Elemente: Ein Spiel über das Periodensystem | Familienspiel | ab 14 Jahren | 2 bis 5 Spielende | John J. Coveyou und Paul Salomon | Schwerkraft| pädagogisch wertvoll
Vielen von euch geht es wahrscheinlich so wie mir: Die Erinnerung an das Periodensystem der Elemente ist immer noch ein Buch mit sieben Siegeln aus der eigenen Schulzeit. Zu viele Buchstaben und Zahlen in einer scheinbaren Chaos-Tabelle. Da widmete ich meine Energie lieber den Brettspielen und fürchtete mich stattdessen vor jedem Chemietest. Für so Typen wie mich gibt es jetzt aber die Gelegenheit, Wissenslücken und Leidenschaft zu kombinieren. Heraus kommt ein Familienspiel mit einem viel zu langen Brettspieltitel.

Das Spiel
Elemente: Ein Spiel über das Periodensystem ist ein Familienspiel von John J. Coveyou und Paul Salomon und bei Schwerkraft erschienen. Es ist für 2-5 Spielende geeignet und kann ab 14 Jahren gespielt werden.
Und deswegen nenne ich „Elemente: Ein Spiel über das Periodensystem“ im weiteren Verlauf dieser Vorstellung auch nur noch ‚Bor + Sauerstoff + Germanium + Stickstoff‘, oder chemisch ausgedrückt ‚BOGeN‘. In ‚BOGeN‘ flitzen wir kreuz und quer über das Periodensystem, erforschen Elemente und sammeln Siegpunkte ein. Wer davon am Schluss die meisten gesammelt hat, gewinnt.
Das Material in der Schachtel ist so ganz anders, als die Erinnerung an mein Chemiebuch. In ‚BOGeN‘ ist alles quietschbunt, aus Holz oder Pappe und sieht einfach klasse aus. In welchem Spiel kann man schon pink UND lila als Spielfarbe wählen? Ins Auge fallen auch direkt die Holz-Mikroskope und Erlenmeyerkolben, die an die Spielenden ausgeteilt werden.

Letztlich muss man bei ‚BOGeN‘ gut planen können. Es liegen Auftragskarten aus, die zwei bis drei unterschiedliche Elemente zeigen. Die werden dann auf dem Periodensystem mit knuffigen Elektronensteinchen markiert. Erreicht man mit dem eigenen Erlenmeyerkolben eines dieser Elemente, legt man ein Spielsteinchen der eigenen Farbe auf die Auftragskarte. Hat man vor den anderen alle geforderten Elemente gesammelt, ist der Auftrag erfüllt. Das bringt Siegpunkte für die Abrechnung. Außerdem darf man sich einen Bonus aussuchen, der im Verlauf der Partie eingesetzt werden kann.

Wie alles in der Chemie unterliegt natürlich auch die Bewegung auf dem Periodensystem den Gesetzen der Natur. So hat man leider immer nur eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten. Die fünf unterschiedlichen Bewegungsmöglichkeiten nennt das Spiel Trends. Das ist möglicherweise wieder einer der Begriffe, die ich mir im Chemieunterricht nicht gemerkt habe. Trends lassen für meinen Erlenmeyerkolben Bewegungen nur in maximal zwei Richtungen zu. So geht etwa links und unten oder oben und rechts.
Dann kann ich entsprechend 1-5 Schritte in die entsprechende Richtungen machen. Ein bisschen schwierig ist die Mechanik umzusetzen, wenn man um den Tisch verteilt sitzt und den Spielplan auf dem Kopf sieht. Dann ist Perspektive und Zugrichtung nämlich spiegelverkehrt. Also ob das Leben mit Links-Rechts-Schwäche nicht schon schwer genug wäre. Stoppe ich zum Ende meiner Bewegung aber auf einem Element mit Elektronensteinchen, gilt dieses als erforscht.

Um einen Trend zu aktivieren, brauche ich Energie. Die wird im Spiel als runde Pappmarker dargestellt. Solange ich ausreichend Energie habe, kann ich auch mehrere Trends nacheinander ausführen, um mehrere Elemente zu erreichen. Energie geht aber schnell aus. Dann muss ich mir erst wieder welche organisieren.
Schnell entsteht in ‚BOGeN‘ eine Dynamik aus effizienter Bewegungsplanung, Energiemanagement und Siegpunkt-Strategie. Manchmal ist es auch sehr sinnvoll, seinen Zug auf einer bestimmten Elementgruppe zu beenden, ohne vielleicht ein Element zu erforschen. Dann darf man aber auf der Wissenschaftsleiste voranschreiten, die zum Ende zusätzlich zu den Aufträgen weitere Siegpunkte bringt. Außerdem haben alle auch noch eine geheime Agendakarte, die am Schluss Punkte abwerfen kann.

Fazit
„Elemente: Ein Spiel über das Periodensystem“ ist trotz seiner einfachen Spielregeln und seinem tollen Material kein klassisches Familienspiel. Zum einen sind einzelne Komponenten für Seniorinnen und Senioren wegen der Größe und Lesbarkeit nur bedingt tauglich. Zum anderen kann das Thema potenzielle Spielende abschrecken. Zumindest ließen sich meine Töchter nicht auf eine Runde ein und flohen schnellstens aus dem Spielezimmer. Auch das empfohlene Alter ab 14 Jahren lässt die Jüngsten erst einmal außen vor.
Komisch eigentlich, denn so ein bisschen mehr Durchblick bekommt man schon über das Periodensystem der Elemente: Man lernt sich besser darin zu orientieren. Das kommt ganz unterbewusst, wenn man irgendwie zwischen Natrium und Argon hin und her flitzt. Zum anderen entdeckt man natürlich immer wieder auch Elemente, bei denen man eigentlich dachte, dass es sich um einen Witz handeln könnte, oder kennen Sie Darmstadtium? Zudem setzt ‚BOGeN‘ auf Fachbegriffe der Chemie, wie etwa Atommasse erhöhen oder Ionisierungsenergie, oder gibt uns ein bisschen Überblick über die Nutzung der Elemente im Alltag bei den Auftragskarten. Ein schultaugliches Lernspiel ist „Elemente: Ein Spiel über das Periodensystem“ sicher nicht, und will es sicher auch nicht sein. Denn beim Spielen steht immer der Spielspaß im Vordergrund. Und dennoch erhält es von uns das Prädikat ‚pädagogisch wertvoll‚.
Bewertung / Test
+ tolles Material
+ einfache Regeln
+/- außergewöhnliches Thema
– Bewegungen können schwierig werden, wenn man den Spielplan auf dem Kopf sieht.
(Eine Rezension von Oli Clemens)
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Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)
Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Familienspiel”
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... Altersgruppe 13 bis 49 Jahre
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... Altergruppe 50 bis 70 Jahre
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... Altersgruppe ab 71 Jahre
Elemente: Ein Spiel über das Periodensystem (2019)
Spielidee: John J. Coveyou und Paul Salomon
Grafik: Tomasz Bogusz
Verlag: Schwerkraft
Anzahl der Spielenden: 2-5 Personen
Altersempfehlung Verlag: Ab 14 Jahren
Eigene Altersempfehlung: Geht wahrscheiblich auch schon jünger, was Spielmechaniken und Regeln betrifft
Spieldauer:40 – 60 Minuten
Generationentauglichkeit: Da sind schon einige kleine Teile und kleingedruckte Schrift drin, also eher nein.
Pädagogisch wertvoll: Sorgt für mehr Orientierung im dem Periodensystem der Elemente.