Im Einsatz für den Regenwald – Mission Amazonia von Verein Analoges Spielen & Lernen (Rezension)

Mission Amazonia | Familienspiel | ab 10 Jahren | 2-4 Personen | Markus Lehmann | kooperativ | Verein Analoges Spielen & Lernen | generationentauglich

FOTO vom Spiel und dem bunten Spielmaterial

Es gibt Spiele, die ploppen plötzlich überall auf. YouTube, Instagram, Spieltische, Top-Listen. Und dann gibt es andere: still erschienen, kaum besprochen, irgendwo zwischen Crowdfunding und Idealismus versickert – und genau da sitzt Mission Amazonia. Und das ist ehrlich gesagt fast schon ein kleines Drama, denn dieses Spiel hätte deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient.

Mission Amazonia stammt vom Verein Analoges Spielen & Lernen, erdacht von Markus Lehmann, und wurde über die Spiele-Schmiede crowdfinanziert. Kein großer Verlag, kein Marketing-Feuerwerk, kein „Jetzt neu bei allen Influencern“. eher ein Spiel mit Haltung, Thema – und überraschend viel spielerischer Wucht, das weit unter dem Radar läuft. Wir haben es mit vier Personen gespielt und eigentlich wollten wir „nur mal reinschauen“. Vier Kapitel später saßen wir immer noch am Tisch. Müde? Ja. Genervt? Kein bisschen. Im Gegenteil: Wir wollten einfach nicht aufhören.

Thematisch sind wir mitten im Amazonas. Jedoch nicht in der romantisierten Postkarten-Version, sondern in der harten Realität: Abholzung, Wilderei, vergiftete Flüsse, Artensterben. Wir sind ein Team von Regenwaldschützer:innen, das von verschiedenen Hauptquartieren aus Missionen erfüllt – nördlich und südlich des Amazonas. Und diese Missionen erzählen ganz konkret, was da gerade schiefläuft. Das Spiel macht dabei nie den Zeigefinger hoch, aber es lässt auch nichts weichzeichnen. Man spürt ziemlich schnell: Das hier ist kein Fantasiesetting, das ist erschreckend nah an der Realität.

Spielerisch ist Mission Amazonia ein kooperatives Kampagnenspiel, das sich sehr klar anfühlt. Jede Partie besteht im Kern daraus, dass wir uns über die Karte bewegen, Karten ausspielen, Ressourcen verwalten, Ausrüstung kaufen und versuchen, die jeweils aktuellen Missionsziele zu erfüllen, bevor uns Zeit, Karten oder Optionen ausgehen. Jede Person bringt eigene Fähigkeiten mit, jede Entscheidung wirkt sich auf das ganze Team aus – und wenn jemand irgendwo allein loszieht, merkt man das meistens ziemlich schnell. Kommunikation ist Pflichtprogramm, aber nie nervig, sondern Teil des Spielerlebens.

Was mir besonders gefallen hat: Das Spiel erklärt sich quasi beim Spielen selbst. Die Regeln sind extrem eingängig, sauber strukturiert, und nichts bleibt schwammig. Wir hatten keine einzige Regelfrage. Nicht eine. Und das ist bei einem kooperativen Spiel mit Kampagnenstruktur alles andere als selbstverständlich. Noch schöner: Alles, was wichtig ist, steht genau da, wo man es braucht. Auf den Spielerboards, auf den Übersichtskarten, im Kampagnenbuch. Selbst Menschen mit weniger Spielerfahrung finden sich hier sofort zurecht.

Mechanisch greift hier wirklich alles ineinander. Es spielt sich leicht und fluffig, aber keineswegs banal. Mission Amazonia ist eines dieser Spiele, bei denen man nach dem Zug sagt: „Okay, das war gut… aber hätte ich vielleicht doch lieber…?“ – und genau dieses Gefühl sorgt für Spannung. Wir haben Missionen haarscharf gewonnen, manchmal erst im allerletzten Moment, und genau das macht es so befriedigend. Kein automatisches Durchlaufen, kein „Ach, das klappt schon“, sondern gemeinsames Zittern.

