Besser als im Louvre – Art Gallery von Piatnik Spiele (Rezension)

Art Gallery | Familienspiel | ab 10 Jahren | 2 bis 6 Spielende | Francesco Frittelli | Piatnik Spiele | generationentauglich | pädagogisch wertvoll

Wie genial wäre das, wenn an einem einzigen Ort 48 der bedeutendsten Gemälde der ganzen Welt hingen? Man bräuchte nur im Kreis zu laufen und könnte die Werke von Monet und Munch nebeneinander bestaunen. Nun, gute Nachrichten für euch, denn das geht in „Art Gallery“.

Art Galleriy brilliert durch seine Ausstattung
Wie ein Tag im Museum

 

Das Spiel
Art Gallery
ist ein Familienspiel von Francesco Frittelli und bei Piatnik Spiele erschienen. Es ist für 2-6 Spielende geeignet und kann ab 10 Jahren gespielt werden.

Während deines Zuges wanderst du auf der Suche nach Siegpunkten entweder durch das Museum, um bei den ausliegenden Bildern deine verdeckten Gebote abzugeben, oder deckst dich mit Gemäldeplättchen im Shop ein. Deine Bewegungen und deine Gebote steuerst du über Aktionskarten aus der Hand. Die haben Werte von 0-8 und alle beginnen mit einem identischen Set. Punkte bekommst du am Ende des Spiels für die Reihe deiner Gemäldekarten und gesammelten Plättchen.

Deine Aktionen steuerst du über deine Handkarten.
Deine Aktionen steuerst du über deine Handkarten.

 

Und damit sind wir auch direkt da angekommen, womit das Familienspiel direkt glänzen kann, nämlich den XXL-Gemäldekarten, die man bei seinem Besuch in der Kunstgalerie sammelt. Dürer, Botticelli, Vermeer, Goya, Renoir – „Art Gallery“ hat sie alle. Und natürlich wäre das Spiel ohne die Mona Lisa nicht komplett. Noch in jeder meiner Partien gab es Gespräche rund um die Bildkarten. Alle fühlen sich irgendwie immer aufgefordert sich selbst (oder anderen) zu beweisen, dass sie ein bestimmtes Bild oder den Maler dahinter kennen. Ja Maler, denn die Welt der Gemälde ist ausschließlich männerdominiert. Um bei Ahnungslosigkeit sich sogar noch ein bisschen Bildung verschaffen zu können, kann man in der Anleitung nachlesen, wie die Gemälde heißen und wer sie gemalt hat.Die Karten sehen nicht nur toll aus, sondern sind auch noch von guter Qualität. Eigentlich könnte man sie sich überall im Haus an die Wand hängen, um sie zu betrachten, aber wir brauchen sie ja zum Spielen.

In Art Gallery darf natürlich auch die Mona Lisa nicht fehlen
Smile for us, Mona.

 

In der Reihenfolge, wie du deine Gemälde bekommst, legst du sie in deine persönliche Auslage nebeneinander. So entstehen Reihen mit durchgängig gleichen Symbolen – zumindest, wenn man geschickt plant. Die jeweils längste ununterbrochene Reihe eines jeden Symbols wertest du zum Schluss. Natürlich hat man immer einen Blick auf die gesammelten Kunstwerke der anderen und um so manche Karte wird ganz schön gerangelt. Genau deswegen empfehle ich euch auch „Art Gallery“ mit mindestens 3 Personen zu spielen, gerne auch mehr. Den modularen Spielplan passt ihr vorher an die Personenzahl an. Passend zu jedem Gemälde gibt es Gemäldeplättchen, die du im Shop bekommen kannst. Ein Plättchen alleine ist schon ein Punkt wert, aber hast du die passende Kombi aus Bild und Plättchen ist sie gleich dreimal wertvoller.

„Art Gallery“ ist ein ungewohnt bestrafendes Spiel. Geht man auf der Suche nach einem Gemälde leer aus, weil man nicht das höchste verdeckte Gebot gemacht hat, geht man wirklich leer aus. Trostpreise gibt es nicht. Und auch im Shop kommt man nicht an jedes verlockende Plättchen, das man sieht, wenn die anderen schneller sind. Diese Interaktion finde ich gelungen, weil man sich doch manchmal um ein besonderes Gemälde kappelt. Vor allem meiner Frau nehme ich die Bilder ihrer Lieblingsmaler gerne weg, ohne dass ich sie vielleicht brauche. Und wer außer mir ‚Der Schrei‘ von Edvard Munch streitig macht, braucht zum nächsten Spieleabend erst gar nicht zu kommen.

Die Spielfiguren warten im Shop darauf Plättchen zu bekommen
Kein Museumsbesuch ohne Abstecher in den Shop

 

Die Karten mit den Symbolen, die eingängigen Regeln und die Spielfiguren sind absolut generationentauglich. Und sogar die Holzwürfelchen, die man anzeigt, wo man bereits in der Galerie war, sind etwas größer als in anderen Spielen. Versucht es also gerne mit Jung und Alt, zumal ja auch sechs Personen miteinander spielen können. Und sprachneutral ist die ganze Sache auch noch.

Interessanterweise gibt es mehrere Wege, auf denen „Art Gallery“ enden kann. Entweder muss der Stapel der Bildkarten vollständig aufgebraucht oder eine Anzahl an Plättchen aus dem Shop verschwunden sein. Am besten gefällt mir persönlich die nachgereichte Regel, dass eine Partie dann endet, wenn eine Person zehn Karten in der eigenen Auslage hat. Diese Zahl reduzieren wir in einem Spiel zu zweit auch gerne auch acht über eine Hausregel. Sonst kann sich eine Partie doch schon lange ziehen.

 

Fazit
„Art Gallery“ ist ein zugängliches Familienspiel für bis zu 6 Personen mit tollem Material, insbesondere den wirklich besonderen Meisterwerken. Da kann schon mal ein bisschen Bildung hängen bleiben oder auch eine Liebe für ein besonderes Bild entflammen. Zum Nachschauen sind in der Anleitung alle 48 Gemälde namentlich aufgelistet. Für eine Partie empfehle ich aber zu dritt oder mehr Personen zu sein. Nutzt am besten die nachgereichte Regel zum Spielende für ein kurzweiligeres Spiel.

 

Bewertung / Test
+ ein Augenschmaus
+ leichte Regeln
+/- bestrafende Interaktion
– kann sich in die Länge ziehen

 

(Eine Rezension von Oli Clemens)


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Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Familienspiele”

  • ... Altersgruppe bis 12 Jahre
  • ... Altersgruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 70 Jahre
  • ... Altersgruppe ab 71 Jahre

Art Gallery (2023)

Spielidee: Francesco Fritettelli
Grafik: Fiore
Verlag: Piatnik Spiele
Anzahl der Spielenden: 2-6 Personen
Altersempfehlung Verlag: Ab 8 Jahren
Spieldauer: 45-75 Minuten

Generationentauglichkeit: Von den Regeln und dem Kartenmaterial auf jeden Fall. Die kleinen Steinchen können je nach eigener Motorik herausfordernd sein.
Pädagogisch wertvoll: Der Mensch lernt auch durchs Sehen. Und von Meisterwerken der Kunst umgeben zu sein, hat noch niemandem geschadet.