Zehn Tage Ruhm am Stück – Tales of Glory von Board Game Box (Rezension)

Tales of Glory | Familienspiel | ab 10 Jahren | 2-5 Personen | Romain Chastan | kooperativ | Ankama / Board Game Box | generationentauglich

Bild von Spielkarton und Material

Mit einem Schwert, einem Schild, ein paar Münzen und zwei, drei fragwürdigen Zaubertränken stapfen wir in Tales of Glory los, um „Ruhmreichste:r Held:in aller Zeiten“ zu werden. Das Regelheft verspricht uns zehn Tage voller Abenteuer, Monsterklatschen, Schatzsuchen und Begegnungen mit zwielichtigen Gestalten – und genau so spielt es sich auch: wie eine kleine Helden-Biografie in Plättchenform.

Auf dem Tisch wirkt alles erstmal harmlos: ein zentrales Auslagetableau, jeder erhält ein eigenes Heldenplättchen, daneben stapeln sich Marker für Gold, Tränke, Kampf, Magie, Schlüssel und Prestige. Die Abenteuerplättchen sind dick, stabil und wunderschön illustriert – jedes erzählt eine eigene Mini-Geschichte. Man merkt sofort: Hier wird nicht nur irgendwas hingelegt, hier entsteht eine Abenteuertafel, die man sich am Ende gern anschaut.

Das Herz sind die zehn Runden: Wir wählen gleichzeitig ein Plättchen, decken auf, hoffen, dass es uns niemand wegschnappt – und wenn doch, greifen wir zu einer Alternative. Überraschend angenehm: Auch die „Notlösung“ fühlt sich selten schlecht an. Fast jedes Plättchen bietet etwas Sinnvolles – Ressourcen, Schlüssel, Punkte oder eine clevere Verbindung.

Besonders schön ist die Vielfalt der Plättchentypen:

  • Monster wollen Kampf- und Magiewerte sehen und spucken dafür Prestige aus.

  • Orte geben ihre Belohnung erst, wenn etwas Bestimmtes daneben liegt – kleine taktische Bomben.

  • Schätze füttern die Engine mit Gold, Tränken und Truhen.

  • Charaktere liefern Verstärkungen oder Endspielboni.

Damit wird Tales of Glory zu mehr als einem Legespiel – es ist ein richtig schönes Ressourcenmanagement-Abenteuer im Mantel einer Fantasy-Geschichte. Man plant, sammelt, puzzelt, improvisiert und hofft, dass das richtige Monster oder der passende Ort auftaucht, bevor jemand anderes zugreift.

Dazu kommt die Puzzleebene beim Anlegen:
Verbindungskanten müssen passen, Schlüsselhälften wollen vereint werden, Orte bevorzugen bestimmte Nachbarn – und ehe man sich versieht, entwickelt man eine richtige Plättchenstrategie, ohne dass das Spiel einen überfordert.

Trotz simultaner Auswahl bleibt das Spielgefühl entspannt. Selbst wenn ein Plättchen verschwindet, findet sich fast immer ein sinnvoller Plan B. Die Mischung aus Glück, Taktik und Flexibilität stimmt – der Frust bleibt erstaunlich niedrig.

Die Komplexität liegt angenehm im Bereich „gehoben, aber nicht sperrig“. Nach ein, zwei Partien versteht man die Symbole und Synergien und beginnt, gezielt Strategien auszuprobieren: Monsterfokus, Ortskombos, Schlüssel-Engines, Charaktervielfalt … Auch die Auftragsplättchen für erfahrene Runden bringen noch einmal Würze hinein.

Kleine Kritik: Die vielen kleinen Marker sind wirklich fitzelig. Dafür entschädigt das sehr gute Inlay, das Ordnung hält und den Aufbau erleichtert.

Unterm Strich ist Tales of Glory eines dieser Spiele, die man schnell unterschätzt: Von außen „ein Legespiel“, am Tisch dann aber erstaunlich reich an Entscheidungen und voller kleiner Geschichten. Man baut wirklich eine persönliche Heldenreise in zehn Zügen.

Bild vom Spielaufbau


Fazit
Tales of Glory ist ein wunderbar verzahntes Abenteuer-Legespiel, das deutlich mehr bietet als „Plättchen hinlegen und Punkte kassieren“. Die verschiedenen Plättchentypen, das Ressourcenmanagement, die Schlüsselmechanik und die Synergien machen das Spiel tief, abwechslungsreich und thematisch stimmig – ohne je anstrengend zu werden.
Wer ein atmosphärisches, eher gehobenes Familienspiel sucht, das in zehn knackigen Runden eine richtige Heldenstoryerzählt, liegt hier goldrichtig. Wer dagegen Mechanik-Revolution erwartet, bekommt eher ein sehr solides, rundes Gesamtpaket.
Uns hat Tales of Glory einfach richtig, richtig Spaß gemacht.

 

Bewertung / Test
+ abwechslungsreiche Plättchentypen
+ cleveres Zusammenspiel aus Legespiel und Ressourcenmanagement
+ sehr geringe Frustmomente trotz simultaner Auswahl
+ schneller Einstieg, gute Lernkurve
+ stimmiges Fantasy-Thema
+ sehr schönes Inlay
– Marker teils sehr klein
– für reine Wohlfühl-Legespiel-Fans zu viel Tüftelei

(Eine Rezension von Petra Fuchs)

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TRANSPARENZHINWEIS
Für stilistische Überarbeitungsschritte sowie das Lektorat kam nach Erstellung der Rohfassung KI-Tools zum Einsatz.
Die Rezension, ihre Argumentation und alle Bewertungen sind eigenständig verfasst.

Tales of Glory (2018)

Spielidee: Romain Chastan
Illustrationen: Miguel Coimbra
Verlag: Ankama / Board Game Box
Anzahl der Spielenden: 2–5 Personen
Altersempfehlung Verlag: ab 10 Jahren
Spieldauer: ca. 30–45 Minuten

Generationentauglichkeit: Eher nicht, das Material ist teils schon sehr klein, fitzelig und Symbole nicht so einfach zu erkennen.