Das Kampagnensystem ist dabei angenehm fair. Die Kapitel bauen aufeinander auf, werden langsam anspruchsvoller, aber nie brutal. Man wächst hinein. Und wenn man ein Kapitel verliert, ist das kein harter Cut, sondern eher ein Schulterklopfen mit den Worten: „Okay, ihr bekommt einen kleinen Bonus – versucht es nochmal.“ Das motiviert. Und weil nichts zerstört oder beklebt wird, ist das Spiel vollständig wiederholbar und kann auch problemlos weitergegeben werden.

Und dann das Material. Ganz ehrlich: Das ist richtig wunderschön. Wertig, stabil, tolle Illustrationen, klare Symbole, nichts wirkt billig oder lieblos. Man merkt dem Spiel an, dass hier nicht gespart wurde. Alles fühlt sich so an, als würde es auch nach vielen Partien noch gut aussehen – und genau so sollte es bei einem Spiel mit diesem Thema auch sein.

Was man vielleicht wissen sollte: Die angegebene Spielzeit von 40–60 Minuten haben wir eher unterschritten. Mit etwas Erfahrung lagen wir eher bei 30–45 Minuten pro Kapitel. Was allerdings auch dazu geführt hat, dass wir eben mehrere Kapitel hintereinander gespielt haben. Das ist kein Spiel, das man nach einer Partie erschöpft weglegt. Das ist eher eins von der Sorte: „Komm, eins geht noch.“

Und ja: Mission Amazonia hat einen klaren Bildungsaspekt. Es geht um Umwelt, Nachhaltigkeit, Zusammenhänge im Ökosystem. Aber – und das ist mir extrem wichtig – es fühlt sich nie wie ein Lernspiel an. Es spielt sich nicht brav, nicht pädagogisch geschniegelt, nicht „für den Unterricht optimiert“. Es spielt sich wie ein richtig gutes kooperatives Brettspiel, das zufällig auch noch ein verdammt relevantes Thema behandelt. Wer bei „Lernspiel“ innerlich schon abschaltet, sollte hier dringend umdenken.

Spielaufbau Kapitel 1


Fazit
Mission Amazonia ist für mich ein viel zu wenig beachtetes kooperatives Kampagnenspiel, das spielerisch wie thematisch überzeugt. Es ist leicht zugänglich, spannend bis zum Schluss, wunderschön produziert und inhaltlich stark verankert. Wer kooperative Spiele mag, wer gern gemeinsam knobelt, plant und auch mal knapp gewinnt, bekommt hier ein echtes Highlight. Und ganz nebenbei erzählt das Spiel eine Geschichte, die man nicht so schnell wieder vergisst. Ein leiser Titel – aber einer mit ordentlich Wucht.

 

Bewertung / Test
+ extrem eingängige Regeln, keinerlei Regelfragen
+ spannendes, oft knappes kooperatives Gameplay
+ starke Kampagne mit sanfter Lernkurve
+ hochwertiges, schönes Material
+ wichtiges Thema, ohne belehrend zu sein

(Eine Rezension von Petra Fuchs)

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TRANSPARENZHINWEIS
Für stilistische Überarbeitungsschritte sowie das Lektorat kam nach Erstellung der Rohfassung KI-Unterstützung zum Einsatz. Die Rezension, ihre Argumentation und alle Bewertungen sind eigenständig verfasst.

Mission Amazonia (2025)

Spielidee: Markus Lehmann
Illustrationen: Victor Sales
Verlag: Verein Analoges Spielen & Lernen
Anzahl der Spielenden: 2–4
Altersempfehlung Verlag: ab 10 Jahren
Spieldauer (Verlag): 40–60 Minuten
Eigene Spieldauer: 30–45 Minuten (erfahrene Runde)

Generationentauglichkeit: sehr gut – kooperativ, klar strukturiert, gutes Material, keine Hektik.
Pädagogisch wertvoll: ja – sensibilisiert für Regenwaldschutz, Artensterben und Zusammenhänge, ohne den Spielspaß zu opfern.