Kavango | Familienspiel | ab 10 Jahren | 1-4 Personen | Zara Reid, Matt Brown | Schmidt Spiele

Spiele mit Naturthema sind längst kein Trend mehr, sondern dauerpräsent in den Top-Listen der Brettspiele der letzten Jahre. Flügelschlag, Arche Nova, Mischwald, Parks, um nur einige zu nennen, decken dabei die volle Bandbreite der Komplexität an Spielen ab, selbst Kinderspiele wie Dodo oder Speedy Roll fügen sich hier nahtlos ein. Andere Spiele wie Cascadia, Atiwa oder Wild:Serengeti nehmen sich sogar einer ganzen geografischen Region an. Mit Kavango hat Schmidt Spiele in diesem Jahr einen weiteren Vertreter dieser Gattung herausgebracht, der sich eher im Familienspielsektor ansiedelt. Es ist das Erstlingswerk des Autorenduos Zara Reid und Matt Brown, das im Jahr 2024 bereits im Original bei Mazaza Games erschienen ist.
Das Grundprinzip in Kavango ist einfach: Wir draften in drei Runden jeweils 10 Karten, spielen sie aus, unterstützen mit Geld Naturschutzprojekte und am Ende gewinnt, wer die meisten Punkte über gespielte Tiere und Ziele erreicht. Draften bedeutet, dass wir eine gewisse Anzahl an Karten auf die Hand bekommen, uns eine davon aussuchen und den Rest im oder gegen den Uhrzeigersinn weitergeben. Die Karten sind dabei in drei Arten A, B und C aufgeteilt. A-Karten enthalten sogenannte „Produzenten“ wie Gräser, Bäume, Insekten oder Fische, die bedingungslos in das eigene Reservat gespielt werden können, Tiere aus Deck B benötigen diese Produzenten und ggf. andere Tiere sowie gewisse Fortschritte im Habitats-, Wild- oder Klimaschutz. Die Tiere aus dem C-Deck bringen die meisten Punkte, haben aber entsprechend auch die meisten Voraussetzungen. Um Naturschutzprojekte unterstützen zu können, benötigt man Geld, welches man durch Erfüllen von bis zu vier Zielen je Runde erhält. Am Ende des Spiels erhält man noch zusätzliche Punkte für globale Ziele.
Viele der Elemente aus Kavango sind wohlbekannt: Draften, das Sammeln von gewissen Typen von Karten oder Zielkarten gibt es in vielen anderen Spielen auch. Das, was bei vielen anderen Spielen bisher Spaß gemacht hat, macht auch bei Kavango Spaß. Gerade für Wenigspieler ist es erfrischend einfach zu lernen und dabei in ca. 45 Minuten gut zu spielen. Dadurch, dass man nahezu immer gleichzeitig spielt, entsteht kaum Downtime (Phasen, in denen man auf den Zug der Mitspielenden warten muss). Durch asymmetrische Fähigkeiten der Gehilfen oder persönliche Zielkarten lässt sich das Spiel durchaus variieren und sorgt so für einiges an Abwechslung. Auch thematisch ergibt das Ganze durchaus Sinn: Ich muss zunächst Produzenten in meinem Reservat ansiedeln, ehe ich kleinere und mittlere Tiere unterbringen kann, die wiederum auch als Nahrung für größere Tiere dienen. Ich muss die Tiere vor Wilderei genauso wie deren Habitat (und natürlich das Klima) schützen, damit mein Reservat erblühen kann.
Was aber bei anderen Spielen auch oftmals Probleme bereitet, macht leider auch bei Kavango Probleme. Drafting bedeutet auch, dass meine Mitspielenden mir immer wieder genau die Karten, die ich gerade bräuchte, wegnehmen und so mir die Möglichkeit verwehren, Ziele zu erreichen. Nehme ich mir zu früh eine Karte mit mehreren Bedingungen, lege ich mich eventuell auf einen Weg fest, den ich ob der Auswahl an anderen Karten vielleicht gar nicht mehr gehen kann. Persönliche Zielkarten wirken häufig glückslastig: Ob ich die Tiere, deren Symbole ich für mein Ziel benötige, einerseits auf die Hand bekomme und andererseits dann auch ausspielen kann, ist mehr als ungewiss. Zwar erhält man in Kavango zwei Zielkarten, zwischen denen man sich erst am Ende entscheiden muss, aber dennoch können hier manche Mitspielende einfach mehr Glück haben. Und so kann es sein, dass oftmals schon am Ende der ersten von drei Runden feststeht, wer höchstwahrscheinlich die Partie gewinnen wird. Durch die relativ kurze Spieldauer ist das aber zu verkraften.
Was das Material betrifft, punktet Kavango mit schön gestalteten Tierkarten. Auf dem originalen Cover von Mazaza Games sind die gleichen Abbildungen verwendet worden, auf dem deutschen Cover hingegen wurden die Abbildungen verändert, was etwas unstimmig wirkt. Die Figuren, mit denen man seine Punkte anträgt, sind vier unterschiedliche kleine Holztiere, die allesamt sehr gut ins Thema passen. Die Würfel, die fürs Geld stehen und mit denen man die Schutzprojekte unterstützt, sind vor allem zweckdienlich. Für alle Mitspielenden sind Tableaus dabei, auf denen man bis zu 24 Tierkarten ablegen kann. Diese sind mit unscharfen Fotografien hinterlegt, aber im Grunde verzichtbar, da weder die Anordnung der Tiere eine Rolle spielt, noch die Anzahl. Sollte nämlich der Platz ausgehen, darf man weitere Tiere einfach daneben ablegen. Für Wenigspielende ist das Tableau jedoch eine gute Hilfestellung.

Fazit
Wenn ich nur auf die Mechaniken schauen würde, würde ich mir vermutlich ein anderes Spiel (wie z.B. eine wundervolle Welt oder den Klassiker 7 Wonders) raussuchen, da mir diese als Draftingspiele besser gefallen. Wenn ich ein kurzweiliges Spiel mit Naturthema möchte, das auch noch leicht zugänglich ist, kann ich mir durchaus vorstellen, Kavango wieder aus dem Regal zu ziehen.
Bewertung / Test
+ stimmiges Thema und schöne Illustrationen
+ leicht zu erlernen
+ asymmetrische Fähigkeiten machen das Spiel abwechslungsreich
– teils stark glückslastig
– eine Partie kann schon in der ersten von drei Runden vorentschieden sein
(Eine Rezension von Marco Schanzer)

Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)
ACHTUNG – hier geht es zu unserem YouTube-Kanal:
Spielecafé der Generationen – Jung und Alt Spielt – YouTube
Kommt, wir bauen ein Reservat - Kavango von Schmidt Spiele (Rezension)
Kavango (2024)
Spielidee: Reid, Zara; Brown, Matt
Verlag: Schmidt Spiele
Anzahl der Spielenden: 1-4
Altersempfehlung Verlag: ab 10 Jahre
Spieldauer: 45 – 60 Minuten
Generationentauglichkeit: Die Regeln sind prinzipiell einfach zu verstehen und können größtenteils während des Spielens erlernt werden. Ja!
Pädagogisch wertvoll: Aufbau des Reservats bietet Möglichkeit zur Reflexion.