
Arkane Runen, dunkle Flüche, glimmernde Kristalle – Das Geheimnis der Tempel lockt mit mystischer Atmosphäre. Doch sobald ihr spielt, wird aus Fantasy schnell pure Strategie. Willkommen in einem Spiel, das taktisches Denken über Abenteuer-Romantik stellt.
Kristalle sammeln, Flüche brechen
Das Szenario klingt verlockend: Ihr wandert zwischen Wildnis und Tempeln umher, sammelt Kristalle auf euren Wegen und verbindet sie in eurem persönlichen Kristallgitter. Mit jeder Kombination gebt ihr dunklen Flüchen Kontra – fünf gebrochene Flüche, und das Spiel endet. Siegpunkte winken, Runen (Sprüche) auch.
Das Mechanische: Ihr bewegt euch im Kreis, geht Schritte, sammelt farbige Kristalle. Diese müsst ihr dann auf eurem Tableau puzzeln – und hier wird’s knifflig. Sie müssen zusammenhängend, verbunden sein, sonst könnt ihr sie später nicht einsetzen, ein faszinierendes Puzzle-Element. Dazu dann noch die Bewegungsmechanik des Kreislaufs als zweites Mechanikelement.
Strategie schlägt Thema
Hier die unbequeme Wahrheit: Die mystische Verpackung ist schnell vergessen. Es geht nicht um „Fluchbrecher in antiken Ruinen“, sondern um „Welcher farbliche Kristall passt wo auf mein Tableau?“ Die Thematik verblasst zur Kulisse.
Dafür lebt das Spiel von knallharter Strategie. Das Wichtigste: Nicht auf die gleichen Kristalle wie deine Mitspielenden sparen! Wer breit aufgestellt ist und mehrere Pläne im Kopf hat, siegt. Ein Notfallplan ist Gold wert. Du musst deine Gegner einschätzen können. Was planen die anderen?
Die Sprüche sind Trumpf
Für jede Tempelentfluchung gibt es einen Spruch: Sprüche zu nutzen, gibt euch unfassbare Vorteile. Seht also zu, schnell an Sprüche zu kommen. Eine kleine Übersichtstabelle über die Spruchwirkungen wäre hilfreich gewesen. (Tipp: Macht euch schnell selbst eine!)
Das Dilemma
Quantität oder Geschwindigkeit? Sparst du deine Kristalle für 8 Punkte, oder holst du dir schnelle 5 Punkte? Diese Entscheidungen machen das Spiel aus.
Aber Achtung: Die Extrasiegpunkte am Ende sind oft spielentscheidend. Wer sie aus den Augen verliert, wird nicht gewinnen. Mehrmals haben sie den Sieg entschieden – vergesst sie also nicht bei eurer Planung.
Material & Gestaltung
Das Positive: Die grafische Gestaltung ist charmant, die haptischen Kristalle fühlen sich gut an, und der Kreis-Aufbau ist elegant. Das ist Handwerkskunst.

Fazit
Das Geheimnis der Tempel ist ein strategisches Spiel mit mystischem Anstrich – mehr Denken als Abenteuer. Wer Puzzle-Mechaniken mit taktischen Entscheidungen mag, wird begeistert sein. Wer tiefe Thematik erwartet, wird enttäuscht. Die Kristall-Puzzel sind clever, die Kreisbewegungs-Mechanik simpel, aber effektiv, und die Sprüche belohnen Durchblick. Ideal für Strategen, die ihre Gegner lesen können und gerne mehrere Pläne jonglieren. Empfehlung: Mehrmals spielen, um die Tiefe zu erfassen!
Bewertung / Test
+ elegante Kreismechanik
+ taktisch tiefgründig
+ haptische Komponenten
+ schöne Grafik
+ Tableau-Puzzle ist clever
– Thematik verblasst schnell
– Spruch-Erklärungen wären nett
– Extrapunkte nicht liegen lassen
(Eine Rezension von Andrea Kamphake)

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Das Geheimnis der Tempel (2018)
Spielidee: Wei-Ming Ling
Grafik: Maisherly Chan
Verlag: Nice Game Publishing GmbH
Anzahl der Spielenden: 2-4 Personen
Altersempfehlung Verlag: ab 10 Jahren
Eigene Altersempfehlung: ab 10 Jahren
Spieldauer: 20-40 Minuten
Generationentauglichkeit: nein
Pädagogisch wertvoll: nein