Mysterium Park | kooperatives Deduktionsspiel | ab 10 Jahren | 2 bis 6 Spielende | Oleksandr Nevskiy und Oleg Sidorenko | Libellud | generationentauglich | pädagogisch wertvoll
Als begabte Spiritisten ist es uns möglich, Visionen zu empfangen. Da die Direktorin eines Jahrmarktes verschwunden ist, machen wir uns auf den Weg in den Mysterium Park um die Visionen des Geistes zu empfangen und das Verschwinden aufzuklären. Der Jahrmarkt ist jedoch nur 6 Nächte vor Ort und die Zeit drängt – also starten wir am besten gleich und ohne Vorrede mit den ungewöhnlichen Ermittlungen …

Das Spiel
Mysterium Park ist ein kooperatives Deduktionsspiel von Oleksandr Nevskiy und Oleg Sidorenko und bei Libellud erschienen. Es ist für 2-6 Spielende geeignet und kann ab 10 Jahren gespielt werden.
Es ist mal wieder soweit, der Jahrmarkt gastiert vor den Toren der Stadt. Eine Person übernimmt die Rolle des Geistes, denn es gilt, das Verschwinden der Direktorin des Jahrmarktes aufzuklären. Dabei wird ähnlich wie im Film „Ghost: Nachricht von Sam“ nicht direkt gesprochen oder geschrieben und leider kann uns auch Whoopi Goldberg nicht helfen. Mittels bunter Visionen, die den Motivkarten aus dem Spiel „Dixit“ ähneln, werden Hinweise auf die 9 Verdächtigen und später die 9 möglichen Tatorte gegeben. Die Aufgabe eines jeden einzelnen Spiritisten ist es nun, die Visionen zu deuten und dabei die unschuldigen Personen und später eben auch die Orte zu identifizieren, die nicht als Tatorte in Frage kommen. Klingt simpel? Hat es jedoch in sich!
Genau wie sich unsere bevorzugten Wahrnehmungskanäle unterscheiden, so deute ich meine Vision vielleicht auf einen gefährlichen Gegenstand, vielleicht als Waffe umfunktioniert und begebe mich auf eine Spur, die vom Geist vielleicht gar nicht beabsichtigt war. So wird das Feld der Verdächtigen Runde für Runde kleiner. Liege ich in Runde 1 vielleicht noch daneben, habe ich in Runde 2 schon die Vision richtig gedeutet. Doch Achtung: Wir haben nur 6 Runden für das gesamte Spiel, bevor eine finale Runde gespielt werden kann!

Im Namen steckt „Mysterium“, die Spieleautoren sind die gleichen – der Verdacht liegt nahe: Es ist „Mysterium“ in abgewandelter Form. In meiner Wahrnehmung in verbesserter Form! Das Spiel „Mysterium Park“ ist kürzer und hat durch einen kompakten Spielplan auch eine viel geringere Aufbauzeit. Zusätzlich kommt das Element eines Zeugen hinzu. Wenn die Person oder der Ort auf der Fläche des Zeugen besetzt wird, so dürfen sich alle Spiritisten nochmal umentscheiden – nicht immer klug und für alle ein bereicherndes Spielelement.
Auch erfrischend abgespeckt ist die Verteilung der gesuchten Karten – in bester Manier des Spiels „Codenames“ wird eine rechteckige Karte mit ihrer langen Kante so positioniert, dass für die Person des Geistes jederzeit ersichtlich ist, welcher Spiritist welche Karte erkennen soll.

Ein wahres Meisterwerk sind wieder die Karten – jede einzelne ist ein echter Hingucker. So viele Details und so viel zu entdecken – oft auch nach vielen Runden kommen neue Dinge zum Vorschein. Das liegt mitunter an den Mitspielenden selbst, die gemäß ihrer persönlichen Wahrnehmung und Vorliebe andere Dinge erkennen als auch schlicht am Betrachtungswinkel der Karte. Die Vielfalt der Details sowohl in den Verdächtigen, als auch in den Orten und erst recht in den Visionskarten ist schier beeindruckend!

Kann ich als Geist trotz der Varianz mal so gar keine passenden Karten finden, so darf ich gegen Bezahlung mit 1 von 3 Tickets meine Kartenhand zum Teil oder vollständig abwerfen und auf 7 Karten wieder auffüllen. Ein Mechanismus, der manchmal für die nötige Luft sorgt und mit 3x pro Spiel genau richtig dosiert ist. Stichwort Kartenhand: da sich lediglich die Spiritisten unterhalten und die den Geist verkörpernde Person das lediglich hören, allerdings nicht antworten kann, ist es ein Spiel, das mit der Runde der spielenden Personen wunderbar mitskaliert.
Es sind keine komplizierten oder kleingedruckten Texte zu lesen, nichts zu schreiben und bei einer Kartengröße die dem üblichen Tarotkartenformat entspricht, ist hier wirklich für jedes Alter der Spielspaß garantiert. Die großen Bilder laden dabei besonders zum Eintauchen ein und nicht selten enden Spielrunden von „Mysterium Park“ mit neuen Spielenden mit der Frage ob wir denn nicht mal die anderen Karten alle durchschauen dürfen.

