Wenn das Raster kippt – Instinkt: Duell der Tiere von Board Game Circus (Rezension)

Instinkt – Duell der Tiere | Kartenspiel | ab 10 Jahren | 2 Personen | Udo Peise | Board Game Circus

Spielschachtel und Karten

Zwei Wölfe blicken mir vom Cover entgegen. Schwarz auf Weiß. Oder Weiß auf Schwarz. Schon dieser erste Moment sorgt für Irritation. Instinkt wirkt kühl, kontrastreich und fast schon unheimlich. Keine bunten Farben, keine freundlichen Waldtiere, sondern harte Schwarz-Weiß-Flächen, leuchtende Augen und eine Atmosphäre, die an einen unheimlichen Wald erinnert.
Noch bevor die erste Karte auf dem Tisch liegt, ist klar: Dieses Spiel will nicht niedlich sein, sondern auffallen.

Und es möchte vorab eine kleine Warnung aussprechen. Wer unter starker Spinnenangst leidet oder beim Anblick von Schlangen ein ungutes Gefühl bekommt, sollte wissen, worauf er sich einlässt. Die Illustrationen sind stilisiert, aber keineswegs verniedlicht. Selbst in Schwarz-Weiß wirken Spinne und Schlange überraschend intensiv. Für manche mag das zu viel sein – für mich trägt es enorm zur Stimmung bei.

Spielerisch treten zwei Personen gegeneinander an, ausgestattet mit identischen Kartendecks. Zwölf Tiere, einmal in Schwarz, einmal in Weiß. Jede Karte zeigt eine Zahl und eine ganz eigene Wertungsbedingung. Manche Tiere lieben den Rand, andere die Mitte, wieder andere lauern ausschließlich in den Ecken. Der Wolf sucht die Nähe gegnerischer Karten, die Katze bevorzugt den äußeren Bereich, die Spinne wartet geduldig im Eck.

Gespielt wird in ein gemeinsames 4×4-Raster. Klingt übersichtlich – ist es auf dem Tisch auch. Im Kopf hingegen entsteht schnell Spannung. Denn dieses Raster existiert zu Beginn noch gar nicht. Es wächst mit jeder gelegten Karte in unterschiedliche Richtungen. Was heute noch Rand ist, kann am Spielende mitten im Feld liegen. Jede Entscheidung beeinflusst die spätere Struktur der Auslage.

Genau hier beginnt Instinkt, seine Stärke auszuspielen. Lege ich eine Karte früh, obwohl ihre Wunschposition vielleicht nie erreicht wird? Oder nutze ich sie, um das Raster bewusst in eine Richtung zu ziehen, die meinem Gegenüber schadet? Das Spiel zwingt dazu, ständig zwischen kurzfristigem Nutzen und langfristiger Planung abzuwägen.

Besonders spannend sind Tiere, die selbst keine Punkte bringen, sondern das Spielfeld verändern. Der Hirsch verschiebt ganze Reihen oder Spalten. Der Waschbär versetzt bereits gelegte Karten. Und dann ist da noch der Wolpertinger, dieses wunderbar absurde Mischwesen, das einfach fremde Punkte kopiert. Kaum glaubt man, alles unter Kontrolle zu haben, bricht die mühsam aufgebaute Wertungskette wieder zusammen.

Die Zahlen auf den Karten entscheiden darüber, wer zuerst legen darf. Initiative ist Macht. Wer zuerst legt, bestimmt nicht nur den Platz einer Karte, sondern oft auch die Richtung, in die sich das gesamte Raster weiterentwickelt. Ein einzelner Zug kann mehrere gegnerische Wertungen gleichzeitig zerstören – manchmal geplant, manchmal mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

Instinkt lebt von genau diesem ständigen Hin und Her. Von kleinen Gemeinheiten, cleverem Timing und dem Wissen, dass nichts sicher ist, solange die letzte Karte noch nicht liegt. Dabei bleibt das Spiel angenehm kurz. Etwa fünfzehn bis zwanzig Minuten dauert eine Partie, der Aufbau ist minimal, der Platzbedarf winzig.

Ein kleiner Stolperstein ist die Ikonografie. Gerade in den ersten Partien wandern die Blicke häufiger auf die Spielerhilfen oder ins Regelheft. Durch die farbliche Invertierung der Decks kann das Gehirn kurz ins Stocken geraten. Dieses Problem legt sich jedoch schnell und fällt im Gesamtbild kaum ins Gewicht – Grübeln gehört ohnehin zum Spielgefühl.

Instinkt ist kein großes Strategiespiel und will es auch nicht sein. Es ist ein kompaktes, taktisches Duell voller Interaktion, das aus wenigen Regeln erstaunlich viel Spannung erzeugt. Ein Spiel für Reisen, für laue Sommerabende auf dem Balkon oder für den Moment, in dem man zwar wenig Zeit, aber große Lust auf ein echtes Duell hat.

Kartenauslage


Fazit
Instinkt – Duell der Tiere überzeugt durch seine außergewöhnliche Optik, seine hohe Interaktion und das reizvolle Spiel mit einem offenen Raster. Hinter der reduzierten Mechanik verbirgt sich ein überraschend tiefes Taktikspiel, das ständig neue Entscheidungen erzwingt und kaum verzeiht. Wer abstrakte Duelle mit direkter Konfrontation mag und sich gern gegenseitig in die Karten spielt, findet hier ein kleines, fieses und sehr elegantes Legespiel.

 

Bewertung / Test
+ außergewöhnliches und starkes Artwork
+ sehr hohe Interaktion
+ spannendes Ringen um das gemeinsame Raster
+ schneller Aufbau und kurze Spielzeit
+ ideal als Reise- und Absackerspiel
– Ikonografie anfangs gewöhnungsbedürftig
– bei sehr häufigem Spielen begrenzte Varianz

 

(Eine Rezension von Petra Fuchs)

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TRANSPARENZHINWEIS
Für stilistische Überarbeitungsschritte sowie das Lektorat kam nach Erstellung der Rohfassung KI-Unterstützung zum Einsatz. Die Rezension, ihre Argumentation und alle Bewertungen sind eigenständig verfasst.

Instinkt – Duell der Tiere (2025)

Spielidee: Udo Peise
Illustrationen: Dana Peter
Verlag: Board Game Circus
Anzahl der Spielenden: 2
Altersempfehlung Verlag: ab 10 Jahren
Spieldauer: ca. 15–20 Minuten

Generationentauglichkeit: ab 10 Jahren – thematisch unproblematisch, grafisch jedoch bewusst düster gestaltet. Regeln und Material sind sehr zugänglich.

Pädagogisch wertvoll: fördert vorausschauendes Denken, räumliche Orientierung, taktische Planung und den Umgang mit wechselnden Spielsituationen.