Anime und Manga auf Beutejagd – Shadow Rivals von Moaideas Game Design (Rezension)

Shadow Rivals | Familienspiel für Kenner | ab 12 Jahren | 2 bis 5 Spielende | Halifa | Moaideas Game Design

Es gibt diese Momente im Leben in denen wir von Liebe auf den 2. Blick sprechen. Oder es ist diese Party, auf die wir eigentlich anfangs keine Lust hatten und dann eine tolle Zeit verbrachten. Filme aus dem Manga- und Animeuniversum lockten mich bisher nicht allzu sehr. Dementsprechend schwer war für mich der Zugang zu Shadow Rivals, noch dazu eine Anleitung mit chinesischen Schriftzeichen und einer englischen Übersetzung. Was das mit Liebe auf den 2. Blick zu tun haben könnte? Finde es im folgenden kurzen Text heraus.

Spielaufbau für 2 Personen. Es wird bunt!
Bunt und farbenfroh versetzt uns Shadow Rivals in einen Themenmix aus Der Clou und Manga/Anime

 

Das Spiel
Shadow Rivals
ist ein Familienspiel für Kenner von Halifa und bei Moaideas Game Design erschienen. Es ist für 2-5 Spielende geeignet und kann ab 12 Jahren gespielt werden.

Der Ablauf des Spiels ist schnell erklärt: Jede Person hält ein Team aus insgesamt 8 Diebinnen, von denen 3 verfügbar sind, als Handkarten auf der Hand. Reihum schicken wir diese Diebinnen in die zur Verfügung stehenden Villen um dort Diebesgut einzusacken und/oder eine Spezialaktion der Karte durchzuführen. Diese Aktionen haben verschiedene Auswirkungen – mal helfen sie mir, mal hindern sie meine Mitspielenden daran, etwas zu tun.

Es gibt Charaktere, die einen Soforteffekt haben, andere wiederum einen Effekt bei der Wertung der Villa und dann auch noch die, die lediglich als hoher Präsenz- oder Einflusswert zählen. Denn wann immer eines der Anwesen zu viele Personen mit Präsenzwert beherbergt, wird in bester Mehrheitenmanier aufgelöst. Die Person mit dem höchsten Einflusswert erhält die meisten Siegpunkte – durch Plättchen mit Geldscheinen dargestellt. Dann werden die einzelnen Effekte abgehandelt und so manches sicher geglaubte Diebesgut verschwindet wieder.

3 Diebinnen im typischen Manga/Animestil dargestellt.
3 der 8 Diebinnen des Startdecks mit viel Ikonographie – die kleinen Übersichtskarten sind randvoll mit Legenden bedruckt!

 

Nach einer festgelegten Anzahl von ausgeraubten Anwesen endet das Spiel sofort – im Spiel zu zweit zum Beispiel nach dem 6. Gebäude. Dann werden die durch Mehrheiten gewonnenen Siegpunkte gezählt und das Diebesgut ausgewertet. Darunter können sich Bilder, Schmuck und Diamanten befinden – je nach Art gibt es einen Set- oder Mehrheitsbonus. Am Ende gewinnt die Person mit den meisten Punkten.

So unübersichtlich es anfangs auch wirkt, so schnell bin ich im Spiel drin. Mal erwische ich mich dabei, wie ich hilflos mitansehen muss, dass ich bei einem Anwesen beinahe leer ausgehe und sogar mein Diebesgut abgeben muss. Zwei Züge später bin ich die Person, die mit der passenden Karte den Präsenzwert des Anwesens erreicht und mit den meisten Einflusspunkten die fette Beute abgreift. Das Ziehen der Beuteplättchen geschieht verdeckt und ist nicht zu unterschätzen – die Setpunkte am Spielende machen den Unterschied!

Szene aus dem Spiel: Diebeskarten wurden an die verschiedenen Villen gespielt - jetzt wird aufgelöst.
Hier wird klar weshalb „Area Majority“ – wessen Diebinnen die meisten Einflusspunkte (erkennbar an den kleinen Stoppuhren oben rechts auf der Karte) erzielen erhält die meisten Punkte am Ort.

 

Während ich mit den Illustrationen der Anwesen und der Plättchen gut spielen und mitgehen kann sind die 8 Charakterkarten samt Aufwertungen dann doch nicht mein Geschmack. Eine Ikonographie, die ich mit keinem bisher gespielten Spiel vergleichen kann, lerne ich zwar im Laufe der Spiele zu lesen und zu verstehen und dennoch wirkt sie sehr mathematisch, beinahe zu sehr. Dazu im Kontrast stehen die schillernd bunten und in bester Manier des Genres illustrierten Damen.

