Planet der Gnümies | Familienspiel | ab 8 Jahren | 2-4 Personen | Markus Mergard | Gnüm GmbH | generationentauglich

Auf Planet Gnüm ist alles ein bisschen anders. Da wuseln skurrile Wesen über bunte Landschaften, Pflanzen haben herrlich bekloppte Namen und irgendwo sitzt bestimmt ein Nervling und kommentiert das Geschehen. Spätestens, wenn man die erste Karte in der Hand hält, ist klar: Hier wollte niemand „noch ein Familienspiel“ machen, sondern eine eigene kleine Welt auf den Tisch bringen.
Schon das Auspacken fühlt sich mehr nach Bilderbuch als nach Kartenspiel an. Fast 300 Karten, jede anders illustriert, dazu Buch im gleichen Stil – man merkt sofort, wie viel Liebe und Zeit in diese Welt geflossen ist. Man blättert, liest Namen, grinst, zeigt Karten herum und ertappt sich dabei, dass man lieber weiter gucken als mit dem Regelnlesen anfangen möchte.
Das Spannende dabei: Planet der Gnümies fühlt sich vom Drumherum her groß und komplex an, vom eigentlichen Spielen her ist es das aber gar nicht. Die Grundidee ist leicht: Karten ziehen, passende Dinge sammeln, diese in Punkte umtauschen, irgendwann ist Schluss und wer die meisten Gnümpunkte hat, ist der gnümste von allen. Dazu kommt ein Würfel, der bestimmt, wie viele Karten ich bekomme, und ein kleines Extra-Minispiel, wenn eine bestimmte Karte auftaucht und mit einer anderen Karte stiften geht. Mehr muss man im Kern gar nicht wissen, um loszulegen – die Regeln sind deutlich einfacher, als der erste Eindruck vermuten lässt.
Am Tisch fühlt sich Planet der Gnümies deshalb vor allem wie ein Wohlfühlspiel an. Es wird gewürfelt, geschnauft, gejubelt, geflucht, Karten werden mit „Guck dir DEN mal an!“ kommentiert, und man freut sich über jede passende Kombination, die man zu Punkten machen kann. Die Entscheidungen sind eher klein: Welche Karte lege ich wohin, wann tausche ich etwas in Punkte, wann hebe ich mir etwas auf. Der Ton ist dabei immer freundlich, albern, leicht – selbst wenn eine Karte geklaut wird, sorgt das eher für Gelächter als für schlechte Stimmung.
Wichtig ist aber: Das Spiel ist sehr glückslastig. Wie schnell ich an bestimmte Karten komme, hängt stark am Würfel und am Kartenglück. Das kleine Häh-Lauffeld ist ebenfalls reine Würfellotterie: Wer schneller im Ziel ist, gewinnt oder verliert eine Karte – fertig. Wer gern plant, optimiert und langfristige Strategien aufbaut, wird hier nicht wirklich gefordert. Wer dagegen etwas sucht, das „einfach so vor sich hinläuft“ und nebenbei für gute Laune sorgt, wird gut bedient.
Spannend – im weniger positiven Sinne – ist die Spieldauer. Offiziell ist das Ganze auf etwa 50 Minuten ausgelegt. Je nachdem, wie die Karten gemischt sind, kann sich eine Partie aber deutlich länger anfühlen. Der Spielschluss hängt daran, wann bestimmte Baumkarten auftauchen. Wenn die sich weit hinten im Stapel verstecken, zieht sich das Spiel erkennbar. Da merkt man dann irgendwann: Die Leichtigkeit, die das Spiel ausmacht, trägt nicht unendlich. An dem Punkt hilft eine simple Hausregel enorm: Statt auf acht gezogene Bäume zu warten, kann man das Ende schon nach fünf oder sechs Bäumen einläuten. Das macht Planet der Gnümies spürbar knackiger und sorgt dafür, dass man hinterher eher „Nochmal?“ als „Puh, jetzt reicht’s“ sagt.
Ein paar Ecken und Kanten merkt man dem Spiel als Produkt einer kleinen Schmiede ebenfalls an. Manche Formulierungen auf den Karten lassen Fragen offen: Darf ich beim Klauen nur Handkarten wählen oder auch aus der Auslage? Was, wenn jemand gar keine Karten auf der Hand hat? Und wie genau soll ich mir eigentlich merken, wer im Laufe der Partie wie viele Karten verloren hat, wenn es dafür am Ende noch Bonuspunkte gibt? Alles nichts Dramatisches – aber Dinge, die man am Tisch entweder per Hausverstand entscheidet oder bei denen man irgendwann sagt: „Wir machen das jetzt einfach so.“
Sehr hübsch ist dafür, wie rund sich das Projekt anfühlt. Planet der Gnümies ist nicht nur ein Spiel, sondern Teil eines größeren Ganzen mit begleitendem Buch und eigener Begriffswelt. Man merkt, dass hier ein kleines Team in Mittelhessen sitzt, das seine Figuren und Orte wirklich liebt, alles von Hand zeichnet und bewusst auf KI-Grafiken verzichtet. Dieses „Herzensprojekt-Gefühl“ schwappt beim Spielen deutlich rüber – und macht viel von dem Charme aus, den das Spiel versprüht.
Zur Zielgruppe: Die Altersangabe ab 8 Jahren ist grundsätzlich okay, wenn Kinder schon etwas Spielerfahrung und Geduld mitbringen. Für eher unkonzentrierte oder schnell frustrierte Kinder würde ich es realistischerweise eher ab 9–10 Jahren einordnen, einfach weil Spieldauer und Materialfülle sonst schnell „zu viel“ sein können. Für Familien, die gern gemeinsam in Fantasiewelten abtauchen und es nicht schlimm finden, wenn mehr gelacht als gerechnet wird, ist Planet der Gnümies dagegen eine stimmige Wahl. Und generationentauglich ist es ebenfalls: friedliche Comic-Fantasy, große Karten, keine winzigen Fummel-Teile – das lässt sich gut auch mit Oma und Opa spielen, sofern alle wissen, dass hier das Erleben der Welt im Vordergrund steht und nicht das große Taktikbrett.

