ich darauf hinweisen, dass das Regelheft zudem Varianten für zwei Spieler und jüngere Mitspielende, sowie einen kooperativen Modus vorsieht.
Fazit
Fabelwelten ist ein schönes, leicht zugängliches Spiel mit tollem, hübsch illustrierten Material. Lediglich die dünnen Kartenhalterfolien im Geschichtenbuch können, gerade wenn die Kleinsten das Buch nochmals durchschauen, schnell leiden. Das Spiel richtet sich der Altersangabe entsprechend vor allem an Familien mit jüngeren Kindern die allein am betrachten der schönen Tierkarten ihre Freude haben werden.
Die Geschichten haben eine Länge, die sowohl gut auf das Alter der Zielgruppe wie auch die Rundenlänge des Spiels abgestimmt ist. Sie sind dabei sehr abwechslungsreich und gut nachvollziehbar. Manchmal hat man jedoch (zumindest als Erwachsener) das Gefühl, dass die Handlung etwas darunter leidet, dass pro Karte zwingend ein neuer Charakter erscheinen muss und daher auf Masse der Tiere statt auf Feinschliff der Story gesetzt wird. Den Kindern in unserer Testrunde schien dies nicht so wichtig zu sein – stattdessen rückte oft die Geschichte zu Gunsten der Begeisterung über die toll gezeichneten Tiere in den Hintergrund.
Daher ist das Spiel nicht zwingend uninteressant, wenn alle der zehn Geschichten erzählt sind und nochmals mit anderen Tieren bevölkert werden. Vor allem bei den etwas älteren Kindern ließ bei uns dann jedoch das Interesse nach. Eine inzwischen erschienene Erweiterung mit 30 neuen Tierkarten und sechs neuen Geschichten mag hier zeitweise Abhilfe schaffen.
Fabelwelten erfindet das Rad nicht neu und für ältere mitspielende Kinder mögen vergleichbare Spiele interessanter sein, bei denen neben den Personen auch Orte, Gegenstände oder Handlungen ersetzt werden und die Geschichte sich so freier und kreativer (aber dadurch natürlich auch mal unlogischer) entwickeln kann. Für die entsprechende Altersgruppe überzeugt Fabelwelten jedoch vollends durch einfache Regeln, und wunderschöne, phantasievolle Gestaltung und kann als Familienspiel uneingeschränkt empfohlen werden.
Bewertung / Test
+ Wunderschön gestaltet
+ Leichter Zugang
+ Für die Zielgruppe optimal geeignet
– Wiederspielreiz vor allem mit älteren Mitspielenden nur bedingt vorhanden
(Eine Rezension von Jörg Hübner)
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Fabelwelten (2021)
Spielidee: Marie Fort, Wilfried Fort
Grafik: Irina Pechenkina, Eugene Smolenceva
Verlag: Asmodee
Anzahl der Spielenden: 2-6
Altersempfehlung Verlag: 5+
Eigene Altersempfehlung: 4+
Spieldauer: 20-30 Minuten
Generationentauglichkeit: Ja, gemeinsames Geschichten erzählen
Pädagogisch wertvoll: Regt Phantasie an, macht Lust auf Geschichten erzählen, Lesen, …