Ein Spiel wie „Mysterium Park“, das mir soviel Freude bereitet, das halte ich gern in den Händen und nehme es überall mit hin, wo gespielt wird. Ich präsentiere jetzt noch die Kirsche auf der Torte: In einer Schachtel, angenehm klein im Format wie Codenames, Just One oder So Kleever, wird kein Millimeter Platz verschenkt. Mit einem in der Verkaufsversion enthaltenem Sortiereinsatz hat alles den nötigen Platz bekommen und wird nach oben durch den Spielplan abgeschlossen – das Spiel steht aufrecht und nichts verrutscht.
Ich fasse zusammen: Zauberhafte Illustration, ein toller Spielmechanismus, ein leichter Spieleinstieg, hohe Varianz und Spielmaterial in bestechender Qualität – was könnte ich noch wollen? Richtig – endlich das Verschwinden der Direktorin aufklären! Wer hilft mir dabei? Ich nehme euch alle mit auf den Jahrmarkt – ihr werdet es nicht bereuen!
Fazit
Es ist eine ganze Weile her, da rieten mir Bekannte ich solle das Spiel des Jahres 2016 „Codenames“ doch mal mit Karten aus dem Spiel des Jahres 2010 „Dixit“ spielen. Was sich damals noch etwas ungerichtet anfühlte und auch recht wenig thematisch war, erhielt durch „Codenames Pictures“ bereits wieder den unverkennbaren Codenames-Charakter. „Mysterium“ kannte ich bereits und empfand es als ziemlich mächtig auf dem Tisch. Es dauerte hin und wieder viel länger als geplant. Dann kam mir 2021 „Mysterium Park“ eher zufällig über den Weg gelaufen und ich fand, was ich schon seit längerem suchte!
Die Spieldauer ist mit durchschnittlich 30 Minuten recht kurz und überschaubar. Der Einstieg fällt auch nicht zuletzt dank fehlender Tatwaffen bereits jüngeren Spielenden leicht. Schön hierbei ist die Beobachtung, dass eine Gruppe sich „einspielt“ weil die Denkweise sich im Laufe einer Ermittlung angleichen kann. Als Freund thematischer Spiele passt für mich hierzu die Szenerie eines Jahrmarktes mit Gauklern, Hellsehern und Artisten hervorragend.
Generationenübergreifendes Spiel ist aus meiner Erfahrung mit „Mysterium Park“ möglich, allerdings gilt hier besonders das Spielen mehrerer Partien. In den ersten Teilnahmen als Spiritisten oder eben auch als Geist ist die Farb- und Gegenstandsvielfalt der Visionskarten schlicht überwältigend. Das tolle Spielmaterial, die liebevoll gestalteten Karten und das Spielgefühl lassen bei einer oder mehreren Partien von „Mysterium Park“ die Zeit nur so verfliegen und was gibt es beim Spielen schon Schöneres? Probiere es einfach aus!
Bewertung / Test
+ Tolles Spielmaterial, wunderschön illustriert und clever in kleiner Schachtel verstaut
+ Gruppendynamik bei jeder Partie ein bisschen anders
+ Ins Thema gut eingebettetes Spiel, das auch jüngeren Personen einen besseren Einstieg ermöglicht
+/- Anfangs schier überbordende Vielfalt an Informationen
(Eine Rezension von Tobias Mallock)

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Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Familienspiele”
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... Altersgruppe bis 12 Jahre
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... Altersgruppe 13 bis 49 Jahre
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... Altergruppe 50 bis 70 Jahre
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... Altersgruppe ab 71 Jahre
Mysterium Park (2020)
Spielidee: Oleksandr Nevskiy und Oleg Sidorenko
Grafik: Xavier Collette, M81 Studio
Verlag: Libellud
Anzahl der Spielenden: 2 – 6 Personen
Altersempfehlung Verlag: Ab 10 Jahren
Eigene Altersempfehlung: Ab 8 Jahren
Spieldauer: 30 – 45 Minuten
Generationentauglichkeit: Spielspaß für Jung und Alt ist garantiert und wird umso größer, je öfter man dieses Spiel spielt.