Fazit
Planet der Gnümies ist weniger ein „einfaches Kartenspiel“ und mehr ein Ausflug auf einen liebevoll gestalteten, leicht durchgeknallten Planeten. Die ganz große Stärke liegt in der Welt: den Illustrationen, den Namen, dem Humor, dem Gesamtpaket aus Spiel und Buch. Spielerisch ist es ein leichtes, glücksbetontes Wohlfühlspiel, das niemanden mit Regeln erschlägt, aber auch keine versteckte Kennerspieltiefe bietet.
Wer ein atmosphärisches, buntes, etwas anderes Familienspiel sucht, das man auch einfach mal „so nebenher“ spielen kann und bei dem das Schauen und Kichern genauso wichtig ist wie das Gewinnen, ist hier goldrichtig. Wer dagegen nach kniffligen Entscheidungen und ausgefeilten Mechanismen Ausschau hält, wird auf Planet Gnüm vermutlich nur zu Besuch bleiben und schnell weiterfliegen. Mit verkürzter Spieldauer und ein paar klaren Absprachen am Tisch bleibt für mich aber ein sehr sympathisches Wohlfühlspiel, das vor allem Herzen anspricht, die Lust auf Fantasie, Leichtigkeit und eine eigenwillige kleine Spielwelt haben.
Bewertung / Test
+ grandiose, liebevolle Illustrationen
+ charmantes, in sich stimmiges Universum
+ leicht zugängliche Regeln, schnell erklärt
+ hohes Wohlfühl- und Schmunzel-Potenzial
+ toll in Kombination mit dem Buch / als Gesamtpaket „Welt“
+ generationentauglich, friedlich, freundlich
– sehr hoher Glücksanteil (Würfel, Kartenglück, Häh-Minispiel)
– kann sich deutlich länger anfühlen als angegeben
– manche Karteneffekte nicht ganz eindeutig formuliert
– für Viel- und Kennerspieler:innen auf Dauer zu wenig Tiefe
(Eine Rezension von Petra Fuchs)

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TRANSPARENZHINWEIS
Für stilistische Überarbeitungsschritte sowie das Lektorat kam nach Erstellung der Rohfassung KI-Tools zum Einsatz.
Die Rezension, ihre Argumentation und alle Bewertungen sind eigenständig verfasst.
Planet der Gnümies (2025)
Spielidee: Markus Mergard
Illustrationen: Axel Mergard, Markus Mergard, Kingcoma
Verlag: Gnüm GmbH
Anzahl der Spielenden: 2–4 Personen
Altersempfehlung Verlag: ab 8 Jahren
Eigene Altersempfehlung: ab 9–10 Jahren, je nach Spielerfahrung
Spieldauer: ca. 50 Minuten (mit Hausregel gern kürzer)
Generationentauglichkeit: Sehr gut – das Material ist groß und freundlich, das Thema gewaltfrei und der Anspruch niedrigschwellig. Ideal für gemischte Runden, die etwas Leichtes mit viel Atmosphäre suchen.
Pädagogisch wertvoll: Im klassischen Sinn eher indirekt. Fantasie, Sprachfreude und Kreativität werden angeregt, dazu ein wenig Frustrationstoleranz beim Umgang mit Würfelpech und geklauten Karten. Der Fokus liegt aber klar auf Spaß und Atmosphäre, nicht auf Lernzielen.