An netten Details fehlt es wahrlich nicht und so bin auch ich für einen Moment bei Usagi Tsukino aus der Serie Sailor Moon oder Mila Ayuhara aus der der gleichnamigen Serie Mila Superstar. Es fühlt sich für mich wie 2 oder 3 verschiedene Welten an: Die Villen und die Plättchen, die Formeln gleichender Ikonographie und die bunt illustrierten Diebinnen. Jedes für sich stimmig und auch irgendwie passend und schön, doch zusammen trägt es so zum anfänglich überladenen Eindruck bei, den ich bis zum Schluss nicht so richtig los werde.

Links im Bild eine aufgewertete Karte mit Glitzereffekt, rechts die Standardversion im Vergleich.
Die Standardkarte rechts kann mit Erfahrung im Einbruch zu einer verbesserten Version aufgewertet werden. Hübsch und mit glitzereffekt steht diese verbesserte Version dann zur einmaligen Nutzung zur Verfügung

 

Ein Umstand, der zu vernachlässigen sein mag. Denn bin ich einmal mitten im Spielgeschehen drin, dann sind die Symbole das wirklich spielentscheidende Kriterium. Die Karte beachte ich dann allenfalls beim auf die Hand nehmen oder beim Ausspielen. Fast schon unnötig zu erwähnen: Wie geht eine Aufwertung einer Karte zu einer mächtigeren Version? Genau mit anderen Farben und Glitzer. Das ist tatsächlich so ein schöner Effekt und erinnert beinahe an die Zeit eines Sammelkartenspiels.

Plättchen mit Diebesgut aufgedeckt. Es gibt Bilder, Diamanten und Antiquitäten.
Das Diebesgut – am Ende gibt es Punkte für die einzelnen Sammlungen.

 

Zusammenfassend habe ich beim Testen des Spiels und beim Verfassen dieser Rezension wieder einiges über mich gelernt und schließe hier mit folgenden Fragen, die jeder Person eine andere Antwort entlocken werden:

  • Wann habe ich zuletzt so viele Assoziationen zu anderen Titeln beim Spielen eines Spiels gehabt?
  • Wann hat mich ein Spiel, das mich anfangs überhaupt nicht gelockt hat, gut unterhalten?
  • Was macht ein gutes Spiel aus?

 

Fazit

Um es vorweg zu nehmen und beim aufmerksamen Lesen vermutlich längst klar geworden: Liebe auf den 2. Blick ist „Shadow Rivals“ für mich nicht. Es hat mir jedoch mindestens soviel Spaß gemacht wie diese eingangs beschriebene Party an dem Abend an dem ich eigentlich vorhatte daheim zu bleiben. Ich bin nicht unter den letzten Gästen im Morgengrauen anzutreffen, ich gehöre zu denen, die bereits eine Menge Spaß im Laufe des Abends bei Gesprächen mit anderen Menschen hatten. Menschen die teilweise andere Modelle der Welt haben und deren Begeisterung spürbar war. Vor allem waren es Menschen, die genau wie ich, gerne spielen!

Zurück aus der Metapher zu „Shadow Rivals“! Es ist ein Spiel für ein ausgewähltes Publikum, zumal es keine deutsche Version gibt. Die kleinen Symbole eignen sich nicht für generationenübergreifendes Spielen, daran ändert auch die beidseitig mit einer Legende bedruckte Karte nichts. Der Mechanismus ist durchaus spannend und findet sich zum Beispiel auch im recht aktuellen Titel „Caper Europe“ in einer etwas abgewandelten Form. Wer sich also vom recht überladenen Erscheinungsbild nicht abschrecken lässt oder wer genau diesen Stil mag, der darf sich „Shadow Rivals“ gern näher anschauen und mir unbedingt eine Rückmeldung geben – ich bin gespannt!

 

 

Bewertung / Test
+ Schöner Mechanismus eines Area Control / Area Majority
+ Liebevolle Gestaltung der Karten
+/- Ikonographie sehr mathematischen Formeln gleichend
+/- Stilbruch zwischen Ikonographie und Illustrationen
– Insgesamt optisch überladen, weniger wäre vermutlich besser

 

(Eine Rezension von Tobias Mallock)

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Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Familienspiele”

  • ... Altersgruppe 12 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 70 Jahre
  • ... Altersgruppe ab 71 Jahre

Shadow Rivals (2019)

Spielidee: Halifa
Grafik: AT2
Verlag: Moaideas Game Design
Anzahl der Spielenden: Personen
Altersempfehlung Verlag: Ab 12 Jahren
Eigene Altersempfehlung: Ab 10 Jahren
Spieldauer: 30 – 40 Minuten

Generationentauglichkeit: Ziemlich viele kleine Symbole, eine (bislang) nicht in deutscher Sprache vorhandene Anleitung – ungünstige Voraussetzungen für generationenübergreifenden Spielspaß!